Archiv | März, 2011

So viel Literatur, so wenig parallele Persönlichkeiten: Lettrétage, J. Frank, Milena Oda und ParlandoPark

30 Mrz

Es kommt irgendwann für jeden der Moment, in dem er eingestehen muss, dass er Harry Potter gelesen hat. Meistens, wenn er vor der Wahl steht, drei gute Veranstaltungen an einem Abend zu besuchen und grummelt, dass man so ein nützliches magisches Gerät bräuchte wie Hermione Granger. Das lässt einen für einen bestimmten Zeitraum (so gut hab ich’s dann doch nicht gelesen, hust hust) in der Zeit zurückreisen und macht es so möglich, gleichzeitig an zwei Orten zu sein, Parallelpersönlichkeiten zu haben.

Das Ding hätten wir gerne für Freitag, den 1. April, denn da konkurrieren in Berlin einige feine Angebot. Handeln wir das alphabetisch ab:

Freitag: 1. Hugo Ball – Der magische Bischof der Avantgarde in der Lettrétage

Michael Braun, Norbert Lange, Karl Piberhofer und Bärbel Reetz bitten zur Teilnahme an einer literaturhistorisch-dichterisch-biogiraphisch-onomatopoetischen Karawane. Nicht nur um Hugo Ball werden sich die vier kümmern, sondern auch um seine Lebensgefährtin Emmy Ball-Hennings.

Das klingt gut genug, um sich 5€ Eintritt in die Methfesselstraße 23-25 mitzunehmen. Wer schnell genug losgeht/-fährt ist dann auch um 19.30h pünktlich da. Jolifanto bamblatastisch!

Freitag: 2. Buchpremiere von Milena Odas „Nennen Sie mich Diener“ im Club der polnischen Versager

Eigentlich ist sie ja Tschechin und alles andere als eine Versagerin, aber lassen wir das mal so durchgehen. Da die Veranstaltung um 21h losgeht, könnte man es von der Lettrétage vielleicht noch bedingt pünktlich in die Ackerstraße 168 schaffe, um Milena mit ihren sage und schreibe sechs Mitakteuren zuzuschauen und -zuhören.

Danach gibt es noch ein Diener, äh, DJ-Set. (Absolutes Kalauerverbot jetzt!)

Freitag: 3. Blickdicht lieben die Stare in der Z-Bar

KREUZWORT-Veteranen Tom Schulz und Lutz Steinbrück geben sich ebenfalls ab 21h in der Bergstraße 2 die Ehre, was dann je nach Bonität 3 oder 5€ Eintritt kosten wird.

Samstag: Parasitenpresse stellt sich in der Lettrétage vor

Am Samstag, dem 2. April fällt uns gerade nur ein place to be ein: Wieder die bezaubernde Lettrétage, in welcher ab 19.30h für 5€ die parasitenpresse ihre Aufwartung macht. Das heißt Texte satt von Timo Berger, Adrian Kasnitz und Angela Sanmann– und sie lesen nicht nur ihre eigenen! Ab in die Methfesselstraße 23-25!

Sonntag: Ben Lerner und: In memoriam Alexej Parschtschikow

Im Soupanova in der Stagardener Straße 24 stellt das Qualitätsteam Hendrik Jackson/Steffen Popp nicht Ben Lerner (in Fleisch und Blut) vor, sondern gedenken auch Alexej Parschtschikow. Kostet nix€ Eintritt und man sollte ab 20h da sein.

KREUZWORT am 28.03. mit: RICHTER, TRAXLER, STEINBUCH

23 Mrz

Wenn dann erst mal sowohl die fußplättende Buchmesse wie auch das Dichterfest04 + der g13-Abend wohlbehalten überstanden sind, heißt es für uns erst mal: Heimkehren.

So überraschend wie es schloß, so überraschend öffnet das Schatzi Neuberg in der Kottbusser Straße 13 auch wieder seine Pforten. Die sind fußläufig erreichbar von den U-Bahnstationen Kottbusser Tor oder Schönleinstraße und werden durchlässig sein ab 20h, damit wir um 20h30 mit dem KREUZWORT-Heimkehrabend auf’s neue beginnen können. Dann noch direkt hinter der Tür rechts 3€ Eintritt (wir müssen leider etwas mehr Kosten decken) hinterlassen und auf geht’s mit drei Spitzenautoren:


Nikola Richter


ist Bremerin und lebt in Berlin als freie Autorin und Redakteurin. Sie arbeit im Gemeinschaftsbüro http://www.glasundbild.com.Von 2001-2003 gab sie ein Online-Literaturmagazin www.schriftstelle.de heraus. Sie veröffentlichte den dokumentarischen Roman „Die Lebenspraktikanten“ (Fischer, 2006) und die Stories „Schluss machen auf einer Insel“ (Berlin Verlag, 2007), sowie die Lyrikbände „roaming“ und „die do-re-mi-maschine“ (Lyrikedition2000, 2004 und 2009). Zuletzt gab sie zusammen mit Rery Maldonado „Los Superdemokraticos. Eine literarische politische Theorie“ (Verbrecher Verlag, 2011) heraus, gesammelte Texte des Blogs http://www.superdemokraticos.com. Ihre Gedichte erschienen in verschiedenen Zeitschriften, zuletzt in Neue Rundschau und Poet-Mag und auf einem gemeinsamen Blog mit der argentinischen Lyrikerin Paz Levinson http://tengounproyectopor15dias.blogspot.com. Sie unterrichtet ein Seminar zu Neuen Medien und Literatur an der FU Berlin im Studiengang Angewandte Literaturwissenschaften.

Nikola wird uns mit Lyrik beehren und das liest sich folgendermaßen:

materialbezug

die decke nimmt dir keiner weg, du liegst
geschützt auf sieben matratzen, softskinprincess.
wie haben dich die jahre gerändert, jetzt
kocht dein kopf vor allem regionale speisen, hackt
kükenragout und lässt taten die tage begatten.
du glaubst, der goldene oktober schmückt sich nur für dich,
die einsam feierliche nachsaison, in der du deine sinne schärfst:
wörter effektiv benutzen, grimmsche schleifen winden
fürs geschenkpapier der sprache. ein prosperierender verein,
in 500 jahren von 300.000 zu vier millionen, aktive
wie passive mitglieder. alles ist im werden.

mit verben schlafen wir ein, mit dem lippenstift im mund.
dein finger und mein finger berühren sich wie michelangelos.

die krisen sperren wir aus, die energiefragen haben schon längst
die multis geklärt, die kostbaren erden kauft china.

pfffft pfft pfffft

auf einem designforum habe ich eine maschine gesehen,
die aus kleinen röhrchen perfekte rauchkringel in die luft blies.
das puffte leicht. menschen blieben stehen,
versunken in die betrachtung des nichts. dass technische geräte
einfach mal nur der schönheit huldigen dürfen, ohne mehrwert,
ist eine meldung wert.

Wie sich das anhört – das werdet ihr euch anhören müssen, um es zu erfahren.


Mathias Traxler


Geboren 1973 in Basel, lebt seit 1999 in Berlin. Er war 2006 Teilnehmer am 14. open Mike. Am 12.10.2006 fand im Theaterdiscounter Berlin die Szenische Lesung »WALLeinsamkeit« (Regie: Dana Sauerland) statt. Seither zahlreiche Leseauftritte. Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien (EDIT, Ostragehege, LITMagazine-New York, poet[mag], Jahrbuch der Lyrik 2009). Soeben ist sein Debutband „You’re welcome“ bei kookbooks erschienen.

das Boot im Giebel angesprochen,
ich gehe nur einmal am Fels
en Sand auch ein Behältnis Lob
ganz dunkler schöner schwarzer Tannenwald.

sensibler lieber Mensch das Moor
ich brauche Sagen leider ist
häuten aus mir heraus wir bau
ten eine Burg in einer Mulde.

Zum Beispiel die Teichbachschlucht, löst genau die Gedanken für Geistergeschichten ein.

Auch da gilt: Kommen, anhören, lohnt sich (kann ich jedenfalls nach der Buchmesse bestätigen!


Gerhild Steinbuch


Geboren 1983 in Mödling (Österreich), lebt in Berlin. Studium Szenisches Schreiben in Graz. Unter anderem Gewinn des Stückewettbewerb der Schaubühne am Lehniner Platz Berlin, Teilnahme an den Werkstatttagen des Wiener Burgtheaters und der International Residency am Royal Court Theatre London, Förderpreis der Literaturzeitschrift „manuskripte“, Stipendiatin der Hermann-Lenz-Stiftung, der Akademie Schloss Solitude und der Autorenwerkstatt Prosa am LCB. In der Spielzeit 2008 / 09 Hausautorin am Schauspielhaus Wien, wo ihre letzten Stücke „Herr mit Sonnenbrille“ ( Regie: Robert Borgmann) und „4 Wörter für ein besseres Leben“ (Regie: Daniela Kranz, Koproduktion mit der Ruhrtriennale) 2010 uraufgeführt wurden. Die Texte werden vom Rowohlt Theater Verlag vertreten.

Hier ein kurzer Ausschnitt aus „Berge und Täler mit Männern und Frauen“:

In dieser Welt ist alles schön: Eis schmilzt von den Gletschern um als Bächlein ins Tal zu gelangen. Wiesen grünen. Menschen treten darin herum. Sie freuen sich an der malerischen Natur. Letztlich gehts auch gar nicht darum, wovor man davon läuft und wieso. Letztlich geht es darum wem man die Schuld gibt. Wir geben uns die Schuld,  aber jetzt sind wir auch einmal müde.
+ das Ganze wird noch musikalisch abgerundet: Jamison Young kommt extra aus Prag, um uns zu besingen/besongwriten! Wenn das mal nichts ist, weiß ich auch nicht.

Dringende Ausgehempfehlungen: DichterFest 04 & g13: hall & rauch

21 Mrz

Nachdem wir uns alle von der Leipziger Buchmesse erholt, unsere Socken gewaschen haben und wieder fit wie Turnschuhe durch Berlin tigern, sollten wir uns folglich dem hiesigen Literaturbetrieb ergeben. Da gibt es neben dem nächsten KREUZWORT-Abend mit Nikola Richter, Mathias Traxler und Gerhild Steinbuch am 28.03. im SCHATZI NEUBERG (it’s alive! it’s alive! …and kicking!) zwei ganz besonders feine Abende.

1. Das DichterFest 04 am 23.03. in der von uns hochgeschätzten Primitiv Bar

Simon Godart zieht diesmal seine Fäden aus dem Hintergrund, wartet aber mit einem mehr als feinen Programm für Connoisseure der Berliner Gegenwartslyrik auf:

  • Stephan Reich
  • Julia Trompeter
  • Jan Fabritius
  • Niklas Lemniskate
  • Ilja Winther

Danach gibt’s noch schmissige Musik von Festmusik Auferlegt. Ganz schön gutes Programm für die schlappen 2€ Eintritt, nicht wahr? Absolut wahr. Also: Am Mittwoch auf, auf in die Simon-Dach-Straße 28 und mitfesten, von 20h bis open end!

2. g13 in der Lettrétage: hall & rauch am 26.03.

Jetzt wird’s knifflig und langer Atem ist ein Muss, selbst bei einem kurzweiligen Vergnügen. Der Lyrikzirkel g13 dürfte KREUZWORT-Besuchern nun wahrlich nichts Neues sein, aber in der Lettrétage in der Methfesselstraße 23-25 zeigt sich, wie viele Hans Dämpfe da wirklich durch die Gassen rollen:

  • Rebecca Ciesielski
  • Max Czollek
  • Paula Glamann
  • Helene Könau
  • Alexander Makowka
  • Tristan Marquardt
  • Maria Natt
  • Can Pestanli
  • Friederike Scheffler
  • Lea Schneider
  • Yin Tsan
  • Ilja Winther
  • Nele Wolter

Ja, die lesen ALLE. Und nicht nur so larifari, sondern sie lassen sich von Tea Kolbe in Szene setzen.

Also hin da für ein wenig Lyrikbestiarium mit Bierempfang für summa summarum 5€ Eintritt (~35,7 Cent pro Mitwirkendem!), man sollte jedoch dringend um 19.30h dort sein, um sich noch eine Sitzgelegenheit in Form von einem halben Quadratmeter unbehandelten Dielenbodens abzugreifen!

Wir sehen uns dort, gebt uns gerne Getränke aus (Gin Tonic preferiert!). Bis es losgeht, könnt ihr euch an der folgenden Tagcloud erfreuen, ich hab bisher einen Ritter (ohne Pferd), ein Kaninchen (Niklas) und ein Haus (mit Reetdach) drin entdeckt:

Das zweite Mal im heimeligen Exil: KREUZWORT am 14.03.

9 Mrz

So ist das nunmal: Kaum konnten wir am 28.02. unser erstes Gastspiel in der schnuckligen Primitiv Bar feiern, kommt es nun wiederum zum vorerst letzten Abend dort. Der wird aber sicherlich ebenso gemütlich wie exquisit, extraordinär und extravagant, denn wieder gibt es vier mal Prachtlyrik zwischen den Samtvorhängen zu hören:

Max Czollek, Björn Kuhligk, Friederike Scheffler und Tom Schulz geben sich (oder besser: uns, euch) die Ehre.

Das wie gesagt in der Primitiv Bar in der Simon-Dach-Straße 28 (S/U-Bahnstation Warschauer Straße) am Montag, dem 14.03. ab – Achtung – 20h. Eintritt beträgt leider wieder 3€, um ein paar Unkosten auszubügeln.

Das sollte aber kein Grund sein, nicht zu kommen, hier vielmehr, die Gründe (i.e.: Personen) wegen derer es sich durchaus lohnt, zu kommen:

 

Grund Nr. 1: Friederike Scheffler, geboren 1985, aufgewachsen in Berlin.
Schreibt Lyrik und Kurzprosa seit ihrer Jugend.
Seit 2005 Studium der Psychologie (Diplom) und AVL an der FU Berlin
SoSe 06   Teilnahme am Seminar „Kreatives Schreiben“ der FU Berlin unter der Leitung von Edgar Rai und Gunnar Cynybulk
SoSe 07   Teilnahme am Heiner Müller Autorenkolleg mit Ilija Trojanow
2008-2010  Teilnahme an der Open Poems Schreibwerkstatt der Literaturwerkstatt Berlin unter der Leitung von Björn Kuligk, Ulf Stolterfoht
seit 2010 Lesungen, Mitglied der Berliner Lyrikgruppe G13

 

ist es vermessen von diesen höfen zu sprechen,
nie die gewissheit zu missen: sie sind deprimierend.
ich kann da nichts zu, müllreste, trennung, geflieder
und streu, sand auf den wegen, die ich nicht gern gehe.
friedhofsstimmung verhält sich zu farbe wie drogen
zu schlaf
(aha) schon wieder den vorsatz gebrochen
die worte nützlich und nur zu gebrauchen.
ist es vermessen zu sagen: ich mache mir sorgen
um meinen nachbarn. verschlossenen landsmann.
unbekannten, flaschen- und milchpackungssammler.
trotzig, schnupfnasig bei jedem wetter
in boxershorts tigert er die treppenwälder
hoch zu seiner wohnung. er sperrt sich ein.
schreit die wand an. und scheiß die wand an:
ich hör weg.

 

Grund Nr. 2: Tom Schulz, geboren 1970 in der Oberlausitz; aufgewachsen in Ost-Berlin.

Seit 2002 Freier Autor. Lyrik, Prosa, Kritik, Übersetzungen und Herausgabe. Lebt in Berlin.

Herausgeber der Anthologie “alles außer Tiernahrung – Neue Politische Gedichte“ – Rotbuch Verlag, 2009.
Mitherausgeber der Anthologien „Das Berliner-  Hamburger und Münchener Kneipenbuch“ – alle: Berliner Taschenbuchverlag, 2006, 2008 und 2009.
Mitherausgeber des „Kölner Kneipenbuchs“, DuMont Verlag, 2011.
„Liebesgedichte“ von Nicolas Born – (Auswahl und Nachwort). Insel Verlag, 2011.
Letzte Veröffentlichungen:
Liebe die Stare. Prosa. Verlagshaus J. Frank, Berlin,  2011.
Kanon vor dem Verschwinden. Gedichte. Berlin Verlag, Berlin, 2009.
Vergeuden, den Tag. Gedichte. kookbooks, Berlin, 2006.
Preise / Stipendien u.a.:
DAGNY-Stipendium der Villa Decius und der Stiftung für Deutsch-Polnische Zusammenarbeit, Krakau, 2010.
Bayerischer Kunstförderpreis für Literatur, 2010.
Stipendium der Stiftung Preußische Seehandlung, 2010.
Stipendium des Künstlerhofes Schreyahn, 2012.

 

der Tanzbär

bei meinem Hüftschwung durch die
vor heißem Hunger schmilzenden Agenturen
öffnen sich andere Türen, andere Fallen

in den Tellern schwimmen Muschelscherben
wie sehr man mich auch in das Tellereisen rief
ich tanze den Aussterbewalzer, immerzu

um die Kaminattrappen, die Gleichnisvillen
ich folge immer meiner Nasenspitze in den Regen
in die Regionen des Überfells, der Zwerge

jener Zwerchkaninchen, wenn andere Feuer
Räder sehen, lache ich auf
schwinge einmal links, dann anders herum

wie bedachtsam meine Schritte auch
erscheinen mögen, wenn ich mich im Kreis drehe
erlöschen die Haltepunkte im Raum

der Tanzbär bin ich, in der Bar St. Tropez
vollbringe das Kunststück der Trägheit
der Langsamkeit, des langen Mutes

ich wurde staatlich unvereidigt, man sandte
mir das Beileidsschreiben, ich faxte es
an den Wald, das Feuer, die Haufen

ich tanze für die Pfeifen, für die
über das dumme Wasser Blickenden
ich tanze, wenn man mich ruft

Tom, do you wonna be the dancing bear?

 

Grund Nr. 3: Max Czollek, geboren 1987 in Berlin
– Studium der Politikwissenschaften in Berlin
– Mitglied des Lyrikzirkels G13
– Veröffentlichungen in Ausgaben der Schreibwerkstatt open poems (2007, 2009 und 2010)
– mehrmaliger Teilnehmer der Schreibwerkstatt open poems (2005/2006, 2006/2007, 2008/2009, 2009/2010) unter Leitung von Björn Kuhligk und Ulf Stolterfoht sowie der Werkstatt „Lyrik der Gegenwart“ mit Uwe Kolbe (2009)
– Aktuelle Projekte:
(1) G13-Lesung in der Lettretage am 26.03.2011
(2) Planung, Organisation und Durchführung eines Workshops zur Lyrik der Gegenwart in der Lettretage von Mai – Juli 2011.

 

dub-step-revolution

ein morgen als voice over
das ende der chiffre detroit
unter monochromen rubbellosen
an denen niemand mehr kratzt

an den postschalten wachsen die zelte
zur hochkonjunktur der brieftauben:
kabellose über transmediterrane gefälle

und kairo liegt im mariannengraben
von windgeistern gordisch verknotet:
zu viele schwerter für den konjunktiv

wider die starre grundierung
unserer eingespannten himmel
die phantasie vom untergrund
im sound einer fahrenden u-bahn

 

Grund Nr. 4: Björn Kuhligk, geboren 1975 in Berlin.
Zuletzt erschienen die Bände Der Wald im Zimmer – Eine Harzreise (mit Jan Wagner), Berliner Taschenbuch Verlag, 2007,
Von der Oberfläche der Erde, Berlin Verlag, 2009 sowie Bodenpersonal, Verlagshaus J. Frank, 2010.
Als Mitherausgeber editierte er zuletzt Das Münchner Kneipenbuch, Berliner Taschenbuch Verlag, 2009 und Lyrik von Jetzt zwei, Berlin Verlag, 2008.
1997 war er Preisträger des open mike der literaturWERKstatt Berlin, 2007 erhielt er ein Arbeitsstipendium der Stiftung Preußische Seehandlung, 2008 ein Arbeitsstipendium des Berliner Senats.

 

SPIEKEROOGER MITTERNACHT

Zwei geplünderte Körper, Partyzelte
nach Blitzeinschlag, das Meer spricht
auch wenn die Liebenden fallen, moin, moin
fällt die Liebe, wir sind versichert, nicht

in der langen Nacht der Musen streunert
man davon, erst sozial, dann demokratisch
gehts auch weniger, weißt schon, ach, nee
kommt einer, fragt, warum schreiben Sie

Gedichte, können Sie davon leben, Antworten
die wie Weltraumschrott, danke, es geht, das
hat Füße, an denen weiter oben Finger, die hören
das Blut durchs Herzeleid stampfen

 

…vier gute Gründe also. Wir sehen uns am Montag, dem 14.03. ab 20h!

 

Und, psssst: Da wir ab und zu auch mal mit der Literatur durch sind und gerne mal was trinken, um dann rhythmische Körperbewegungen zu ergotherapeutischer Musik zu vollführen raten wir auch dringend, laden wir herzlich dazu ein, uns nach der Lesung noch ins Maria am Ostbahnhof zu folgen. Wort auf der Straße ist ja, dass da DJs am Polyvinylchlorid rumratschen, die uns zwar von ihren Namen (Loop, Simian Keiser) nicht unbedingt bekannt vorkommen, deren Gesichter wir doch aber schon irgendwo mal… Nicht wahr?

Der literarische Ausgehtipp fürs Wochenende und weitere Vorschläge für die Wochengestaltung

5 Mrz

Bevor unser Exilprogramm mit Björn Kuhligk, Tom Schulz, Friederike Scheffler und Max Czollek am 14.3. in die zweite Runde geht (siehe rechts), wollen wir euch folgende Termine ans Herz legen:

peeka peeka beim Parlandopark

Am 6. März (Sonntag)

Beginn 20 Uhr

Eintritt frei

Im Soupanova, Stargarder Straße 24 (S Prenzlauer Allee)

„ein kleiner tumult in der cerebralen chemie – und wir geraten in eine andere welt“; mitunter in einen sonntag.

peeka peeka // kim peek lieferte die wesentliche inspiration für den film „rain man“. ein autist, wie ihn dustin hoffmann letztlich verkörpern sollte, war er jedoch nicht. peek gilt als einer der bekanntesten menschen mit savant-syndrom […] warum kims wort für bastard beethoven lautet und was metaphern in diesem abend zu suchen haben, we’ll see // einige videofragmente, gedichte und andere texte. offenes im anhang.

Moderation: Simone Kornappel

KOOKread. Mit Hannes Köhler, Sünje Lewejohann und Ulrike Almut Sandig.

Am 9. März (Mittwoch)

Beginn 20 Uhr

Im Kvartira Nr. 62, Lübbener Str. 18 (U Schlesisches Tor)

Lyrik und Prosa mit:

Hannes Köhler (*1982 in Hamburg) lebt seit 2001 in Berlin. Dort und in Toulouse studierte er Literatur und Geschichte. Er war Mitbegründer der Literaturgruppe und Lesebühne „Die Lautmaler“ und veranstaltet seit 2003 regelmäßig Lesungen in Berlin. 2008 war Hannes Köhler Teilnehmer des Heiner-Müller-Kollegs an der Freien Universität Berlin und 2009 Stipendiat der Autorenwerkstatt Prosa des Literarischen Colloquiums Berlin. Nach Veröffentlichungen in Zeitschriften, Zeitungen und Anthologien ist der Roman „In Spuren“ (mairisch Verlag) seine erste Buchveröffentlichung. Köhler erzählt darin von einer Spurensuche und stellt dabei existenzielle Fragen nach Freundschaft, Liebe, Sinn – Fragen, die für jede Zeit neu formuliert werden müssen. Mit „In Spuren“ gelingt ihm das auf eindringliche Weise.

Sünje Lewejohann, 1972 in Flensburg geboren, studierte Skandinavistik und Germanistik in Berlin, dann am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Sie war Mitherausgeberin der Literaturzeitschrift EDIT und ist Mitglied im Autorenforum „Der Goldene Fisch“. 2003 nahm sie an der Endrunde des Open Mike der Literaturwerkstatt Berlin und am Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt teil. 2004 erhielt sie ein Stipendium des Künstlerhauses Lukas in Ahrenshoop sowie Stipendien der Arno-Schmidt-Stiftung und des Nordkollegs Rendsburg. 2005 erschien ihr Roman „Am Sonntag will Gott zu Atem kommen“ (DuMont), 2010 verlieh man ihr beim Lyrikpreis Meran den Alfred Gruber Preis für eine Auswahl ihrer Gedichte. Sünje Lewejohann lebt als Mutter von zwei Kindern in Berlin. Sie wird neue Lyrik lesen, wie sie zuletzt u.a. in der „Neuen Rundschau“ (01/2011) erschien.

Ulrike Almut Sandig, 1979 geboren, aufgewachsen bei Riesa, lebt in Leipzig. Sie studierte Religionswissenschaft und Indologie sowie am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Bisher erschienen die Gedichtbände „ZUNDER“ (2005) und „STREUMEN“ (2007), das Hörbuch „der tag, an dem alma kamillen kaufte“ (2006, gemeinsam mit Marlen Pelny), die Hörspiele „HUSH LITTLE BABY“ (2008) und „UNTER WASSER“ (2010) sowie ihre erste Prosaveröffentlichung „FLAMINGOS“ (2010). Soeben erschien ihr 3. Gedichtband „DICKICHT“ (Schöffling & Co. 2011). Ihre Lyrik wurden mehrfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem Leonce-und-Lena-Preis 2009. 2010 erhielt sie für „FLAMINGOS“ den Silberschweinpreis der lit.COLOGNE und den Preis der Hotlist. Ulrike Almut Sandig liest Prosa aus „FLAMINGOS“ und Gedichte aus „DICKICHT“.

LIEBE DIE STARE – Buchpremiere zu Tom Schulz‘ Prosaband mit Björn Kuhligk und Ron Winkler

Am 10. März (Donnerstag)

Beginn 20 Uhr

Im Roten Salon in der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz

»Liebe die Stare« ist eine Buchpremiere von und mit Tom Schulz, der das Erscheinen seiner Texte mit den Kollegen Björn Kuhligk und Ron Winkler feiert.

Auf so ironische wie unterhaltsame Weise lockt Tom Schulz seine Leser, mit ihm gemeinsam in das Provinzielle der Großstadt, das Großstädtische der Provinz einzutauchen, einen Blick auf die Kleinigkeiten unseres Lebens sowie auf die Erinnerung eines überholten, aber nicht  eingeholten Alltags zu werfen. Mit Anteilnahme und präzisem poetischem Blick für Schärfenstrukturen ist Tom Schulz’ Prosa geschrieben. Von Erzählungen bis hin zu fragmentarischen Phantasieausflügen sind in seiner ersten Prosasammlung Texte enthalten, die den Leser so sehr verzaubern wie verstören.“ (http://www.belletristik-berlin.de/)