Archiv | November, 2011

Kreuzwort am 28.11.: KREIPE, MANTEL, ROLOFF & STEINBRÜCK

16 Nov

Okay, das dürfte den meisten nun schon klargeworden sein über unsere Lettrétage-Übernahme, aber: Letztens erst wurde unsere scharmante kleine Lesereihe ein Jahr alt. Yay us! Mittlerweile sind wir schon bei der dritten Location angekommen, dem bezaubernden Damensalon in der Reuterstraße 39. Wie wir eigentlich dort hingekommen sind? Mit der U8 über die Stationen Schönleinstraße oder Hermannplatz, bei größerer Abenteuerlust haben wir die Busse 194 oder M29 genutzt. Carolin kann sogar bequem zu Fuß laufen, was allerdings bei der Wahl dieser schönsten der schönen Kreuzköllner Kneipen nicht ausschlaggebend war.

Jedenfalls werden wir am 28.11. erneut dort aufschlagen und begrüßen ab 20h freudigst euch und außerdem zwei alte Bekannte sowie zwei neue Gesichter, die mitsamt ihren Körpern aus dem eventuell ja okkupierten Frankfurt am Main einreisen! Lutz Steinbrück war schon am 11.10. bei uns und verkaufte mir damals seinen ersten Lyrikband mit Widmung für seine Oma („…dies ist nun meine Dichtersprache … es ist eben alles sehr modern!“) und gut einen Monat später gab sich Birgit Kreipe am 08.11. bei uns (damals noch im Schatzi Neuberg) die Ehre. Ihr zweiter Lyrikband ist grade in Arbeit – vielleicht nimmt sie ja Vorbestellungen entgegen, sollte jemand mit einer persönlichen Widmung seiner oder ihrer Großmutter eine Freude bereiten wollen. Wir freuen uns auch sehr über Marcus Roloff und Julia Mantel, die extra aus Frankfurt anreisen werden, um bei uns zu lesen – eine Gelegenheit, die sich selten auftut.

Deswegen 3€ Eintritt und etwas Nostalgiebereitschaft sowie Entdeckungslust einpacken und sich am 28.11. in den Damensalon begeben, um dem finanzmetropolitanen Stoffwechsel (Stoff… Textilien… Text…, ihr wisst schon) mal hautnah zu erleben.

 

Birgit Kreipe,

geb. in Hildesheim. Kindheit & Jugend auf dem Land. Studium der  Psychologie und Germanistik in Marburg, Wien

und Göttingen, lebt in Berlin.

Kurzprosa und Gedichte sind in vielen Zeitschriften und Anthologien erschienen (zuletzt in lichtungen, randnummer, in: Schneegedichte, hrsg. von Ron Winkler, im Jahrbuch Lyrik 2011)

Im Juni 2010 erschien wenn ich wind sage, seid ihr weg, Verlag im Proberaum, Klingenberg.

Im Winter 2011/12 erscheint „schönheitsfarm“ im Verlagshaus J. Frank, Berlin

Birgit Kreipe ist Mitglied im „forum der 13“.

 

löwen 

 

schaumkronen des windes, geflügelt

ihr hierhier in der mündung nordost

 

antwort auf die wiederholte

frage des meers: wo ist der strand?

 

letzter zuruf für taucher und träumer

zwischen boje und windpark gespannter

 

anker für boote und wolken

schweben von blau zu blau

 

magie für bäume im hinterland

die verstreut vom wasser träumen

 

gespielt auf dem gras, auf dem dünenkamm

heute die antwort für die, die das meer suchen.

 

julia mantel,

jahrgang 1974, studium der angewandten kulturwissenschaften in lueneburg,
seit 2000 konzentration auf lyrik, teilnahme an der textwerkstatt darmstadt unter der leitung von
kurt drawert, zahlreiche publikationen in anthologien, regelmaessige lesungen bundesweit.

lebt als autorin, strickkuenstlerin und sprecherin in frankfurt am main.

www.unvermittelbar.de

letzte veröffentlichung:

„dreh mich nicht um“
mit illustrationen von petrus akkordeon
fixpoetry-verlag/ hamburg 2011

 

für thomas brasch

streich mir das haar

aus der stirn,

 

ich habe bretter

vorm kopf, die

die welt bedeuten,

 

berühre mich dort,

wo ich nie gewesen bin.

 

Marcus Roloff,

geboren 1973 in Neubrandenburg (DDR), lebt als Lyriker und Übersetzer in Frankfurt am Main. Studium der Neueren deutschen Literatur, Philosophie und Kulturwissenschaft an der HU Berlin. Literarische Veröffentlichungen seit 1997, zuletzt u.a. in „Neue Rundschau“, „wespennest“, „Lyrik von JETZT zwei“, „alles außer Tiernahrung“ und „Jahrbuch der Lyrik 2011“. Im Herbst 2010 erschien im gutleut verlag Frankfurt/M. sein dritter Gedichtband „im toten winkel des goldenen schnitts“.

 

balcke + heym

überm winter die landschaft durch watte & licht-
schrulle leer. eisiger werder. er wolle den raureif
feiern. wenn er sterbe seien die menschen tot. wie
stottern sei das nur dass nichts hängen bleibe denn
da werfe man ja die silben in eine art doppelten
boden. die welt klappe nach hinten. aber eigentlich
stottere niemand. das sei nur reminiszenz an die
rememorierte gegend zwischen havel & havel.

 

Lutz Steinbrück,

geboren 1972 in Bremen. Studierte Germanistik und Anglistik in Oldenburg/Niedersachsen. Seine Magister-Arbeit „Fremde Heimat“ über Vechta in der Lyrik Rolf Dieter Brinkmanns erschien 2007 im Oldenburger BIS-Verlag. Seit 2004 lebt er in Berlin. Schreibt Lyrik, Artikel für Print- und Onlinemedien und macht Musik mit der Band „Nördliche Gärten“. Im September 2008 erschien sein erster Lyrikband „Fluchtpunkt: Perspektiven“ im Lunardi Verlag (Berlin). Sein zweiter Gedichtband „Blickdicht“ folgte im März 2011 im Verlagshaus J. Frank (Berlin). Einzel-Veröffentlichung von Gedichten in Zeitschriften (u.a. Poet, Ostragehege, lauter niemand, randnummer), in Anthologien (u.a. Deutscher Lyrikkalender 2011, Versnetze 3) sowie in Online-Portalen (u.a. Poetenladen, Fixpoetry, Lyrikmail). Nominierung für die 2.Lesung des Münchner Lyrikpreises 2011.

„Steinbrück scheut sich nicht, gesellschaftliche Realitäten in ebenso klarer wie scharfer Sprache aufzugreifen und diese in einem Zerrspiegel ad absurdum zu führen: wir sind auf Kurs / und es ist an der Zeit / unter Deck aufzutauchen / um einzuschlafen. Eine Lyrik, die souverän ihrer eigenen Logik folgt und weit davon entfernt ist, in moralisierende oder agitatorische Banalitäten abzudriften. Kein selbstgewisses lyrisches Ich, kein Agitieren von einem sicheren Standpunkt aus. Stattdessen entwirft Steinbrück surrealistische Szenarios auf der Höhe der Zeit mit dichtem Blick auf das Alltägliche. Scheinbare Gewissheiten, die sich auflösen, Perspektiven, die gebrochen werden und pointierte Devisen, gerne als ironische Aufforderung zur Leichtigkeit, wenn es etwa heißt: bitte nehmen Sie / ihr Leben doch / nicht zu persönlich.“

 

Götterclique, geschlossen

 

Du traumhaftes Mikrofaserland

wo die Beatmung der Reisebusse stagniert

wird der mit dem längsten Steuerknüppel

Klassensprecher dieser Autobahn

 
macht noch immer in Trikot-Etagen

macht billig macht das sein Garten ein Turm wird

sein Schwager hat die Elbe neu designt

und leuchtet davon ohne anzuhalten

 
die Ausweisung der Wettkampfzonen

stimmen sie ab im Club eine Art von Heim

hier

hier bleibt die Kälte im Dorf

Kreuzwort am 14.11.: crauss. / Breyger / Krämer / Schmid

6 Nov

Wenn man keine Ahnung hat, welchen semi-humoristischen Aufhänger man für den nächsten Blogeintrag zum nächsten Kreuzwort-Abend am 14.11. ab 20h hat, weil denken irgendwie anstrengend ist, dann hilft die wordpress-Statistik weiter: „straßenstrich nähe schönleinstrasse“, so kann man uns über google finden, scheint es. Schön. Statt sex kommen aber eher – Wahnsinnskalauer – text workers zu uns und aus der voyeuristischen bzw. ecouteuristischen (gibt es wirklich, das Wort) Perspektive muss man lediglich 3€ Eintritt hinlegen. Um das zu konkretisieren: Aus der Nähe des Straßenstrichs bzw. der U Schönleinstraße oder aber der U Hermannplatz kommt man ja sehr schnell in die Reuterstraße 39 und somit in den – weitere Wahnsinnspunchline von Wortspiel in 3, 2, 1,… – (Anstands-)Damensalon. Dort warten dann Yevgeniy Breyger – welcher auch am 16.11. in der Lettrétage lesen wird, dort allerdings PROSA, bei uns LYRIK -, Thorsten Krämer mit Prosa, Annina Luzie Schmid und crauss. kommen ebenfalls lyrisch.

In alfabetischer Order:

Breyger, Yevgeni: wurde 1989 in der ukraine geboren, lebt seit 1999 in deutschland. studiert kreatives schreiben an der uni hildesheim. hat mehrere preise und stipendien gewonnen, darunter ein arbeitsstipendium der stiftung niedersachsen und den mit 2000€ dotierten selma-meerbaum-eisinger literaturpreis.hat in zeitschriften und anthologien veröffentlicht, u.a: konzepte, bella triste, poet, wortwuchs.

funker

nimm dein tierpräparat in die hand, hier kannst du
nicht bleiben: geweihe, gewehr aufgehängt. moment,

du zeichnest mich ab. etwas kleines im nacken,
bestimmst du die art, den gehalt? schiene. zurück,

nimm dein tierpräparat, behalts. du faltest einen
doppelten knoten ins bild, ziehst mich auf. schleife

zwischen die hufen, geschenkt. spul an den anfang,
klemm das ding unter die arme, spann es dir ein.

crauss.:

(1971) ist ganz aus dem takt geraten, seit er vom städtischen museum als gogo-tänzer engagiert wurde. tingelt seitdem durch verschiedene textspelunken und legt sich, wenn er genug getrunken oder eine lakritzvergiftung hat, mit motorradhelden an. bücher, burschen, bilder und brandaktuelles auf www.crauss.de

(c) marvellous

Hier wird erkenntlich dass cräuss.sche Texte mehr Fäden haben als dieser Blogeintrag, dort bekommt man eine utopische/dystopische (man weiß es nicht) Zukunfts- oder Vergangenheitsvision zu Florians in Berlin, die vielleicht am 14. eintrefen wird oder Teil der Vergangenheit gewesen sein könnte. Kurz: Klicken & crauss. lesen!

Krämer, Thorsten: geboren 1971, lebt in Köln. 1998 erschien sein erstes Buch, „Ich heiße Hal Hartley“, seit diesem Sommer ist das fünfte erhältlich: „Der graue Cardigan“. Daneben zahlreiche Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien sowie Arbeiten für Radio und Fernsehen.

Ab Januar 2012 startet die Reihe krämer’s monthly mit jeweils einem Band pro Monat. www.thorstenkraemer.de

Aus „Der graue Cardigan“:

Meistens bin ich es, der das Besteck vom Frühstück in die Spülmaschine räumt. Aber nicht direkt. Vom Tisch wandert es zunächst in die Spüle, entgegen aller Weisheit in Sachen Organisation und Prozesse. Die besagt, dass man einen Gegenstand nicht öfter als notwendig in die Hand nehmen soll. Es ist schlicht ineffizient, das schmutzige Besteck erst einmal in die Spüle zu legen und dann, vielleicht eine halbe Stunde später, von der Spüle in die Spülmaschine zu befördern. In Wahrheit ist diese Handlungsweise natürlich nicht nach den Kriterien der Wirtschaftlichkeit ausgerichtet, vielmehr steht die Kommunikation im Vordergrund. Das schmutzige Besteck in der Spüle ist ein Angebot zur Teilhabe, ich biete ihr damit die Möglichkeit, ihrerseits aktiv zu werden. Ich lege das Besteck in die Spüle, sie räumt es von dort in die Spülmaschine. Auf diese Weise sind wir beide beteiligt, das Besteck verbindet uns. Das ist ein schöner Gedanke, finde ich, aber in der Praxis funktioniert das leider nicht so gut. Entweder ignoriert sie das Besteck in der Spüle einfach, oder sie fragt mich, warum ich es nicht gleich in die Spüle geräumt habe. Auf diese Frage aber antworte ich nicht, sie muss schon selbst dahinter kommen. Wenn man genau hinhörte, könnte man sogar einen leicht vorwurfsvollen Unterton in ihrer Stimme heraushören, aber ich bin meistens zu unkonzentriert, um so genau auf jede Nuance ihrer Stimme zu achten.

Schmid, Annina Luzie: Bloggerin, Social Media Beraterin, freie Autorin. Urheberin des GIRLS CAN BLOG Projektes (seit 2010) und des Litblogs Words On A Watch (seit 2007). Veröffentlicht in diversen Print- und Online-Magazinen. Geboren in Zürich im Jahr 1983, derzeit wohnhaft in Berlin.
www.anninaluzieschmid.net und http://wordsonawatch.blogspot.com/

ich in tüll laken lackkleid nag am fensterrahmen bricht licht in triangelstrahlen staub wendet sich blendet und ich urban es urbakterium will unter wasser ober flächen molekül sein mir von dir mit spitzen lippen zeigen lassen wie die fische machen algen mähen zwischen heiligen korallen mit dir fieberpirouetten drehen in tiefsee kissengraben sinken auferstehen als dampf noch einmal durch die nacht als regen wieder niedergehen…