Archiv | Juni, 2011

KREUZWORT trifft FIXPOETRY: Politische Lyrik am 11.07.

30 Jun

Der nächste KREUZWORT-Abend hat es mal wieder in sich: Ein kleines bisschen Aufruhr am Tag der Arbeit, Popsongs. DAU-Syndrome an der endgültigen Vorläufigkeit der Schlafplätze spielen sich wie Egoshooter – kurzum: Zusammen mit Julietta Fix von Fixpoetry und dem zugehörigen Verlag präsentiert KREUZWORT glatt fünf Lyriker, die Reflexion und Rebellion im Text verpacken: Max Czollek, Kai Pohl, Clemens Schittko, Tom Schulz und Johannes Jansen werden sich am 11.07. ab 20.30h (Achtung: Aufgrund des dicht gestrickten Zeitplans geht es pünktlich los – um 20h bereits da zu sein wird dringend empfohlen) in der Kottbusser Straße 13 im Bruegge einfinden. Zuschauen kostet die üblichen 3€, wer randalieren möchte, tut das lieber draußen und klärt den Kostenpunkt des Ganzen besser mit der Staatsgewalt ab.

(Da Max Czollek erst in letzter Sekunde von uns gebeten wurde, teilzunehmen, steht er leider nicht auf dem Banner. Er wird trotzdem kommen, darauf freuen wir uns sehr und entschuldigen uns an dieser Stelle.)

Max Czollek // geboren ’87 // Schule bis ’06 // Studium Wissenschaft bis jetzt // ’09 Gründung G13 // Veröffentlichungen, Lesungen, Freunde, Verlag und eine Blogadresse: http://gdreizehn.wordpress.com/

Quake 2011

du läufst fahnen ab: checkpoints
als wärst du in einem egoshooter
flutet das streusalz den boden
seit stunden / und du hast mal
wieder die schippe vergessen

an der ecke steht eine
mit schwachem prozessor und langem mantel
dieser halbvollen flasche sekt
zerhackt ein altes lexikon
mit einem handkantenschlag

amigo, das kennst du aus kung-fu
filmen da wolltest du immer
deine bauchmuskeln anspannen
zum sound von splitternden glas
den orgasmus zum happy end

 

 

Clemens Schittko und Kai Pohl haben kürzlich erst noch kollaboriert und konspiriert: Das Produkt heißt da kapo mit CS-Gas und sieht so aus:

 

Kai Pohl, *1964 | Wittenburg/Mecklenburg. Lebt in Berlin. Berufsausbildung zum Zerspanungsfacharbeiter. Danach u.a. tätig als Dreher, Heizer, Kraftfahrer, Bühnenmaler, Grafi ker. Studium des Kommunikationsdesigns. Mitbegründer und Redakteur der Zeitschrift fl oppy myriapoda. Veröff entlichungen (Auswahl): Fahrkarte zur Revolution, SuKuLTuR, Berlin 2011; Off nen+ Schiesen, Gedichte 1989 -2006, KRASH Neue Edition, Köln 2007; biofeedback panikenergie, Distillery, Berlin 2005.

Das DAU-Syndrom
armut verpflichtet
dummheit muß sich wieder lohnen
fatal ist, was unmut schafft

unmut verpfl ichtet
armut muß sich wieder lohnen
fatal ist, was dummheit schafft

dummheit verpflichtet
unmut muß sich wieder lohnen
fatal ist, was armut schafft

 

 

Clemens Schittko, *1978 | Berlin/Ost. Lebt in Berlin. 1998 Abitur. Ausgebildeter Gebäudereiniger und Verlagskaufmann. Abgebrochenes Studium der Literatur-, Musikwissenschaft und Philosophie. Arbeitete u.a. als Fensterputzer und Lektor. Gewinner des lauter niemand preises fur politische lyrik 2010. Veröff entlichungen (Auswahl): Manifest der Nachhut, Schock Edition, EdK/Distillery, Berlin 2011; Who is who / is who or what, Samson, Berlin 2010

Pop-Gedicht
Aus einer der Nachbarwohnungen
ist gegen Mitternacht
ein Stöhnen zu vernehmen.
Wird dort noch eigenständig
miteinander geschlafen
oder (auch) schon
ein Pornofi lm geschaut?

Der Sex der Deutschen
dauert durchschnittlich
etwa drei Minuten,
eine Single-Auskopplung,
die es in die Musikcharts schaff t,
ebenso.
Deshalb auch der Begriff Popsong.

Dieses Gedicht brauchte länger
als drei Minuten,
um geschrieben zu werden,
und es wird weniger
als drei Minuten dauern,
um es gelesen zu haben.
So gleicht sich
(Achtung: Phrase!)
im Leben alles wieder aus.
Vom Tod wollen wir ja
(bekanntlich)
nicht sprechen.

Wenn schon keine Rakete
einem Kirchturm gleicht,
so gleicht doch jeder Kirchturm
einer Rakete.

 

 

Tom Schulz beehrt uns bereits das zweite Mal (damals, wir erinnern uns: Im Exil, in der wunderbaren Primitiv Bar) und versprach uns intern ein Heimspiel.

*1970 | Oberlausitz, aufgewachsen in Ost-Berlin.1997 Erste Buchveröffentlichung. Von 1998 – 2001 Herausgeber der Edition Minotaurus (zusammen mit Björn Kuhligk) Seit 2002 Freier Autor. Lyrik, Prosa, Übersetzungen und Herausgabe. Bis 2007 in Berlin ansässig, zum Jahresende Umzug nach Augsburg. Lebt seit 2010 wieder in Berlin.
Dozent für „Kreatives Schreiben“ und Lyrikworkshops u.a. an der Universität Augsburg Mitorganisator des Schreibprojekts „Lust auf Lyrik“ an Augsburger Gymnasien. Redakteur und Mitherausgeber der Literaturzeitschrift „Lauter Niemand“.

Veröffentlichungen (Auswahl):
Need to speak to a Human? C4 Edition, Graz, 2011
Liebe die Stare. Prosa. Verlagshaus Johannes Frank, Berlin, 2011.
Kanon vor dem Verschwinden. Gedichte. Berlin Verlag, Berlin, September 2009.

Herausgeber der Anthologie “alles außer Tiernahrung – Neue Politische Gedichte“ – Rotbuch Verlag, 2009.

Auf Klick gibt’s eine Kostprobe:

Tom Schulz – Tag der Arbeit

 

 

Johannes Jansen

 *1966|Ost-Berlin . Aufgewachsen ist er in Freiburg, Leipzig und Pankow. Nach der Schule machte er eine Lehre als Graveur, ging dann zur Armee und begann danach ein Studium der Gebrauchsgrafik. Er lebt heute als freier Autor in Berlin. Auch arbeitet er in der Altenpflege und Heilpädagogik.

Veröffentlichungen (Auswahl):
Im Durchgang, Suhrkamp, 2009
Bollwerk, Kookbooks, 2006
Liebling, mach Lack! Kookbooks, 2004
Halbschlaf, Suhrkamp, 2004
Dickicht, Ritter, 2002

[Diese endgültige Vorläufigkeit…]

Diese endgültige Vorläufigkeit der Schlafplätze, die ich passiere, Kontrollpunkte meines Traums. Auf der Suche wie immer, doch letztendlich faul, weil vorhanden. Man muß nicht finden wollen. Nur die wunschlose Bemühung ist es, die unfehlbar eine Entschädigung einschließt. Eine Mahlzeit zum Beispiel und ein genießbarer Wein.

© Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main 2005 Aus: Halbschlaf. Tag Nacht Gedanken. Zeichnungen von Regen Wachsmuth Suhrkamp Verlag , Frankfurt am Main 2005 ISBN: 3-518-12380-7

Und, psssst: Sagen wir mal so: Wer sich nach der Lesung in die Bahn schwingt und Richtung Ostbahnhof fährt, der sollte dort dringend aussteigen. Das MARIA hat zwar zu, aber darunter rumort es noch – der Keller hat offen und statt Technozombies kommen da Beats raus. Sinniger-, irreführender- und witzigerweise heißt dieser Satellit des legendären Clubs Jesus und ab zwei steht da nicht nur Ruben McLoop auf der Bühne, Max Czolleks böser elektronischer Zwilling, sondern auch Simian Keiser, der ein entfernter Verwandter von Tristan Marquardt ist, allerdings nur namentlich, nicht aber räumlich – zwei Satansbraten in Jesu Bauchhöhle, da muss man doch…!

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KREUZWORT am 27.06.: KORNAPPEL, KOKOT & CIESIELSKI

24 Jun

Wer nach dem Poesiefestival so etwas wie einen kollektiven Poesiekater erwarten, den sei ein uraltes Hausrezept verraten, das uns ja bereits unsere Großmütter zugeflüstert haben: Konterlyrik. Statt der Überfülle nachzugeben lieber sofort nachlegen. Das selbstverständlich am besten bei uns: Am Montag, dem 27.06. um 20.30h im Bruegge (Ex-Schatzi Neuberg) in der Kottbusser Straße 13 (zwischen U Kottbusser Tor und U Schönleinstraße) warten Sascha Kokot, Simone Kornappel und Rebecca Ciesielski mit einer Vielzahl revitalisierender Gedichte auf. Wer die letzten beiden also nicht beim Poet’s Corner und anderen Veranstaltungen sehen konnte, hat heute die Chance – und Sascha kommt sogar extra aus Leipzig, wenn das mal nichts ist. Kostenpunkt der ganzen Sache sind 3€ und wir freuen uns natürlich wie immer über zahlreiches Erscheinen und den einen oder anderen Drink mit euch. Jetzt aber Viten und Textproben, die ihr eventuell etwas rotieren müsst:

 

Sascha Kokot, 1982 geboren, Lehre als Informatiker, Beschäftigungen als Fabrikarbeiter und Fotograf, 2006-2010 Studium am Deutschen Literaturinstitut Leipzig, 2008 Drehbuchpreis «Ansichtssache» und Verfilmung in Kiew, 2007 Stipendium des Literaturrats Sachsen-Anhalt, 2009 der Stadtmühle Willisau (CH), 2010 der Kulturstiftung Sachsen, 2011 Finalist beim Leonce-und-Lena-Preis und beim 4. Literaturwettbewerb Wartholz, Veröffentlichungen in Anthologien und Zeitschriften.

 

SCHLIEßER

 

auch diese Nacht fällt

hinter deinem Haus zu Boden

du hast freie Sicht tief hinein

weißt von den Funkmasten den Rasthöfen

wie Transit sich daran entlang spurt

mit rotem Licht die Sedimente abfährt

das Zurückgelassene nachdunkelt

viel hast du dort geborgen

dir stur in die Zimmer gestellt

Schwemmholz deiner Herkunft

nun bleibt dir der Blick vom Balkon

auf die halbe graue Stadt die demontierten Gleise

der kalten Rodung folgte Stille nach

dein Heim ist ein begehbares Wesen

in dem unser Fehlen haust

 

Simone Kornappel wurde geboren und ist Mitherausgeberin der randnummer literaturhefte. Im Herbst erscheint ihr Debütband „Raumanzug“ bei luxbooks.

Bei Klick auf’s Bild wird dank der gewohnten KREUZWORT-WORDPRESS-MAGIC der Text größer:

 

Rebecca Ciesielski studiert Kommunikationswissenschaften und Kulturanthropologie an der FU Berlin. Sie ist Mitglied des Autorenkollektivs/ Lyrikerkollektiv/ Lyrikergruppe  G13 (www.gdreizehn.wordpress.com).

 

julimitte oder vergleichbares

in diesem lichtfallwinkel gehen wir
von zartem blau gesäumt der sonnenstand
sehr unbeständig lieblingsszenen
florieren in reality
nur manchmal werfen wir uns
mangel vor gleich hier (man wird ja
auch nicht anders oder besser) drum
müsste man sich action denken
vielleicht kirschen schenken
ohne gegenleistung
jetzt ein abenteuer! die neue nacht
die kennt das schon den wahn
einzelner ein leeres unstillbar
lass uns doch die netzhaut tauschen
jeden winkel neu ausleuchten
das ist wie kindernamen ausziehn
schicht um schicht
flying high on freedom!
das wäre was: noch einmal zielen
auf den gartenzaun die zollstation
zum stadtaußen genau hier
im standlicht von vaters bmw
neben maulwurfkot und
profitabler landwirtschaft
schmeißen wir die körper
in den teich mit urvertrauen
zum intergrierten filtersystem

Heute Abend: Bunter Abend im Bethanien

23 Jun

Wie schon zur letzten Lesung angekündigt, der von uns sehr geschätzte Tom Müller veranstaltet heute einen seiner Bunten Abende!

 

 

 

 

 

 

 

 

http://www.bunterabend.net/

 

ACHTUNG, ZENSUS BITTET:

BEGEBEN SIE SICH ZUR ALLGEMEINEN SCHÄTZUNG

AM Do, 23.06.11 im Bethanien am Mariannenplatz.

Schätze den Schatz, den Spatz, den Satz, den Abend mit Freunden,
die Hefe, den Hopfen, das Hüpfen der Laute, auch leise – die Melodie.
Komm, schätze die Geschichten, die Illustration live und von Hand,
feinste Musik.

Bunter Abend – Schätz das Unschätzbare.

Dichtung: Stephan Reich, Tom Müller, Daniel Weiss, Marie Donath

Reise: Marie Donath illustriert mit Schatten und Sand am OHP

Rock’n Roll: Holly Mae & The Painted Room (http://hollymaeandthepaintedroom.bandcamp.com/)

Eintritt: 4€
 

WANN:

Heute, ab 20.30 Uhr

WO:

Bethanien (NICHT das Künstlerhaus am Kottbusser Damm)

Mariannenplatz 2 A Südflügel
Kreuzberg, Germany

Das Wochenende, die Woche – Poesie, Poesie

17 Jun

Am 27. Juni ist es wieder soweit – eine nächste Ausgabe KREUZWORT wartet auf euch. Mit dabei sind g13-Mitglied REBECCA CIESIELSKI, Randnummer-Herausgeberin SIMONE KORNAPPEL und SASCHA KOKOT aus Leipzig. 

Aber ein Highlight jagt das nächste und das Wochenende ist voll an lyrischen Sternstunden:

Poesie liegt in der Luft – beim POETS CORNER wird alljährlich im Freien gelesen (bei schlechten Wetter auch im Trockenen):

Sa 18.6. ab 11:00
In den Bezirken
Eintritt frei

Die Dichter Berlins erobern die Stadt. Sommerlesungen in den Bezirken.

11:00–13:00 Treptow-Köpenick Wagendorf Lohmühle Lohmühlenstraße, Ecke Kiefholzstraße. Bei schlechtem Wetter ebenfalls dort.
Mit Konstantin Ames, Luise Boege, Alexander Gumz, Rery Maldonado, Stephan Reich, Nikola Richter, Julia Trompeter

12:00–13:30 Tempelhof-Schöneberg Ullsteinhaus, Dachterrasse 6. OG über Innenhof, Mariendorfer Damm 1–3. Bei schlechtem Wetter im Bistro im Foyer des Haupteingangs.
Mit Tobias Amslinger, Nora Bossong, Birgit Kreipe, Georg Leß, Jinn Pogy, Ulf Stolterfoht

13:00–15:00 Neukölln Garten der Poesie (Streuobstwiese) Richardplatz 3. Bei schlechtem Wetter im kleinen Saal der Ev. Brüdergemeine, Kirchgasse 14.
Mit Nico Bleutge, Tom Bresemann, Catherine Hales, Simone Kornappel, Björn Kuhligk, Juliane Liebert, Philip Maroldt, Katharina Schultens

15:00–16:30 Junge Dichter erkunden Mahrzahn
Marzahn-Hellersdorf Lesegarten Schloss Biesdorf Alt-Biesdorf 55. Bei schlechtem Wetter im Schloss.
Mit Rebecca Ciesielski, Kristoffer Cornils, Max Czollek, Lea Schneider, Isabella Vogel

15:30–17:30 Vom Leben in den großen Städten
Charlottenburg-Wilmersdorf Straßencafé der Ausstellung 125 Jahre Kurfürstendamm Kurfürstendamm / Ecke Uhlandstraße. Bei schlechtem Wetter im Institut Français, Kurfürstendamm 211.
Mit Daniel Falb, Mara Genschel, Ursula Krechel, Norbert Lange, Wilfried N’Sondé, Johann Reißer, Jan Skudlarek, Lutz Steinbrück, Rainer Stolz

16:30–18:00 Pankow Kultur- und Bildungszentrum Sebastian Haffner Prenzlauer Allee 227 / 228. Bei schlechtem Wetter ebenfalls dort.
Mit Timo Berger, Lars-Arvid Brischke, Ricardo Domeneck, Hendrik Jackson, Anne Krüger, Björn Schäfer, Ron Winkler, Carsten Zimmermann

17:00–18:30 Mit fremder Feder – vom Fremdsein in der Sprache Lichtenberg-Hohenschönhausen Studio im Hochhaus Zingster Str. 25. Bei schlechtem Wetter ebenfalls dort.
Mit Zehra Çirak, Dieter M. Gräf, Renata Lucic, Stefan Monhardt, Tzveta Sofronieva

Mit freundlicher Unterstützung durch: Amt für Kultur und Bildung Pankow, Fachbereich Kultur Marzahn-Hellersdorf, Institut français, Kulturamt Neukölln, Kulturamt Treptow-Köpenick, Kulturbeirat Charlottenburg-Wilmersdorf, Kunstamt Tempelhof-Schöneberg, Kunst- und Kulturamt Lichtenberg

 

 

Außerdem lockt im allgemeinen wieder einmal das Programm des POESIEFESTIVALS – eine der schönsten Wochen (17.-24.6.)des Jahres beginnt heut Abend:

http://www.literaturwerkstatt.org/index.php?id=1061

Am Sonntag lädt lauter niemand zu Lyrik aug der Spree – der LUXUS LYRIK DAMPFER steht mehrmals zur Abfahrt bereitet – dieses Jahr befährt er auch internationale Gewässer (so rein metaphorisch) – gut kopiert ist halb geschrieben:

Die Redaktion von „lauter niemand“ lädt unter der Flagge von 48 STUNDEN NEUKÖLLN und im Rahmen des Poesiefestival Berlin Autoren und Leser, die sich der Poesie verschrieben haben, aufs Deck der „Spreeprinzessin“ ein.

…Wie der Zufall so will, ist auch das Thema des diesjährigen 48 STUNDEN NEUKÖLLN Festivals „LUXUS Neukölln“ dazu passend bewerben wir auch die Lyrik als überlebensnotwendigen Luxus für Jedermann. Wir freuen uns auf acht poetische Touren auf original Berliner Spreewasser mit Autoren der letzten zwei lauter niemand Ausgaben (#10 + 11) und mit befreundeten, internationalen Autoren von no man’s land und von Los Superdemokraticos/ Casagrande.

Bitte seid jeweils ca.10 Minuten vorher an der Ablegestelle, das Schiff legt immer pünktlich ab!

Es lesen

11-12 Uhr (Moderation: Florian Voss)
Clemens Schittko
Isabella Vogel
Lutz Steinbrück

12-13 Uhr ( Moderation: Lutz Steinbrück)
Florian Voss
Silvia Geist
Sonia A. Petner

***SPECIAL BOAT: 13-14 Uhr:
ENGLISCH/DEUTSCHES BOOT mit und von No Man’s Land:
Catherine Hales/ Übersetzung: Andre Jahn
Alistair Noon
Donna Stonecipher

14-15 Uhr (Mod: Simone Kornappel)
Jan Imgrund
Jinn Pogy
Phillip Günzel

15-16 Uhr (Mod. Jinn Pogy)
Simone Kornappel
Tibor Schneider
Timo Berger

***BARCO ESPECIAL 16-17 Uhr:
SPANISCH/DEUTSCHES BOOT mit und von Casagrande (Regen der Gedichte, Berlin 2010) und Los Superdemokraticos
Sabine Scho
Rery Maldonado
Nikola Richter
Julio Carrasco Ruiz
Cristóbal Bianchi
Joaquín Prieto

17-18 Uhr (Mod: Johann Reisser)
Kirsten Hartung
Carl Christian Elze
Clemens Kuhnert

18-19 Uhr (Mod: Clemens Kuhnert)
Eberhard Häffner
Julia Trompeter
Niklas L. Niskate
Johann Reisser

********100% KULTURELLER LUXUS: EINTRITT IST FREI!***********

Wir danken den Autoren und Co-Organisatoren (no man’s land, casagrande und los superdemokraticos) für die Teilnahme und freuen uns über einen internationalen Sommer-Lyrik-Luxus-Dampfer!!!

Mit freundlicher Unterstützung der Reederei Riedel und der Literaturwerkstatt Berlin im Rahmen des Poesiefestivals.

ORT: Wildenbruchstraße/Ecke Weigandufer, am Anleger der Reederei Riedel, (U-Bahnhof Rathaus Neukölln, Bus 104, 167 bis Wildenbruchplatz)Mehr anzeigen

Und jetzt nicht verzweifeln: An diesem Wochenende lockt ebenfalls das Programm von 48 Std. Neukölln… und am 21. ist Sommeranfang und das heißt dann auch wie jedes Jahr Fête de la Musique….

http://www.48-stunden-neukoelln.de/2011/

http://www.fetedelamusique.de/

 

Eine Art Aufruhr – Lyrikabend mit junger politischer Literatur

9 Jun

Bevor wir am 13.06. wieder die heiligen Hallen dieser Eckkneipe in der Kottbusser Straße einfinden, die jetzt mittlerweile auf den Namen Bruegge hört (also: die Eckkneipe, nicht die Straße), deeskalieren wir noch am 10.06. in der Galerie Haus am Lützowplatz (die liegt wirklich am Lützowplatz, Hausnummer 9). Unter der Moderation von Marc Holzenbecher (richtig, der junge Mann vom um[laut] Magazin, der auch mal bei Umzügen von KREUZWORT-Mitgliedern hilft) und in Begleitung der Musik Onur Kücükarslans und Nurées werden die Gedichte aus den Schulbüchern raus- und mitten ins Leben reingerissen. Das verspricht jedenfalls die Ausstellung Eine Art Aufruhr, in deren Rahmen nun fünf Dichterinnen und Dichter das Private ins Politische tragen oder umgekehrt oder seitwärts oder querwärts oder wie es in ihrem Sinne liegt.

Die stehen dabei nicht nur unter der Schirmherrschaft des um[laut] Magazins, sondern auch Los Superdemokraticos deren Nikola Richter und Rery Maldonado geben sich die Ehre, Olga Grjasnowa wird ebenfalls ihre Stimme erheben und Clemens Schittko und Tom Bresemann werden dabeisein. Das ist so viel Programm, dass ich an den Tags und Links jetzt echt viel Zeit aufgewendet habe. Damit ich die wiederbekomme, kommt morgen ab 20h hin und gebt mir ein Bier aus, schließlich kostet das Ganze nix€uro, da hättet ihr was gespart. Und am Montag dann zu KREUZWORT, yay!

Mehr zum KREUZWORT-Prosa-Abend am 13.6.

8 Jun

Nach längerer Prosa-Pause präsentiert KREUZWORT am 13. Juni Hannes Köhler mit seinem Debütroman „In Spuren“ (mairisch) und Sascha Reh mit seinem ersten Roman „Falscher Frühling“ (Schöffling & Co) sowie open mike-Entdeckung Tom Müller. Das alles, wie gewohnt, im Schatzi Neuberg, das jetzt „Brügge“ heißt, ab 20.30 Uhr. Wir freuen uns schon und mit 3 Euro seid ihr auch dabei.

Nun mehr zu den Autoren:

Hannes Köhler

*1982 in Hamburg. Er lebt seit 2001 in Berlin. Dort und in Toulouse studierte er Literatur und Geschichte. Er war Mitbegründer der Literaturgruppe und Lesebühne Die Lautmaler und veranstaltet seit 2003 regelmäßig Lesungen in Berlin. 2008 war Hannes Köhler Teilnehmer des Heiner-Müller-Kollegs an der Freien Universität Berlin und 2009 Stipendiat der Autorenwerkstatt Prosa des Literarischen Colloquiums Berlin. Nach Veröffentlichungen in Zeitschriften, Zeitungen und Anthologien ist „In Spuren“ seine erste Buchveröffentlichung.

www.hanneskoehler.com

Zu „In Spuren“:

„Es beginnt mit einem Witz. Jakobs bester Freund Felix verlässt die fröhliche Runde, um Zigaretten holen zu gehen – und kommt nicht mehr zurück. Das Lachen vergeht, als Felix verschwunden bleibt. Jakob begibt sich auf Spurensuche. In Felix’ Wohnung stößt er auf dessen Tagebuch, das eine seltsame und verstörende Wirkung auf ihn ausübt, denn es enthält nicht nur die Wahrheit über den Freund, sondern auch Variationen des eigenen Lebens.

Wer war Felix in Wirklichkeit und wo ist er jetzt? Was passiert mit Jakob, der beim Lesen des Tagebuchs immer mehr auch an seiner Sicht auf die Dinge zweifelt? Kann vielleicht die Imitation eines fremden Lebens Zwischenräume öffnen und Antworten geben?

Hannes Köhler stellt in seinem Debüt existenzielle Fragen nach Freundschaft, Liebe, Authentizität und Sinn – Fragen, die für jede Zeit neu gestellt werden müssen.“ (mairisch)

Eine Leseprobe findet ihr hier: http://www.mairisch.de/koehler_in-spuren_leseprobe.pdf

Sascha Reh

Sascha Reh, geboren 1974, studierte Geschichte, Philosophie und Germanistik in Bochum und Wien. 2004 und 2008 erhielt er den Literaturförderpreis Ruhr, für einen Auszug aus dem Roman FALSCHER FRÜHLING wurde er 2007 mit dem LCB-Stipendium Autorenwerkstatt Prosa sowie 2009 mit einem Aufenthaltsstipendium im Künstlerhaus Lukas/Ahrenshoop ausgezeichnet. Sascha Reh lebt als Autor und Familientherapeut mit seiner Familie in Berlin.

Zu „Falscher Frühling“:

„FALSCHER FRÜHLING erzählt von einer Nacht, in der der Alltag dreier Menschen auseinanderbricht, und von einer Begegnung, die sie wieder zu einer Familie macht.

Lothar Lotmann, ein alternder Theatermann, will mit einer letzten großen Inszenierung noch einmal die Ideale in der Kunst verwirklichen, an denen er im Leben gescheitert ist: Liebe, Freundschaft, Ehrlichkeit. Der verachteten Unterhaltungsindustrie setzt er seit langem nichts mehr entgegen, seine Freunde hat er brüskiert, und seine Frau Emilie, eine erfolgreiche Bühnenbildnerin, ist seine peinlichen Provokationen leid. Doch der »zweite Frühling«, den sie sich von einem Treffen mit einem alten Freund am Vorabend ihrer Scheidung erhofft, treibt hochkomische Blüten. Und ihre Tochter Franziska, die vor dem Beziehungsballast der Eltern in virtuelle Welten flüchtet, überwindet endlich ihre Angst vor einer eigenen Suche nach Glück.

Sascha Rehs Debütroman ist eine schöpferische Hommage an die modernen Theaterklassiker und wird durch seinen ironischen Ton und virtuose Perspektivwechsel zum Ereignis.“ (Schöffling & Co)

Zum Reinlesen: http://www.schoeffling.de/content/buecher/leseprobe-490.html

Tom Müller

1982 in Friedrichshain geboren. Studierte in Tübingen Romanistik, Germanistik und am Studio Literatur und Theater unter Leitung von Dagmar Leupold. Seminare mit Julia Franck, Dirk Kurbjuweit, Martin Hielscher, Martin Löcher Lawrence. Freie Mitarbeit in der Kulturredaktion des Schwäbischen Tagblatts. Co-Autorschaft bei den Theaterstücken Die Ohrfeige (2008) und Ein Heinz fürs Leben (2010), jeweils am Landestheater Tübingen aufgeführt. Finalist beim Open Mike 2010. Arbeitet als Gutachter für vers. Verlage in Berlin. Organisiert das Kleinkunstfest Bunter Abend – Dichtung Reise Rock’n Roll. Veröffentlichungen: Himmel und Fleisch, in Open Mike Anthologie 2010. In einer Dachgaube, in Katalog Dinge, Tübinger Stadtmuseum 2011. Pioniere, in ]Trash]pool Tübinger Literaturzeitschrift 2011.

Wo Schlangen und Fische (Auszug)

Robert stolziert über die Bretterstapel wie ein kleines Mädchen in Ballettschuhen. Weil überall Nägel rausgucken. Bisher hat es Vasilis immer alleine gemacht. Da konnte er fahren, wie er wollte, musste sich nicht das Gejammer anhören, was das für ein trauriger Anblick sei undsoweiter. Dauernd bleibt Robert stehen, setzt diesen versunkenen Blick auf und guckt runter zum Meer. Als könnte er von hier oben reinspringen. Wie der vom Meer erzählte, dieser Quatsch vom Vorbild-des-Himmels. Das ging ihm hier rein ins Ohr und da wieder raus. Typisch deutsch, keinen Funken Realität. Genau wie Iannis gesagt hat. Jemand muss ihm mal zeigen, wo es langgeht.

„Perfekt.“ Robert steht auf einem Fundament zwischen vier Betonpfeilern unweit der Deponie.

„Unten in der Bucht machen wir das Boot fest. Das hier wird deine Werkstatt. Wir machen ein großes Schild: VASILIS – UND DEINE KISTE SCHNURRT. Der Müll hier kommt weg. Ich zieh nen Olivenhain auf, fang Fische. Wir gucken aufs Meer, spielen Schach, lassen alles sausen. Sind wir nicht ein tolles Paar?“

„Verlierst du so gerne?“

„Ich hab nicht verloren. Iannis hat geschummelt. Ich weiß genau, wo sein König gestanden hat. Noch ein paar Züge und.“

„Ist ja gut. Heul nicht rum.“

„Mein Haus betritt der nicht.“

Der Jeep ist voll. Die Latten sind angebunden, aber Robert hält sie fest. Die Nägel machen Eindruck. Er sagt nichts. Das würde wieder die ganze Lawine lostreten. Ob er nicht mal auf die Zähne beißen könne. Wie er hier durchkommen wolle. Wer nicht von hier sei, müsse noch. Eigentlich wollte er einfach mal wieder mit Vasilis allein und sich nicht täglich im Ocean Drive die Zunge schwarz rauchen, auf Iannis Zug warten und bei Was-haben-nen-Albaner-und-n-Schaf-gemeinsam-Sie-kommen-nie-ungeschoren-davon auf die Schenkel klopfen.

Vasilis blickt nach vorn. In der Linken das Lenkrad, in der Rechten den Schalthebel. Robert beobachtet ihn, die geraden Lippen, sieht, wie sie lachen, gelacht hatten. Er nimmt sich vor, wenn, dann diesen Vasilis.

„Was willst du?“

„Lass uns noch nicht zurückfahren.“

Vasilis hat nachgegeben und sie sind noch runter zur Bucht. Die Sonne knallt gegen die weißen Steine und davon zurück. Kaum Schatten, kein Horizont.

„Augustblau“, sagt Vasilis.

„Blaublau“, sagt Robert und zieht sich aus.

„Los, diesmal musst du mitkommen.“

„Jetzt nicht. Zu viele Wellen.“

„Das ist geil da draußen, echt.“ Er zieht Vasilis die Hose runter.

„Malaka, bist du schwul!?“