Archiv | März, 2012

KREUZWORT am 26.03.: K. AMES, P. DIETZE, S. KORNAPPEL & D. KRAUS

22 Mrz

Fadenscheinige Jubiläen sind insofern super, als dass sie mir gedankliche Arbeit abnehmen. Nachdem ich häufiger bereits die besten Suchbegriffe aufgezählt habe, mithilfe derer dieser Blog via google gefunden werden kann (die Highlights der letzten 30 Tage: „bülent trink nicht so viel kaffee kinderchor“, „wodkatampong“, „schlagschatten rahmen angehobene ecken“ und – als garantiert kontextfreier Kalauer – „darmstadt straßenstrich“) und viel aus meinem Privatleben erzählt habe, kann ich mich diesmal beruhigt zurücklehnen und verkünden: KREUZWORT wird 1 1/2 Jahre alt! Als Aufhänger wie auch als Anlass optimal.

Vielleicht, vielleicht aber auch nicht mit Partyhütchen versehen erscheinen am 26.03. dann Konstantin Ames, Peter Dietze, Simone Kornappel und Dagmara Kraus bei uns. Ihr könnt ebenfalls dabei sein. Geschenke sind gern gesehen, 3€ Eintritt sollten ebenso eingeplant werden wie festes Schuhwerk. Einlass ist ab 20h und sollten Euch Eure Eltern des nachts abholen, sagt ihnen bitte, dass die Party in der Reuterstraße 39 stattfindet, genauer gesagt im Damensalon. Statt in Zellophanpapier eingewickelte Bonschen könntet Ihr alternativ auch Konstantin Ames‚ letzten Band mit nach Hause nehmen, der fast so alt ist wie wir. Oder Dagmara Kraus‚ Debüt, das erst vor Kurzem das Licht der Leipziger Buchmesse erblickte. Oder die Hoffnung, dass Simone Kornappels Erstling ebenfalls bald seinen Weg in unsere Bücherregale findet. Oder vielleicht verrät Euch Peter Dietze, ob er auch schon was in Planung hat. Oder einfach eine Menge Spaß. Tröt.

Konstantin Ames. Geboren 1979. Lebt als Autor, Übersetzer und Texter in Berlin. Das Debüt „Alsohäute“ erschien 2010 in der von Urs Engeler herausgegebenen Reihe roughbooks. Zuletzt erschien, im Literaturheft randnummer ein Ausschnitt aus dem Roman „Verbleichen immer, verblichen nimmer“

Einen Ausschnitt aus dem Essay hmlich ist hier als PDF einseh- und anlesbar.

Peter Dietze. 1987 in Dresden geboren, studierte Geschichte und Literatur in Erfurt und Ústí n. L., seit 2011 in Frankfurt/O. Lebt und arbeitet in Berlin. Veröffentlichungen u.a.
in den Zeitschriften hEFt, h_aluze, randnummer und trashpool. Mitherausgeber des WORTWUCHS Literaturjournals.

Simone Kornappel. Mitherausgeberin der randnummer literaturhefte und -betreiberin von lyrikkritik.de. Debüt „Raumanzug“ bald bei luxbooks.

Klicken und in völler Gänze genießen (aber bitte nicht raubkopieren!):

Dagmara Kraus, 1981 in Wrocław geboren, studierte Komparatistik und Kunstgeschichte in Leipzig, Berlin und Paris und Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut. Soeben ist „kummerang“, ihr Debüt, bei kookbooks erschienen sowie eine Auswahl von Gedichten Miron Białoszewskis in ihrer Übersetzung bei Reinecke & Voß.

KREUZWORT am 12.03.: CRAUSS., NEUNER, REICH & SKUDLAREK

6 Mrz

Derweil ich in Japan den Megakapitalismus am eigenen Leib und Konto erlebe, muss sich Carolin in Berlin mit der KREUZWORT-Planung herumschlagen. Da ist es nur fair, dass ich mich auch mal ein wenig um Organisatorisches kümmer und hier die Ankündigung für den nächsten KREUZWORT-Abend am 12.03. übernehme. Exorbitant unfair, dass ich crauss., Florian Neuner, Stephan Reich und Jan Skudlarek verpasse. Sowohl crauss. als auch Skudlarek durften wir zwar schon bei uns begrüßen, da die beiden aber diesmal neue Texte im Gepäck haben wird auch dieses Trostpflaster unzureichend und ein wenig labberig (wie z.B. nach der Dusche, ihr kennt das). Die Reuterstraße 39, in der sich ja der vorzügliche Damensalon befindet (übrigens dringend probieren: Gin Basil Smash! Ich hatte immer Gin Hazel Smash verstanden und dankend abgelehnt… Da sieht man’s mal: Aufmerksam zuhören lohnt sich. Großartiger Drink) ist gut 8.9000km von meiner Bahnstation entfernt und selbst das findige google maps konnte leider keine Route für mich heraussuchen. Umso dringender, dass ihr hingeht und mir berichtet, wie’s war. Nur bitte nicht zeitgleich, schließlich ist ab 20h Einlass, da wäre es hier bereits 4h morgens am nächsten Tag. Und teuer wäre das Telefonat eh, also belasst es lieber bei den 3€ Eintritt – dafür bekommt man hier übrigens einen Salat in Größe einer Kinderfaust und mit dem Geschmack von Löschpapier. Ebenfalls mit Appetizer-Qualitäte ausgestattet und ungleich geschmackvoll übrigens Viten und Probetexte der Lesenden… Hach Kinners, ich verpass was:

crauss.:

(1971) ist ganz aus dem takt geraten, seit er vom städtischen museum als gogo-tänzer engagiert wurde. tingelt seitdem durch verschiedene textspelunken und legt sich, wenn er genug getrunken oder eine lakritzvergiftung hat, mit motorradhelden an. bücher, burschen, bilder und brandaktuelles auf www.crauss.de

(c) marvellous

und kein tag vergeht an dem ich nicht in der küche
mit einer hand am kinn stehend mir wünsche
einmal neues geschirr in den schränken zu finden:
ewig lavendel die wanne das überbordende herz
und lauter verstaubte namen und jungen
mit goldner gravur verzierte mädchen und beide
kann man nicht unterscheiden voneinander
denn hier und dort sind ihnen die ecken zerschlagen
und federn die ich mir ausreisse deswegen
und fertiggeschriebene milch dann viel zu viele
waldspalten die erbmasse brust und slogans
die man nur rückwärts auftischen kann
und im kühlschrank noch nervenschnee der hält sich
ein wenig aber wohin mit den überflüssigen unds
da kann man kompott von machen einen laden von halten!
dann kratz ich das fett von den flächen und denke
dass es einfacher wäre in ein komplett anderes buch
zu ziehen komfortabel mit frisch ausgesprochenen möbeln
und raum für ganz schlichte wieworte und auslauf für verben.
schon fängt aber eines der alten versüssungsgeschirre
zu glänzen wie grossmutter an und blümchenkaffee duftet
wie durchsichtige verse ein schimmern die stube —
dann entscheid ich mich um und bleibe bei meinen
langen zeilen und geniesse aus dünnem porzellan gegossene reime
und nippe mit dem kopf voll klischeezarte pralinen.

Florian Neuner:

https://mail-attachment.googleusercontent.com/attachment/?ui=2&ik=48477596d4&view=att&th=135e23a0b90fc6d4&attid=0.1&disp=inline&realattid=bb70999a3fcc40ab_0.3&safe=1&zw&saduie=AG9B_P-A9-4PvuQAsShq1fCrodAj&sadet=1331015176075&sads=2MHtD5epy6lpDW107d_AGL5M9K8&sadssc=1(*1972), lebt in Berlin. Mitherausgeber von Idiome. Hefte für Neue Prosa. Journalistische Arbeit u.a. für Deutschlandradio. Psychogeographische Studien
im Ruhrgebiet, Teilnehmer der Ausstellung  EMSCHERKUNST.2010. Gemeinsam mit Thomas Ernst Herausgabe der Anthologien Europa erlesen. Ruhrgebiet, Klagenfurt 2009, und Das Schwarze sind die Buchstaben. Das Ruhrgebiet in der Gegenwartsliteratur, Oberhausen 2010. Bücher: Und käme schwarzer Sturm gerauscht, Linz u.a. 2001, Jena Paradies, Klagenfurt/Wien 2004, China Daily, Wien 2006, Zitat Ende. Prosa, Klagenfurt/Wien 2007, Ruhrtext. Eine Revierlektüre, Wien 2010, Satzteillager, Wien 2011.

http://neueprosa.wordpress.com

Leseprobe aus „Satzteillager“  (mehr Informationen zum Buch auf Klick):

da das ein wetter zum arbeiten ist
da das ein wetter zum schlafen ist
da das ein wetter zum saufen ist
da ich in basel verabsäumt habe, mir die ausstellung venedig. Von canaletto & turner bis monet anzusehen
da die zeit zu knapp war
da ich mich nicht aufraffen konnte, nach riehen hinauszufahren & lieber in antiquariaten gestöbert habe
da das wohl eine von diesen kulinarischen ausstellungen ist, die wenig erkenntnis bringen, aber doch freude machen
da ich in vicenza ein merkwürdiges bild von canaletto gesehen habe, auf dem er die rialto-gegend nicht so zeigt, wie sie ist, sondern wie sie seiner meinung nach aussehen sollte – mit einer brücke & palazzi von palladio
da kunst mit einfachen mitteln starke gegenentwürfe liefern kann
da ich in einem fiktionalen text behaupten kann, was ich will
da diese begründungen nicht überzeugen können
da doch alles auf willkürlichen vorentscheidungen beruht
da doch alles auch ganz anders sein könnte
da man das aber immer nur sagen kann relativ zu einem satz, zu einer behauptung
da ich mich zu behaupten versuche
da es manchmal spaß macht, behauptungen aufzustellen
da es manchmal spaß macht, alles wieder umzuwerfen
da man das schreiben als spiel betrachten kann
da das eine abgeschmackte formulierung ist
da es um geschmack nicht gehen kann
da geschmacksfragen aber schwer auszublenden sind
da ich es z.b. nicht aushalten kann, wie manche philosophen schreiben, ohne deshalb ihre theorie grundsätzlich anzweifeln zu wollen – obwohl
da ich z.b. nicht aushalte, wie heidegger schreibt
da ich vielleicht einmal ernesto laclau lesen sollte, wie auch die kommunistische tageszeitung hier vorschlägt
da alexander kluge an marx mehr als dichter denn als ökonom interessiert ist
da es so sicher auch nicht geht
da alexander kluge sagt, daß marx der „dichter unserer krise“ sei
da wahrscheinlich weniger ein dichter als vielmehr eine noch weiter verschärfte krise das ist, was wir brauchen
da sehr unklar ist, wen dieses ‚wir‘ treffen kann, ein- bzw. ausschließt
da ich nichts ausschließen will
da ich mich theoretisch nicht zu weit aus dem fenster lehnen will
da es reichen muß, wenn ich mich ästhetisch aus dem fenster lehne
da ich kein talent zur wissenschaft habe & auch keine geduld
da mir die attitüden & diskursgepflogenheiten der geisteswissenschaftler lächerlich vorkommen
da mich ihre fragen & themen meist auch gar nicht interessieren
da man sich nicht für alles interessieren kann
da ich es mir zu einfach mache
da es dringlichere fragen gibt
da man das immer sagen kann
da sich doch die frage stellt, wer wie darauf vorbereitet sein wird, wenn hier alles zusammenbricht
da ich nicht sagen möchte, ich ich wäre darauf vorbereitet
da gespräche darüber immer wieder im sand verlaufen
da auch andere gespräche häufig im sand verlaufen
da man sich nicht in falscher sicherheit wiegen sollte
da ich mich gestern abend dazu entschlossen hatte, das haus nicht mehr zu verlassen & mit einem glas rotwein am schreibtisch zu sitzen

(S. 94-96)

© 2011 Klever Verlag, Wien.

Stephan Reich, geboren, aufgewachsen, lebt.
Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien, zuletzt Wortwuchs Magazin # 5,
randnummer literaturhefte # 4, Jahrbuch der Lyrik 2011, Versnetze Vier, etc. Finalist beim 18. Open Mike der Literaturwerkstatt Berlin 2010.

in den clubs

fallen die kippen
zu boden
wie patronenhülsen

zeit schiebt sich fort, auf den klos
steht die pisse

sonne, mond
in einer wischbewegung
als winkte was zum abschied
draußen, oben

lass doch bitte
dies winwin
aus den berührungen

halte sie generell
bitte
steril

Jan Skudlarek, *1986 in Hamm, aufgewachsen in NRW und Spanien. 2004
bis 2010 Studium der Philosophie und Hispanistik an der Westfälischen
Wilhelms-Universität in Münster. Literaturförderpreis 2008 der
Gesellschaft zur Förderung der Westfälischen Kulturarbeit (GWK).
Westfälischer Förderpreis zum Ernst-Meister-Preis 2011. Diverse
Veröffentlichungen von Gedichten und Gedichtgruppen. Pendelt zwischen
Berlin und NRW.