Archiv | Mai, 2011

Der parlandopark ist umgezogen und präsentiert morgen (29. 5.) internationale Lyrik

28 Mai

Bevor es am 13. Juni bei uns mit einem erstklassigen Berliner Prosaabend weitergeht, zu dem wir HANNES KÖHLER („In Spuren“, mairisch), SASCHA REH („Falscher Frühling“, Schöffling & Co) und TOM MÜLLER (open mike-Entdeckung) begrüßen dürfen, reisen wir morgen mal wieder in Richtung Prenzlauer Berg: Zum parlandopark mit den frisch eingeflogenen Lyrikern EFE DUYAN aus Istanbul, MACGREGOR CARTS und  BRANDON DOWNING aus New York. Moderiert wird der Abend von Uljana Wolf und Hendrik Jackson.

WICHTIG, WICHTIG: der parlandopark findet nicht mehr im Soupanova statt, sondern im:

St. Gaudy Café
Gaudystr. 1
Prenzlauer Berg
zwischen Eberswalder Straße U2
Tram M1 und M10 Station: Milastraße
und S-Bahn Schönhauser Allee

Beginn, wie immer um 20 Uhr.

Der Eintritt bleibt natürlich frei!

Die Dichter:

Duties of an English Foreign SecretaryMacgregor Carts erster Gedichtband, wurde 2009 bei Fence Books veröffentlicht, 2011 folgte das Chapbook The Archers. Er war Mitherausgeber der Literaturzeitschrift Gem: A Journal of Poetic Research (siehe Archiv auf www.germspot.blogspot.com) und Kurator der Montagslesungen im St. Mark’s Poetry Project. Er lebt in New York, wo er Poesie am Pratt Institute untterichtet.

Der Filmemacher, Videokünstler und Dichter Brandon Downing kommt aus der San Franscisco Bay Area und lebt seit 2000 in New York, wo er als Austellungsdesigner und Autor arbeitet. Er veröffentlichte u.a. die Gedichtbände The Shirt Weapon (Germ 2002) und Dark Brandon (Faux, 2005) sowie die DVD Dark Brandon // Eternal Classics. Seine aktuellen Fotoarbeiten sind auf www.brandondowning.org zu sehen. Als VJ der New Yorker Lesereihe „Space Space“ wird Brandon Downing für Werke wie seine Lassie-Video-Oper gefürchtet und geliebt.

Efe Duyan ist Dichter und Architekt. Er lehrt Architektur an der Mimar Sinan Fine Arts University, Istanbul. Duyan war Mitherausgeber der Zeitschriften NikbinlikDamarSol und Sanat Cephesi, er veröffentlichte Gedichte und Essays in literarischen Magazinen wie Edebiyat Eleştiri und Öteki‐Siz undlas bei diversen internationalen Literaturfestivals2006 wurde sein erster Gedichtband Takas (mit Kemal Özer) veröffentlicht; sein Buch Construction of Characters in Nâzım Hikmet’s Poetry erschien 2008.  Das Internetmagazin Maintenant schreibt über ihn: Efe Duyan is one of the most resolute stylists and theorists of his generation, a lauded Nazim Hikmet scholar and an architect by trade, his eloquent and erudite poetry has earned him a reputation across the continent.”

Advertisements

KREUZWORT am 23.05.: BOSSONG, MAROLDT & RUDOLPH

17 Mai

Liebe (potenzielle) KREUZWORT-Besucher, wieso ist eigentlich so wenig los im Mai? Geht es nur mir so oder ist diese klatschige Humidität nur ein Symbol für die Trägheit des müden Zeitgeists? Wichtiger noch: Wen interessiert das, am 23.05. ist schließlich wieder KREUZWORT im Schatzi Neuberg in der Kottbusser Straße 13. Los geht’s nach Entrichtung von 3€ (manche benutzen so bekloppte Worte wie „Bespaßungsgebühr“, wir entschuldigen uns abermals für den leicht angehobenen Preis – das dient der Kostendeckung, wir bitten also um Verständnis) um 20.30h, etwas früher da zu sein hat allerdings noch nie jemandem geschadet. Dann hat man schließlich die Chance auf ein Bier oder einen frischen Minztee (der ist exquisit, ernsthaft!) mit unseren Gästen Nora Bossong, Philip Maroldt und Andre Rudolph. Wie die ihr Leben vor dem nächsten Montag verbracht haben und was sie in dieser Zeit so geschrieben haben, ist hier einzusehen:


Nora Bossong, geboren 1982 in Bremen. Sie studierte Kulturwissenschaft, Philosophie und Literatur an der Humboldt-Universität Berlin, der Universität Leipzig und der Università La Sapienza in Rom (Italien). Ihr Magisterstudium schloss sie mit einer Arbeit zu David Lynch ab. Für ihre literarischen Arbeiten erhielt sie mehrere Auszeichnungen, so den Wolfgang-Weyrauch-Preis 2007 und den Kunstpreis Berlin in der Sparte Literatur 2011. Zudem war sie Writer-in-Residence an der New York University (USA) sowie an der Universität Nanjing (VR China).

Einzelveröffentlichungen: Gegend (Roman, FVA 2006), Reglose Jagd (Gedichte, ZuKlampen 2007), Webers Protokoll (Roman FVA 2009), Sommer vor den Mauern (Gedichte, Hanser 2011).


Rolandslied

Und gingen wir durch meine Mutterstadt
fast lautlos, sprach er nichts, als bliebe es so
ungesagt und lag in diesem Sommertag
ein heißes Flüstern, gab uns kein Baum,
kein Tunnel Schatten, ließ meine Hand von
seiner Hüfte ab und fragte er mich nach
des Laudons Grab – ich weiß nicht, glaub,
er wollte nicht mehr weiter,
mein Vater.


Philip Maroldt, geboren im November 1981 in Berlin. Studium der Literaturwissenschaft, Geschichte und Philosophie an der Technischen Universität Berlin. Musiker. 2004 – 2009 Mitorganisator der S3 LiteraturWerke (www.s3-berlin.de). 2006 Mitherausgeber der Anthologie „Wat los Parzen?“. 2008 und 2010 Finalist beim open mike der literaturWERKstatt Berlin. 2010 künstlerischer Leiter der vom Berliner Senat geförderten Lesungsreihe DAT3NSCHRE1BER. Mitarbeit beim poesiefestival berlin 2011. Veröffentlichungen aktuell: Prosa in Randnummer – Literaturhefte Nr. 3 sowie in 1+1+1=1 Trinität, Edition Korrespondenzen 2011.
Herbst 2011 erscheinen Gedichte & Poetologisches in der Zeitschrift OSTRAGEHEGE.
Außerdem ist der text „rube-goldberg-cube“ in der aktuellen Ausgabe von karawa.net zu lesen.

1011

im mai verdichten sich wolken
_____________________________mitunter spontan zu etwas
wie leitstraengen doppelt gewunden
_____________________________verdrillt tatsaechlich diskret
wie das erbgut noch unaufgewogen –
_____________________________schwerelos fast reiner geist doch
erst wenn sie eindunkeln wird
_____________________________aus dem himmel ein lichtspiel
aus lesbaren glyphen fluessig
_____________________________kristallklare spuren die iris
wird schluessel fuer kunden
_____________________________halbierte stunden & sogar
der hagel schlieszt heute den feldversuch
_____________________________irgendwie liebevoll ab unter
schonung der apfelbaumschule


Andre Rudolph, geboren 1975 in Warschau, aufgewachsen in Leipzig. 1993-1999 Studium der Germanistik, Philosophie und Slawistik in Leipzig und Freiburg. Lebt als Autor und Übersetzer in Leipzig. Gedichte, Essays und Übersetzungen in zahlreichen Zeitschriften und Anthologien, u.a. Sinn und Form, Edit, BELLA triste, Intendenzen, Sprache im technischen Zeitalter, Akzente, Ostragehege, Gegenstrophe, Lyrik von Jetzt Zwei, Neubuch, Jahrbuch der Lyrik, DIE ZEIT. – Einzelne Gedichte wurden ins Englische, Polnische und Rumänische übersetzt und vertont. „Fluglärm über den Palästen unsrer Restinnerlichkeit“. SWR-Bestenliste März 2010. (In der Endrunde zum Peter-Huchel-Preis 2010.) Übersetzungen polnischer Lyrik. Finalist beim 15. Open Mike der LiteraturWERKstatt Berlin 2007, Prosanova-Literaturpreis 2008, Lyrikpreis Meran 2010, Kranichsteiner Literaturförderpreis 2010 und Preis der Schülerjury, Stipendium des kunstraum sylt:quelle 2010, LCB-Übersetzerstipendium 2010, Wolfgang-Weyrauch-Förderpreis 2011 (Leonce-und-Lena)


on the roof


da oben, auf dem beleuchteten dach, saß
gestern früh um halb fünf
diese amsel, du erinnerst dich, und
klackerte mit ihren pfennigabsätzen, während
wir unser gutenachtbier tranken
und ihr zuhörten;

gedichte über amseln haben ja
den vorteil, dass sie schwarz sind und
von den rändern her singen,
das problem bei diesen vögeln ist nur,
dass sie es einem nicht leicht machen,
das thema zu wechseln, wenn sie
einmal aufgetaucht sind;

ja, christoph, es war eine lange nacht
und wir haben wiedermal versucht, gemeinsam
so eine lady aufzutun, aber als sie dann
zwischen uns auf deinem sofa saß, ließ sie es
kaum zu, dass wir auch nur in gedanken
ihren goldnen bauchnabel berührten;

golden war ihr bauchnabel, ja, und aus
zungen, und aus lauterem gold, und üppig war sie
wie die sicherungskopie einer mahlersinfonie,
aber ihre außentemperatur: höchstens 35
grad, und mit ihr zu tanzen schwerer als
damals deinen kleiderschrank übers
treppenhaus in die dritte etage zu wuchten,
good lord;

ich sage dir, wir hätten unsre rumänischen
trachtenkostüme rausholen sollen, dann hätten
wir vielleicht eine chance gehabt, aber
ich hab ja ihre hände studiert, glaub mir, diese über-
scharfe merkurlinie, die sich entlang
ihrer handkanten hinzog wie eine alte wunde, –
das hätte wirklich andere maßnahmen
erfordert, – ja, hätte es wohl;

jemand muss sie verletzt haben, sagst du,
und hast vielleicht sogar recht, aber
das rettet uns jetzt auch nicht mehr;
ja, nein, lassen wir es, man muss nicht immer
alles ausbabeln, nicht wahr, bis zum großen
finale…

genau, lass uns die amsel bezahlen und gehn.

Langes Buchwandeln um die Ecke – Gute Nacht, Oranienstraße.

13 Mai

Bis zum nächsten Mal KREUZWORT mit NORA BOSSONG, ANDRE RUDOLPH und PHILIP MAROLDT ist noch gut eine Woche hin – also heißt es auch dieses Jahr: ab in die Nachbarschaft, subversiv in Kreuzberg oder „Bücher lokal im Lokal für lau an lauer Sommernacht“ –

Zur 13. Langen Buchnacht in der Oranienstraße

(Im nächsten Jahr sollten wir da auch mal mitmachen…)

Und hier die herausgepickten Rosinchen oder besser Sternchen:

Unter dem charmanten Motto „Punker, Prolls und Prothesen“ liest der  Heinrichplatz-Lokalmatador (naja, Schwaben-Cowboy) und gelernte Zahntechniker Patrick Findeis um 19 Uhr im guten alten Videodrom (Oranienstraße 195). Das bedeutet Provinz, Punks, Prothesen, Prolls und Pils (Wir hörten von Freigetränken!) Es moderiert Lokalgröße Katy Derbyshire – na wenn das nichts ist!

Weiter gehts Richtung Likörchenkollektiv, bei Tante Horst (Oranienstraße 45) liest ab 19.30 Uhr Tanja Walther-Ahrens, Ex-Turbine Spielerin, aus „Seitenwechsel – Coming Out im Fußball“. Auch wir wissen nicht ob es Frankfurt am letzten Spieltag erwischen wird oder nicht, aber wer danach nicht die Schnauze voll von Fußball hat, kann sich hier über Homosexualität im Lieblingssport der Bevölkerung informieren.

Nächster Halt SO36 (Oranienstraße 190) – tschüss Balladen, Popliteratur, Punkstories – diese Lesung huldigt dem Rock’n’Crime. Wir haben zu lernen: „Von den dunklen Seiten des Lebens handeln gute Rocksongs ebenso wie gute Kriminalstories.“ Ab 20.30 Uhr lesen Ralph Gerstenberg (Hg.) und Ambros Waibel, musikalischer Live-Act Sedlmair, Trash-Elektropunk, das grandiose Ein-Mann-Orchester.

Wem das nicht so zusagt, bleibt beim Likörchen und Tante Horst. Ab 21 Uhr gesellt sich Volker Surmann hinzu und berichtet über „Heimat, Sex und Flusspferdpflege“.

Und wieder zurück ins SO36 ab 22.20 Uhr oder dageblieben: Christian Keßler liest aus  „Die läufige Leinwand“. Tolle Beschreibung: Der Autor präsentiert „einen bunten Strauß von Obskuritäten aus dem Bereich des Erwachsenenkinos der 70er- und frühen 80er Jahre. Anhand einer Auswahl von (weitgehend jugendfreien) Ausschnitten soll der Unterschied zwischen dem Pornokino von einst und jenem von heute illustriert werden, mit einem suggestiven Blick auf die Wege, die das Genre schon morgen beschreiten könnte. Die begleitenden Ausführungen geben einen Eindruck von der historischen Entwicklung, Irrwege und Probleme werden nicht ausgespart. Neben abgründigem Schmodder blitzt hier und da echte Ambition auf, die Lust an Guerilla-Filmarbeit mit niedrigstem Budget. Die Leseshow wird sich mit den Graupen wie den Highlights befassen und ein wenig beleuchtetes Kapitel der Filmgeschichte anschaulich machen.“

Wer um 00 Uhr noch fit ist, sollte doch mal Richtung Ballhaus Naunynstraße (Naunynstraße 27) und den Los Superdemocraticos einen Besuch abstatten, um sein politisches Vokabular in Sachen Liebe, Politik, Arbeit und Migration im 21. Jahrhhundert aufzumöbeln – internationale Autorinnen und Autoren aus Deutschland und Lateinamerika helfen dabei.

Wer schon immer mal auf Krankenhausparkett tanzen wollte, kann dies ab 23.30 Uhr im 3 Schwestern, Bethanien (Mariannenplatz 2) bei der Tanz auf dem Vulkan – Party tun.

Zur eigenen Routenplanung: http://www.lange-buchnacht.de/

KREUZWORT experimentell mit Ilja WINTHER, Tristan MARQUARDT und Ulf STOLTERFOHT am 09.05.

4 Mai

Die beste Zensusvermeidungsstrategie ist ja immer noch die: Einfach nicht zuhause sein*. Um einen adäquaten und bequemen Ersatzrahmen zu schaffen, gibt es am Stichtag der modernen Volkszählung, am 09.05. deshalb auch endlich wieder einen KREUZWORT-Abend. Abende beginnen meist um 20.30h und die 3€ Eintritt sind lediglich dann zu entrichten, wenn man kein Zimmermann mit hochschwangerer Ehefrau ist. In einem solchen Fall würden wir Esel und alles weitere stellen, so könnte ja immerhin das Schatzi Neuberg in der Kottbusser Straße 13 zwischen U Kottbusser Tor und U Schönleinstraße der Ausgangspunkt einer neuen monotheistischen Religion sein. Solange wird aber ja seitens der Autoren fleißig geboren und das volle Kanne aus dem Broca-Zentrum: Ilja Winther, Tristan Marquardt und Ulf Stolterfoht werden uns ein klein wenig lyrische Hirnschau genehmigen. Das liest sich alles so an:

Ilja Winther, geb. 1989 in Horst, lebt in Berlin. Schreibt Lyrik und Kurzprosa. Seit 2010 ist er Mitglied des Lyrikzirkels G13 (http://gdreizehn.wordpress.com).

zündet sie an
die heidschnucken vor den toren
der hure hannover
reißt die mauern ein
erbaut sie neu
denn es liegt luft
in der luft

soldat mit battnz auf der brust
landet weich im blumenbeet
neben dem gartenzwerg
nach dem hangover auf dem balkon
seiner großeltern

innerlich nun ein rumäne
die haare entsprechend
libysche lovesongs auf den lippen
und tartarischen brotaufstrich im gebiss
ruft er: ja!
und: auf!

Tristan Marquardt, geb. 1987 in Göttingen, lebt in München und Zürich. Schreibt Lyrik. War 2009 Mitgründer des Lyrikzirkels G13 (http://gdreizehn.wordpress.com); 2009/10 Teilnahme an den open poems unter der Leitung von Ulf Stolterfoht; 2010 Einladung an das Poesiefestival Berlin und das Festival Localize in Potsdam. 2011/12 wird sein Langpoem „diskrete eskapaden. lou andreas-salomé und rainer maria rilke in russland“ als Drama in Zürich uraufgeführt. Publikationen in Zeitschriften.

was ein glück! neues ist aus dem hütsamen schatz kleinstädtischen 
almanachs an unser ohr gedrungen. erinnern wir uns: zuletzt drang 
unschätzbar rezitabel ‚unwesentliches, das sein unwesen treibt‘ ein
 und das gilt es zu bewahren! nur an den marginalien der sozialen

 sauklaue lassen sich schließlich die kapitälchen überhaupt noch als 
solche betrachten / beträchtlich ächten: denn wie vernünftig bitte 
wäre rationalisierung ohne die ultras von lok leipzig? was wöge arbeit- 
geberpräsident hundt ohne abnahme? und wie viel macht hätten die

 bullen WIRKLICH? schwenk. deplatziertes umzusetzen ist das ein- 
zige gelenk des widerstands. und in genau dieses horn bläst auch der 
almanach in diesem jahr, wenn er besagt: wer immer im kommunen 
sud suhlt, verlässt ihn als gebranntes kind. wer andern an die gurgel

 greift, muss selbst über eine hand verfügen. geht die wurst erst um, 
geriert sich fleischkonsum als ungeheuer / elefant. dann gewinnt an 
harm, was jetzt noch los. ist überhand, was noch verlängerter arm. al- 
so höchste eisenbahn. am horizont grassiert die causa v-männer im

 unterhemd / wäsche als sozialer fakt: zur unkenntlichkeit einer abend- 
sonne. und selbstverständlich ist die zunahme linker gewalt nur mit zu- 
nehmender gewaltbereitschaft zu erklären. das wusste der almanach be- 
reits 202 vor: hannibal vs. scipio. als die elefanten auf der strecke blieben.

Ulf Stolterfoht, geb. 1963 in Stuttgart, lebt in Berlin. Lyriker und Übersetzer (u.a. J.H.Prynne, Tom Raworth, Gertrude Stein). Zuletzt: „ammengespräche“, Holderbank: roughbooks 2010. Knappe der Lyrikknappschaft Schöneberg und Mitglied des Impro-Kollektivs DAS WEIBCHEN. Im Internet betreibt er die linke Tageszeitung BRUETERICH TM (http://ulfstolterfoht.wordpress.com/).

tabor hardcore ecstasy. für clemens gadenstätter

erst mal was zum drüber brüten - etwa: fishygods gaggin oystrygods. 
wie hochkomplex das rockt. dann zuspielung aus dem bösendorfer- 
saal: "ein luigi nono / es gibt nur ein luigi nono" - schleife ad lib. dann 
landkreis mayen gegen erweiterte obertonreihen. dann lachenmann 
(against all odds). und dann sind wir quitt. ich leg das doobie brothers-

tape ein / du sagst, für dich dürfts auch sun ra sein. oder schnebel 
gegen die ihn umgebende gegend. so einer wird auch ungesignet 
gelabelt. dann meidlinger männergesang gegen den bund der schwer- 
metaller stockerau. admira-supporters gegen homophobie und män- 
nergewalt. man traf sich für gewöhnlich im café sperlhof, um bier zu 

trinken und der eigenen gesellschaftsverachtung freien lauf zu lassen. 
komponisten nämlich sind zwitter: halb mensch, halb stuhl. und ihre 
hauptaufgabe besteht in der drastifizierung des satzes. an diesem 
punkt tritt schönbergs tochter auf, die spätere frau nono. sehr heftig 
wettert webern gegen def leppard. merle haggard verachtet alle mo-

dalen systeme. alban berg zuletzt gegen den riesenhaft aufragenden 
mißbrauchsbeauftragten der pietistischen gemeinden in vorarlberg und 
rest-tirol. es ging sich gerade so aus. pinzgauer künstler gegen tempo 
130. gebühren-igel gegen die noise-hölle imst. gstaad wurde für jahre 
von charly steeb dominiert. dann glutrote sonne. dies leuchten über dem

musikverein ("ein anton webern / nur ein anton webern"). extreme diri- 
gentenbewegung für gerade mal ein beschissenes cis. hindemith. mark e. 
smith. das licht, das früh um fünf auf den augarten trifft - ist das etwa nichts? 
so manche frage ist offen geblieben - das stimmt! aber bitte bedenken sie: 
ich habe dieses gedicht auch nur in unterhose ("schlüppi") geschrieben. 
*Auch möglich eigentlich: Nicht die Tür aufmachen oder Jedi Mind Tricks anwenden (ihr wisst schon „Those aren’t the droids you’re looking for“, nicht die Band)