Archiv | Oktober, 2010

Unser vierter KREUZWORT-Abend am 8.11. wird lyrisch

31 Okt

Mit vier grandiosen Lyrik-Gästen:

RUTH JOHANNA BENRATH

BETTINA HARTZ

BIRGIT KREIPE

SIMON GODART

Musikalische Unterstützung folgt!

Die Vorfreude ist groß!

Mehr Infos zu den Autoren inklusive Textproben bald hier!

Zu uns:

KREUZWORT ist die neue Off(ene) Lesebühne im Schatzi Neuberg in Berlin-Kreuzberg.

Von Lyrik, Prosa, Drama, Slam-Poetry bis hin zu essayistischen Texten – jeden 2. und 4. Montag im Monat sorgen sowohl namhafte als auch noch unbekannte Autoren für Gesprächsstoff. KREUZWORT ist ein Non-Budget-Projekt, das sich Experimente erlauben kann und auf rege Beteiligung setzt.

WIR DEBÜTIEREN NOCH IMMER:

Am: 8. Oktober 2010
Beginn: 20.30 Uhr
Eintritt: 2 Euro

Im: SCHATZI NEUBERG
Kottbusser Straße 13 / Ecke Fraenkelufer
(U1/U8 Kottbusser Tor / Schönleinstrasse)
Berlin-Kreuzberg

Jeden 2. und 4. Montag des Monats.

Kontakt unter:

Facebook

kreuzwort.berlin@googlemail.com
https://kreuzwortberlin.wordpress.com/

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Mehr zum dritten KREUZWORT-Abend am Montag (25.10.) im Schatzi Neuberg

19 Okt

Am Montag, dem 25. Oktober ist es bereits zum dritten Mal wieder Zeit für KREUZWORT:

Bei diesem Lesebühnen-Abend lesen Markus Henrik, Bettina Hartz, Hannes Köhler und Minna Hartl. Musikalische Unterstütung kommt von Adam Sikora (Mundharmonika) und Dirk Funke (Gitarre). Berlins bestes Bluesduo wird den Abend begleiten und ausklingen lassen und ist schon allein den Besuch im Schatzi Neuberg wert.

Wer sich diese grandiosen Gäste nicht entgehen lassen möchte, der kommt einfach am Montag (25.10.) vorbei! Wir beginnen pünktlich um 20.30h im Schatzi Neuberg (Kottbusser Straße 13, zwischen den U-Bahn-Stationen Kottbusser Tor und Schönleinstraße).

UND NUN MEHR ZU UNSEREN GÄSTEN:

 

MARKUS HENRIK (1982 Ruhrgebiet) ist Radiokolumnist (u. a. WDR-1LIVE). Im Frühjahr 2007 veröffentlichte er auf YouTube sein Video „Rot”, in der Nachfolgezeit entstehen das Aktionsvideo „Einkaufen 2017” sowie „Zahltag”. Der Debüt-Roman des „Rockkabarettisten 2.0” ist ein Manifest der Rache der Praktikanten: „Copy Man“ (Eichborn Verlag, Hörbuch bei Tacheles!) wird demnächst sogar von der Blindenstudienanstalt in Braille übersetzt. Henrik veröffentlicht außerdem eine gleichnamige Vlog-Serie im Netz. Am Montag werden wir ihn fragen, ob es wirklich sein kann, dass auch Praktikanten Rechte haben.

www.markushenrik.de

www.myspace.com/markushenrik

Copy Man (Auszug aus dem Roman)

»Herr Kiewicz, sie hören mir noch zu?«
Der Personalleiter Kremer riss mich unsanft aus meinem Tagtraum, in dem ich meine Festanstellung schon einmal vorfeierte.
»Nochmals meinen herzlichen Glückwunsch! Bevor alles unter Dach und Fach ist, steht ihnen allerdings noch eine zweiwöchige Probearbeit bevor. Unvergütet.«
Wie bitte? Nachdem ich mich innerlich bereits grenzenlos gefreut hatte, nach den vielen Versuchen und der langen Zeit des Wartens einen Job zu bekommen, war also doch noch ein Haken an der ganzen Geschichte.
»Drei Leute sollen zwei Wochen lang arbeiten. Aber nur einer bekommt dann den Job. Sind dann nicht die zwei ausgeschiedenen Bewerber hinterher kostenlose Arbeitskräfte für ihre Firma gewesen?«
Ich war von mir selbst überrascht, diese kritische Frage gestellt zu haben. Die vorausgegangen 15 Minuten hatte ich nämlich recht still im viel zu weichen Sessel vor dem dunkelbraunen Schreibtisch des Personalleiters gesessen.
»Schauen sie. Natürlich wird von allen in dem Zeitraum der volle Arbeitseinsatz erwartet, aber sie lernen ja auch von uns. Das ist eine reine Win-Win-Situation.«
Ja klar, Win-Win. Für seine Firma und ihn persönlich. Das Grinsen der beiden Kinder auf dem Familienbild auf der Fensterbank wurde hämischer. Der Menschenfänger Kremer rückte meine Bewerbungsunterlagen pedantisch zurecht und blickte mich erneut erwartungsvoll an. Anstatt in sein Gesicht schlug ich in seine Hand ein und nahm das Angebot an.

BETTINA HARTZ (1974, Berlin) studierte Germanistik, Musik- und Theaterwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin. Seit 1998 arbeitet sie als freie Autorin und Literaturkritikerin (u. a. „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“, „Die Zeit“, „Der Freitag“, „Literaturen“). Sie schreibt Drehbücher, Theaterstücke und Prosa, seit 2009 auch Lyrik. 2006 war sie Stipendiatin Prosawerkstatt des Literarischen Colloquiums Berlin. Literarische Veröffentlichungen im Lunardi Verlag sowie in Zeitschriften („Edit“, „plumbum“, „oda“). Derzeit arbeitet Bettina Hartz an einem Buch übers „Radfahren als Lebensform“ (DVA, Herbst 2011) und ihrem ersten Roman „Rot ist der höchste Ernst“, aus dem sie am Montag auch lesen wird.

Rot ist der höchste Ernst (Auszug aus dem Roman)

Hast du schon gegessen?, fragte Hans unvermittelt, wie er es immer tat, wenn ihm ein Thema zu groß, zu allumfassend, zu gefährlich erschien, wenn er befürchtete, dass ich fragte, und was meinst du konkret?, worum geht es denn hier zwischen euch, diesen Männern und dir?, oder wenn er merkte, dass ich ins Nachdenken versank, seine Worte nicht mit dem, worauf er sie bezog, sondern mit ganz anderem, Näherliegendem, zwischen ihm und mir Liegendem verband, (…) absolute Sicherheit, was meinte er damit?, Sicherheit geht ja nur ganz und gar, wie Liebe, wie Treue, was ist denn halbe Sicherheit oder ein Viertel, ein Achtel?, aber nie weiß man, ja, Hans, wie recht du hast, von wo einem die Gefahr zuwächst, man ist auf der Hut, lauert im Kreis, und dann, ja, kommt sie, wer denkt schon daran, von oben, und man wird erstickt einfach so, wie eine Kerze, die ein nasser Finger auslöscht. Aber dass jemand nichts hat, das gibt es doch nicht, jeder hat doch etwas, ist doch etwas, sagte ich und sah Hans an, aber er ignorierte meinen Einwand und fragte, weil ich nicht geantwortet hatte, noch einmal, wollen wir essen?, und ich dachte, seine diplomatische Natur erlaubt es wieder einmal nicht, straight forward zu gehen, sicher haben diese Papierezuträger an alles gedacht, nur nicht daran, ihm mal ein Wiener Schnitzel mit Kartoffelsalat anzurichten, hast du Hunger?, sagte ich also, was möchtest du?, und stand auf, aber er sah mich an, n’ayez pas peur, streckte dann die Hand aus und zog mich wieder zu sich hinunter aufs Sofa, n’ayez pas peur, vous n’avez rien à craindre, strich mir übers Gesicht, über den Hals, die Schultern, und es durchschauerte mich, denn seit Wochen, seit dem Ausbruch seiner Krankheit hatte Hans mich nicht berührt, ne me touchez pas! ne me touchez pas!, und er beugte sich nach vorn und küsste mich, n’ayez pas peur, vous n’avez rien à craindre, unsere Lippen bissen sich ineinander fest, saugten Luft, Speichel, Bitterkeit aus dem Mund des anderen, während unsere Hände wie im Fieberwahn die Kleider vom Körper des anderen streiften, zerrten, rissen, und unsere Küsse wie Bisse in die Schulter, den Hals, die Brust des anderen, der sagt, wenn man ihn fragt, sei still, und von dem man nicht gefragt werden will, weil man nichts weiß, zu viel weiß, je ne veux pas le dire, je ne peux pas le dire, und nun sprachen, weil wir keine Worte mehr hatten, unsere Körper, die sich nach Zärtlichkeit sehnten und voller Hass waren, und wie das Gewitter, das sich draußen entlud, so unsere Schläge, Tritte, Bisse, ich griff mit beiden Händen in sein Haar, ich schlug ihn ins heiße Gesicht, auf die Schultern, die Brust, ich kratzte ihn, würgte ihn, ich packte seinen Kopf, bog ihn nach hinten, nach unten, schlug ihn aufs Kissen, wieder und wieder, nahm seinen Körper in die Klammer meiner Beine und presste ihm die Rippen zusammen, hieb auf seine Brust, seine Arme, stieß ihn mit den Knien, mit den Füßen von mir, ne me touchez pas!, ne me touchez pas!, und die ganze Zeit sahen wir uns an aus kalten Augen, er ließ es geschehen und wehrte sich, er rang mit mir, packte mich an den Haaren, den Brüsten, stemmte sich auf meine Arme, bog meine Schenkel auseinander, presste sie auf die zerknüllten zerfetzten Zeitungen, die unter uns lagen, an unseren schweißnassen Körpern klebten, dass ich mich nicht mehr bewegen konnte, und er drang in mich und war in mir, und sein Griff wurde lockerer, denn ich gab nach, gab unter der Bewegung seiner Lenden nach, ich beugte den Kopf nach hinten, ich schloss die Augen, meine Beine hoben sich, umschlossen seinen Leib, der sich halb aus meinem löste und wieder in ihn eindrang, wieder und wieder, und ich schob mich ihm entgegen, saugte ihn in mich, Bauch an Bauch, Brust an Brust, Stirn an Stirn, Schoß an Schoß, und ein Wimmern kam aus mir, mir selbst so schauerlich fremd, als wäre es einem Tier entfahren, je suis perdue, halb ohnmächtig vor Erschöpfung sanken wir ineinander aufeinander und schliefen wie Tote, ein, zwei Stunden, bis der schmerzende Protest unserer gequetschten abgeschnürten Glieder überstark wurde und uns weckte, und als wir uns voneinander lösten, wussten nur noch sie etwas von unserem Kampf, zerschunden, müde lagen wir nebeneinander ausgestreckt auf dem zerwühlten Zeitungslager, hörten den Regen, der dem wütenden Gewitter gefolgt war, hörten auf sein sanftes Strömen, mit geschlossenen Augen, in Traurigkeit gehüllt.

HANNES KÖHLER (1982, Hamburg) studierte Neuere deutsche Literatur und Neuere / Neueste Geschichte in Berlin und Toulouse. Im November 2003 Mitbegründer der Berliner Literaturgruppe und Lesebühne „Die Lautmaler“. Seitdem regelmäßige Lesungen in zahlreichen Berliner Cafés, Bars und Theatern. 2008/2009 Veranstalter der Lesereihe „lautSCHRIFT“ für junge Literatur. Seit 2010 Mitveranstalter der Lesereihe „Schoenegeisterschau“ (www.schoenegeister.de). 2008 Teilnehmer am Heiner-Müller-Kolleg für Literatur an der Freien Universität Berlin. Teilnehmer an der „Autorenwerkstatt Prosa 2009“ des Literarischen Colloquiums Berlin. Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien (u.a. „Macondo“, „Belletristik“ und „Sprache im technischen Zeitalter“). Hannes beehrt uns mit der Premiere seiner Kurzgeschichte „Der Bruch“.

Der Bruch (Auszug aus der Kurzgeschichte)

Das Problem war, dass Jonas es nicht hören konnte, dass diese hündische Seite, die der Junge auf dem Fußballplatz vor über zehn Jahren aus ihm hervorgetreten hatte, für seine eigenen Ohren stumm blieb.

Sein Vater, der immer auch sein Trainer gewesen war, von Anfang an, hatte ihn aufgenommen, mit einem Rekorder, hatte seinem Sohn das eigene Jaulen und Winseln vorgespielt. Er saß ihm am Küchentisch gegenüber, unter der tief hängenden Lampe mit dem gehäkelten Schirm, und sagte: ein Hund.

Und Jonas dachte: Ein Hund, ja, ein Hund. Das leise Jaulen, auch das Knurren, waren die Geräusche eines Tieres.

Das bin ich nicht,

sagte er, die Augen fest auf das rote Gesicht des Vaters gerichtet,

das kann ich nicht sein.

Und der Vater schlug mit beiden Händen auf den Tisch, dass sein Bierglas einen Satz nach vorne machte und etwas Schaum auf die Tischdecke tropfte. Er brüllte

Jetzt reicht’s mir aber!

und

Ich lass mich doch nicht verarschen!

Dann stand er auf, stürmte aus der Küche und schlug die Tür hinter sich zu. Jonas hörte seine schweren Schritte auf der Treppe ins Obergeschoss. Jetzt geht er ins Schlafzimmer und sagt es ihr, dachte er. Dass ihr Sohn ein Verrückter ist. Er wartete, griff das Bierglas des Vaters und zog es zu sich herüber, stippte mit dem Zeigefinger in den schwindenen Schaum und probierte. Der Finger schmeckte auf eine prickelnde Art bitter. Er stellte sich vor, dass so die dunklen Hängeschränke der Küche, die Platzdecken und Porzellanfiguren schmecken würden, wenn er sie essen könnte.

Er wartete auf seine Mutter, drückte die Rewindtaste auf dem Rekorder, bis die kleine Kassette klackte, das Band am Anfang war und er wieder „Play“ drücken konnte. Er lauschte, hörte erst nur das regelmäßige Einziehen und Ausstoßen von Luft, dann ein Geräusch, das man anfangs für ein Schnarchen hätte halten können, bis es anschwoll, rollender wurde, kehliger. Ein Knurren, dachte Jonas, das ist wirklich ein Knurren. Aber er konnte nicht an sich selbst denken, nur an das Bild seines Vaters, wie er vorsichtig die Tür zum Zimmer seines Sohnes öffnete, in das dunkle Zimmer lauschte. Das Licht des Flurs malte einen hellen Steg in den Raum, von dem aus sein Vater den Sprung in den Schatten wagte, sich dem Bett näherte, vorsichtig, nicht auf Zehenspitzen, aber doch vorsichtig. Schließlich blieb er stehen, den Rekorder in seinen zittrigen Händen, hielt ihn in Richtung des Deckenberges, aus dem die seltsamen Geräusche hervordrangen, und drückte auf „Record“.

Jonas stand auf, ließ das Band laufen, nahm das Bierglas und schüttete es in die Spüle, wusch es anschließend mit Wasser und Bürste aus und stellte es in das Trockengitter. Als er sich die Hände getrocknet hatte und sich umdrehte, stand seine Mutter in der Tür, so plötzlich, als sei ihre kleine Gestalt aus dem Holz des Rahmens gewachsen. Sie hielt die Hände vor ihrer blumigen Schürze gefaltet und sah ihn an.

Für einen Moment war es still, nur das leise Rattern des Rekorders und das Jaulen vom Band füllten den Raum. Dann machte seine Mutter einige hastige Schritte zum Tisch und drückte die Stopptaste.

MINNA HARTL (1979, Weilheim in Oberbayern) schreibt seit mehreren Jahren Kurzgeschichten und veröffentlicht in Literaturmagazinen, zuletzt in der Zeitschrift Belletristik. Sie gewann einen Literaturpreis der KHG im Raum Würzburg und nahm bei einer Lesung für eine Jugendsendung des Bayerischen Rundfunks („Bavarian Open Word“) sowie im Herbst 2009 am Literaturwettbewerb des Zeit-Campus-Magazins teil (Shortlist der besten 21 Beiträge). Derzeit studiert Hartl im Masterstudiengang „Deutschsprachige Literatur“. Sie schreibt für verschiedene Veranstaltungsmagazine und Fanzines und absolvierte verschiedene Praktika, u.a. im Bereich Journalismus und im Kreuzberger Literaturhaus Lettrétage gemacht.

Minna wird am 25. Oktober Kurzgeschichten lesen.

Die Erfindung von Maral (Auszug aus der Kurzgeschichte)

In der Dämmerung rücken wir an, geföhnt, erwartend, mit bierpumpenden Herzen, bahnen unseren Weg durch Kaugummi und Schmutz, segnen den Asphalt unter unseren Füβen und lachen geradeaus, lachen eine dünne Schicht der Verbrüderung über unsere Angst. Es ist nicht weiter schlimm, nichts tut weh. Ganz hinten in der Kehle, ein kleiner Winkel voll Bitterkeit. Ich setze die Flasche erneut an. Ich drehe mich. Ich bin ein Dichter, wenn ich trinke. Durch den Mund ziehe ich mir Fladenbrot, Salat, die Sesamsauce läuft über und über und über meine Jacke. Heute Abend. In unserer Welt kein Kopfschmerz. Keine Fragen, wo gehöre ich hin, wir gönnen uns Aufschub. Ertränken und lachen, es gibt hier keinen Horizont mit Silberstreif, also keinen neuen Morgen und unsere Nacht, Verlängerung, Ausbeutung von einem gewissen Irgendwann, das wir nicht kennen, nicht kennen wollen, so tänzeln wir durch die Häuserschluchten. Im Geheimen, im Süβen, im Stillen kennen wir einander, meinen wir einander, haben uns noch nicht aufgegeben. Ich fresse und saufe. Fluch und Segen des Spätkaufs, wir lauern, wir Monster. Trinkt die Flasche mich. Wenn ich jetzt falle, bedeutet das, ich habe zuviel. Wir gehen weiter zur Haltestelle. Klara hat Freunde aus Düsseldorf mitgebracht. Sie laufen einfach mit. Heute schlafe ich mit dir und morgen mit deinem Freund und übermorgen gibt es uns nicht mehr. Ich denke, sie wollen einen der neuen Clubs besuchen. Auf unseren Displays leuchten die Ikonen. Drücken mitleidig, doch nachsichtig ein Auge zu. Ich lasse mich mittreiben, egal wohin. Und Maral sitzt zu Hause, bäckt Kuchen mit Feigen oder sieht die Wiederholung von Wetten Dass in ihrem kleinen Zimmer, das mit Teppich ausgelegt ist. Ich gedenke ihrer, esse noch mehr Falafel, breite unsinnige Gedanken vor einem der Düsseldorfer aus. Im Herz gibt es für mich nur den Samstag. Wir fallen von einem Club in den nächsten, bis wir nicht mehr können, bis die Nacht nicht mehr weiter ausgesaugt werden kann, genau bis zu dieser Grenze. Wenn Maral heute unterwegs wäre, in diesen Straβen, in solch einer aus dem Ruder laufenden Nacht, wir würden uns ohnehin nicht erkennen. Wir würden wie Treibgut, das ein zufälliger Windstoβ erfasst hat, aneinander vorüber driften, meine Maral und ich. Vielleicht hat sie meinen Weg längst schon gekreuzt.

KREUZWORT bereits zum dritten Mal am 25. Oktober

16 Okt

Mit folgenden grandiosen Gästen:

MARKUS HENRIK.praktikanten-prosa

BETTINA HARTZ.romanprobe

HANNES KÖHLER.kurzgeschichten-premiere

MINNA HARTL.prosa

Musikalische Unterstützung:

ADAM SIKORA UND DIRK FUNKE.blues

Die Vorfreude ist groß!

Mehr Infos zu den Autoren inklusive Textproben bald hier!

Zu uns:

KREUZWORT ist die neue Off(ene) Lesebühne im Schatzi Neuberg in Berlin-Kreuzberg.

Von Lyrik, Prosa, Drama, Slam-Poetry bis hin zu essayistischen Texten – jeden 2. und 4. Montag im Monat sorgen sowohl namhafte als auch noch unbekannte Autoren für Gesprächsstoff. KREUZWORT ist ein Non-Budget-Projekt, das sich Experimente erlauben kann und auf rege Beteiligung setzt.

WIR DEBÜTIEREN NOCH IMMER:

Am: 25. Oktober 2010
Beginn: 20.30 Uhr
Eintritt: Spende von 0,1-1000 Euro

Im: SCHATZI NEUBERG
Kottbusser Straße 13 / Ecke Fraenkelufer
(U1/U8 Kottbusser Tor / Schönleinstrasse)
Berlin-Kreuzberg

Jeden 2. und 4. Montag des Monats.

Kontakt unter:

kreuzwort.berlin@googlemail.com

Facebook-Event: http://www.facebook.com/#!/event.php?eid=165242760154441

Heute Abend (17. Oktober): Schoenegeisterschau im Duncker mit Volker Surmann u.a.

16 Okt

17.10.2010 | 20:00 Uhr | Dunckerclub

Texte: Lea Streisand, Jacinta Nandi und Volker Surmann
Musik: Gunnar Zander (Send More Cats)
Ort: Dunckerclub, Dunckerstr. 64, 10439 Berlin

www.schoenegeister.de
www.dunckerclub.de

„Wenn das mal nicht ein lustiger Abend wird! Neben Lea Streisand und Jacinta Nandi, die beide schon ein paar Gastspiele im Dunckerclub gegeben haben, ist Volker Surmann zum ersten Mal mit dabei. Gemeinsam lesen sie aus neuen Texten und erzählen von Flusspferden, erotischen amerikanischen Politikerinnen und Brüsten im Frühling. Oder auch nicht. Denn es wird ja Herbst.

Außerdem Premiere im Dunckerclub feiert Gunnar Zander, der normalerweise mit seiner Band “Send More Cats” zu bestaunen ist, jetzt aber zum ersten Mal auf akustischen Solopfaden wandelt und den Abend musikalisch ummantelt.

Mehr zu den Damen und Herren findet ihr unter:
www.volkersurmann.de
www.myspace.com/leastreisand
www.jacinta-nandi.de
www.sendmorecats.de

(http://www.facebook.com/#!/event.php?eid=150570821634120)

Mittwoch in der Lettrétage: Thien Tran & Norbert Lange

12 Okt

Nach einem sehr schönen zweiten KREUZWORT-Abend wollen wir nun auf eine ebenfalls sehr vielversprechende Veranstaltung hinweisen:

Am Mittwoch, dem 13.10. lesen Norbert Lange und Thien Tran in der Lettrétage in Berlin-Kreuzberg.

Tran ist im Moment Stipendiat des LCB, hat mit „fieldings“ einen wundervollen Debütband veröffentlicht und ist auch in der erst kürzlich erschienen Anthologie Freie Radikale Lyrik vertreten.

Norbert Lange ist natürlich ebenfalls kein Unbekannter – sein neuester Band Das Geschriebene mit der Schreibhand bietet „Lyrik und Poetologie zum Anfassen“.

Genug Gründe also, um Mittwoch der Methfesselstraße 23-25 einen Besuch abzustatten.

Einlass ist um 19.30h, Eintritt sind 5€.

Weitere Infos gibt es natürlich auf http://lettretage.de/.

Die Videos von unserer ersten Veranstaltung sind online!

9 Okt

Nicht vergessen: Am Montag sind wir wieder im Schatzi Neuberg zu Gast: u.a. mit neuer (!) Lyrik von LUTZ STEINBRÜCK! (alle Infos siehe im Post unten)

TOM BRESEMANN

LEA SCHNEIDER

TRISTAN MARQUARDT

Mehr zu unserem zweiten KREUZWORT-Abend am Montag (11.10.) im Schatzi Neuberg

7 Okt

Am Montag, dem 11. Oktober ist es wieder soweit:

Bei unserem zweiten Lesebühnen-Abend lesen Lutz Steinbrück, Milena Oda, Martin Spieß und Can Penstanli. Sie werden musikalisch von Charles Sammons unterstützt, der seine Zuhörer mit Cello und Kontrabass zu begeistern vermag.

Wer sich diese grandiosen Gäste nicht entgehen lassen möchte, der kommt einfach am Montag (11.10.) vorbei! Wir beginnen pünktlich um 20.30h (Einlass: 20 Uhr) im Schatzi Neuberg (Kottbusser Straße 13, zwischen den U-Bahn-Stationen Kottbusser Tor und Schönleinstraße). Der Eintritt erfolgt auf freiwilliger Basis.

UND NUN MEHR ZU UNSEREN GÄSTEN:

LUTZ STEINBRÜCK (1972, Bremen) schreibt Lyrik, Artikel für Print- und Onlinemedien über Kultur, Medien und Bildung und macht Musik mit der Indie-Rock-Band „Nördliche Gärten“. Einzelveröffentlichungen von Gedichten in Zeitschriften wie poet, Belletristik, Ostragehege und randnummer und in Anthologien wie Versnetze 3 oder Deutscher Lyrikkalender 2011. Im September 2008 erschien sein erster Lyrikband „Fluchtpunkt:Perspektiven“ im Lunardi Verlag (Berlin). Sein zweiter Band wird im Herbst 2010 im Verlagshaus J. Frank veröffentlicht.

http://www.poetenladen.de/lutz-steinbrueck.htm

Lutz kommt mit neuer Lyrik zu uns ins Schatzi Neuberg.

leicht gesagt

bitte nehmen Sie
ihr Leben doch
nicht zu persönlich

wenn da jeder kommen würde
wo kämen wir, Sie wissen schon

tagein und aus
solche Dinge in den Wind
wie deutsche Wirtschaft,
das Amen dieser Kirche

der Klang der irren Worte
die in Fetzen den Bürgersteig hinab-
wehen in Rätseln

türmen sie sich auf, neben
deinem Fahrrad, wohin
wollen sie denn wachsen
und für wen

ist dieser Tellerrand eine Option

 

 

 

MILENA ODA (1975, CZ) schreibt Prosa, Lyrik, Essays und Theaterstücke. In diesem Jahr wurde sie mit ihrem Theaterstück „Mehr als Meer“ zu „Neue Stücke aus Europa“ nach Wiesbaden eingeladen. Wettbewerbsteilnahmen (u.a. bei den 31. Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt) und Stipendien sowie Veröffentlichungen in Anthologien und Zeitschriften. Ihr Prosadebüt, das Künstlerbuch „PIQUADRAT“, erschien 2007 als bibliophile Ausgabe im Verlag Buchenpresse Dresden.

www.milenaoda.com, www.facebook/milenaoda

Milena wird an diesem Abend ebenfalls Lyrik lesen.

 

Als ob

Jetzt musst du zwischen diesen zwei Weinen nur einen für den Abend auswählen. Wähle einen aus, stoßen wir aufs Neue an… auf das Sein im Da, auf die Zukunft!

Das Gewitter kommt, kommt das Unwetter? Du, du machst es zugrunde, you are quiet but devastating storm! Mein Porzellanladen ist zerstört. Ich mache ihn zu, ich räume täglich nach deinem Besuch auf, aber es wird nie sauber, solange du da bist, als Besucher, als Gedanke…

Ich muss alles löschen.

Ich muss aufräumen!

Grob. Wer hat die Schlacht und wer den Krieg gewonnen?

Derb mache ich die Tür zu, obwohl du doch lieb bist, obwohl ich dich lieben könnte, das weiß ich, das weißt du, aber nicht so, vom Mund über den Tisch unter den Teppich kehren, dass alles gut ist, ist nicht! Man lebe sein Leben nicht wie ein Mythos von Liebe und Tot. Ich will wieder Leben lieben…

Vergessen, retten, was möglich ist, wenn ich lösche, als ob ich gegen dich stundenlang stünde.

Verwundet bin ich nicht, bereichert! Jetzt entrinne ich aber… vorher lächeln, als ob alles schön wäre…

Ja, nur den einen Wein genossen wir… Jetzt musst du einen anderen auswählen, man will sich nicht erinnern, der neue Geschmack der Weinsorte. Neu will man sein. Wir wehren uns, neu zu sein, es muss aber sein.

Nach dem Abend entrinne ich, berauscht tut man es schneller, das wissen wir schon…

Jahrhundertstunden sind verflogen, und ich bin immer noch nicht neu, man löscht die Gedanken, die vorher das Schöne hatten. Darauf bin ich stolz, ich tue es möglichst schnell, mit Vernunft, ohne Sentimentalität. Es sieht trotzdem wie ein Begräbnis aus.



MARTIN SPIEß (1981) schreibt Prosa und journalistische Texte u.a. für Literatur- und Musikzeitschriften. Seit Sommer 2008 macht er deutschsprachigen Indie-Pop-Rock als „VORBAND“. „So weit bin ich noch nicht“ ist sein erstes Buch.

www.martinspiess.com

Martin hat für KREUZWORT sein erstes Buch „’So weit bin ich noch nicht’. Eine-Heath-Ledger-Geschichte“ im Gepäck.

 

Zum Inhalt (Zitat: Birnbaumverlag):

Alles begann mit einer Zigarette. Julie wollte nur kurz zu dem kleinen Kiosk, runter auf die Straße gehen, Zigaretten kaufen. Dass direkt vor ihrem Toilettenfenster ein Film gedreht wird, interessiert sie nicht. Ohnehin lag Mary, ihre Mitbewohnerin, ihr schon ständig in den Ohren, wegen dieses Jungschauspielers aus Hollywood. Sie verstand diesen Hype nicht – noch nicht.

Als sie rauchend rüber zum Filmset schaute, passiert es – ER spricht sie an und fragt, ob er eine Zigarette bekommen könne. Da rauchen sie, reden ein bisschen. Am nächsten Tag die gleiche Szene. Julie, diesmal hat sie Mary mitgebracht, und er stehen auf der Straße und rauchen Zigaretten. Abends sitzt er in ihrer kleinen Küche, sie essen Pasta, trinken Wein, unterhalten sich fast wie alte Freunde. Es ist ein schöner Abend. Vor allem er genießt die Atmosphäre. Irgendwann geht er nach Hause, schließlich muss er am nächsten Tag seinen Flieger nach New York bekommen.

3 Tage nach ihrer ersten Begegnung versteht Julie „die Skurrilität der Situation, die Sprachlosigkeit, die die Präsenz eines Hollywoodstars auslöst“. Es ist Dienstag, der 22. Januar 2008 als sie von dem Tod des Schauspielers erfährt. Kaum, dass eine fast freundschaftliche Beziehung begonnen hatte, fand sie bereits ein jähes Ende. Nun stehen Julie und Mary vor der unbeantworteten Frage, die sich zwangsläufig all denen stellt, die die jemanden an den Tod verloren haben: Was nun?

 

 

 

CAN PESTANLI ist Mitglied im Lyrikzirkel „g13“. Schrieb in der Schweiz für das Theater und arbeitet nun an seinem ersten Buch.

http://gdreizehn.wordpress.com/

Am Montag wird er Lyrik lesen.

 

* * * behlül amcama

Als ich in der Küche stand unter Neonlicht begann das Gedicht

nebenan saßen die Hühner von Mohammed (so nennt mein Vater sie)

mein Brief vor drei Jahren schaffte es nicht bis zu Post

ich versuchte das mit der Familie genau zu sagen

aber später verschwand er unter Papieren, diesmal nicht

deine Adresse hat sich zwar grundlegend geändert, aber Menschen fliegen, Wörter

fliegen

du bist im Oktober abgehoben, die Umgebung von deinem Herzen wurde zu eng

daraufhin bist du gegangen

die Notärzte wollten noch deinen Pass sehen

man weiß ja nie, das Herz eines Illegalen?

hätten sie gewusst, dass du deutsche Panzer gebaut hast, ihre Gesichter

wären so rot geworden wie ihre Jacken

– ab dann war es still

der Fernseher lief weder im Wohnzimmer noch in der Küche

die letzten vier Tage bist du bei demselben Sender geblieben, er hieß

bleiben sie bei uns, nehmen wir an, das sie gehen möchten

der Indikator, ein ziehender Schmerz im linken arm

hat dir nichts gesagt, so was wie eine Bildstörung wahrscheinlich

oder du warst erleichtert, endlich der passende Sender, nicht mehr umschalten

die ganze Anlage im Wohnzimmer war neu, der neue LCD-Fernseher

die Recorder, die Boxen und auch die Schrankwand

in der Vitrine standen die Gläser auf weißen Servietten

in der Mitte vom Wohnzimmer saß auf dem Thron die Mutter

neben ihr die Köpfe der Neugeborenen groß ist mein Glück, in ihm habt ihr Platz

aus diesem Reich führen nur wenige Wege, der Rest ist Schweigen

oder ein verlorener Kopf, oder mehrere, der Rest ab dem Hals ein Freund von damals

das Losungswort der Vererbung, vielleicht kann man auch das aussitzen

das könnte möglich sein, wenn der Himmel ohne Rührung steht

oder man kann gehen, nach dem 7. Spieltag, wenn es auf dem Sofa nicht mehr geht

vor ein paar Jahren, beim Abschied nach einem Besuch, war deine Stimme anders

als hättest du sie mir ins Ohr gelegt

und dann leuchtete mir ein, warum dich deine deutschen Panzerbrüder Billy nannten

(die Gewerkschafterin erzählte das am Grab) Billy schützt und Billy meint es gut

insgesamt war ich eine Woche bei euch bzw. bei uns

und öfters fiel der Satz, Blut ist dicker als Wein, was heißen sollte, wir

hier, um den Sofatisch versammelt, sind in der Umlaufbahn desselben Blutes

also am gleichen Tropf, was heißen sollte

es gibt auch andere Geschichten, für Bier und Wein

aber das hier, auf der Couch, ist der Stamm

und dann kam mir Nietzsche in den Sinn (er wird auch hier geschätzt)

Man ist am wenigsten mit seinen Eltern verwandt, heißt es bei Ecce Homo

wie passt das zusammen mit dem Blut?

was geht mich das an, ich lebe heute!

wäre wahrscheinlich die Antwort gewesen (was sehr nach Nietzsche klingt)

du hast am Ende eine andere Umlaufbahn gewählt

auf der Suche nach neuen Vätern wahrscheinlich

was will ich dir sagen?

einen guten Rutsch, natürlich

und aufgewärmte Muskeln, beim Sprung von Mars zu Jupiter