Archiv | Januar, 2013

KREUZWORT(WECHSEL) am 14.01. mit GAUSE, VOIGT und ALBAN NIKOLAI HERBST

8 Jan

Begrüßung, semi-witziges Parlando, Wetter, tagesaktuelles Geplänkel, die Wulffs/Augstein, popkulturelle Referenz, jetzt endlich der Hinweis auf den nächsten Kreuzwort-Abend:

Am 14. 01. 2013 im Damensalon in der Reuterstraße 39, wie immer müsst ihr 3€ Eintritt bezahlen (der nicht in unsere Taschen fließt), wie immer legen wir nahe, ab 20h einzutrudeln, um noch gemütlich Kaltgetränke zu konsumieren und des Anfangs der Veranstaltung zu harren, die von u.g. Personen bestritten wird:

Romina Voigt und Moritz Gause bringen auch mal Jutebeutel (der wie jeder gute Jutebeutel aus Baumwolle besteht) mit ISBN unters Volk. Einfach, weil sie da Bock drauf haben. Straight outta Jena betreiben die beiden Wortwechsel und versprechen, junger Literatur in Thüringen ein Forum zu geben. Jetzt kommen sie nach Berlin – is doch schon so’n bisschen zynisch!? Was würden Kraftklub dazu sagen? (Hoffentlich nichts.) Aber keine Angst, Thüringen: Die sind nur zu Besuch, um hier zu lesen und zu representen. Die habt ihr bald wieder. In der Zwischenzeit dürfen wir uns eben an ihnen erfreuen. Ge? No!

Und die beiden bringen auch gleich jemanden mit. Der kümmert sich sonst vornehmlich um sein(en) Blog und straft mit seinem literarischen Projekt das Deppenfeuilleton* Lügen, wenn dieses mal wieder den Status erlabern will und drauf hinweist, dass sich Literatur noch nicht so recht ins Netz traut – und das seit übrigens 2004. Alban Nikolai Herbst befindet sich seinem letzten Eintrag zufolge bereits in Berlin und nahm um 20.33h eine S-Bahn (die bestimmt um 19.23h Abfahrt gehabt hätte – voriges Jahr. Mit Zielrichtung BER.). Wir begrüßen ihn recht herzlich, freuen uns auf ihn, Romina und Moritz und euch!

*Zugegeben: Das passiert theistischer Entität sei Dank selten.

 

Romina Voigt, 1985 im Thüringer Wald geboren. Studierte in Jena Literaturwissenschaft und Philosophie. Preisträgerin des Jungen Literaturforums Hessen‐Thüringen. Zusammen mit Moritz Gause Organisatorin der »ESP – Sprunghafte Lesereihe Weimar« und der »Lautschrift«‐Lesereihe in Jena. Seit 2011 ebenfalls mit Gause Leitung des Veranstaltungs- und Vernetzungsprojektes „Wortwechsel – Junge Literatur Thüringen“. Veröffentlichung von Gedichten in Zeitschriften und Anthologien. Im Dezember 2010 erschien ihr Debütbändchen »hemma« bei der Literarischen Gesellschaft Thüringen in Weimar.

Einen Steinpilz, eine Taubenklaue

als Konrad gehäutet wurde
legte Martin mir
einen Steinpilz
auf die Fensterbank
eine Taubenklaue, eine halbe
Tube Putzi
ließ er mir da
als Martin verschwand
aß ich allein in meinem Schrank
die Zahnpasta

Moritz Gause, 1986 in Berlin; 2006-2012 Studium der Kunstgeschichte und Literaturwissenschaft in Jena. Dreimaliger Preisträger des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen; 2011 Auszeichnung mit dem hr2-Literaturpreis. Gemeinsam mit Romina Voigt Organisation der Jenaer Lesereihe Lautschrift, der ESP – Sprunghafte Lesereihe Weimar und seit 2011 Konzeption von Wortwechsel – Junge Literatur Thüringen (Veranstaltungen, landesübergreifende Vernetzung). Im Dezember 2012 erscheint das schmale Debütbändchen „Cahn-Ingold-Prelog-Konvention“.

Nach einer Lesung

in fremder Stadt um den Bahnhof streunen
die nackten Trambahngleise entlang
in die leerstehenden Ladengeschäfte linsen
abends, bei Mc Donalds in den Bahnhofspassagen
billig geschminkte Großstadtmädchen, wenn noch Zeit bleibt
nach draußen gehen auf eine Zigarette
und zwei, drei Worte wechseln mit dem Bahnhofspersonal
– Na, heut spät geworden, gell?
– Danke, ja, schönen Feierabend noch!
– Ach, danke, dauert noch…
– Na, ich muss auch noch fahren, Stunde.
– Na!
– Na…

später in den Zug steigen, der bereitgestellt
auf niemanden wartet, nicht mal
auf die Abfahrt, ein Ziel habe ich
wenn der Zug auf halber Strecke ist
zu wissen, dass Du wartest aber, auch schlafend
ist schön

zwischen Blondierten und Schwarzgefärbten mit Asti
und den biertrinkenden Typen, die auch
auf jeden Kleinstadtbahnhof passen, zwischen Zeitplan
und Nichtstun und den Businessmenschen im eingebildeten Stress
das ist ein bißchen wie Freiheit
kurz nach 11 Uhr abends, nach einer Lesung
in fremder Stadt

Alban Nikolai Herbst wurde nach einigen Auslands- und Gefängnisaufenthalten 1981 als Ghostwriter für Hans Erich Deters mit dem Prosabändchen „Marlboro“ geboren. Da war er 26 Jahre alt. Unterdessen gilt er als Verfasser von sieben Romanen und ein paar Erzähl- und Gedichtbändchen, sowie zahlloser Kurzgeschichten, Polemiken, Kritiken, Poetologien und poetischer Features.

Alban Nikolai Herbst ist Mitglied des P.E.N.-Zentrums der Bundesrepublik Deutschland. 1995 erhielt er den Grimmelshausen Preis und den Rom-Preis der Villa Massimo, 1999 den Phantastik-Preis der Stadt Wetzlar. 2000 Writer in Residence an der Keio-Universität Tokio, 2006 Jahresaufenthalt in der Villa Concordia Bamberg, 2007 Berufung auf die Poetik-Dozentur der Ruprechts-Karls-Universität Heidelberg.

Wir haben zu töten verlernt.

Wir haben zu töten verlernt
den Buhler aus der Schale zu brechen

das Leben fährt rechts, oder links,
in den Ländern der Demokratie

streift das haftende Fleisch
vom Rechen, der rächte

stellvertretend die Terrarienkunde
ein Grundrecht von Fröschen

die, ermüdete Flatschen, erwarten
daß aus dem dröhnenden Schachtelchen

ein fernes Geschwader der Panik
als Futter zu ihnen hereinkippt.

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