Archiv | November, 2010

Am Dienstag (30.11.): Lesung der FixpoetInnen in der Lettrétage

29 Nov

Morgen Abend liest Birgit Kreipe (die wir am 8.11. als unseren Gast begrüßen durften) mit Julietta Fix, Marianne Rieter und Johann Reißer aus ihren Fixpoetry-Leseheften und unveröffentlichten Texten.

Dienstag, 30. 11. 2010

Beginn: 19.30 Uhr

Eintritt: 5 Euro

In der Lettrétage, Methfesselstraße 23-25, Berlin

http://www.lettretage.de/

http://www.fixpoetry.com/

Auf mittlerweile 24 Ausgaben kommt die 2008 begründete Lesehefte-Reihe, die, in der Aufmachung einem Oktavheft nachempfunden, nicht nur ein bibliophiles Kleinod darstellt. Es erscheinen jeweils drei Hefte im Quartal, welches das Geschehen in der modernen Lyrik abbilden hilft. Zahlreiche namhafte Lyrikerinnen und Lyriker haben in den Leseheften oder im begleitenden Poetryletter bereits publiziert. Wir freuen uns, gleich vier von Ihnen im Haus präsentieren zu können.

Julietta Fix, 1957 in Würzburg geboren, lebt heute in Hamburg. Nach einer kaufmännischen Ausbildung war sie hauptsächlich im Produktmanagement und im Online-Bereich tätig. Heute ist sie die Herausgeberin des Online Literaturportals FIXPOETRY.

Birgit Kreipe, geboren und aufgewachsen bei Hildesheim, studierte in Marburg, Wien und Göttingen und arbeitet als Autorin und Psychotherapeutin in Berlin. Ihre Gedichte wurden in Zeitschriften und Anthologien veröffentlicht, zuletzt in Die Schönheit ein deutliches Rauschen. Sie ist Mitglied im Forum der 13.

Marianne Rieter, geboren 1959, lebt in Winterthur. Nach der Ausbildung zur Kauffrau war sie in den unterschiedlichsten Bereichen tätig. Sie arbeitet heute im Head Office eines Großkonzerns in Zürich. Ihre Gedichte wurden hauptsächlich im Internet veröffentlicht.

Johann Reißer, geboren 1979 in Regensburg, lebt in Berlin. Derzeit Kollegiat am Graduiertenkolleg „Lebensformen und Lebenswissen“ mit Promotionsprojekt. Finalist beim open mike 2008. Projektleiter des Poets’ Corner 2010. Veröffentlichung von Lyrik, Prosa und Essayistik in Anthologien, Online-Projekten und Zeitschriften.

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Am Sonnabend (27.11.2010): Finissage VERLAUST + ZUGEKLEBT

24 Nov

Der gute Martin Lechner, der uns am Montag bei KREUZWORT beehrte, liest am Sonnabend zusammen mit Aljoscha Brell im Rahmen der Finissage der Ausstellung ´verlaust+zugeklebt´:

Am Sonnabend, den 27. 11. 2010

Um 19 Uhr

In der Herrfurthstraße 1

12049 Berlin-Neukölln

U8 Boddinstraße.

(Beim Kinderarzt klingeln!)

 

Natürlich gibt es ein Video:

… und einen Flyer (klick, klick):

Heute Abend in der Sing-Akademie bei der Liedertafel:

23 Nov

NIHILUM ALBUM

Liedertafel mit Oswald Egger (Dichter), Harald Muenz (Komponist),
Barbara Kind, Judith Kamphues, Volker Nietzke, Martin Schubach (Vokalquartett)

Der Dichter Oswald Egger liest aus seinem Nihilum album: 3650 Nichtstandard-Liedern, „die von dort, woher die Kinder kommen, ins Diesseits kassibern: Zinkblumen (nihilum album) aus Erde und Rede, Priameln und Schnaderhüpferln“.

Zur Uraufführung kommt das Chorstück „bum al lumhini“ (2010) des Kölner Komponisten Harald Muenz.

Die Dichter, Sänger und Gäste der Liedertafel denken bei Wein und Käse über das Egger‘sche Lied-Wesen nach:

„Singen, tönern
ist es gut,
Pfoten-Mond
lebendere Blitze.“

23. November 2010, 21:15 Uhr
Villa Elisabeth, Invalidenstr. 3, Berlin

Der Eintritt ist frei.

www.sing-akademie.de


Mehr zum fünften KREUZWORT-Abend am Montag (22.11.) im Schatzi Neuberg

17 Nov

Unser nächster KREUZWORT-Abend am Montag, dem 22. November 2010 hat einiges zu bieten:

Zu unserer fünften Veranstaltung dürfen wir Martin Lechner, Georg Leß, Roman Israel und Tobias Roth im Schatzi Neuberg begrüßen. Begleitet werden sie vom guten Lorenz und seinem Saxophon.

Wer sich diese grandiosen Gäste nicht entgehen lassen möchte, der kommt am Montag (22.11.) vorbei. Wir beginnen pünktlich um 20.30h im Schatzi Neuberg (Kottbusser Straße 13, zwischen den U-Bahn-Stationen Kottbusser Tor und Schönleinstraße). Der Eintritt beträgt 2 Euro.

UND NUN MEHR ZU UNSEREN GÄSTEN:

MARTIN LECHNER (1974) veröffentlichte in Literaturzeitschriften.

Letzten Winter

Der Schnee, den Daisy tagsüber aus den Wolken fegte, wurde im blauen Abendlicht von einer Unzahl düster seufzender Räumfahrzeuge nirgends hingeschoben als allein auf die artig an die Straßen geschmiegten Radwege unserer Stadt. Oh, geschwärzter Höhenkamm, den niemand mit einer Flagge bezwingt, auf der die roten Lettern leuchten: Nichts! Nur eine Frau und ein Mann und ein Meer von Blut vergossen! Wer aber nachts, weil er vor den Maschinen auf der Straße sich fürchtet wie ein Mensch, strampelnd auf die Gehwege schwenkt, wird willkommen geheißen von der lächelnden Blitzgefrorenheit des Grauens. Gefahr! Jetzt muss der Lenker hin und hergerissen werden, jetzt muss gehört der Hase Adkins werden, ein Liedchen längst zerflockter Sommerlichkeiten, jetzt muss getreten werden in die Pedale, so stramm, dass die Reifen durchdrehen wie der Verstand, der Verstand über die Vögel, ach, die ringsum in den splitternackten, spindeldürren, kohlenschwarzen Bäumen wirr piependen Vögel, die nicht in den Süden geflohen sind, um erlöst von dir, nur von dir, meine Liebe, über die Strände zu hüpfen.

Erschienen in: Segeblatt

GEORG LEß (1981, Neheim) wohnt in Berlin. Er veröffentlichte Lyrik und Prosa in Literaturzeitschriften und Anthologien. Auch verfasste er weitere Texte zu und in Horrorfilmen.

Auszug aus einem Liebes- und Phantomroman

Lebendig und zu Hause angekommen stolperte ich als erstes über die ausgestopfte Bestie, wobei sie den gesamten Flur entlang rutschte. Es lösten sich einige Zähnchen, sprangen klacklacklack über die Dielenbretter, sowie ein längliches Knochengebilde, das bei späterer Inspektion nirgends zu fehlen schien. Damenbesuch sollte es bald sachkundig als Baculum identifizieren.

Ein breiter, rehbrauner Nubukledergürtel führte 68 Zentimeter um sie herum. Wobei ich mich in diesen Dingen gern verschätzte. Das, was sich da in meinem Hirn wie eine Urwaldschlange zusammengerollt hatte, war kein Maßband, sondern ein Verlangen.

Wenig später geschah der bereits angedeutete Zimmerbrand, kam es zum besagten Wasserschaden, in jedem Tropfen eine Rußgalaxie. Sie sah dabei zu, so weiß und still. Als es Blasen warf, schmolz, ihre Augenfarbe und Staatsangehörigkeit. Das alles musste ja einmal ein Ende finden. Warum nicht meins?

ROMAN ISRAEL (1979, Löbau) lebt als freier Autor in Dresden und Leipzig. Seine Texte kombiniert er mit Fotos, Grafik, Film, Musik. Einige seiner Texte wurden in Zeitschriften und Anthologien veröffentlicht, u.a. in: Neubuch. Neue junge Lyrik. Hg. Ron Winkler. (Yedermann Verlag 2008) und Sax Royal – Eine Lesebühne rechnet ab. (Verlag Voland & Quist 2010). Darüber hinaus ist er Mitglied der Dresdner Lesebühne Sax Royal.

Eichhörnchen

und da komm

ich in den Park

und da steht: das

Eichhörnchen

und in seiner

Hand: der Skalp

eines toten Kindes

und da kommt

eine Frau, die sagt:

„Och, wie niedlich!“

und wirft ihm

neunzehn Cent

vor die Füße

TOBIAS ROTH (1985, München) studierte Literaturwissenschaften und Kunstgeschichte in Freiburg i.Br. und Berlin. Veröffentlichungen in Anthologien und Zeitschriften (u.a. Kalliope, Allmende, Zeichen&Wunder, außer.dem, Literatur in Bayern, Goethe-Jahrbuch) und im Internet (u.a. http://www.fixpoetry.com). Zahlreiche Auftritte bei Lesebühnen, PoetrySlams und Literaturfestivals. Organisation von Lesungen und Ausstellungen. Freier Musik- und Literaturkritiker (u.a. für http://www.klassik.com und Die Berliner Literaturkritik). 2008 2. Platz des Paula-Rombach-Preises für den Einakter Matroska (Gemeinschaftsarbeit mit Monika Koncz). Preisträger im Essay-Wettbewerb der Goethe-Gesellschaft in Weimar 2007 und 2009. 2010 Stipendiat des Mannheimer Mozartsommers, Nachwuchsautor der Literaturstiftung Bayern im Rahmen des Festivals LiteraturUpdate2010. Derzeit Stipendiat der Autorenwerkstatt Prosa des Literarischen Colloquiums Berlin.

Epitaph für Breguet und uns

vos, aeterni ignes, et non violabile vestrum

testor numen

– Aeneis, II,154

Mit dem Blick in das völlig leere Blau eines Himmels

Ziehen Winkel und Zahl über die Drehung herauf.

Bald ist die Nacht gepflügt und Tierkreise werden geerntet.

Diese Zeit soll herab, unter die Füße gelegt,

Zwischen die Stirnen gespannt, bis die Linien durch uns

Laufen, wieder Natur, der unser Beten gefällt.

Wilde, kreiselnde Frucht des Tourbillon: bei der Unruh:

Wo Zitronen noch blühn: dunkel Orangen noch glühn:

Ausgleich, der sich nicht hält: entgegen der luftigen Schwere:

Scharfe Gärung der Zeit: gegen den schwankenden Fluss:

Jeder Schritt in Grenzen der Genauigkeit abge-

Zählt: das Laufen des Kosmos mit den Händen erhofft.

Wenn ich den Ast in tote Erde stecke und plötzlich

Wächst der Flieder, wird Baum, Blüte und Wald, wächst die Angst.

Auf das Ixionrad, den Zirkel unter Ikonen,

Legt der ordnende Traum unsere Schläfen und singt

Von der Stille, die es nicht gibt, den Gestirnen.

Donnerstag Lettrétage + unbedingt kaufen: Freie Radikale Lyrik

9 Nov

Zuallererst: Danke für den schönen und proppevollen Abend gestern, sowohl an die Gäste wie auch die Lesenden. Fotos folgen selbstverständlich.

Nicht in eigener Sache, dafür aber ebenfalls fantastisch wird es am Donnerstag den 11.11. um 19.30h in der Lettrétage.

Zu Gast sind dort die Herausgeberin der randnummer, Simone Kornappel und Andre Rudolph, dessen Erstlingswerk Fluglärm über den Palästen unsrer Restinnerlichkeit natürlich sehr zu empfehlen ist.

Die beiden widmen sich im Rahmen der Reihe Datenschreiber einem Thema, über das wir sie am besten selbst zu Wort kommen lassen:

„peeka // 11.11.1951, salt lake city, „… and this year it’s thursday“ // kim peek lieferte die inspiration für den film „rain man“. ein autist, wie ihn dustin hoff mann letztlich verkörperte, war er aber nicht. peek gilt als einer der bekanntesten menschen mit savant-syndrom, einer inselbegabung, die bei ihm so enorme fähigkeiten mit sich brachte, dass sein vater ihm den kosenamen „kimputer“ gab […] warum kims word für bastard aber beethoven lautet, we’ll see // peeka“

Überzeugend genug, um die 5€ aufzubringen und sich am Donnerstag in die Methfesselstraße 23-25 in die Lettrétage zu begeben, denn wen das bisher noch nicht gänzlich verführt hat, der kann sich vor Donnerstag ja mal fix die neue luxbooks-Anthologie freie radikale lyrik. 13 dichter vor ihrem ersten buch besorgen und da mal auf den Seiten 50-57 Simone Kornappels Gedichte über Körperwelten und koreanische Menschenroboter lesen – oder auch mal weiter drin rumblättern, neben unter anderem Thien Tran (der eher nach seinem ersten Buch, aber das ist ja irrelevant) und Richard Duraj sind in dem Band noch weitere lohnenswerte Wortarbeiter versammelt. Wer in Japan lebt und denkt, er käme leider nicht in den Genuss, liegt falsch: Freie Radikale gibt’s slbstverständlich auch beim japanischen Amazon. Von Tokyo bis zur Lettrétage ist es dann allerdings doch etwas weit – ein Jammer, sonst würden wir uns da am Donnerstag Abend sehen. バイバイ!

Mehr zum KREUZWORT-Lyrikabend am Montag (08.11) im Schatzi Neuberg

4 Nov

Unser nächster KREUZWORT-Abend am Montag, dem 8. November steht ganz im Zeichen der Lyrik:

Zu unserer vierten Veranstaltung dürfen wir Ruth Johanna Benrath, Bettina Hartz, Birgit Kreipe und Simon Godart im Schatzi Neuberg begrüßen.

Wer sich diese grandiosen Gäste nicht entgehen lassen möchte, der kommt am Montag (08.11.) vorbei. Wir beginnen pünktlich um 20.30h im Schatzi Neuberg (Kottbusser Straße 13, zwischen den U-Bahn-Stationen Kottbusser Tor und Schönleinstraße). Der Eintritt beträgt 2 Euro.

UND NUN MEHR ZU UNSEREN GÄSTEN:

RUTH JOHANNA BENRATH (1966, Heidelberg) studierte Germanistik, Philosophie und Geschichte in Heidelberg. Danach arbeitete sie als Lehrerin und als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachbereich Geschichts- und Kulturwissenschaften und am Fachbereich Erziehungswissenschaften an der Freien Universität. Im Jahr 2001 war sie Endrundenteilnehmerin beim „open mike“ der Literaturwerkstatt Berlin. Im Jahr 2004 promovierte sie, danach wandte sie sich wieder dem literarischen Schreiben zu. Sie veröffentlicht in Zeitschriften und Anthologien und arbeitet an Kunstprojekten. 2007 erschien „Kehllaute“ (Lyrik und Kurzprosa) im Lunardi-Verlag. Im gleichen Jahr erhielt sie ein Arbeitsstipendium des Berliner Senats. 2008 folgten drei Arbeitsstipendien u.a. das Döblin-Stipendium der Akademie der Künste. 2009 veröffentlichte sie ihren Roman „Rosa Gott, wir loben dich“ im Steidl Verlag. 2011 wird ihr zweiter Roman „Bald Wimpern aus Gras“ im Suhrkamp Verlag erscheinen. Am 8. November wird Ruth Johanna Benrath Lyrik lesen.

SELBSTBILDNIS
für Elke Erb

ich kann lesen, ich kann
schreiben ich kann nieseln

meine Zungenklemme meine
Zungensperre meine Maulschraube

meine Augenkrume aus Salz und
Zucker, mein Traumzuckerchen

ich kann sitzen, meine persönlichen
Flöhe, meine Sitzhöcker

meine Mundart, balzend
meine Schluckaufe meine Vielstimmerei

mein Glühen mein Emporholen mein
Schwadronieren mein Ritt auf dem Delphin

mein Untertauchen mein Hervorschnellen

BETTINA HARTZ (1974, Berlin) studierte Germanistik, Musik- und Theaterwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin. Seit 1998 arbeitet sie als freie Autorin und Literaturkritikerin (u. a. „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“, „Die Zeit“, „Der Freitag“, „Literaturen“). Sie schreibt Drehbücher, Theaterstücke und Prosa, seit 2009 auch Lyrik. 2006 war sie Stipendiatin Prosawerkstatt des Literarischen Colloquiums Berlin. Literarische Veröffentlichungen im Lunardi Verlag sowie in Zeitschriften („Edit“, „plumbum“, „oda“). Derzeit arbeitet Bettina Hartz an einem Buch übers „Radfahren als Lebensform“ (DVA, Herbst 2011) und ihrem ersten Roman „Rot ist der höchste Ernst“. Diesen Montag wird sie Lyrik lesen.


TIERGARTEN- (GROSSER STERN)

Weiche weißgraugrüne Eichblattunterseiten wie
Wehtänze im Sechsachteltakt Großer Walzer vorm
Orientokzidentreichmirdiehandmeinbauchhände
hochmesserraustamburinhandynotruf ja Gott ist
mein Zeuge einigen wir uns auf Hammelfleisch
spieße gegrillt wenn die Grillen zirpen am Abend
Kindergeschrei und salam aleikum grüßt schöner
zurück im Dar al-Harb der Nachbar wie im Frieden
von Eisenburg der kein Frieden war nur ein Still
leben von Waffen zweischneidiger Diplomaten
geschenke für die Rüstkammern der Ungläubig
glaubenden die nackt im Gras die eigene Haut
rösten sowjetrot jeder sein eigener Selbstmord
attentäter mit Strandlaken und Kühltasche unter
den Augen der Nike vom Großen Sternenbanner
barfüßige Melek Heil dir werden wir Futur II ge
zeichnet sein Ölschiefer im goldenen Siegerkranzler
kostüm unter den sandigen Sedimenten der Spree

-FOTOGRAFIE

ich habe es alles hier sagt er und klopft auf die Kamera
ich habe es alles hier sage ich und klopfe gegen die Stirn

Osterglockengelb Narzissenweiß ich stelle mir vor
wie du dieser Tage durch den Tiergarten gehst
dein Garten im Hyazinthenblau

weißt du welcher Chip das Licht besser verwandelt
auf dem Weg in den Speicherkartenraum
mehrstufengefiltert
100 Synapsenterabyte von sensorisch-motorischen Feldern betört
abgelegt als passwortgeschützte Erinnerung
den verweigerten Zugriff lockert erst ein olfaktorischer
Bote der das Bild aus seiner Selbstumarmung löst
die Dunkelkamera beschickt mit chemisch-elektrischem Signal
das ins Wort verwandelt entwickelt fixiert auf Papier
sichtbar wird als schwarzweißer Weltabzug vom Leser self
kolorierte Kontaktkopie

BIRGIT KREIPE (Hildesheim) studierte Psychologie und Germanistik in Marburg, Wien und Göttingen. Seit 1994 arbeitet sie als Psychotherapeutin und Autorin in Berlin. Ihre Kurzprosa und Gedichte sind in vielen Zeitschriften und Anthologien erschienen (wie ostragehege, lauter niemand, mit Catherine Hales in washington square). Im Juni 2010 erschien als Einzelveröffentlichung wenn ich wind sage, seid ihr weg (fixpoetry – leseheft 20). Birgit Kreipe ist Mitglied im „forum der 13“. Sie wird am 8. November ebenfalls Lyrik lesen.

schneewittchen. revisited.

schneewittchen. das gute an ihr:

man kann sie vergiften

schütteln, sie wacht wieder auf.

mal tanzt sie auf sieben hügeln

dann löscht die nacht sie aus

wie man eine schneekugel

vom nachtisch fegt. da liegt sie.

die ganze weisse pracht

schmilzt wie pulver

und es ist wieder klar

wer die dunkle, strenge schöne ist.

aber ein morgen, irgendeiner

voller apfelnachbilder

voller kammhaare

und apfelreste

bringt sie zurück.

irgendwann.

solange liegt sie auf eis

sie passt zu uns:

man kann sie auftauen

und wieder einfrieren.

sieben kühlschränke

geben uns recht

ihre kehle ein bach

ihre zunge auf der zunge

wie guter wein

ihr herz, königinnenart

verdirbt nicht so schnell

SIMON GODART (1989, Saarburg) schrieb Reportagen und Kommentare in lokalen Zeitungen, nahm an Poetry Slams teil (Open Ohr Festival Mainz) und war Sänger und Gitarrist in Punk/Noise-Gruppen. 2008 zog er nach Berlin und arbeitete seitdem in zahlreichen Arbeitskreisen (u.a. „Von Ende zu Ende; Sonette“, 2010). Seit 2009 studiert er Philosophie und Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der FU Berlin. Seit 2010 veranstaltet er die Reihe „Dichterfest Junge Literatur im Vortrag“. Auch Simon wird am Montag Lyrik vortragen.
http://www.simongodart.com/

Sangwende.
Wiederkehrende Bänder, die
nur binden, niemals heilen.
Zwischen den Farnen
nach jeder Blüte
unter den Kräutern
ist eines, das stillt.

Wundsommer
endlich entkleidet, es
zeigt sich die Blöße
an längeren Tagen,
es geht, nach der Zählung, ein
Wachsen durchs Land.

Nachtschwärmer
sind auf der Flucht, so wie
du auf der Jagd bist.
Du zerrst deine Beute
an schneeweißen Zähnen
zur Heilung.

Südwinde
mäste sie an
deinem Atem
zu einem Orkan
der sich Weg bricht
durch mich.