Archiv | Februar, 2011

Der nächste KREUZWORT-Abend am 28.02. (Achtung: Ortswechsel! Findet statt in der PRIMITIV BAR)

24 Feb

Liebe KREUZWORT-Aficionados, das ist jetzt zwar ein Allgemeinplatz, aber: Alles hat einmal sein Ende. (Ausnahmen: Die Wurst, die zwei hat und die Debatte darüber, ob Lyrik immer noch zeitgemäß sei hat kein  Ende). Was nun leider, leider sein Ende hat, ist das Schatzi Neuberg, in dem wir ja seit unserem Beginn im September gastierten. Dieses schließt überraschend am Freitag (Abschiedsparty, bitte alle in Schale werfen und vorbeikommen!) und wir stehen im Moment obdachlos da, jedenfalls bis das Schatzi-Team Ende März eine neue Kneipe eröffnet. Dastehen ist eigentlich nicht das richtige Wort, wir arbeiten mit Hochdruck an einer Ausweichlocation für die nächsten beiden Termine und werden die hoffentlich in den nächsten drei Tagen gefunden haben. Kurz: KREUZWORT findet nicht im Schatzi Neuberg statt!

Stattdessen befinden wir uns für diesen und den nächsten Termin in der PRIMITIV BAR in der Simon-Dach-Straße 28 los geht’s diesmal schon um 20h, der Eintritt beträgt 3€ (kleiner erhöhter Unkostenbeitrag, leider).

Wo auch immer wir unterkommen, es lohnt sich natürlich mal wieder sehr mit immerhin vier hochkarätigen Gästen: Tobias Amslinger, Konstantin Ames, Mara Genschel und Norbert Lange werden nicht nur vorzulesen, sondern uns das Ruder etwas aus der Hand reißen, wunderbar! Hier also keine biobibliographischen Abrisse, sondern Texte, die für sich selbst, also von anderen für andere eigentlich sprechen:

Über Mara Genschel:

Ich werde mir doch noch auch einen Hut zulegen müssen. Immer diese vielen Redensarten. Mara Genschel gehört zu jener kleiner werdenden Gruppe von Kollegen, die die eigens gemutmaßte Menschenkenntnis irritieren. Ich weiß noch, wie ich von ihrer impulsiven und nonchalanten Art wenig begeistert war 2007. Da setzte wer Thesen über mich an die Lagerfeuerluft; und nur eines war da klar: Du bist jetzt am Zug, Junge! Weißt Du, worüber Du sprichst und schreibst oder schwafelst Du nur? Alle wollen das ja voneinander wissen: Ist das Gegenüber Dampfplauderer oder kompetent? „Wenn wir über Jemanden umlernen müssen, so rechnen wir ihm die Unbequemlichkeit hart an, die er uns damit macht.“ So der Röckenphilosoph. Mara Genschel ist (was immer sie sonst noch ist, noch sein wird) eine junge Dame mit Rückgrat. [An dieser Stelle steht normalerweise ein für besonders aussagekräftig gehaltenes Zitat, möglichst aus dem Zusammenhang gerissen … Lest doch am besten ihren Band Tonbrand Schlaf.] Die Haltung, die Stimme verrät die Dichterin, aber nicht eine aus dem Muséo Romantico, so der Titel eines ihrer Poeme. Schade, dass es so wenige Tonaufnahmen gibt. Es wirkt nichts, was ich von ihr kenne, bedächtig-erwägend, modellierend und strategistisch. Mut. Ich habe sie einmal in der Nähe existentialistischen Kitsches gewähnt. Es ist aber doch so: Die menschelnsten Verse der Menschen sind die Mara Genschelschen. Schapoh, Mamsell! (Konstantin Ames)

Über Norbert Lange:

Norbert Lange, wenn meine Erinnerung mich nicht täuscht, gebar 1978 das Licht der Welt in Gdingen, wo er im Rheinland denn auch aufwuchs (danach). Meines Wissens hatte er nie, wie ich ihn hatte, den regen Kontakt zu Fohlen, Pferden und Hengsten. Aus diesem Grunde ist seine Dichtung bis heute geprägt durch Verlustbekenntnis und Ausschreitung. Ich traf ihn (herrje, wir waren beide noch Stuten!!) rauchend in der sogenannten Cafeteria und das ist bis heute so geblieben. Viel mehr vermag ich zu ihm nicht zu sagen, denn: ich verstehe seine Dichtung nicht und wüsste auch niemand, der sich dessen rühmen täte. Vielmehr: rühmen zu trauen täte. Wie auch? Jedesmal, wenn ich denk, der Dreh trete nun deutlich zutage, dreht sich der Dreh um die Achse und tritt mich. Manche sagen, das hängt am Klang, aber ich weiß nicht. Wenn er seine Dichtung spricht, kehrt der klingende, mich tretende Dreh mir sogar den Rücken und geht, wenn das überhaupt geht. Dennoch würde ich für Norbert Lange meine Hand in das Feuer der Schönheit legen, denn anders als bei den anderen, liegt seine Erkenntnis nicht im See begraben, wo Sie mit Ihren kleinen Booten achtlos darüber schaukeln und so tun, als blickten Sie in die Tiefe. Nein, Norbert Langes Drehbewegungen streben an die echte Luft und da müssen Sie erst mal gucken, ob Sie die zu erfassen, was sag ich, zu fressen überhaupt fähig sind… Dabei bleib ich. (Mara Genschel)

Über Konstantin Ames:

Ich traf eins und fragte es, was Poesie sei. Es versetzte mir, Nützlichkeit sei das Letzte. Und dieses heißt Reißwolf und jenes heißt Ökoöl. Oder Poesie per Livestream. Oder Life Conditioner. Eine seltene Säure. Jeder Engel geht einem schrecklich auf die Nerven. Andere Gerichte sind Elegien. Viel Glück beim Sampling! Oder bei der Engführung. Da falle ich aus den Wolken. Wir, das Volk, Ich das Ich,lebendig und auf jedem Dokuspaßkanal. Wer Geschichtsknoppers liebt, sollte jetzt besser gehen. Zu wünschenswert. Sagt „Tschüss“ dem dreifach gesattelten Pferd. Manche tragen das Eiserne Kreuz auf der Brust, andere auf ihrem Rücken. Doch kein Spitzenkönner hat es mehr verdient: Konstantin Ames. (Norbert Lange)

Über Tobias Amslinger:

Ein Neuzugang zu Schöneberg. So heisst, mit Andreas Koziol gesprochen, eine Art von Dichtersmann. Nicht zu verwechseln mit dem Poeten von der Stange. Man könnte hier den Ort suchen, an dem der Text Wasser lässt –ein Kniff, der nicht ganz damit getan ist, daß man beim Lesen die Augen schließt und der Musik folgt. Und sie warfen sich über das Schweigen und rissen ihm das eine aus dem Mund und zogen ihm die andere weg und stellten das Wort auf die Beine. Und es fühlte sich endlich aufgehoben und hochgenommen, und wenn die Schatten Wort halten, dann fällt es nur noch in lichten Momenten. Aber das steht auf einer anderen Axt: Tobias Amslinger. (Norbert Lange)

Am Freitag (18. 2.): Verstreiben, Schienenfrost & Wortgestöber

16 Feb

Hier schonmal einer unserer Wochenend-Ausgehtipps:

Lesung mit Birgit Kreipe, Ruth Johanna Benrath und Lutz Steinbrück, Musik von Michael Groneberg (Gitarre) in Prenzlauer Berg. („Rentiere müssen draußen bleiben.“)

 

Freitag, 18. Februar 2011, 20:00

Eintritt:  frei, um Spenden für die Künstler wird gebeten.

Ort: Periplaneta Berlin, Bornholmer Str.81a, 10439 Berlin

Kontakt: hq@periplaneta.com

Birgit Kreipe und Lutz Steinbrück werden Lyrik lesen, schließlich veröffentlichen beide 2011 eigene Gedichtbände im Berliner Verlagshaus J.Frank. Ruth Johanna Benrath schreibt Lyrik und Prosa und wird 2011 im Suhrkamp Verlag ihren zweiten Roman veröffentlichen. (Rentiere müssen draußen warten.)

Ruth Johanna Benrath (Jg. 1966) veröffentlichte Lyrik und Kurzprosa in zahlreichen Literaturzeitschriften, u.a. im Jahrbuch der Lyrik 2010. Sie debütierte 2007 mit dem Gedichtband „Kehllaute“ (Lunardi Verlag). 2009 erschien im Steidl Verlag ihr erster Roman „Rosa Gott, wir loben dich“, für den sie mehrere Stipendien erhielt. Ihr zweiter Roman „Wimpern aus Gras“ wird 2011 bei Suhrkamp erscheinen.

Birgit Kreipe (Jg. 1964) hat in vielen Zeitschriften und Anthologien veröffentlicht. Auf ein Fixpoetry-Heft (2010) folgt 2011 ihr erster Lyrikband im Verlagshaus J. Frank. Sie ist Mitglied im „forum der 13“. Zur Zeit arbeitet sie an einem Manuskript, in dem Märchen, eigensinnige Psychoanalyse und Früchte aller Art eine Rolle spielen.

Lutz Steinbrück (Jg. 1972) schreibt Lyrik, Artikel für Print- und Onlinemedien und macht Musik mit der Indie-Band Nördliche Gärten. Sein erster Lyrikband „Fluchtpunkt:Perspektiven“ erschien 2008 im Lunardi Verlag, sein zweiter folgt 2011 im Verlagshaus J. Frank. Weitere Veröffentlichungen in Zeitschriften (poet, Ostragehege, randnummer u.a.), Online-Portalen und Lyrik-Anthologien.

Mehr zum nächsten KREUZWORT-Abend am Montag, dem 14. Februar (auch „Valentinstag“ genannt)

7 Feb

Wie schon angekündigt, werden wir mit dem schüchternen Tom Bresemann, dem pornösen Philip Maroldt und dem schrecklichen Georg Leß am „Valentinstag“ ordentlich Radau machen. Von unschuldiger Liebe über Sex und Porno bis hin zu Horror und Verstümmelung ist hier alles vertreten. Zusätzlich wird alles noch mit einem My-Bloody-Valentine-Preisrätsel und einer kleinen feinen Poster-Slideshow zum Thema „Herzen im Horrorfilm“ von Georg Leß aufgemotzt – warum also ein Vermögen für Blümchen, Pralinchen und Häppchen beim Edel-Franzosen ausgeben: Hier spielt die Musik, Freunde der gepflegten literarischen Unterhaltung.

Am Montag (14.2.) mischen wir mal wieder den Betrieb auf. Wir sehen uns ab 20.30h im Schatzi Neuberg (Kottbusser Straße 13, zwischen den U-Bahn-Stationen Kottbusser Tor und Schönleinstraße). Der Eintritt beträgt 2 Euro.

Nun mehr zu unseren Gästen:

TOM BRESEMANN

hat neben vielen Veröffentlichungen in diversen Magazinen und Anthologien auch einen eigenen Gedichtband „Makellos“ veröffentlicht. Zudem ist er Mitbegründer S³ Literaturwerke und der Lettrétage.

„Sie, vor ihm auf Knieen, den Kopf zurückgedreht, sie, unter ihm, die Unterschenkel fest um sein Becken gewinkelt, die Finger in seinen Hintern verkrallt, das ist dabei.
Juliane, die sich nicht küssen lassen will. Ihr Leben hängt davon ab.
Immer wieder Juliane, den Kopf von-rechts-nach-links werfend, dann innehaltend, aufblickend, unter der glänzenden Schminke, unter der Haut kein Gesicht, das seine rechte Hand nimmt, sich an den Hals legt:
– Drück zu!
Konstantin, der zudrückt.
Juliane, die beginnt, schneller zu atmen, das ist daraufhin. Die Halsschlagader tritt deutlicher zu tage. Konstantin empfindet Wut in sich aufsteigen. Der Hals ist so dünn, dass man ihn mit einem festen Griff jetzt einfach durch brechen könnte, denkt er.
Er kann die Lymphknoten erkennen, würde sie aber nicht als geschwollen bezeichnen. Die Haut konturiert ein System von Adern, das sich umso deutlicher abzeichnet, je fester er zudrückt. Die Haut verfärbt sich bläulich unter den Fingern, und obwohl er weiß, dass das normal ist, ekelt sich Konstantin vor der Verfärbung.“

PHILIP MAROLDT

wurde geboren. Schreibt.

„Ich habe beinahe vergessen, wer hier eigentlich erzählt, daß ich es bin, der etwas zu berichten hat, etwas, das alles gesagte aufhebt und endlich einen Neuanfang bedeutet, eine innere Revolution, die sich von keiner Musik aufhalten, zurückhalten läßt, die das Äußerste nach Innen kehrt, die mich in eine schöne neue Welt zurückkatapultieren wird, nein, bereits katapultiert hat – denn jetzt, an genau diesem Punkt ist längst alles entschieden, die kleinen, schwer fassbaren Strukturen vermehren sich bereits unaufhaltsam in meinem Körper, dringen in meine Zellen ein als sanfte, mitleidlose Schläfer, setzen mich einem heilsamen Terror aus, der mir ein neues Leben ermöglichen wird, in dem jede Sekunde zählt.“

GEORG LEß

1981 in Neheim geboren, wohnt in Berlin. Er veröffentlichte Lyrik und Prosa in Literaturzeitschriften und Anthologien.

Auszug aus einem Liebes- und Phantomroman

„Lebendig und zu Hause angekommen stolperte ich als erstes über die ausgestopfte Bestie, wobei sie den gesamten Flur entlang rutschte. Es lösten sich einige Zähnchen, sprangen klacklacklack über die Dielenbretter, sowie ein längliches Knochengebilde, das bei späterer Inspektion nirgends zu fehlen schien. Damenbesuch sollte es bald sachkundig als Baculum identifizieren.

Ein breiter, rehbrauner Nubukledergürtel führte 68 Zentimeter um sie herum. Wobei ich mich in diesen Dingen gern verschätzte. Das, was sich da in meinem Hirn wie eine Urwaldschlange zusammengerollt hatte, war kein Maßband, sondern ein Verlangen.

Wenig später geschah der bereits angedeutete Zimmerbrand, kam es zum besagten Wasserschaden, in jedem Tropfen eine Rußgalaxie. Sie sah dabei zu, so weiß und still. Als es Blasen warf, schmolz, ihre Augenfarbe und Staatsangehörigkeit. Das alles musste ja einmal ein Ende finden. Warum nicht meins?“

Und mal wieder Termine, Termine: Erschlossenes Land, HARDCOVER im Gorki & ParlandoPark

1 Feb

Da wir erst wieder am 14. Februar („Valentinstag“-Special mit den schüchternen Tom Bresemann, Philip Maroldt und Georg Leß) den Betrieb aufmischen, könnt ihr euch in der Zwischenzeit mal genau den anschauen, da gibt es doch den einen oder anderen sehr lohnenswerten Termin in der nächsten Zeit.


Erschlossenes Land am 03.02.

Max Czollek, Maria Natt und Friederike Scheffler sind nicht nur aktive Mitglieder des von uns mit verliebten Augen angeäugelten Lyrikzirkels g13, sie reisen ab und zu auch durch die Welt und schreiben darüber. Und jetzt sind sie sogar in Berlin und lesen daraus. Mit Pianobegleitung von der Vermont Piano Moving Company. Werft euch die Fracks über und vergesst einen Polyglott nicht, wenn ihr dorthin reist:

Im TIK-Nord in der Rigaer Straße 77. Das Lyriktraumschiff läuft am Donnerstag, dem 03.02. vom Stapel.

(Kleiner Hinweis, weil heute mal wieder in der Bahn gesehen: Die „Ich bin Touri, ich wußte nicht, dass man hier für öffentliche Verkehrsmittel bezahlen muss“-Masche zieht leider so gar nicht, erst recht nicht in West-Berlin! Deswegen Ticket kaufen, das dürfte mit den 4€ Eintritt nicht allzu schlimm kommen, vor allem wenn ihr doch auf Touri plädiert und die 3€ ermäßigt rausschlagt!)

 

HARDCOVER studio: Lyrik live am 05.02.

Wessen Finger häufiger mal schneller sind als der Hirnvorderlappen, der wird aus Hardcover auch gerne mal Hardcore machen, aber das ist bei der Gästeliste nicht unbedingt so unangebracht:

Jan Wagner

Björn Kuhligk

Ron Winkler

Elke Schmitter

Matthias Göritz

Matthew Sweeney

Tom Schulz

Tom Bresemann

liefern sich am 05.02. ab 20h im Gorki Theater ein Gladiatorenmatch der Sonderklasse. Last poem standing also zu einem schönen Anlass: 10 Jahre Lyrik bei Berlin Verlage. Auf dass es ewig weitergeht (und sie endlich mal eine Kreuzwort-Anthologie von uns fordern). Tickets für 5€ gibt’s hier.

 

Hyperrealismus im ParlandoPark am 06.02.

Wem das bisher alles zu surreal war, der kann sich auf den nächsten ParlandoPark-Termin freuen, da gibt’s dann Hyperrealismus (und eventuell eine öffentliche Enthauptung für den furchtbaren Kalauer in dieser Ankündigung, puh..). Moderiert wird das Ganze von einer vielleicht wieder quickfidelen Simone Kornappel powered by power point robots, als Lesender tritt Kreuzwort-Veteran Georg Leß mit seinem Phantomroman auf, den hatten wir schon mal hier und – ja, er kommt wieder, am 14.02. Oh, Gloria!

Hier die mittlerweile bekannten Hard Facts: Im Soupanova in der Stargarder Straße 24 im Prenzlberg ab 20h am Sonntag, dem 06.02. für umme, laut, gratis, kostenlos und frei!

Als Bonus danach wieder offene Bühne und Kritikkultur!