Archiv | Mai, 2012

Saisonfinale am 28.05. mit KRAUS, UNGER & SCHMID

21 Mai

Ende Mai 2012, Berlin-Neukölln: Ein schandhafter Fall emotionaler Erpressung. „Wer jetzt allein  ist, wird es lange bleiben / wird wachen, lesen, lange e-Mails schreiben, / wird in der Hermannstraße hin und her / unruhig wandern, wenn die Blätter treiben“. Oder so. Auf jeden Fall: Für Geselligkeit bleibt nur noch ein Termin! Am Montag, dem 28.05. wird der grandiose Damensalon uns zum vorerst letzten Mal in seinen heiligen Hallen in der Reuterstraße 39 begrüßen, die lautstarke Schwingtür wird sich um 20h öffnen, losgehen wird es etwas später.

Wir werden zwar auch während unserer ausgedehnten Sommerpause mittellinksunten am Tresen unserer Neuköllner Lieblingskneipe zu finden sein – die bleibt ja geöffnet – aber bis Spätsommer/Frühherbst gönnen wir uns eine Auszeit und lassen euch den Affen des Literaturentzugs spüren. Für einen letzten Kick haben sorgen am kommenden Montag noch einmal Dagmara Kraus, Walter Fabian Schmid und Sebastian Unger. Straßenpreis ist 3€ pro Nase, festes Schuhwerk ist kein Muss, Interesse optional (und damit meinen wir: optimal!). Also kommt noch mal und feiert richtig hart mit uns, bevor wir dann um kurz nach Mitternacht richtig hart unsere Sachen packen und die Hacken hart in den Teer rammen, weil die letzte Bahn kommt, schließlich werden wir am nächsten Tag wieder arbeiten müssen. Up the punx! 

 

Dagmara Kraus, 1981 in Wrocław geboren, studierte Komparatistik und Kunstgeschichte in Leipzig, Berlin und Paris und Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut. Soeben ist “kummerang”, ihr Debüt, bei kookbooks erschienen sowie eine Auswahl von Gedichten Miron Białoszewskis in ihrer Übersetzung bei Reinecke & Voß.

Walter Fabian Schmid, geb. 1983 in Regen, studierte 2005-2011 Lehramt und Diplom-Germanistik in Bamberg. Arbeitete währenddessen als Schauspieler, Stadtführer und Tutor. 2008-2011 Redakteur des Literaturlabels poetenladen in Leipzig.

Calwer-Hermann-Hesse-Preis 2010 als Mitredakteur der Literaturzeitschrift poet, nominiert für den Leonce-und-Lena-Preis 2011 und den Lyrikpreis München 2011. Lebt derzeit in München und organisiert gemeinsam mit Tristan Marquardt die Lesereihe „meine drei lyrischen ichs.“

Sebastian Unger:
– geb. 1978 in Berlin
– studierte am DLL und Kulturwissenschaften in Frankfurt/Oder
– Lyrikpreis des Open Mike 2011
– lebt in Berlin

KREUZWORT am 14. mit GUMZ, HÄFNER, KUHLIGK und ROLOFF

8 Mai

Wir große Fans von Bananen und wie sie uns die Welt erklären. Oder die Poetik der Grammatik:

Richtig: Hä? Am besten selber rausfinden, was hinter Spekulative Poetik steckt. Jeden Samstag, 18 bis 20h in den Räume des Merve-Verlags, d.h. Crellestraße 22 in 10827 Berlin (Nähe U7 Kleistpark, aber bitte keinen Suizid! – müsst ihr schon in den C-Bereich des BVG vordringen). 

Armen Avanessian und Steffen Popp machen am Samstag, dem 12. Mai den Auftakt der Gesprächsreihe Poesie und Begriff und reden über Evokation und Proposition. Es werden ebenfalls noch über Lyrik und Philosophie sprechen: Monika Rinck, Franz Josef Czernin, Oswald Egger, Ulf Stolterfoht und Daniel Falb. Voll nicht banane! Voll gut! Weitere Informationen auf der Homepage der Veranstaltungsreihe.

So ähnlich wie hier, über uns und unsere nächsten Veranstaltungen. Zum Beispiel die nächste, denn da uns die letzte noch nicht genug war und wir vor der drohenden Sommerpause noch mal Gas geben wollten. Um die schlimme Nachricht mal mundgerecht zu verpacken. Der Trost? Konzentriertes Programm für konzentriertes Publikum: Mit Alexander GumzEberhard HäfnerBjörn Kuhligk und Marcus Roloff streiten sich um eure Aufmerksamkeitsspanne. Die Wetten im Hause Kreuzwort tendieren dazu, von einer Remis auszugehen, Vierteilung im pazifistischsten Sinne sozusagen. Brot (Gin Basil Smash, Krusovice) und Spiele (Lyrik) gibt es wie gewohnt im Damensalon in der Reuterstraße 39 nähe der U-Stationen Hermannschla- äh, –straße und Schönleinstraße. Also am Montag, dem 14. Mai 3€ Eintrittsgeld mitnehmen und so ab 20h eintrudeln. Wir freuen uns. Und ihr euch auch, schließlich erwarte(t/n) euch Folgende(s):

Alexander Gumz, geboren 1974 in Berlin, wo er auch lebt, studierte Germanistik und Philosophie. Redakteur und Literaturveranstalter beim Texttonlabel KOOK und für das poesiefestival berlin, Mitbegründer des Festivals LAN. Drei Tage junge Literatur und Musik in Berlin und der langen Literatur- und Musiknacht HAM.LIT in Hamburg. Mitherausgeber mehrerer internationaler Anthologien. Er veröffentlichte Gedichte und Nachdichtungen in Zeitschriften und Anthologien, darunter Lyrik von Jetzt (DuMont 2003), Jahrbuch der Lyrik (S. Fischer 2008, 2009, 2011), Rock Lyrik (dtv 2011), Die Zeit, Neue Rundschau, Wespennest, Das Magazin, Das Gedicht. Ausgewählte Gedichte wurden ins Englische, Polnische, Spanische, Slowakische, Persische und Hebräische übersetzt. Sein erster Gedichtband, »ausrücken mit modellen«, ist im Frühjahr 2011 bei kookbooks erschienen. Wiener Werkstattpreis für Lyrik 2002, Finalist beim Leonce und Lena Preis 2003 und 2009 und beim open mike der Literaturwerkstatt Berlin 2009, Stipendiat der Villa Decius in Krakau 2007 und des Berliner Senats 2010. Clemens Brentano Preis der Stadt Heidelberg 2012. 

 

zum menü

 

ein verwaltungsaufwand, der sich selbst bekämpft:

jede stille, in der notenblätter kochen,

 

kommt zurück, bringt zwei neue mit. beim nachtisch

werden sie geschwister, erheben sich

 

fast zeitgleich, werfen campingstühle um.

vor dem abwasch nicken wir und fische

 

springen aus dem teich. zu spät, rufen sie

durch unseren geteilten mund,

 

wir haben keine angaben gemacht. wir sind uns

leider schleierhaft. bitte zu nordsee gehen

 

und den anderen erzählen: morgen wird die gegend

unter giftgas gesetzt.

 

dann genehmigen wir die höhe der reusen. dafür

brauchen wir nicht mal eine uniform.

 

(entnommen aus: ausrücken mit modellen,© kookbooks, berlin 2011)

Eberhard Häfner, 1941 in Steinbach-Hallenberg
bis 1987 als Metallgestalter und Restaurator an kirchlichen Kunstgut gearbeitet
ab 1988 freiberuflich als Dichter mit Unterbrechungen

 die letzten beiden eigenen Gedichtsbände bei Lyrikedition 2000 München

2008 – In die Büsche schlagen –   

2011 – Per Anhalter durch den Verstand –

 

Blase in mein Horn

 

Referiert nach einem Saitensprung

sah ich den Notenschlüssel auf gewölbter Decke

über’s Klangloch spannte Stacheldraht

Wassertropfenleib der Mandoline lag und schwieg

 

ich sah die Blutergüsse zwischen Sofakissen

die Mandelform aus Fichtenholz, des Korpus Schnecke

am Hals Kopfplatte eingerissen

zerfetzt der Katzendarm, mir das Jammern kam

 

guten Morgen, Hände hoch, beide

höchstwahrscheinlich unverletzt geblieben

 

Björn Kuhligk, * 1975 in Berlin, lebt dort. Zuletzt erschienen Der Wald im Zimmer – Eine Harzreise (mit Jan Wagner), Berliner Taschenbuch Verlag, 2007, Von der Oberfläche der Erde, Berlin Verlag, 2009 sowie Bodenpersonal, Verlagshaus J. Frank, 2011. Als Herausgeber editierte er zuletzt Das Kölner Kneipenbuch, 2011, Dumont Verlag, (mit Tom Schulz) und Lyrik von Jetzt zwei (mit Jan Wagner), Berlin Verlag, 2008. 1997 war er Preisträger des open mike der literaturWERKstatt Berlin, 2007 erhielt er ein Arbeitsstipendium der Stiftung Preußische Seehandlung, 2008 ein Arbeitsstipendium des Berliner Senats. Im Frühjahr 2012 erscheint ein neuer Lyrikband bei Hanser Berlin.

 

GRÜSSE AUS DEM HOCHMOOR

 

Der Tau der Wiesen rann herab

auf die Erde, der wir zugetan, über

dem Hang lag der Nebel, ein aufgelöster

Brühwürfel, aus dem sich der Bach

den wir am Abend stauten, befreite

 

die nunmehr an den Rändern

gerundeten Wunden der Buchen

die gestapelt, als könnte Wald

gestapelt werden, nichts als Möbel

wir sahen hinein, eine Verschluss-Sache

 

wenn du Blätter siehst, die laufen

sagte der Sohn des Metzgers

sind es schnelle Ameisen, wenn

ich laufende Blätter sehe, dachte ich

sind es laufende Blätter

 

Marcus Roloff, geb. 1973 in Neubrandenburg, siedelte im Sommer 1989 nach Bremen über und lebt heute in Frankfurt am Main. Studium der Neueren deutschen Literatur, Philosophie und Kulturwissenschaft an der HU Berlin. Literarische Veröffentlichungen seit 1997, zuletzt u.a. im Jahrbuch der Lyrik und der NZZ. Sein dritter Gedichtband „im toten winkel des goldenen schnitts“ erschien 2010 im Frankfurter gutleut verlag. 2009 erhielt er ein Aufenthaltsstipendium des Landes Brandenburg im Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf. Als Übersetzer ist er am Lyrikband „Ein weltgewandtes Land“ von John Ashbery beteiligt (luxbooks, Wiesbaden 2010); im Herbst 2012 erscheint ebenda die Werkauswahl „Frischluft“ von Kenneth Koch (mit z. T. deutschen Erstübersetzungen).

 

mundwinkelsuppe

 

meyer heißen will ich (beziehungsweise) mich

klein machen. weggeduckt dem schicksal (der

gemeinschaft) entrinnen. im windschutz von stube

(interieur) und verborgen (nicht sichtbar) der

zweiten jahrhunderthälfte (1950 ff).

 

mir rauscht der kopf. vor den gruben

ist hinter den linien. (auf sworbe) der fraß ist

gefressen. der postkartenstapel vermoderte

im gepäck. mein kopf (ein feindsender). ich ein

rentner. pfeife auf meine. (ich meine) ich werde

 

sterben in einer nachkriegsehe. auf dieser

pritsche. diesem zu boden geworfenen (gehäkelten)

kleid (fünfzig millionen) mit all den birken ver-

glichen. gleicht sich aufs haar halb europa

halb halte ich durch (bis moskau).

KREUZWORT am 07.05.: GOLYNKO & KISSINA (mit Übersetzungen von FILYUTA)

3 Mai

Man muss nicht gerade Gauss sein, um bis hierher rausgefunden zu haben, dass unsere Lesungen eigentlich immer am 2. und 4. Montag jeden Monats stattfinden. Manchmal jedoch machen wir eine Ausnahme, wie zum Beispiel wenn Osterfeiertage sind oder aber, wenn gerade Dimitry Golynko in der Stadt ist. Und wenn wir die Chance haben, Julia Kissina bei uns zu begrüßen. Und Alexander Filyuta seine und Steffen Popps Übersetzungen von Dimitry und Julia bereitstellt. Deshalb haben wir uns also zu einer kleinen, zwischen geschobenen Veranstaltung am Montag, dem 07.05. entschieden. Eintritt ist wie immer ab 20h, der Spaß kostet wie immer 3€ und natürlich residieren wir wieder im Damensalon in der Reuterstraße 39, weil es dort einfach die besten Drinks gibt. Wenn wir ganz ehrlich sind: Die Vorstellung, direkt am 14.05. schon wieder dort zu sein ist doch eine schöne. Aber zuerst sehen wir uns am 07.05. mit russischsprachige Literatur und deutscher Übersetzung!

Dmitri Golynko wurde 1969 in Leningrad, UdSSR, geboren. Nach dem Studium der Kunsttheorie und Russischen Literatur promovierte er mit einer Arbeit über die russische Post-Avantgarde des ausgehenden 20. Jahrhunderts. Er war 2004/2005 für zwei Jahre Gastprofessor am slawischen Institut der Cheongju Universität in Südkorea und ist zurzeit Forschungsbeauftragter am kunstgeschichtlichen Institut St. Petersburgs. Neben der Auseinandersetzung mit Film- und Medientheorie, die er unterrichtet, zeichnet er für zahlreiche Essays zu Themen der zeitgenössischen Kunst und Literatur verantwortlich, die in renommierten Zeitschriften Russlands erscheinen.

Hier ein Ausschnitt aus Дмитрий Голынко, in der Übersetzung von Steffen Popp und Alexander Filyuta zu Deutsch Das Phasenverschobene

Дмитрий Голынко

Сдвинутое по фазе

1

сдвинутое по фазе метит попасть впросак

но промахивается, десятилетье, начавшись

осамой бен ладеном, нудно и беспонтово

завершается ассанжем, гоняя коктейли

на шестьдесят каком-то этаже небоскреба

с формами цилиндра, усеченного и повсюду

зеркального, поперхнуться, хаяттов и марриотов

наворотили до самого горизонта, сгореть

ему со стыда за позу миссионерскую, щебечет

президентский твиттер об улучшении условий

для бизнеса, если выпала робинзонада, ее отбыть

уместней в черте мегалополиса, балл набран

2

сдвинутое по фазе сверяется по часам

с тоже сдвинутым, но не настолько, оно не успело

подсуетиться, опоздало вскочить на подножку

отъехавшей истории, среди розовых пантер

себя не запятнало разбоем, схватить родимчик

не удосужилось, плевелом не легло под комбайн

хлебоуборочный, проморгало важный момент

превращения милой девушки с тишайшим

нравом в отъявленную crazy bitch, хотя процесс шел

как по маслу, теперь копипастит что подвернется

из давно перепощенного, растет частота попаданья

в число партизан приморских, на пары разбились

3

сдвинутое по фазе держит равненье на

дышащее неровно, всяк сюда нисходящий

оставляет снаружи, жутко, за руку чуть не

поймали, паррезия, скорая на язык, бодрит

одного паррезиаста,  гнилостная петрушка

вышла с материальной помощью, выданной

на отпуск, мимо промчалось на всех парах

и отмучилось быстро, кусака тявкает, укурок

посягает на собственность, парочка перегрелась

разруливая отношенья, обветренный носик

у любопытной сопливится, высмаркивая ноздрю

и куда ни надо суясь, каждый жест взвешен

4

сдвинутое по фазе гурманствует чем придется

при пустом холодильнике, ломает его наполнить

содержимым, еботней органики иль ядреным

вырви глаз азиатским соусом, не первая полтаха

раздавлена втихую, задумчиво долдоня

о приближении того что дальше, гудит на пару

с ошпаренным опытом жизни, не просыхая от пота

сторучьевого, укутанная в пелеринку

благородная старость трясет поджилками перед

ртом неблагодарной юности, и похлеще видали

если погуглить, доведя себя до цугундера

пробавляется ингаляциями, в рассоле размокло

.

.

.

Dmitry Golynko

das Phasenverschobene

 

1

das Phasenverschobene peilt eine Schieflage an

und verfehlt sie – das Jahrzehnt, begonnen mit

Osama bin Laden, endet witzlos mit Assange – 

Cocktails schlürfend im sechzig plus x-ten Stock

eines Wolkenkratzers, abgeschrägte Zylinder

endlos sich spiegelnd, Hayatts und Mariotts

Husten auslösend hingetürmt bis zum Horizont

für diese Missionarsstellung soll er vor Scham

versinken, der Twitter des Präsidenten zirpt

von Business-Erleichterungen, evtl. auftretende

Robinsonaden besser in den Grenzen der Mega-

lopolis aussitzen, Mindestpunktzahl erreicht

2

das Phasenverschobene gleicht die Uhr mit einem

anderen Verschobenen ab, doch nicht exakt –

es kam nicht zurecht, verpasste den Sprung aufs

Trittbrett der Geschichte, abgefahren, befleckte

sich nicht mit Raub bei den Rosa Panthern

entging dem Schlaganfall, kam nicht wie Lolch

unter den Mähdrescher, verschlief den Moment

der Verwandlung einer netten Sanftmütigen

in eine crazy Bitch, obwohl der Prozess wie

Klinge durch Butter lief, jetzt copypastet das Erst-

beste aus zigmal Gepostetem, die Beitrittsrate

der Primorje-Guerilla steigt, in Paare eingeteilt

3

das Phasenverschobene richtet sich nach dem

stockend Atmenden, die ihr hier eintretet, lasst alle

fahren, beängstigend, wie in flagranti ertappt

Parrhesia, zungenfertig, befeuert Parrhesiasten

die schlampige Quitte ging mit einer Sonder-

zahlung für Urlaub raus, was mit Volldampf

vorbei rauschte, segnete schmerzlos das Zeitliche

der Beißer bellt, der Kiffer greift nach dem

Besitz, das Pärchen überhitzte sich beim

Regeln der Beziehung, das windrauhe Näschen

einer Spannerin läuft – Schnäutzen – steckts

in fremde Wäsche, jede Geste gewogen

4

das Phasenverschobene schlemmt das Erstbeste

bei leerem Kühlschrank, drückt sich davor, ihn

zu füllen, mit einer Biokotze oder der atomaren

– Rachenputzer – asiatischen Sauce, etliche Shots

schon im Stillen gekippt, nachdenklich brabbelnd

vom Nahen des Kommenden, pfeift unter Dampf

abgebrühten Lebens, in hundertströmigen Schweiß

gebadet, in eine Pelerine gehüllt, zittert das

würdige Alter am ganzen Leib vor dem Mundwerk

respektloser Jugend, es gibt Krasseres zu sehn

beim Googeln, vor die Hunde gegangen, zufrieden

am Inhalator nuckelnd, in Salzlake aufgeweicht     

.

.

.

Julia Kissina (russisch Юлия Дмитриевна Кисина Julija Dmitrijewna Kissina; * 1966 in Kiew, Sowjetunion) ist eine russische Künstlerin und Schriftstellerin. 

Als Künstlerin ist sie durch ihre Fotografien bekannt geworden. Sie studierte in der Akademie der bildenden Künste in München. In den 90er Jahren entwickelte sie das Verfahren der „performativen Fotografie“ und führte eine Reihe von künstlerischen Aktionen durch, u.a. „Kunst und Verbrechen“ auf dem Polizeirevier 4/42 in Berlin (2003) und „Authentic german way to living and enjoying oneself“ auf der Art Berlin (2004). 2006 gründete sie den „Klub der toten Künstler“, der seither in spiritistischen Séancen Gespräche u. a. mit Malewitsch, Duchamp,Repin und Modersohn-Becker geführt hat.

In all ihren Werken konfrontiert sie das Publikum und den Leser mit den Möglichkeiten von Fiktion und künstlerischer Provokation im Alltag.

Julia Kissina lebt und arbeitet in Berlin. Momentan ist sie Stipendiatin des Berliner Senats für Literatur.

Aus: Ausgewählte Gedichte, 2010. Übersetzt von: Martina Jakobsen