Tag Archives: Lyrik

KREUZWORT am 9.12. mit crauss., Jan Skudlarek und Chloe Zeegen

4 Dez

Immerhin: Es hat noch nicht geschneit und Berlin fröstelt nur gräu(s)lich vor sich hin, statt im Schneewasserdreckmatsch zu ersaufen. Das sind doch, den Umständen entsprechend, gute Nachrichten. Und es ist mal wieder Kreuzwort, was für euch – da lass ich nichts anderes gelten – umstandslos gute Nachrichten sind. Diesmal freuen wir uns auf drei bekannte Gesichter. crauss. hatte bereits vor einiger Zeit bei uns gelesen und damals schon Jan Skudlarek im Schlepptau. Der allerdings ist ja schon vorher und nachher immer schon unser liebster Stammgast (sorry an alle anderen!) gewesen. Jan beziehungsweise der Arbeit des famosen STILL-Magazins, in deren Redaktion er sitzt (obwohl die, so vermuten wir, eher im Liegen arbeiten), haben wir es auch zu verdanken, dass wir auf Chloe Zeegen aufmerksam wurden. Sie las im Juni bei uns und ist nun mit einer anderen Geschichte aus ihrem soeben bei mikrotext erschienenen eBook I love myself ok? dabei. Jan hat auch vor Kurzem sein Debüt vorgelegt: elektrosmog ist kürzlich bei luxbooks veröffentlicht worden und kann bei uns vom Büchertisch weggegrabbelt werden. Und crauss.? Der hat doch mindestens fünf neue Bücher in die Diskurssuppe gespuckt, seitdem er vor anderthalb Jahren bei uns eine Lakritzvergiftung erlitt. Schönheit des Wassers zum Beispiel, im stets verlässlichen Verlagshaus J. Frank.

Also, wen von den Dreien sollten wir nun ins Rampenlicht rücken? Wie immer: Alle. Vor allem aber den Spaß. Das ist der Vierte im Bunde. Er kommt gegen 20h pünktlich zum Einlass in den Damensalon in der Reuterstraße 39 (leicht zu erreichen von der U Hermannplatz oder der U Schönleinstraße) und trinkt dort ein paar Gin Basil Smash, bis um 21h, wenn die Lesung beginnt. Neben dem Schnapsbudget hat er natürlich auch die 3€ Eintritt einstecken. Ist ja ein smoother Bursch, dieser Spaß. Ihr solltet ihn kennenlernen, ernsthaft. Und nebenbei natürlich noch einer schönen, abwechslungsreichen Lesung beiwohnen, die euch mit viel Feel-Good-Molekülen den Solar Plexus wärmen und den Grauschleier von der Stadt reißen wird. Versprochen.

P5307795-(Crauss-2013)locrauss., *1971 in Siegen / D, lebt dort. Literaturstudium, Dozent für Kreatives Schreiben, Museumstänzer, Werbetexter, Postsortierer. Mitglied verschiedener Literaturgruppen; ausgezeichnet mit Stipendien und Literaturpreisen. Letzte Veröffentlichungen: MOTORRADHELD (prosa, 2009), LAKRITZVERGIFTUNG (juicy transversions, 2011) und SCHÖNHEIT DES WASSERS (gedichte, 2013). Mehr auf www.crauss.de

crauss trance

1427851Jan Skudlarek, geboren 1986, wohnhaft in Berlin. Sein Gedichtband »elektrosmog« erschien vor Kurzem bei Luxbooks. Als Kreuzwortstammgast freut er sich, sein Buch vorstellen zu dürfen.

herrenlosigkeit Chloe Zeegen, born 1980 in the United Kingdom, gave up a successful career in arts management in London to move to Berlin in early 2012 and focus on her work as an artist and writer. Her writing is published online and has recently appeared in the debut issue of STILL magazine for young literature and photography. Her first ebook I love myself ok? was recently published by mikrotext.

Excerpt from Bierpinsel and Fuck Trauma

It’s called the Bierpinsel and I didn’t know it was in Steglitz until I moved there but I would have moved here if I’d known it was here so it’s a good job I moved there. Isn’t it? Isn’t it. Say it so I can hear you. I can see it from my flat and I can see it when I walk down the street and I can see it when I come in from the snow. Did you hear the one about the man who went into the field and it was snowing and there was all that stuff about stolen money?

Some people preferred it before it was repainted but I like it now that it’s all dolled up. When I’m far away from it, I can see it’s frightening but when I’m close to it, it charms me into accepting something.

Mit Chloe habe ich mich selbst übrigens mal über den Bierpinsel unterhalten, Nikola Richter von mikrotext hat es mitgeschnitten und das Video gestaltet sich so:

KREUZWORT am 11.11. mit ELZE, KREIPE, SCHULZ & THIES

1 Nov

Wat, schon wieder Kreuzwort? Na gut. Dann legen wir mal los, am närrischen 11.11. diesmal, montäglich wie gewohnt, mit Einlass ab 20h, was einen Beginn um 21h nach sich ziehen wird. Diesmal dabei ein bunter Blumenstrauß von Lyrik mit Carl-Christian Elze, Birgit Kreipe, Kreuzwort-Veteran Tom Schulz und Klaus Johannes Thies. Noch mehr Infos? Na gut: Im Damensalon in der Reuterstraße 39 as usual. Achja, kostet wie immer 3€ Eintritt. Puh, hab ich noch was vergessen? Glaub nicht. Kommt einfach rum, zackig!

 

Carl-Christian Elze, 1974 in Berlin geboren, lebt in Leipzig. Er studierte Biologie und Germanistik, und von 2004-2008 am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Er schreibt Gedichte, Prosa, Drehbücher und Libretti. Zahlreiche Einzelveröffentlichungen und Beiträge in Literaturzeitschriften und Anthologien wie EDIT, Bella Triste, Lyrik von Jetzt 2, Jahrbuch der Lyrik. Sein letzter Gedichtband „ich lebe in einem wasserturm am meer, was albern ist“ erschien 2013 im luxbooks-Verlag. Für seine Gedichte erhielt er u.a. den Lyrik-Debütpreis Poetenladen (2005), das New York-Stipendium des Deutschen Hauses NY und der Max-Kade-Foundation (2010), und den Lyrikpreis München (2010). Seit 2011 betreibt Elze zusammen mit Janin Wölke, Udo Grashoff, Mario Salazar und Thorsten Frey die Lesereihe niemerlang in Berlin und Leipzig.

 

ich habe fickende fliegen im kopf, ich habe so viele
fickende fliegen im kopf, alles brummt & legt kleine eier.
ich habe dinge zu regeln, wenn ich wieder im haus bin.
wie kann es sein, dass fickende fliegen in mich geraten?
das system muss offen sein. wie liebestoll ist dieses system?
& wenn es offen ist, kann ich mit dem kleinen finger hinein?
& reicht es aus, wenn ich nur einer einzigen fickenden fliege,
während sie fickt, mit dem kleinen finger übers rückenfell fahre
dass es knistert, um selber glücklich zu sein?, weil fickende fliegen
glücklich sind, so steht es geschrieben, & alles glück abstrahlt –

aus:  ich lebe in einem wasserturm am meer, was albern ist. Gedichte. luxbooks, Wiesbaden 2013.

 

Birgit Kreipe, geb. in Hildesheim. Kindheit & Jugend auf dem Land. Studium der  Psychologie und Germanistik in Marburg, Wien und Göttingen, lebt in Berlin. Kurzprosa und Gedichte sind in vielen Zeitschriften und Anthologien erschienen (zuletzt in erostepost, ostragehege, randnummer, lichtungen, zeitzoo; Anthologien:  Die Schönheit ein deutliches Rauschen und Schneegedichte. beide hrsg. von Ron Winkler; Im Heiligkeitsgedränge, Verlag Lettretage, 2011;  Jahrbuch Lyrik 2011, 2013,)

Im Frühjahr 2012 erschien „schönheitsfarm“ im Verlagshaus J. Frank, Berlin

 

nachts rücken die scheunen zusammen, werden zahm

I

hier, wo die blauen luftschiffe aufsteigen
wie soda, war mein acker. unter dem grün
das feld, wo wir licht anbauten
in den jahren des zusammenhaltes
gussmodeln: hier liebesformate
dort kühlpackungen für die verwundeten.
das licht kitzelt noch, wie ein schwarm, auch wenn
das wurzelwerk lange erloschen ist.
bäume, ihr wispern, wie muhmen:
da bist du ja, mein stiefelmädchen
gerstenfeld, mondgesicht, endlich zuhaus!
wir werden leben wie ein orchester, zusammen!
wo die apparaturen erblinden
zischeln vier winde. ich will nicht
ins trudeln geraten, die balance
die blauen luftschiffe, sie gehören zu mir.

 

Tom Schulz, geboren 1970 in der Oberlausitz, aufgewachsen in Ostberlin. Lebt  als freier Autor und Herausgeber in Berlin. Dozent für Kreatives Schreiben. Leitet seit 2011 die Schreibwerkstatt „open poems“ an der Literaturwerkstatt Berlin.

Zuletzt erschienen: Innere Musik. Gedichte. Berlin Verlag, 2012. Kanon vor dem Verschwinden. Gedichte. Berlin Verlag, 2009. Im Frühjahr 2014 erscheint bei Hanser Berlin (zusammen mit Björn Kuhligk): Wir sind jetzt hier. Neue Wanderungen durch die Mark Brandenburg.

Herausgeber der Anthologie: Alles außer Tiernahrung – Neue Politische Gedichte. Rotbuch Verlag, 2009. Und der Liebesgedichte – von Nicolas Born. Insel Verlag 2011. Mitherausgeber der Anthologie „Trakl und wir – Fünfzig Blicke in einen Opal.“ Stiftung Lyrik-Kabinett, 2014.

Preise und Stipendien u.a.: Bayerischer Kunstförderpreis für Literatur, 2010. Aufenthaltsstipendium der Villa Decius in Krakau, 2010.  Aufenthaltsstipendium des Künstlerhofs Schreyahn, 2012. Aufenthaltsstipendium des Heinrich-Heine-Hauses in Lüneburg, 2012-13 . Berliner Senatsstipendium, 2013. Kunstpreis Literatur der Lotto-Stiftung Brandenburg, 2013.

Aus der Lichtuniversität

 

Nur eine Zeile. Lyon. Only the young die young. Traf mich ein Sonnenstrahl. Sanft

und warm. Über den Platz ging ein Mann. Dann eine Frau. In den Bäumen weder

Blätter noch Reif. Weder die Knospe. Noch eine Hostie. Nur das Licht. Lumiere.

Leicht zu denken. Auch dies. Der Clochard war aus Gras. Wir rauchten zusammen.

Bis auf den Filter. Spazierten am Fluss. Die Wege, mit dem Meer verbunden. Auf

eine unbekannte Weise. Wie Tiefgaragensümpfe. Stell dir vor: brennende Ebenen. Dazwischen wir: Äffchen. Schaukeln inmitten der Verkehrsinseln. Versteh mich nicht falsch. Nur eine Zeile. Was du denkst oder isst, gehört dir. Das Brötchen im Pralinen-mantel. Diese Referenz: an eine leere Mitte. Hinterlässt keinen Diskurs. Pralinen-brötchen. Gefüllt mit nichts. Außer süßem Teig. Ein Körper, wenn er aufprallt. Fällt

er weich? Erste Hilfe. Mund zu Nase. Leicht zu verstehen. Auch dies. Der eine

Garten heißt Gabriel Faure. Dieses Haus. Ein Gebäudeteil davon. Die Nocturnes.

Hören sich an am Tag. In der Nacht. Schwingen die Brücken noch? Versteh mich

nicht falsch. Mein Kopf badet in der Sonne. Ich bestehe fast nur aus Wasser.

Wenn ich einen Gedanken fasse, gluckert es. Als wäre etwas im Fluss. Als fädelten

wir uns durch die Passagen wie Kamele in einem Nadelöhr. In den Auslagen

Teufelsrochen. Jemand wie ich tritt in ein Glühlampengeschäft. Spricht die Worte

ungenügend. Oder falsch betont. Verwechselt Bahnhof mit dem Schlafanzug. Tür

und Hafen. Am Geländer hielten wir uns fest. Liefen herüber nach Alt. Lyon. Nur

eine Zeile. Kirchliche Gassen, schmal. Eine Frau ging hindurch. Ein Mann. Dann

die Horde Schulkinder. Stand vor der Kathedrale. Sahen die fehlenden Köpfe nicht.

Die Köpfe der Engel, abgesägt. Etwas gluckert, wird still. Als wir in den Garten aus

Stein gerieten. Beinah stolperten. Die Rückseiten der Häuser ergriffen. Die Rück-

seiten der Daguerreotypien. In sechzehn Bildern pro Sekunde. Wovon zu erzählen

wäre. Die erste Erzählung des Lichts. Wir kauften die Milchbrötchen.

 

Klaus Johannes Thies, aufgewachsen in Bielefeld, ab 1966 in und um Würzburg, seit 1975 in Bremen, seit 2000 auch in Berlin.

Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften: „Manuskripte“, (Heft 124, 143, 164, 183) „Neue Rundschau“, „Akzente“, „neue
deutsche literatur“, „die horen“, „Litfass“, „Der Literaturbote“, „Hirschstraße“,  „Zündschrift“, „Krachkultur“, „Stint“, „Trafika“ (Prag/New York), „Tratti“ (Faenza), „Yang“ (Gent), „entwürfe“(Zürich)…

Bücher: „Was machen wir hier“, Eric van der Wal, Bergen NH (Gedichte) 1984 „Unbedingte Zunahme“, Tende Verlag Frankfurt 1986 (dafür Förderpreis für Bremer Schriftsteller und Stipendium in der Casa Baldi, Olevano Romano) „Schurrmurr“, Achilla Presse Bremen/Hamburg 1996 „Die Dunkelkammer unter dem Rock“, Reclam Leipzig 1998 „Tacchi a spillo sulla tastiera di Monk“, Mobydick, Faenza 2000, (Übersetzer: Giovanni Nadiani) “Uranda Urundi”, (Kurzprosa) 2007 “Zusammenarbeit mit Dritten”, (Kurzprosa) 2009

Hörspiele: „Kalte Füße“ „Bilder, Schritte, Anfänge“ (drei kleine Phantasien) 1999 (beide von Radio Bremen produziert)

Fernsehen: Portrait von Christel Körner, produziert vom swr

 

EIN PHOTO AUS EINEM ANDEREN JAHRHUNDERT

Heute morgen bin ich versehentlich in einem anderen Jahrhundert erschienen.
Ohne fremde Hilfe konnte ich keine der Personen identifizieren,
die da in meiner Wohnung herum gingen.
Und dann die Musiker dazwischen.
Offensichtlich war ich in ein Familienfest meiner Vorfahren hineingeraten.
In den Gesichtern erkannte ich die großen Hoffnungen, die, wie Fallschirme,
nie aufgegangen waren, und dann die Veteranen, die soviel Angst und
Schrecken verbreitet haben;
jetzt saßen sie, wie in einem Linienbus, hintereinander
und konnten kaum die Abfahrt zum Sennefriedhof I erwarten,
saßen nach dem Essen da, in sich versunken,
als würde sie eine Lampe von innen schwach wie Hustensaft beleuchten,
und die Kinder liefen um sie herum, wie um Eisberge, von denen nur noch die
ausgemergelten Knie zu sehen waren.
Sah mich nicht in der Lage, die zwanzig, dreißig Jahre zu überspringen,
die ich anscheinend verpasst hatte, fortwährend mit feuchten Augen anwesend,
und eben wegen der feuchten Augen vielleicht nur die Hälfte sah,
und dann unterspülten die Musikanten das, was mich im Innersten
zusammenhielt, mit ihrer rumänisch klingenden Musik.

Lesung Weltklang 2014 a.k.a. KREUZTORP am 14.10. mit RAMMSTEDT, SCHOCH und WINKLER

5 Okt

Hä, Weltklang? 2014? Nein, keine Sorge, so sehr haben wir uns während der Kreuzwort-Auszeit nicht das Hirn aufgeweicht. Obwohl, doch, ein bisschen vielleicht. So oder so: Wir stehen ja zu unseren Wörtern, deswegen kriegt der prachtvolle Ron Winkler auch das, was ich ihm mal auf Facebook versprach:

Ron Winkler Torp

Und deswegen heißt unsere Comeback-Veranstaltung jetzt eben Weltklang 2014. Klar? Es trifft sich natürlich schön, dass besagter Torp natürlich auch dabei sein und eventuell sogar prügeln wird. Keine Sorge, dabei handelt es sich nicht um das Wettspielportal TORP – Tennis Online Rheinland-Pfalz, sondern um diesen munteren Burschen. Jetzt mit noch mehr neuen Wimpern. Und nicht nur das Törpchen wird Ron bei der inoffiziellen Buchpremiere slash 3-Jahre-Kreuzwort-Sause begleiten, sondern auch Tilman Rammstedt und Julia Schoch, die sich ebenfalls am 14. Oktober bei uns die Ehre geben werden. Äh, wo noch mal? Achja, im Damensalon in der Reuterstraße 39 (Nähe U Hermannplatz oder Schönleinstraße). Und wie war das noch mal, wann fangen wir für gewöhnlich an? Achja, um 20h beginnt der Einlass und ab 21h geht es dann pünktlich mit der Lesung los. Die 3€ Eintrittsmoney solltet ihr zu allem Überfluss nicht vergessen und ruhig noch etwas mehr einstecken, denn schließlich habt ihr sicherlich seit Ewigkeiten keinen Gin Basil Smash mehr getrunken und solltet dementsprechend einiges nachholen. Wir machen auch mit, versprochen.

 

Tilman Rammstedt wurde 1975 in Bielefeld geboren und lebt in Berlin. Er studierte eine ganze Reihe von Dingen in Edinburgh, Tübingen und Berlin. Statt einer Magisterarbeit schrieb er aber sein erstes Buch.

Julia Schoch, 1974 in Bad Saarow geboren, aufgewachsen in Mecklenburg. Lebt in Potsdam. Studium der Germanistik und Romanistik. Sie veröffentlichte im Piper-Verlag Der Körper des Salamanders (2001), Verabredungen mit Mattok (2004). Ihr Roman Mit der Geschwindigkeit des Sommers (2009) war für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert. Zuletzt erschien Selbstporträt mit Bonaparte. Sie erhielt u.a. den Preis der Jury beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb und den André-Gide-Preis für Literaturübersetzungen.

aus: Steltz & Brezoianu – Ein Mosaik für Leidenschaftliche, 2007

 

Berlin/ Belém (via Frankfurt a.M. und Brasilia)

Brezoianu brachte Steltz, die zu einer weiten Reise aufbrach, zum Flughafen. Bevor sie durch die Paßkontrolle davonging, verabschiedete er sich von ihr: Ich liebe dich.

Wie sonderbar, daß du diesen Satz noch nie bei meiner Ankunft gesagt hast, erwiderte Steltz und strich nachdenklich über Brezoianus breite Koteletten.

Ron Winkler, 1973 im Bezirk Gera geboren und aufgewachsen mit Blick auf fremde Äpfelbäume und einen Bergsturz. Sechsjährige Ausbildung zum Judoka, sporadische Teilnahme an der Schülerakademie (»Tarnung, Warnung und Signal: Die Farben der Tiere«) und mit einsetzender Adoleszenz Engagement in den FKR Literatur und Sozialistische Landesgestaltung (Pflege eines Orchideeotops). Diverse Besuche der Großeltern mittels eines Ikarus 66. Ungesühnte Straftaten: Inbrandsetzung einer Mülldeponie (Zetti-Süßwaren-Tüten-Fehldrucke, Chemikalien, künstliche Nieren, Hausmüll).
Ron Winkler hat eine Leerstelle für Torp und widmet sich neuerdings der sinnlichen Katzendokumentation.

Jetzt draußen: Prachtvolle Mitternacht (Schöffling & Co.) sowie Torp. Neue Wimpern.

Torp war in eine Familie Torp hineingeboren worden. Sein Vater war lange Zeit dritter stellvertretender Direktor beim Zirkus Horoscopani. Sein Vater hatte schon als junger Mann den Fujimanjaro bestiegen. Sein Vater hatte Brauen groß wie die Raupen des Tagpfauenauges. Sein Vater litt an chthonischem Husten. Sein Vater hatte auf Schaukeln wippen können. Sein Vater fand die Nanosekunde schön. Sein Vater vermochte die jeweilige Stunde
am Klang der Stadt zu erkennen. Seine Mutter aber war etwas Besonderes.

KREUZWORT/CROSSWORD Saisonfinale mit DOUGLAS-MOORE, HEROLD, ZEEGEN am 10. Juni

4 Jun

Das Poesiefestival bricht bereits am Freitag über Berlin herein und es ist uns egal. Naja, so halb. Oder eigentlich gar nicht. Zumindest jedoch starten wir den Gegenangriff in Form des Kreuzwort-Saisonfinales. Richtig: Wir haben keine Lust mehr und läuten die Sommerpause ein. Sie dauert solang, wie wir das für richtig empfinden. Isso!

Wir freuen uns auf einen bilateralen Abend mit Ian Douglas-Moore, Tobias Herold und Chloe Zeegen, die uns am 10. Juni im Damensalon in der Reuterstraße 39 beehren werden. Einlass wie gewohnt um 20h, Lesung beginnt pünktlich um 21h. 3€ Eintritt sind ebenso mitzubringen wie ein bisschen Öl für die quietschende Tür (hatte ich erwähnt, dass es wirklich pünktlich losgeht?). Eigentlich sollte ich hier noch mehr schreiben, vielleicht sogar was „Lustiges“ wie sonst auch (?). Sorry, kein Bock – Sommerpause ist notwendig, ihr seht das schon noch ein.

For all you English speaking people out there: Ian Douglas-Moore, Tobias Herold and Chloe Zeegen will be our guests at this season’s last Kreuzwort on 10th June  at Damensalon, Reuterstraße 39 (near Hermannplatz/Schönleinstraße). Entrance at 8pm, reading starts at 9pm sharp. Bring 3€ for us and enough for some beer, wine or Gin Basil Smash (highly recommended!). And don’t forget to tip or hilarity will ensue.

Ian Douglas-Moore lives in Berlin, where he plays music in bands like Church Car and the Sacred Travelers and writes occasionally.

Excerpt from „white, round“:

Look at this thing. Here it is. It’s kind of important I mean I think it might be kind of important so you should look at it. I was on the train and I thought of this thing and I thought you should look at it and I mean. But it’s in my head so I mean, you should look at it though. I’ll try to show it to you. Look. Do you see it? When it was warmer, the weather I mean, not what I want you to see, when the weather was warmer we went swimming in a lake. There are many lakes around here and some of them are very long and narrow. Some of them are round and sometimes we went swimming in one of them. It was warmer but not so warm.

Tobias Herold, *1983, liest aus den Lyrikbänden „Kruste“ und „Ausfahrt“ sowie neue, unveröffentlichte Prosagedichte. Er lebt in Berlin und veranstaltet zusammen mit Alexander Filyuta die Reihe „Lyrik im ausland“.

Ohne Hirn
keine Gespinste, keine
Seele, die man baumeln
lassen könnte, und auch

nicht dieses todschicke
Kostüm aus Nerven,
das du zum Mantel des
Schweigens so gern trägst.

Chloe Zeegen (b. 1980 in the United Kingdom) gave up a successful career in arts management in London to move to Berlin in early 2012 and focus on her work as an artist and writer. Her writing is published online and has recently appeared in the debut issue of STILL magazine for young literature and photography.

I go to a bar on Oranienstraße. There’s some random there and we chat for a bit but pretty soon he’s like just moved here have you? think you’re an artist? it’s people like you who are destroying Berlin you fucking tourist. I laugh in his face give him the finger but I don’t just give him the finger I pretend to run my tongue over it up and down to show him just how much of a creative little bitch I am and that really pisses him off and his friends are like leave it leave it. When I get home my spell check is like wtf babe I can tell you’re trying to say something but I can’t figure out what. I consider uploading my entire fucking life to first-world-problems.com but I don’t because that’s bullshit. I reflect an image in Photoshop and it creates a skull. I Google ‘Facebook Star’ and take a screenshot because the returns are irrelevant. I update my status to find everlasting life and I tell you I mean it and I tell you it’s real.

KREUZWORT xt STILL mit: ANDERSON, KRAXNER, PFISTER & WESTHEUSER

7 Mai

Wer uns kennt, weiß: Wir lieben die Overachiever von S T I L L. Obwohl ich zum Beispiel immer noch nicht mein Exemplar der Zeitschrift bekommen habe. Nicht, dass ich sauer wäre oder so. Sauer werde ich ja nur, wenn ich mit denen noch klären muss, wie unser gemeinsames Event am 13. Mai heißen soll. „STILL bei kreuzwort? kreuzwort feat. STILL?“, hieß es von deren Seite. Wer uns kennt, weiß: Namen finden und uns dann auch nicht einig sein, das ist nicht unsere Stärke. „stilles wort?“ funkte die Katze mit der großen Brille (kleiner Tipp: nicht ich) durch den Facebook-Chat zurück. Und insistierte yodaesk: „STILLES WORT STILLES WORT STILLES WORT. betrunken ich noch bin.“ Eventuell habe ich mir das aber nur ausgedacht. Eventuell nicht und wir kommunizieren tatsächlich so. So oder so: Ich habe mich dann für KREUZWORT x STILL entschlossen (weil ich den Blog schmeisse und aus anderen Gründen, die ich hier nicht nennen möchte) und dann noch ein t eingefügt, weil, na ja, wer uns kennt, weiß: Saufjargon ist unser Ding. Einfach so, weil das ja witzig ist. Haha. Hm.

Wie dem auch sei: Sonst mussten wir mal wieder wenig machen, was uns ja immer freut. Dann bleibt mehr Zeit zum Nichtstun. Die S T I L L-Gang schaufelte uns also Namen zu und wir freuten uns. Auf Shane Anderson, Petra Maria Kraxner und Lyz Pfister. Und auf Linus Westheuser, der wohl dabei sein wird, um Übersetzungen vorzutragen. Kein Grund sich nicht oder weniger zu freuen, eher noch mehr! Deshalb: Zieht euch dem Wetter entsprechend an, legt einen eurer Laune entsprechenden Gesichtsausdruck auf, packt euch Geld – mindestens aber 3€ Eintritt (oder aber mehr, um weniger zu bezahlen, siehe unten!) – in den Brustbeutel und strömt ab 20h in den Damensalon in der Reuterstraße 39 und Berlin-Neukölle. iPod mit De Höhner-Playlist nicht vergessen, einfach so aus Ironie wegen des Tippfehlers eben.

Und ja, werdet ihr euch fragen, WTF, Alter, keine Ahnung, was S T I L L ist, LOL. Das Label von MC Fitti? Noch nicht (die arbeiten bestimmt aber dran). Erstmal ist S T I L L in eigenen Worten:

You read so hard you get paper cuts? S T I L L ist ein Magazin voller neuer Geschichten und junger Fotografie. Zweimal jährlich auf Papier präsentiert es Fotokunst und junge deutsche Literatur. Ob Kurzgeschichten, Romanauszüge, Lyrik oder Drama — S T I L L steht für fiktionale Texte und Geschichten voller Fantasie genauso wie für internationale junge Fotokunst. Große Fotostrecken treffen auf Literatur und junge Autoren auf alteingesessene. Und egal, wie lange die Autoren schon schreiben: die besten Texte erscheinen zum ersten Mal bei S T I L L !

At the still point, there the dance is.

Das Debüt, mit Texten und Bildern von Andreas Stichmann, Lyz Pfister, Friederike Mayröcker, Crauss, Chloe Zeegen, Jan Wagner, Linus Westheuser, Petra Maria Kraxner, Stefanie de Velasco, Björn Siebert, Ali Taptık u.v.m.

 

Sieht so aus:

Still Cover

 

Angefasst dann so:


 

Ihr könnt sie an diesem schönen Maimontag auch kaufen, sogar billiger: Eine Ausgabe S T I L L + Eintritt = 9€. Was eigentlich dem regulären Preis der Zeitschrift entspricht. Nur habt ihr hier auch den Eintritt drin, der sich wie gewohnt auf 3€ beläuft. Entweder: 3€ für Eintritt allein oder 9€ für Eintritt + S T I L L. Klingt einfach, war aber nicht so simpel, das gemeinsam auszuklabustern (via Facebook natürlich).

 

Da kümmern die sich drum. Wir schlürfen Cocktails und Krusovice oder diesen Weißwein, der uns immer so furchtbar betrunken macht (also mich vor allem).

 

Shane Anderson wurde 1982 in Kalifornien/USA geboren. Seit 2005 lebt er in Berlin. Seine Lyrik und Prosa erschien in Magazinen wie Hilda, kill author und im Playbill zu Matthew Barneys KHU. Sein aktueller Gedichtband, Études des Gottnarrenmaschinen, erschien 2012 bei Broken Dimanche. Er arbeitet zudem als Übersetzer, kürzlich u.a. mit Uljana Wolf. www.shane-anderson.blogspot.de. In S T I L L erschienen zwei seiner Gedichte, die zudem von Linus Westheuser ins Deutsche übersetzt wurden. Linus Westheuser, wurde 1989 in Berlin geboren, studiert Soziologie und schreibt Lyrik. Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien, zuletzt Bella triste 33. Die in S T I L L veröffentlichten Texte sind seine ersten Lyrikübersetzungen. www.gdreizehn.wordpress.com.

 

SPIRITUALLY SPEAKING, ONE NOSTRIL ONLY

 

Now the difference

shrinks between spring

and late summer

to allergies the temperature

samed, slushes the brain

into a kind of dew

we suppose to be angels’ food

[…]

 

 SPIRITUELL GESAGT, MIT NUR EINEM NASENLOCH

Jetzt schrumpft der

Unterschied zwischen Frühling

und Spätsommer

auf Allergien zusammen die Temperatur

ist geglichen matscht

die Hirnmasse

zu einer Art Tau

den wir für Engelsnahrung

halten

[…]

Petra Maria Kraxner, geboren 1982 in Zams, aufgewachsen in Tobadill, lebt und arbeitet in Berlin. Veröffentlichungen von Gedichten in Zeitschriften, Anthologien sowie auf Fotografien. Ihre Theaterstücke KESt, Nutella Town oder Die Bläue bleibt in etwa zu 52% werden vom Thomas-Sessler-Verlag Wien vertreten. Ihr jüngstes Stück, Die gesetzliche Verordnung zur Veredelung des Diesseits, wurde im März 2013 im Vestibül des Wiener Burgtheaters uraufgeführt und am Landestheater Innsbruck nachgespielt. Ein Auszug daraus erschien bei S T I L L.

Die gesetzliche Verordnung zur Veredelung des Diesseits

 

[…]

Gabriel: Ophelia, erzähl von dir.

Ophelia: W(verschlucktes ie)

Gabriel: Du scheinst mir ein schweigsamer Mensch zu sein.

Ophelia: I(verschlucktes ch)..

Gabriel: Du musst aber auch gar nichts sagen. Wenn du nicht möchtest. Ophelia, das würde ich verstehen. Das fände ich ganz und gar nicht, abstrus. Ich mag schweigsame Menschen, wirklich.

Ophelia: [Zieht sich wieder aus.]

Gabriel: Irgendwie stoße ich immerzu auf schweigsame Menschen. Sie ziehen mich an. Als gäbe es eine höhere Instanz, die mich stets an wortkarge Kommunikationspartner geraten lässt.

Ophelia: [Zieht sich einen Bademantel über.]

Gabriel: Manche Menschen müssen sich ja regelrecht zum Smalltalk zwingen. Das musst du nicht. Ophelia, wirklich nicht.

Ophelia: Du…

Gabriel: Du musst dich nicht über Kachelmanns Kakerlaken oder die momentane mediale Aversion gegen Atombusen äußern. Auch nicht über die Atomlobby, Angela Merkel oder Spreeufer- Bebauungsmaßnahmen.

Ophelia, wir können auch einfach nur ficken.

[…]

Lyz Pfister ist Autorin aus New York, die gerade in Berlin heimisch wird. Sie schreibt regelmäßig über Essen und Kultur, unter anderem in ihrem Blog Eat Me. Drink Me. www.eatmeanddrinkme.wordpress.com. In S T I L L erschien ihr Gedicht ‚After Christmas’, das dazu von Jan Skudlarek auch ins Deutsche übersetzt wurde.

 

Lyz Pfister

KREUZWORT am 11.02.: BÜLHOFF, DURAJ und VOGEL

6 Feb

Hümmelhülf, schon wieder ein Monat um! Die Zeit rast und wir stolpern hinterher. Aus den Taschen fallen uns Erinnerungen an die letzten schönen Lesungen, aus dem Haupthaar grausilberne Strähnen. Aber ihr wollt ja gute Literatur hören, immer mehr und immer mehr. Und uns ist das auch recht – als Bonus gibt’s ja sogar noch soziale Kontakte dazu. Wowsi! Wer also mit uns über unsere Lieblingskatzenmemes sprechen will, eine Runde deliziösen Gin Basil Smash schmeißen will oder doch lieber der Hauptsache, der guten Lesung wegen kommt, sei herzliebst dazu eingeladen, uns am 11. Februar im Damensalon in der Reuterstraße 39 (U Hermannplatz oder Schönleinstraße, Busse gibt’s auch) zu besuchen!

Wir werden ab 20 Uhr dort sein um euch die 3€ Eintrittsgelder und gegebenenfalls den einen oder anderen Doktortitel abzunehmen. Seid auf der Hut! Zwei, drei Biere später werden Andreas Bülhoff, Richard Duraj und Mikael Vogel dann mit Lyrik verwöhnen. Vorgeschmack auf Personae und Poetery? Gerne doch! Sollten die Bilder übrigens falsch dargestellt werden: Klick drauf dürfte den Lesegenuss erleichtern/-möglichen.

Andreas Bülhoff fabuliert fabulös über seinen Lebenslauf: „zur biografie: was willst du da haben? studium und sonen quatsch? publikationen kennst du ja quasi eh schon alle… vorher hab ich halt in göttingen studiert und dort ein volo im literarischen zentrum gemacht… (finde ich aber eher nicht erwähnenswert…). geboren bin ich 1987 in gladbeck und aufgewachsen in essen und hamm. falls du noch irgendwas anderes wissen willst, schreib mir nochmal.“ Publikationen kenn‘ ich wirklich! Zuletzt zum Beispiel in der famosen randnummer und diverse Übersetzungen für den fantastischen Verlag luxbooks sollten ebenfalls nicht unterschlagen werden.

Bülhoff

Richard Duraj kam wohl nicht dazu, uns über sein bisheriges Leben aufzuklären, was aber nicht weiter schlimm ist. Wir vermuten, dass er nach seiner Geburt in Polen eigentlich schon den Weg nach Berlin aufnehmen wollte, allerdings mit zuviel Anlauf und etwas Linksdrall bis nach Tübingen weitersauste. Auch der Rückweg schien sich problematisch gestaltet zu haben: Es ging wieder nach Polen. Mittlerweile ist er aber im Herz der Finsternis (Berlin) angekommen und wohnt ungefähr fußläufig von uns entfernt. Mittlerweile „lebt und schreibt er“ also, wie das immer in den Biografien ferienhausloser SchriftstellerInnen heißt, in Berlin. Veröffentlicht hat er anderswo, ebenfalls randnummer und diverse andere. 

UpdateRichard hat uns noch mehr Infos rübergefaxt! Per Faxbook!

Richard Duraj, in den Achtzigern in Polen geboren, in den Neunzigern in Esslingen aufgewachsen, wohnt in Berlin. Schreibt Gedichte. Veröffentlichungen in Zeitschriften, u.a. Randnummer, Edit, Die Horen.

duraj

Mikael Vogel (*1975) schreibt vorrangig Lyrik, daneben Prosa. 2002 erhielt er das Hermann-Lenz-Stipendium. Bislang sind von ihm neben zahlreichen Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien drei Gedichtbände erschienen, zuletzt ‚Massenhaft Tiere‘ im Verlagshaus J. Frank Berlin. 2010–11 Redakteur der Künstlerzeitschrift ‚Prolog – Heft für Zeichnung und Text‚, Berlin. Zahlreiche Lyrik-Übersetzungen aus mehreren Sprachen, z.B. T.S.Eliot, Sylvia Plath, Shelley, Michelangelo, Rimbaud, e.e.cummings.

Vogel

KREUZWORT(WECHSEL) am 14.01. mit GAUSE, VOIGT und ALBAN NIKOLAI HERBST

8 Jan

Begrüßung, semi-witziges Parlando, Wetter, tagesaktuelles Geplänkel, die Wulffs/Augstein, popkulturelle Referenz, jetzt endlich der Hinweis auf den nächsten Kreuzwort-Abend:

Am 14. 01. 2013 im Damensalon in der Reuterstraße 39, wie immer müsst ihr 3€ Eintritt bezahlen (der nicht in unsere Taschen fließt), wie immer legen wir nahe, ab 20h einzutrudeln, um noch gemütlich Kaltgetränke zu konsumieren und des Anfangs der Veranstaltung zu harren, die von u.g. Personen bestritten wird:

Romina Voigt und Moritz Gause bringen auch mal Jutebeutel (der wie jeder gute Jutebeutel aus Baumwolle besteht) mit ISBN unters Volk. Einfach, weil sie da Bock drauf haben. Straight outta Jena betreiben die beiden Wortwechsel und versprechen, junger Literatur in Thüringen ein Forum zu geben. Jetzt kommen sie nach Berlin – is doch schon so’n bisschen zynisch!? Was würden Kraftklub dazu sagen? (Hoffentlich nichts.) Aber keine Angst, Thüringen: Die sind nur zu Besuch, um hier zu lesen und zu representen. Die habt ihr bald wieder. In der Zwischenzeit dürfen wir uns eben an ihnen erfreuen. Ge? No!

Und die beiden bringen auch gleich jemanden mit. Der kümmert sich sonst vornehmlich um sein(en) Blog und straft mit seinem literarischen Projekt das Deppenfeuilleton* Lügen, wenn dieses mal wieder den Status erlabern will und drauf hinweist, dass sich Literatur noch nicht so recht ins Netz traut – und das seit übrigens 2004. Alban Nikolai Herbst befindet sich seinem letzten Eintrag zufolge bereits in Berlin und nahm um 20.33h eine S-Bahn (die bestimmt um 19.23h Abfahrt gehabt hätte – voriges Jahr. Mit Zielrichtung BER.). Wir begrüßen ihn recht herzlich, freuen uns auf ihn, Romina und Moritz und euch!

*Zugegeben: Das passiert theistischer Entität sei Dank selten.

 

Romina Voigt, 1985 im Thüringer Wald geboren. Studierte in Jena Literaturwissenschaft und Philosophie. Preisträgerin des Jungen Literaturforums Hessen‐Thüringen. Zusammen mit Moritz Gause Organisatorin der »ESP – Sprunghafte Lesereihe Weimar« und der »Lautschrift«‐Lesereihe in Jena. Seit 2011 ebenfalls mit Gause Leitung des Veranstaltungs- und Vernetzungsprojektes „Wortwechsel – Junge Literatur Thüringen“. Veröffentlichung von Gedichten in Zeitschriften und Anthologien. Im Dezember 2010 erschien ihr Debütbändchen »hemma« bei der Literarischen Gesellschaft Thüringen in Weimar.

Einen Steinpilz, eine Taubenklaue

als Konrad gehäutet wurde
legte Martin mir
einen Steinpilz
auf die Fensterbank
eine Taubenklaue, eine halbe
Tube Putzi
ließ er mir da
als Martin verschwand
aß ich allein in meinem Schrank
die Zahnpasta

Moritz Gause, 1986 in Berlin; 2006-2012 Studium der Kunstgeschichte und Literaturwissenschaft in Jena. Dreimaliger Preisträger des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen; 2011 Auszeichnung mit dem hr2-Literaturpreis. Gemeinsam mit Romina Voigt Organisation der Jenaer Lesereihe Lautschrift, der ESP – Sprunghafte Lesereihe Weimar und seit 2011 Konzeption von Wortwechsel – Junge Literatur Thüringen (Veranstaltungen, landesübergreifende Vernetzung). Im Dezember 2012 erscheint das schmale Debütbändchen „Cahn-Ingold-Prelog-Konvention“.

Nach einer Lesung

in fremder Stadt um den Bahnhof streunen
die nackten Trambahngleise entlang
in die leerstehenden Ladengeschäfte linsen
abends, bei Mc Donalds in den Bahnhofspassagen
billig geschminkte Großstadtmädchen, wenn noch Zeit bleibt
nach draußen gehen auf eine Zigarette
und zwei, drei Worte wechseln mit dem Bahnhofspersonal
– Na, heut spät geworden, gell?
– Danke, ja, schönen Feierabend noch!
– Ach, danke, dauert noch…
– Na, ich muss auch noch fahren, Stunde.
– Na!
– Na…

später in den Zug steigen, der bereitgestellt
auf niemanden wartet, nicht mal
auf die Abfahrt, ein Ziel habe ich
wenn der Zug auf halber Strecke ist
zu wissen, dass Du wartest aber, auch schlafend
ist schön

zwischen Blondierten und Schwarzgefärbten mit Asti
und den biertrinkenden Typen, die auch
auf jeden Kleinstadtbahnhof passen, zwischen Zeitplan
und Nichtstun und den Businessmenschen im eingebildeten Stress
das ist ein bißchen wie Freiheit
kurz nach 11 Uhr abends, nach einer Lesung
in fremder Stadt

Alban Nikolai Herbst wurde nach einigen Auslands- und Gefängnisaufenthalten 1981 als Ghostwriter für Hans Erich Deters mit dem Prosabändchen „Marlboro“ geboren. Da war er 26 Jahre alt. Unterdessen gilt er als Verfasser von sieben Romanen und ein paar Erzähl- und Gedichtbändchen, sowie zahlloser Kurzgeschichten, Polemiken, Kritiken, Poetologien und poetischer Features.

Alban Nikolai Herbst ist Mitglied des P.E.N.-Zentrums der Bundesrepublik Deutschland. 1995 erhielt er den Grimmelshausen Preis und den Rom-Preis der Villa Massimo, 1999 den Phantastik-Preis der Stadt Wetzlar. 2000 Writer in Residence an der Keio-Universität Tokio, 2006 Jahresaufenthalt in der Villa Concordia Bamberg, 2007 Berufung auf die Poetik-Dozentur der Ruprechts-Karls-Universität Heidelberg.

Wir haben zu töten verlernt.

Wir haben zu töten verlernt
den Buhler aus der Schale zu brechen

das Leben fährt rechts, oder links,
in den Ländern der Demokratie

streift das haftende Fleisch
vom Rechen, der rächte

stellvertretend die Terrarienkunde
ein Grundrecht von Fröschen

die, ermüdete Flatschen, erwarten
daß aus dem dröhnenden Schachtelchen

ein fernes Geschwader der Panik
als Futter zu ihnen hereinkippt.