Archiv | Februar, 2012

KREUZWORT am 27.02.: PARA-Riding mit Rinck & Filips (aus Jackson) & Wigbert

21 Feb

Wir halten uns mal wieder raus und übergeben den Staffelstab an diese beiden Personen:

Hauntologisch, was? Filips / Rinck – noch dabei: Bodock Wigbert und die Texte von Jackson. Und eventuell noch die von Filips / Rinck, dann würde sich der Kreis ja schließen.

Hard facts: 27.02. / Damensalon (Reuterstraße 39) / 3€ Damage, ab 20h. 

WAS IST EIN GEDICHT?

Was ist ein Gedicht? Ein Gedicht ist nichts. Durch Beharrlichkeit kann aus einem Gedicht etwas werden, aber dann ist es etwas und nicht ein Gedicht. Warum ist es nichts? Weil es nicht angeschaut, gehört, berührt oder gelesen werden kann (was gelesen werden kann, ist Prosa). Es ist kein Ergebnis von Erfahrung, sei sie gewöhnlich oder ungewöhnlich, es ist das Resultat der Fähigkeit, innerhalb der Erfahrung ein Vakuum zu schaffen – es ist ein Vakuum und daher ist es nichts. Es kann nicht angeschaut, gehört, berührt oder gelesen werden, weil es ein Vakuum ist. Da es ein Vakuum ist, kann der Dichter sich nicht schmeicheln noch dafür Schmeicheleien einfordern. Da es ein Vakuum ist, kann es nicht vor Publikum wiedergegeben werden. Ein Vakuum ist unveränderlich und unverrückbar ein Vakuum – das einzige, was ihm zustoßen kann, ist Zerstörung. Wäre es möglich, es vor Publikum wiederzugeben, würde daraus die Zerstörung des Publikums resultieren.”

Aus PARA-Riding, roughbooks 2011

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Die amerikanische Dichterin Laura (Riding) Jackson schlug sich schnurstracks auf die Seite der Wahrheit. Die Bezeichnung Dichterin schlug sie von da an aus. Sie dichtete auch nicht mehr, sondern widmete sich der Frage, wie Sprache sein und behandelt werden müsse, um wahrheitsfähig zu sein. Das Roughbook „PARA-Riding“ stellt die 1991 verstorbene Autorin vor, in Behauptungen, Essays, in Gedichten, in Übersetzungen, Überschreibungen und in uns allen.

Christian Filips und Monika Rinck haben zwei Jahre übersetzt, gesammelt, bewahrheitet, ersetzt, auf Ridings Fragen geantwortet und neue Fragen gestellt. Am 27. Februar 2012 ab 20 Uhr stellen sie das Buch PARA-Riding im Rahmen einer KREUZWORT-Lesung vor. Und wenn ihnen danach ist, auch noch andere Sachen. Je nachdem.

Am Cello sagt sprachlos die Wahrheit: Bodock Wigbert.

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BIOBIBS

Bo Wiget, Komponist, Cellist, Performer, wurde 1971 in der Schweiz geboren. Er arbeitet als Theatermusiker und ist eine Hälfte des Performance-Duos „Beide Messies“. Veröffentlichte verschiedene CDs, zum Beispiel mit Luigi Archetti, mit dem er auch eine Reihe preisgekrönter Musikvideos drehte. Rege Zusammenarbeit mit KünstleInnen aller Sparten.

Monika Rinck, (*1969) in Zweibrücken, lebt in Berlin. 2001 erschien Begriffsstudio 1996 – 2001 in der edition sutstein, (www.begriffsstudio.de), 2004 der Lyrikband Verzückte Distanzen im zu Klampen! Verlag. Im Oktober 2006 folgte der Essayband: Ah, das Love-Ding! bei kookbooks, und im Frühjahr 2007 der Lyrikband zum fernbleiben der umarmung im gleichen Verlag. 2008 das Hörbuch: Pass auf, Pony in der edition sutstein. 2009 folgt der Lyrikband HELLE VERWIRRUNG / Rincks Ding- und Tierleben bei kookbooks, Berlin.  Im Herbst 2011 erschien PARA-Riding (mit Christian Filips) als roughbook 015 bei Engelers Erben und die kollektive Poetologie HELM AUS PHLOX im Merve Verlag (zusammen mit Cotten, Falb, Jackson, Popp). Außerdem: ICH BIN DER WIND. Geschwinde Lieder für Kinder (mit W. Taubert, K. Tchemberdji) bei kookbooks. Im Frühjahr 2012 erscheint ihr neuer Lyrikband HONIGPROTOKOLLE bei kookbooks.

Christian Filips, geboren 1981 in Osthofen bei Worms, lebt in Berlin. Seit 1998 Veröffentlichungen von Gedichten, Übersetzungen und Essays, 2001-2003 Dramaturg am Tanztheater des Staatstheaters Darmstadt. Seit 2006 Programm- und Archivleiter der Sing-Akademie zu Berlin, Begründung der Liedertafel als Werkstatt für Neue Musik und Poesie. Gemeinsam mit Urs Engeler gibt er die roughbooks heraus. 2009 erschien die Pasolini-Übersetzung Dunckler Enthusiasmo, 2010 der Gedichtband Heiße Fusionen, im Herbst 2011 PARA-Riding (gemeinsam mit Monika Rinck).

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KREUZWORT am 13.02.: FILYUTA, LANGE, L. SCHNEIDER & STOLTERFOHT

11 Feb

Selbst wir verfolgen manchmal so etwas Ähnliches wie ein Konzept und wissen es nur gut zu tarnen. Das wird uns beim nächsten KREUZWORT-Abend sicherlich schwer fallen, weil’s furchtbar offensichtlich sein wird, welche Idee hinter dem Ganzen steckt. Deswegen kann man es doch gleich auch aussprechen: Übersetzungen! Nachdem es uns sehr gut gefallen hat, dass uns Hendrik Jackson seine Übertragungen von Alexej Parschtschikows Gedichten entgegen gebrüllt hat, lag es für uns Nahe, ein ganzes Event aus der Sache zu machen. Und keine Sorge: Es wird nicht diskutiert, theoretisiert oder sonstwas. 

Es wird einfach nur gelesen. Alexander Filyuta präsentiert die Gedicht von Dimitri Golynko, Norbert Lange wird uns einen Einblick in seine bald bei luxbooks erscheinenden Übertragungen der Lyrik George Oppens, Lea Schneider stellt uns den chinesischen Dichter Yan Jun vor und zu guter letzt – jedenfalls dem Alphabet nach – wird auch Ulf Stolterfoht seinen Teil beitragen, er liest aus seinen Übertragungen von Tom Raworth.

Kommt also und hört diesen Leuten zu und lernt durch sie noch andere Dichter kennen. So ein Abend funktioniert schließlich nach dem Schneeballsystem deluxe. Also bitte mal am Montag, dem 13.02. ab 20h im wunderhübschen Damensalon in der Reuterstraße 39 eintrudeln und die 3€ Damage (wie Carolin ja immer auf Facebook schreibt) nicht vergessen.

 

Alexander Filyuta wird Gedichte von Dmitri Golynko lesen.

Dmitri Golynko wurde 1969 in Leningrad, UdSSR, geboren. Nach dem Studium der Kunsttheorie und Russischen Literatur promovierte er mit einer Arbeit über die russische Post-Avantgarde des ausgehenden 20. Jahrhunderts. Er war 2004/2005 für zwei Jahre Gastprofessor am slawischen Institut der Cheongju Universität in Südkorea und ist zurzeit Forschungsbeauftragter am kunstgeschichtlichen Institut St. Petersburgs. Neben der Auseinandersetzung mit Film- und Medientheorie, die er unterrichtet, zeichnet er für zahlreiche Essays zu Themen der zeitgenössischen Kunst und Literatur verantwortlich, die in renommierten Zeitschriften Russlands erscheinen.

Для чистоты эксперимента

1
чего не сделаешь ради
чистоты эксперимента
задницу поднимешь
зароешься в каракуль

вид если болезнен
выведены все блохи
в наваленной куче
выискивая пропащую

2
получая квалификацию
рабочий становится мастером
надежным, красного кхмера
потянуло в историю

пролетающий бомбардировщик
роняет что-то тяжелое
на пролежень деревни
она жестокая, понимаете

3
уже совсем оперилась
проводила колючим взглядом
выброшенное знамя
растопырено на ветру

засаленная банкнота
с мордой родоначальника
ложного пониманья свободы
передана в грязные руки

4
она была еще чистой
когда в руки попалась
мужской цинизм
бывает милым и незлобивым

удовлетворенно кивнув
устремляется в ту сторону
откуда возврат и есть
перескок через границу

5
смалодушничал и в пролете
подозвать что ль костолома
всех тошнит, одного ли
кулачки держать принято

кто бы знал, что пробудка
обернется таким геморроем
выписывает кругали
шпана, оседлав мотороллер

6
ее еще не было в проекте
когда с ней совершил что надо
теперь она маленький динозаврик
за такое спросится строго

вставая раком и сплюнув
полагается слыть грязным
для чистоты эксперимента
благородства прибавится

7
насаждая законность
там, где ею не пахло
тиран совершает благо
пролетариат недоволен

разоренные гнезда
кукушки валяются здесь и там
кровопийца с милейшей улыбкой
делает людям приятно

8
покрыта веснушками
часть лица, так не видна
бледная кожа, мостится ад
известно чем, отродясь

не бывало такой температуры
вытирая смоченным
полотенцем пот, над собой
немного приподнимается

9
гопота подвалила
к самому краю, вспылив
развернулась и вышла
на воздух, подыхает

 хиляка, бублик преломлен 

между, жидковато, движок
переведенный в горизонтальное положенье
застывает будто на полуместе

 

27 января – 6 февраля 2004 года

 

Alexander Filyuta, geb. 1971 in Leningrad (UdSSR). Studierte an der
Humboldt Universität in Berlin. Veröffentlichungen von Übersetzungen
in Zeitschriften und Anthologien (zuletzt „Randnummer“ (Hamburg)
Nr.4/2011, demnächst (Poetenladen/Berlin) „Poet“ Nr.12, März 2012).
Organisiert zusammen mit „schleusen im ausland“-Team die Reihe „Lyrik
im ausland“ im Veranstaltungsraum „ausland e.V.“
(www.ausland-berlin.de).

Für die Reinheit des Experimentes

 1

was man nicht alles macht für
die reinheit des experimentes,
sich in den Hintern treten
oder in einen persianer vergraben,

wenn das äußere krankhaft ist?
alle flöhe sind ausgerottet.
im aufgeworfenen haufen
sucht man das Verlorene.

2
qualifikationenerwerb macht
einen arbeiter zu einem tüchtigen
meister, den roten khmer
zieht es in die geschichte,

ein vorbeifliegender bomber
lässt etwas schweres fallen
auf den druckbrand des dorfes.
sie ist grausam, verstehen sie?

3

jetzt ist sie ganz flügge,
verabschiedete mit beißendem blick,
das ausgeworfene banner
ist im winde gespreizt.

eine fettige banknote
mit der visage des stammvaters
des falschen freiheitsverständnis
ist in die schmutzigen hände gedrückt.

4

sie war noch rein
als sie in die hände geriet,
männerzynismus
kann süss und sanftmütig sein.

befriedigt genickt
steuert dahin
woraus die rückkehr selbst
ein sprung über die grenze ist.

5

schiss bekommen – und rausgeschossen,
man rufe einen knochenbrecher herbei.
ob es einem übel ist oder allen?
es gehört sich daumen zu drücken.

wer hätte gedacht, dass das erwachen
sich als ein knalliges trouble erweist?
einen motoroller gesattelt
dreht das gesindel runden.

6

sie war noch nicht mal in der planung,
da beging man mit ihr, was sein musste.
nun ist sie ein kleiner dino,
auf so etwas steht strenge.

gebracht in doggystyle, gespuckt darauf,
gehört es sich dreckig zu gelten.
für die reinheit des experimentes
wird die noblesse zunehmen.

7

um gesetzlichkeit dort aufzubringen,
wo es danach nicht mal schimmert,
vollführt tyrann eine wohltat.
das proletariat bleibt unzufrieden.

geplünderte kuckucksneste
liegen zerstreut durch die gegend,
ein blutsauger mit lieblichstem lächeln
macht‘s angenehm für die menschen.

8

bedeckt mit sommersprossen
ist ein teil des gesichtes, so ist die blasse haut
nicht sichtbar, gepflastert wird die hölle
seit je her bekanntlich – womit.

 

eine unerträgliche hitze.
mit angefeuchtetem tüchlein

erhebt sich, den schweiß abwischend,
ein wenig über sich selbst.

9

das pöbel rückte bis zur grenze,
drehte sich um aufgebraust,
und ging hinaus
an die luft. der schlappschwanz

 

verreckt, die brezel ist geknickt
dazwischen, mulmig. den schieber

in die horizontale lage gefahren,
erstarrt wie am halbort.

 

27 Januar – 6 Februar 2004

 

Norbert Lange wird Gedichte von George Oppen lesen.

George Oppen (1908-1984), geboren in New Rochelle/New York, gestorben in Californien, ist eines der bekanntesten Mitglieder der Objektivisten, einer Dichtergruppe, die sich Ende der 20er-Jahre in New York um Louis Zukofsky, Carl Rakosi, Charles Reznikoff in enger Verbindung zu W.C. Williams und Ezra Pound (als Vorläufern) bildete. Einflußreich wurden die Objektivisten erst in den späten 60er-Jahren und frühen 70er-Jahren, als eine nachrückende Dichter-Generation den Versuch unternahm, das Politische mit dem Poetischen zu verbinden. Oppen gab in den 30ern das Schreiben für 25 Jahre ganz auf und widmete sich der Arbeit im Umkreis der amerikanischen kommunistischen Partei, was ihn nach dem Zweiten Weltkrieg ins Visier des Hauses für Unamerikanische Tätigkeiten geraten ließ. Erst Ende der 50er konnten er und seine Frau Mary das mexikanische Exil verlassen und wieder in New York leben, wo er wieder zu schreiben begann. 1969 erhielt er den Pulitzer Preis für „Of Being Enormous“, ein private Erfahrungen und den Vietnam Krieg thematisierendes Langgedicht. Die Übersetzungen stammen aus dem Oppens zweitem Band „The Materials“, dem ersten nach seiner Schreibabstinenz entstandenen Buch.

Vulcan

The householder issuing to the street
Is adrift a moment in that ice stiff
Exterior. ‘Peninsula
Low lying in the bay
And wooded—’ Native now
Are the welder and the welder’s arc
In the subway’s iron circuits:
We have not escaped each other,
Not in the forest, not here. The crippled girl hobbles
Painfully in the new depths
Of the subway, and painfully
We shift our eyes. The bare rails
And black walls contain
Labor before her birth, her twisted
Precarious birth and the men
Laborious, burly—She sits
Quiet, her eyes still. Slowly,
Deliberately she sees
An anchor’s blunt fluke sink
Thru coins and coin machines, 
The ancient iron and the voltage
In the iron beneath us in the child’s deep
Harbors into harbor sand.

Norbert Lange, geboren 1978 in Gdingen/Polen, aufgewachsen Rheinland; studierte Philosophie/Kunstgeschichte an der FU Berlin; Kreatives Schreiben am DLL 2002-2006; lebt in Berlin. Arbeit als Redakteur: Radar, eMultipoetry, Karawa.net (gemeinsam mit Tobias Amslinger und Léonce Lupette). Bücher: Rauhfasern (Gedichte), Lyrikedition, 2005; Das Geschriebene mit der Schreibhand (Aufsätze), Reinecke & Voss, 2011. Übersetzungen: Kevin Prufer, Wir wollten Amerika finden(zusammen mit Susanna Mewe), Luxbooks 2011); George Oppen, Die Rohstoffe (ebenfalls bei Luxbooks). Herausgaben: Bernhard Koller, Die Zusammenhänge Lyrikedition, 2008; Schreibheft 77 – Charles Olson (Als Mitherausgeber neben Gerd Schäfer und Norbert Wehr), Rigodon Verlag 2011.

Vulkan

Auf dem Weg zur Straße ist der Hausbesitzer
Kurz verloren in der Knochenkälte
Da draußen. Halbinsel
Die weit in die Bucht ragt
Und Waldgebiet – Heimisch geworden

Sind der Schweißer und der Schweißerbogen
Im Eisennetz der Untergrundbahn:
Wir konnten einander nicht entkommen,
Nicht in den Wäldern, nicht hier. Das lahme Mädchen hinkt
Gepeinigt in die neuen Tiefen
Der U-Bahn und unter Schmerzen
Tauschen wir Blicke. Die blanken Schienen
Und rußigen Wände bergen
Arbeit aus der Zeit vor ihrer Geburt, ihre krumme
Unsichere Herkunft und die Männer
Unermüdlich, stämmig – Sie sitzt
Reglos, ihre Augen ruhen. Schleichend,
Doch immer klarer sieht sie
Die plumpe Schaufel eines Ankers
Sinken durch Münzen und Münzmaschinen,
Das alte Eisen und die elektrische Spannung
In dem Eisen zu unseren Füßen, in der Tiefe des Kindes
Sich verbergen im Hafensand.

Lea Schneider wird ein Langgedicht des chinesischen Dichters Yan Jun vorstellen.

Im Folgenden ein Auszug aus: gegen alle organisierten lügen (反对一切有组织的欺骗) von Yan Jun. Die Übersetzung erscheint kommenden Monat im Magazin #19 der Bundeskulturstiftung.

 […]人们怀疑,是因为血压刺激着大脑,但人们也崇拜,难道是因为饥饿?所以要反对螳螂的演说,要反 对有洁癖的科学家,她伤害了我!并且进一步反对知识分子化装成流氓的样子。同理,反对森林化装成鸟类旅居的木屋,最终被卖艺的带走,囚禁到歌里,失了火, 像梦一样消

[…]

听说,声音循环着,可以唤醒夜班工人;血液坠落着,可以击中50年代出生的黑人。因为你随手记下了空气和木屐的样子,所以下午会变得更长些,让小偷从山坡上下来,呆呆地看着落日。那些在天空中开会的家伙,会跳着舞,掉下来。人们也聚集着,可以出发了。

欢迎来到地下!

从来就没有朋克理论,
只有朋克行动。

死便埋我。

相信爱情和其他日常用品的无限性。

世界是你们的。 

反对娱乐记者扭曲的笑容。

在生锈的钉子上歌唱。

走得开心点。

[…]

Lea Schneider wurde 1989 in Köln geboren und hat seitdem in Galway, Shanghai und Berlin gelebt, wo sie seit 2008 Komparatistik und Sinologie studiert. 2009 war sie Mitbegründerin der Lyrikgruppe G13 (http://gdreizehn.wordpress.com), seitdem sind ihre Texte u.a. in open poems 2010, Poetry East West Vol 4 undBelletristik 11 erschienen. 2011 wurde sie zum poesiefestival berlin, zum Zeitkunstfestival, zum International Poetry Festival Beijing und zum poet bewegt-Wettbewerb eingeladen. Sie arbeitet momentan an ihrem Debütband, der im Herbst 2013 beim Verlagshaus J. Frank | Berlin erscheinen wird, koordiniert ein deutsch-chinesisches Buchprojekt und übersetzt chinesische und taiwanesische Lyrik ins Deutsche.
[…]wenn man zweifelt, liegt es am blutdruck im großhirn, aber entsteht verehrung wirklich aus hunger? darum – gegen die rede der gottesanbeterin, gegen die mysophobische naturwissenschaftlerin, vor allem aber gegen intellektuelle, die sich als diebe verkleiden. außerdem gegen wälder, die so tun, als seien sie holzhäuser für fremde vögel; sie werden fortgetragen von straßenkünstlern, die ihre kunst verkaufen, in träume gesperrt, die feuer fangen und in den tälern dieser kunst verschwinden, für immer…

[…]

man sagt, dass geräusche herumgehen können und die nachtschichtarbeiter wecken, dass blut fallen kann und die gesichter schwarzer menschen trifft, die in den 50ern geboren wurden. deine gleichgültigen skizzen von holzsandalen und luft werden den nachmittag verlängern, bis die diebe von allen hängen kommen und entgeistert den sonnenuntergang betrachten.

willkommen im untergrund!

es gibt hier keine punktheorie, höchstens punkpraxis.

begrabt mich falls ich tot bin.

glaubt an die ewigkeit der liebe und anderer dinge des täglichen gebrauchs.

die welt gehört euch.

gegen unterhaltungsjournalisten und ihr verzerrtes grinsen.

singt ein lied auf rostigen nägeln.

geht ein bisschen glücklicher.

[…]

Ulf Stolterfoht präsentiert uns seine vor Kurzem im Verlag Wunderhorn erschienenen Übertragungen der Texte von Tom Raworth
Tom Raworth, geboren 1938 in London, hat seit Mitte der sechziger Jahre mehr als vierzig Bücher veröffentlicht, zuletzt 2009 unter dem Titel »Earn Your Milk« gesammelte Prosa bei „Salt Publishing“. Die Gedichte des Bands »Logbuch« entstammen den 2003 bei „Carcanet Press“ erschienenen »Collected Poems«, einem 576-seitigen Rückblick auf ein reiches, lyrisches Lebenswerk.

You’ve ruined my evening / You’ve ruined my life

i would be eight people and then the difficulties vanish
only as one i contain the complications
in a warm house roofed with the rib-cage of an elephant
i pass my grey mornings re-running the reels
and the images are the same but the emphasis shifts
the actors bow gently to me and i envy them
their repeated parts, their constant presence in that world

i would be eight people each inhabiting the others’ dreams
walking through corridors of glass framed pages
telling each other the final lines of letters
picking fruit in one dream and storing it in another
only as one i contain the complications
and the images are the same, their constant presence in that world
the actors bow gently to me and envy my grey mornings

i would be eight people with the rib-cage of an elephant
picking fruit in a warm house above actors bowing
re-running the reels of my presence in this world
the difficulties vanish and the images are the same
eight people, glass corridors, page lines repeated
inhabiting grey mornings roofed with my complications
only as one walking gently storing my dream

Ulf Stolterfoht, geboren 1963 in Stuttgart, lebt in Berlin.
Lyriker und Übersetzer, zuletzt: Tom Raworth – Logbuch,
Heidelberg: Wunderhorn 2011. Knappe der Lyrikknappschaft
Schöneberg.

Du hast mir meinen Abend kaputt gemacht /
Du hast mir mein Leben kaputt gemacht

ich würde gern acht leute sein und alle schwierigkeiten wären verschwunden
nur als einer stecke ich voller komplikationen
in einem warmen haus mit dem brustkorb eines elefanten als dach
verbringe ich meine morgende damit die filme noch mal abzuspielen
und die bilder sind dieselben doch der akzent verschiebt sich
die darsteller verbeugen sich freundlich vor mir und ich beneide sie
um ihre wiederkehrenden rollen, ihre unablässige präsenz auf dieser welt

ich würde gern acht leute sein jeder bewohnte die träume der anderen
sie wanderten durch korridore mit glasgerahmten seiten
verrieten sich gegenseitig die schlußzeilen von briefen
pflückten in einem traum obst und kellerten es ein im nächsten
nur als einer stecke ich voller komplikationen
und die bilder sind dieselben, ihre unablässige präsenz auf dieser welt
die darsteller verbeugen sich freundlich vor mir und beneiden mich um meine
grauen morgende

ich würde gern acht leute sein mit dem brustkorb eines elefanten
obst pflücken in einem warmen haus darüber sich verbeugende darsteller
noch mal die filme abzuspielen über meine präsenz auf dieser welt
alle schwierigkeiten wären verschwunden und die bilder sind dieselben
acht leute, glaskorridore, seite zeilen wiederholt
graue morgende bewohnen mit meinen komplikationen als dach
allein als ein freundlicher wanderer der meinen traum verstaut