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KREUZWORT am 11.11. mit ELZE, KREIPE, SCHULZ & THIES

1 Nov

Wat, schon wieder Kreuzwort? Na gut. Dann legen wir mal los, am närrischen 11.11. diesmal, montäglich wie gewohnt, mit Einlass ab 20h, was einen Beginn um 21h nach sich ziehen wird. Diesmal dabei ein bunter Blumenstrauß von Lyrik mit Carl-Christian Elze, Birgit Kreipe, Kreuzwort-Veteran Tom Schulz und Klaus Johannes Thies. Noch mehr Infos? Na gut: Im Damensalon in der Reuterstraße 39 as usual. Achja, kostet wie immer 3€ Eintritt. Puh, hab ich noch was vergessen? Glaub nicht. Kommt einfach rum, zackig!

 

Carl-Christian Elze, 1974 in Berlin geboren, lebt in Leipzig. Er studierte Biologie und Germanistik, und von 2004-2008 am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Er schreibt Gedichte, Prosa, Drehbücher und Libretti. Zahlreiche Einzelveröffentlichungen und Beiträge in Literaturzeitschriften und Anthologien wie EDIT, Bella Triste, Lyrik von Jetzt 2, Jahrbuch der Lyrik. Sein letzter Gedichtband „ich lebe in einem wasserturm am meer, was albern ist“ erschien 2013 im luxbooks-Verlag. Für seine Gedichte erhielt er u.a. den Lyrik-Debütpreis Poetenladen (2005), das New York-Stipendium des Deutschen Hauses NY und der Max-Kade-Foundation (2010), und den Lyrikpreis München (2010). Seit 2011 betreibt Elze zusammen mit Janin Wölke, Udo Grashoff, Mario Salazar und Thorsten Frey die Lesereihe niemerlang in Berlin und Leipzig.

 

ich habe fickende fliegen im kopf, ich habe so viele
fickende fliegen im kopf, alles brummt & legt kleine eier.
ich habe dinge zu regeln, wenn ich wieder im haus bin.
wie kann es sein, dass fickende fliegen in mich geraten?
das system muss offen sein. wie liebestoll ist dieses system?
& wenn es offen ist, kann ich mit dem kleinen finger hinein?
& reicht es aus, wenn ich nur einer einzigen fickenden fliege,
während sie fickt, mit dem kleinen finger übers rückenfell fahre
dass es knistert, um selber glücklich zu sein?, weil fickende fliegen
glücklich sind, so steht es geschrieben, & alles glück abstrahlt –

aus:  ich lebe in einem wasserturm am meer, was albern ist. Gedichte. luxbooks, Wiesbaden 2013.

 

Birgit Kreipe, geb. in Hildesheim. Kindheit & Jugend auf dem Land. Studium der  Psychologie und Germanistik in Marburg, Wien und Göttingen, lebt in Berlin. Kurzprosa und Gedichte sind in vielen Zeitschriften und Anthologien erschienen (zuletzt in erostepost, ostragehege, randnummer, lichtungen, zeitzoo; Anthologien:  Die Schönheit ein deutliches Rauschen und Schneegedichte. beide hrsg. von Ron Winkler; Im Heiligkeitsgedränge, Verlag Lettretage, 2011;  Jahrbuch Lyrik 2011, 2013,)

Im Frühjahr 2012 erschien „schönheitsfarm“ im Verlagshaus J. Frank, Berlin

 

nachts rücken die scheunen zusammen, werden zahm

I

hier, wo die blauen luftschiffe aufsteigen
wie soda, war mein acker. unter dem grün
das feld, wo wir licht anbauten
in den jahren des zusammenhaltes
gussmodeln: hier liebesformate
dort kühlpackungen für die verwundeten.
das licht kitzelt noch, wie ein schwarm, auch wenn
das wurzelwerk lange erloschen ist.
bäume, ihr wispern, wie muhmen:
da bist du ja, mein stiefelmädchen
gerstenfeld, mondgesicht, endlich zuhaus!
wir werden leben wie ein orchester, zusammen!
wo die apparaturen erblinden
zischeln vier winde. ich will nicht
ins trudeln geraten, die balance
die blauen luftschiffe, sie gehören zu mir.

 

Tom Schulz, geboren 1970 in der Oberlausitz, aufgewachsen in Ostberlin. Lebt  als freier Autor und Herausgeber in Berlin. Dozent für Kreatives Schreiben. Leitet seit 2011 die Schreibwerkstatt „open poems“ an der Literaturwerkstatt Berlin.

Zuletzt erschienen: Innere Musik. Gedichte. Berlin Verlag, 2012. Kanon vor dem Verschwinden. Gedichte. Berlin Verlag, 2009. Im Frühjahr 2014 erscheint bei Hanser Berlin (zusammen mit Björn Kuhligk): Wir sind jetzt hier. Neue Wanderungen durch die Mark Brandenburg.

Herausgeber der Anthologie: Alles außer Tiernahrung – Neue Politische Gedichte. Rotbuch Verlag, 2009. Und der Liebesgedichte – von Nicolas Born. Insel Verlag 2011. Mitherausgeber der Anthologie „Trakl und wir – Fünfzig Blicke in einen Opal.“ Stiftung Lyrik-Kabinett, 2014.

Preise und Stipendien u.a.: Bayerischer Kunstförderpreis für Literatur, 2010. Aufenthaltsstipendium der Villa Decius in Krakau, 2010.  Aufenthaltsstipendium des Künstlerhofs Schreyahn, 2012. Aufenthaltsstipendium des Heinrich-Heine-Hauses in Lüneburg, 2012-13 . Berliner Senatsstipendium, 2013. Kunstpreis Literatur der Lotto-Stiftung Brandenburg, 2013.

Aus der Lichtuniversität

 

Nur eine Zeile. Lyon. Only the young die young. Traf mich ein Sonnenstrahl. Sanft

und warm. Über den Platz ging ein Mann. Dann eine Frau. In den Bäumen weder

Blätter noch Reif. Weder die Knospe. Noch eine Hostie. Nur das Licht. Lumiere.

Leicht zu denken. Auch dies. Der Clochard war aus Gras. Wir rauchten zusammen.

Bis auf den Filter. Spazierten am Fluss. Die Wege, mit dem Meer verbunden. Auf

eine unbekannte Weise. Wie Tiefgaragensümpfe. Stell dir vor: brennende Ebenen. Dazwischen wir: Äffchen. Schaukeln inmitten der Verkehrsinseln. Versteh mich nicht falsch. Nur eine Zeile. Was du denkst oder isst, gehört dir. Das Brötchen im Pralinen-mantel. Diese Referenz: an eine leere Mitte. Hinterlässt keinen Diskurs. Pralinen-brötchen. Gefüllt mit nichts. Außer süßem Teig. Ein Körper, wenn er aufprallt. Fällt

er weich? Erste Hilfe. Mund zu Nase. Leicht zu verstehen. Auch dies. Der eine

Garten heißt Gabriel Faure. Dieses Haus. Ein Gebäudeteil davon. Die Nocturnes.

Hören sich an am Tag. In der Nacht. Schwingen die Brücken noch? Versteh mich

nicht falsch. Mein Kopf badet in der Sonne. Ich bestehe fast nur aus Wasser.

Wenn ich einen Gedanken fasse, gluckert es. Als wäre etwas im Fluss. Als fädelten

wir uns durch die Passagen wie Kamele in einem Nadelöhr. In den Auslagen

Teufelsrochen. Jemand wie ich tritt in ein Glühlampengeschäft. Spricht die Worte

ungenügend. Oder falsch betont. Verwechselt Bahnhof mit dem Schlafanzug. Tür

und Hafen. Am Geländer hielten wir uns fest. Liefen herüber nach Alt. Lyon. Nur

eine Zeile. Kirchliche Gassen, schmal. Eine Frau ging hindurch. Ein Mann. Dann

die Horde Schulkinder. Stand vor der Kathedrale. Sahen die fehlenden Köpfe nicht.

Die Köpfe der Engel, abgesägt. Etwas gluckert, wird still. Als wir in den Garten aus

Stein gerieten. Beinah stolperten. Die Rückseiten der Häuser ergriffen. Die Rück-

seiten der Daguerreotypien. In sechzehn Bildern pro Sekunde. Wovon zu erzählen

wäre. Die erste Erzählung des Lichts. Wir kauften die Milchbrötchen.

 

Klaus Johannes Thies, aufgewachsen in Bielefeld, ab 1966 in und um Würzburg, seit 1975 in Bremen, seit 2000 auch in Berlin.

Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften: „Manuskripte“, (Heft 124, 143, 164, 183) „Neue Rundschau“, „Akzente“, „neue
deutsche literatur“, „die horen“, „Litfass“, „Der Literaturbote“, „Hirschstraße“,  „Zündschrift“, „Krachkultur“, „Stint“, „Trafika“ (Prag/New York), „Tratti“ (Faenza), „Yang“ (Gent), „entwürfe“(Zürich)…

Bücher: „Was machen wir hier“, Eric van der Wal, Bergen NH (Gedichte) 1984 „Unbedingte Zunahme“, Tende Verlag Frankfurt 1986 (dafür Förderpreis für Bremer Schriftsteller und Stipendium in der Casa Baldi, Olevano Romano) „Schurrmurr“, Achilla Presse Bremen/Hamburg 1996 „Die Dunkelkammer unter dem Rock“, Reclam Leipzig 1998 „Tacchi a spillo sulla tastiera di Monk“, Mobydick, Faenza 2000, (Übersetzer: Giovanni Nadiani) “Uranda Urundi”, (Kurzprosa) 2007 “Zusammenarbeit mit Dritten”, (Kurzprosa) 2009

Hörspiele: „Kalte Füße“ „Bilder, Schritte, Anfänge“ (drei kleine Phantasien) 1999 (beide von Radio Bremen produziert)

Fernsehen: Portrait von Christel Körner, produziert vom swr

 

EIN PHOTO AUS EINEM ANDEREN JAHRHUNDERT

Heute morgen bin ich versehentlich in einem anderen Jahrhundert erschienen.
Ohne fremde Hilfe konnte ich keine der Personen identifizieren,
die da in meiner Wohnung herum gingen.
Und dann die Musiker dazwischen.
Offensichtlich war ich in ein Familienfest meiner Vorfahren hineingeraten.
In den Gesichtern erkannte ich die großen Hoffnungen, die, wie Fallschirme,
nie aufgegangen waren, und dann die Veteranen, die soviel Angst und
Schrecken verbreitet haben;
jetzt saßen sie, wie in einem Linienbus, hintereinander
und konnten kaum die Abfahrt zum Sennefriedhof I erwarten,
saßen nach dem Essen da, in sich versunken,
als würde sie eine Lampe von innen schwach wie Hustensaft beleuchten,
und die Kinder liefen um sie herum, wie um Eisberge, von denen nur noch die
ausgemergelten Knie zu sehen waren.
Sah mich nicht in der Lage, die zwanzig, dreißig Jahre zu überspringen,
die ich anscheinend verpasst hatte, fortwährend mit feuchten Augen anwesend,
und eben wegen der feuchten Augen vielleicht nur die Hälfte sah,
und dann unterspülten die Musikanten das, was mich im Innersten
zusammenhielt, mit ihrer rumänisch klingenden Musik.

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Kreuzwort am 08.10: Hanna Lemke, Marie. T. Martin, Tom Schulz und Ron Winkler

28 Sep

Das Leben hat leider keine opening themes, deswegen kommen wir gleich zum Punkt: Tom Schulz bringt ein neues Buch raus, es heißt Innere Musik und er wird daraus am 08.10. bei Kreuzwort im Damensalon in der Reuterstraße 39 in Berlin-Neukölln vorlesen. Begleiten werden ihn Hanna Lemke, Marie T. Martin und der frenetische Ron Winkler. Nicht nur geistig, sondern auch textlich respektive leserlich und… Ihr wisst schon! Ihr seid auch dabei: Ab 20h und mit 3€ in der Tasche, die ihr endlich loswerden könnt, wenn ihr in unsere geldgeile Umarmung lauft. Wir freuen uns. Nach den Credits können wir dann noch alle mit einem Bier im Bauch Toms Buch und/oder seine Person feiern, oder das Leben oder eben einen bezaubernden Abend. Wird schön

Hard facts & running order:

Hanna Lemke, geboren 1981 in Wuppertal, studierte von 2002 bis 2006 am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. 2010 erschien ihr Debüt, der  Kurzgeschichtenband “Gesichertes” im Verlag Antje Kunstmann. 2011 die Erzählung „Geschwisterkinder“. Sie lebt in Berlin.

Auszug „Geschwisterkinder“ (Erzählung), Verlag Antje Kunstmann 2012:

„Meinst du, wir waren als Kinder auch schon so, wie wir jetzt sind?“, fragte Milla. 

„Schwer zu sagen.“ Ritschie schaute sie an, eindringlich, als würde er in ihrem Gesicht Spuren von ihrem Gesicht als Kind suchen. „Ich erinnere mich noch daran, wie du ausgesehen hast, als du neu geboren warst“, sagte er. „Du hattest diesen Marienkäferstrampler an. Du hattest ein ganz rotes Gesicht. Und ich weiß noch, dass ich dachte, dass du noch gar nicht aussiehst wie ein Mensch.“

Marie T. Martin, geboren 1982 in Freiburg, studierte am Deutschen Literaturinstitut Leipzig und absolvierte eine Ausbildung zur Theaterpädagogin. Sie lebt in Köln. 2007 erhielt sie den Förderpreis des MDR-Literaturwettbewerbs und 2008 das Rolf-Dieter-Brinkmann-Stipendium. 2010 war sie Stipendiatin der Stadt Köln in Istanbul. Nach ihrem Erzählband Luftpost (poetenladen 2011) erschien 2012 mit Wisperzimmer ihr Lyrikdebüt im Poetenladen Verlag.

Heute nicht heute geht der Wind so komisch
alle Zitronen im Kreis beginnen zu leuchten
heute nicht heute liegen Waren auf dem Laufband
zur Kasse du hast wohl das meiste davon gekauft
darunter den Fisch mit den schillernden Flossen
das luftdicht verpackte Kraut ohne Namen
heute nicht heute sind die Tüten mit Wasser gefüllt
hängt wirklich ein Farnstrauß am Mantelhaken
und Regen Limetten der windstille Ort dort drüben
im Flur sieht dich die Katze dort schaffst du den Weg
zur Küche nicht mehr dort sieht dich am frühen Abend
die Katze und schließt deine grünen Augen zu schnell

Tom Schulz, geboren 1970 in der Oberlausitz, aufgewachsen in Ostberlin, lebt in Berlin. Von ihm erschienen sechs Gedichtbände, zuletzt: Innere Musik, 2012 im Berlin Verlag. Der Kurzprosaband: Liebe die Stare. Verlagshaus J. Frank, 2011.
Mitherausgeber der Kneipenbuchreihe im Berliner Taschenbuch Verlag sowie der Anthologie „Alles außer Tiernahrung – Neue politische Gedichte.“
2010 erhielt er den Bayerischen Kunstförderpreis für Literatur.

Nahe der Alten Oder

wir kamen an den See, ein Kranich
Schlafplatz, im Herbst sahn wir
den Köder auf dem Blinker
die Welt im Nebel, falsche Hatz

auf einer Campingliege: ein Körper
vage, ohne Wille, müde; die Fliege
in seinem Gesicht, einen oder zwei
Tage klüger als der Menschenangler

wir wissen nicht, wie der Gesang
in einem Schwan anschwillt, hat er
sich aufgeplustert, ein spanischer
Infant mit Rüschen…

weißer Halskrause; rief ich dir
in den Röhricht nach, das Wasser
ist nicht tief… die Flatterbinsen

verglichen wir unsre Schnatterlaute

auf einem Smartphone, das zu
versinken schien, erkannten
dieses Zischen, Zischeln, jenes Futter
Betteln auf dem Vogelstimmen-App

die Kähne mit den Kohleschiffern
lauschten wir still der Dommel
auf dem Grund schwammen im flachen
seichten Schlamm Karauschen

Ron Winkler, 1973 im Bezirk Gera geboren und aufgewachsen mit Blick auf fremde Äpfelbäume und einen Bergsturz.
Sechsjährige Ausbildung zum Judoka, sporadische Teilnahme an der Schülerakademie (»Tarnung, Warnung und Signal: Die Farben der Tiere«) und mit einsetzender Adoleszenz Engagement in den FKR Literatur und Sozialistische Landesgestaltung (Pflege eines Orchideeotops).
Diverse Besuche der Großeltern mittels eines Ikarus 66. Ungesühnte Straftaten: Inbrandsetzung einer Mülldeponie (Zetti-Süßwaren-Tüten-Fehldrucke, Chemikalien, künstliche Nieren, Hausmüll).
Ron Winkler hat eine Leerstelle für Torp und widmet sich neuerdings der sinnlichen Katzendokumentation.

Einen Text Rons kriegt man auf Klick hier, kurze Peter Maffay-Reminiszenz nicht ausgeschlossen. (Text entfernt, wer zu spät kommt, den bestraft Peter Maffay! Wusste schon Boris Gorbatschow)

Die nächsten außerbetrieb-Termine: Literatur-Wissenschaft, Splitterpole (Freitag/Samstag)

29 Sep

Das Wochenende wird mal wieder vollgepackt mit vielen Sachen, und die zwei schönsten sind sicherlich am Freitag und am Samstag in der Lettrétage mitzuerleben, also hin zur Methfesselstraße 23-25, 5€ oder 3€ Eintritt pro Abend sind einzuplanen und gleichermaßen viel Spaß und Futter für’s Hirn.

Literatur-Wissenschaft: Anknüpfungen

Die Berührungspunkte sind eigentlich offensichtlich und trotzdem widmen sich wenige Akademikerinnen und Akademiker der Gegenwartslyrik, noch seltener jene, die nicht sowieso mit dem Literaturbetrieb in Berührung stehen. Es ist nicht nur an der Zeit, nach den Gründen zu suchen, es ist vor allem dringend notwendig, dies zu ändern. Vier Autorinnen und Autoren stehen vier Literaturwissenschaftlern gegenüber, der Text bleibt Mittelpunkt.

Es wird Zeit, wieder anzuknüpfen. Prof. Dr. Remigius Bunia (Freie Universität Berlin), Dr. Michael Gratz (Universität Greifswald), Dr. Tim Lörke (Freie Universität Berlin) und Johannes Schüller (Master-Student Freie Universität Berlin) haben von uns Texte von je drei Autorinnen und Autoren zugesandt bekommen, Texte, die vorher anonymisiert wurden.

Jeder von ihnen wählte ein, zwei Gedichte einer Autorin oder eines Autors aus und beschäftigte sich, losgelöst von jedem Kontext, mit ihnen – wie, das überliessen wir ihnen. Am Freitag, dem 30.09. nun werden sie ihre Ergebnisse vorstellen. Die Gedichte von Daniela Seel, Norbert Lange, Tom Schulz und Steffen Popp werden am Abend verlesen und die Autoren werden, sofern sich dies einrichten liess (Daniela Seel wird voraussichtlich via Skype zugeschaltet werden, Tom Schulz‚ Text wird von Björn Kuhligk verlesen) die Möglichkeit haben, Stellung zu beziehen. Es geht um Anknüpfung: Wissenschaft, die an Lyrik anknüpft, Autoren, die an akademische Überlegungen anknüpfen können.

Splitterpole: Traditionslinien

Wenn wir schon literarische Lesung und akademische Vorlesung kombinieren, warum nicht auch Diskussion und Lesung? Wir haben Autorinnen und Autoren mit markanten Positionen eingeladen, uns Rede und Antwort zu stehen – auf unsere Schlagworte hin reagieren sie – mit Lyrik, mit Kommentaren, mit Meinungen. Eventuell mit allem zusammen? Wir werden es sehen und sind selbst brandgespannt auf Verlauf und Ergebnis dieses Experiments, an dem Simone Kornappel, Max Czollek, Kathrin Schmidt, Hendrik Jackson und Tobias Amslinger teilnehmen werden.

 

Na dann, wir sehen uns da!

KREUZWORT trifft FIXPOETRY: Politische Lyrik am 11.07.

30 Jun

Der nächste KREUZWORT-Abend hat es mal wieder in sich: Ein kleines bisschen Aufruhr am Tag der Arbeit, Popsongs. DAU-Syndrome an der endgültigen Vorläufigkeit der Schlafplätze spielen sich wie Egoshooter – kurzum: Zusammen mit Julietta Fix von Fixpoetry und dem zugehörigen Verlag präsentiert KREUZWORT glatt fünf Lyriker, die Reflexion und Rebellion im Text verpacken: Max Czollek, Kai Pohl, Clemens Schittko, Tom Schulz und Johannes Jansen werden sich am 11.07. ab 20.30h (Achtung: Aufgrund des dicht gestrickten Zeitplans geht es pünktlich los – um 20h bereits da zu sein wird dringend empfohlen) in der Kottbusser Straße 13 im Bruegge einfinden. Zuschauen kostet die üblichen 3€, wer randalieren möchte, tut das lieber draußen und klärt den Kostenpunkt des Ganzen besser mit der Staatsgewalt ab.

(Da Max Czollek erst in letzter Sekunde von uns gebeten wurde, teilzunehmen, steht er leider nicht auf dem Banner. Er wird trotzdem kommen, darauf freuen wir uns sehr und entschuldigen uns an dieser Stelle.)

Max Czollek // geboren ’87 // Schule bis ’06 // Studium Wissenschaft bis jetzt // ’09 Gründung G13 // Veröffentlichungen, Lesungen, Freunde, Verlag und eine Blogadresse: http://gdreizehn.wordpress.com/

Quake 2011

du läufst fahnen ab: checkpoints
als wärst du in einem egoshooter
flutet das streusalz den boden
seit stunden / und du hast mal
wieder die schippe vergessen

an der ecke steht eine
mit schwachem prozessor und langem mantel
dieser halbvollen flasche sekt
zerhackt ein altes lexikon
mit einem handkantenschlag

amigo, das kennst du aus kung-fu
filmen da wolltest du immer
deine bauchmuskeln anspannen
zum sound von splitternden glas
den orgasmus zum happy end

 

 

Clemens Schittko und Kai Pohl haben kürzlich erst noch kollaboriert und konspiriert: Das Produkt heißt da kapo mit CS-Gas und sieht so aus:

 

Kai Pohl, *1964 | Wittenburg/Mecklenburg. Lebt in Berlin. Berufsausbildung zum Zerspanungsfacharbeiter. Danach u.a. tätig als Dreher, Heizer, Kraftfahrer, Bühnenmaler, Grafi ker. Studium des Kommunikationsdesigns. Mitbegründer und Redakteur der Zeitschrift fl oppy myriapoda. Veröff entlichungen (Auswahl): Fahrkarte zur Revolution, SuKuLTuR, Berlin 2011; Off nen+ Schiesen, Gedichte 1989 -2006, KRASH Neue Edition, Köln 2007; biofeedback panikenergie, Distillery, Berlin 2005.

Das DAU-Syndrom
armut verpflichtet
dummheit muß sich wieder lohnen
fatal ist, was unmut schafft

unmut verpfl ichtet
armut muß sich wieder lohnen
fatal ist, was dummheit schafft

dummheit verpflichtet
unmut muß sich wieder lohnen
fatal ist, was armut schafft

 

 

Clemens Schittko, *1978 | Berlin/Ost. Lebt in Berlin. 1998 Abitur. Ausgebildeter Gebäudereiniger und Verlagskaufmann. Abgebrochenes Studium der Literatur-, Musikwissenschaft und Philosophie. Arbeitete u.a. als Fensterputzer und Lektor. Gewinner des lauter niemand preises fur politische lyrik 2010. Veröff entlichungen (Auswahl): Manifest der Nachhut, Schock Edition, EdK/Distillery, Berlin 2011; Who is who / is who or what, Samson, Berlin 2010

Pop-Gedicht
Aus einer der Nachbarwohnungen
ist gegen Mitternacht
ein Stöhnen zu vernehmen.
Wird dort noch eigenständig
miteinander geschlafen
oder (auch) schon
ein Pornofi lm geschaut?

Der Sex der Deutschen
dauert durchschnittlich
etwa drei Minuten,
eine Single-Auskopplung,
die es in die Musikcharts schaff t,
ebenso.
Deshalb auch der Begriff Popsong.

Dieses Gedicht brauchte länger
als drei Minuten,
um geschrieben zu werden,
und es wird weniger
als drei Minuten dauern,
um es gelesen zu haben.
So gleicht sich
(Achtung: Phrase!)
im Leben alles wieder aus.
Vom Tod wollen wir ja
(bekanntlich)
nicht sprechen.

Wenn schon keine Rakete
einem Kirchturm gleicht,
so gleicht doch jeder Kirchturm
einer Rakete.

 

 

Tom Schulz beehrt uns bereits das zweite Mal (damals, wir erinnern uns: Im Exil, in der wunderbaren Primitiv Bar) und versprach uns intern ein Heimspiel.

*1970 | Oberlausitz, aufgewachsen in Ost-Berlin.1997 Erste Buchveröffentlichung. Von 1998 – 2001 Herausgeber der Edition Minotaurus (zusammen mit Björn Kuhligk) Seit 2002 Freier Autor. Lyrik, Prosa, Übersetzungen und Herausgabe. Bis 2007 in Berlin ansässig, zum Jahresende Umzug nach Augsburg. Lebt seit 2010 wieder in Berlin.
Dozent für „Kreatives Schreiben“ und Lyrikworkshops u.a. an der Universität Augsburg Mitorganisator des Schreibprojekts „Lust auf Lyrik“ an Augsburger Gymnasien. Redakteur und Mitherausgeber der Literaturzeitschrift „Lauter Niemand“.

Veröffentlichungen (Auswahl):
Need to speak to a Human? C4 Edition, Graz, 2011
Liebe die Stare. Prosa. Verlagshaus Johannes Frank, Berlin, 2011.
Kanon vor dem Verschwinden. Gedichte. Berlin Verlag, Berlin, September 2009.

Herausgeber der Anthologie “alles außer Tiernahrung – Neue Politische Gedichte“ – Rotbuch Verlag, 2009.

Auf Klick gibt’s eine Kostprobe:

Tom Schulz – Tag der Arbeit

 

 

Johannes Jansen

 *1966|Ost-Berlin . Aufgewachsen ist er in Freiburg, Leipzig und Pankow. Nach der Schule machte er eine Lehre als Graveur, ging dann zur Armee und begann danach ein Studium der Gebrauchsgrafik. Er lebt heute als freier Autor in Berlin. Auch arbeitet er in der Altenpflege und Heilpädagogik.

Veröffentlichungen (Auswahl):
Im Durchgang, Suhrkamp, 2009
Bollwerk, Kookbooks, 2006
Liebling, mach Lack! Kookbooks, 2004
Halbschlaf, Suhrkamp, 2004
Dickicht, Ritter, 2002

[Diese endgültige Vorläufigkeit…]

Diese endgültige Vorläufigkeit der Schlafplätze, die ich passiere, Kontrollpunkte meines Traums. Auf der Suche wie immer, doch letztendlich faul, weil vorhanden. Man muß nicht finden wollen. Nur die wunschlose Bemühung ist es, die unfehlbar eine Entschädigung einschließt. Eine Mahlzeit zum Beispiel und ein genießbarer Wein.

© Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main 2005 Aus: Halbschlaf. Tag Nacht Gedanken. Zeichnungen von Regen Wachsmuth Suhrkamp Verlag , Frankfurt am Main 2005 ISBN: 3-518-12380-7

Und, psssst: Sagen wir mal so: Wer sich nach der Lesung in die Bahn schwingt und Richtung Ostbahnhof fährt, der sollte dort dringend aussteigen. Das MARIA hat zwar zu, aber darunter rumort es noch – der Keller hat offen und statt Technozombies kommen da Beats raus. Sinniger-, irreführender- und witzigerweise heißt dieser Satellit des legendären Clubs Jesus und ab zwei steht da nicht nur Ruben McLoop auf der Bühne, Max Czolleks böser elektronischer Zwilling, sondern auch Simian Keiser, der ein entfernter Verwandter von Tristan Marquardt ist, allerdings nur namentlich, nicht aber räumlich – zwei Satansbraten in Jesu Bauchhöhle, da muss man doch…!

So viel Literatur, so wenig parallele Persönlichkeiten: Lettrétage, J. Frank, Milena Oda und ParlandoPark

30 Mrz

Es kommt irgendwann für jeden der Moment, in dem er eingestehen muss, dass er Harry Potter gelesen hat. Meistens, wenn er vor der Wahl steht, drei gute Veranstaltungen an einem Abend zu besuchen und grummelt, dass man so ein nützliches magisches Gerät bräuchte wie Hermione Granger. Das lässt einen für einen bestimmten Zeitraum (so gut hab ich’s dann doch nicht gelesen, hust hust) in der Zeit zurückreisen und macht es so möglich, gleichzeitig an zwei Orten zu sein, Parallelpersönlichkeiten zu haben.

Das Ding hätten wir gerne für Freitag, den 1. April, denn da konkurrieren in Berlin einige feine Angebot. Handeln wir das alphabetisch ab:

Freitag: 1. Hugo Ball – Der magische Bischof der Avantgarde in der Lettrétage

Michael Braun, Norbert Lange, Karl Piberhofer und Bärbel Reetz bitten zur Teilnahme an einer literaturhistorisch-dichterisch-biogiraphisch-onomatopoetischen Karawane. Nicht nur um Hugo Ball werden sich die vier kümmern, sondern auch um seine Lebensgefährtin Emmy Ball-Hennings.

Das klingt gut genug, um sich 5€ Eintritt in die Methfesselstraße 23-25 mitzunehmen. Wer schnell genug losgeht/-fährt ist dann auch um 19.30h pünktlich da. Jolifanto bamblatastisch!

Freitag: 2. Buchpremiere von Milena Odas „Nennen Sie mich Diener“ im Club der polnischen Versager

Eigentlich ist sie ja Tschechin und alles andere als eine Versagerin, aber lassen wir das mal so durchgehen. Da die Veranstaltung um 21h losgeht, könnte man es von der Lettrétage vielleicht noch bedingt pünktlich in die Ackerstraße 168 schaffe, um Milena mit ihren sage und schreibe sechs Mitakteuren zuzuschauen und -zuhören.

Danach gibt es noch ein Diener, äh, DJ-Set. (Absolutes Kalauerverbot jetzt!)

Freitag: 3. Blickdicht lieben die Stare in der Z-Bar

KREUZWORT-Veteranen Tom Schulz und Lutz Steinbrück geben sich ebenfalls ab 21h in der Bergstraße 2 die Ehre, was dann je nach Bonität 3 oder 5€ Eintritt kosten wird.

Samstag: Parasitenpresse stellt sich in der Lettrétage vor

Am Samstag, dem 2. April fällt uns gerade nur ein place to be ein: Wieder die bezaubernde Lettrétage, in welcher ab 19.30h für 5€ die parasitenpresse ihre Aufwartung macht. Das heißt Texte satt von Timo Berger, Adrian Kasnitz und Angela Sanmann– und sie lesen nicht nur ihre eigenen! Ab in die Methfesselstraße 23-25!

Sonntag: Ben Lerner und: In memoriam Alexej Parschtschikow

Im Soupanova in der Stagardener Straße 24 stellt das Qualitätsteam Hendrik Jackson/Steffen Popp nicht Ben Lerner (in Fleisch und Blut) vor, sondern gedenken auch Alexej Parschtschikow. Kostet nix€ Eintritt und man sollte ab 20h da sein.

Das zweite Mal im heimeligen Exil: KREUZWORT am 14.03.

9 Mrz

So ist das nunmal: Kaum konnten wir am 28.02. unser erstes Gastspiel in der schnuckligen Primitiv Bar feiern, kommt es nun wiederum zum vorerst letzten Abend dort. Der wird aber sicherlich ebenso gemütlich wie exquisit, extraordinär und extravagant, denn wieder gibt es vier mal Prachtlyrik zwischen den Samtvorhängen zu hören:

Max Czollek, Björn Kuhligk, Friederike Scheffler und Tom Schulz geben sich (oder besser: uns, euch) die Ehre.

Das wie gesagt in der Primitiv Bar in der Simon-Dach-Straße 28 (S/U-Bahnstation Warschauer Straße) am Montag, dem 14.03. ab – Achtung – 20h. Eintritt beträgt leider wieder 3€, um ein paar Unkosten auszubügeln.

Das sollte aber kein Grund sein, nicht zu kommen, hier vielmehr, die Gründe (i.e.: Personen) wegen derer es sich durchaus lohnt, zu kommen:

 

Grund Nr. 1: Friederike Scheffler, geboren 1985, aufgewachsen in Berlin.
Schreibt Lyrik und Kurzprosa seit ihrer Jugend.
Seit 2005 Studium der Psychologie (Diplom) und AVL an der FU Berlin
SoSe 06   Teilnahme am Seminar „Kreatives Schreiben“ der FU Berlin unter der Leitung von Edgar Rai und Gunnar Cynybulk
SoSe 07   Teilnahme am Heiner Müller Autorenkolleg mit Ilija Trojanow
2008-2010  Teilnahme an der Open Poems Schreibwerkstatt der Literaturwerkstatt Berlin unter der Leitung von Björn Kuligk, Ulf Stolterfoht
seit 2010 Lesungen, Mitglied der Berliner Lyrikgruppe G13

 

ist es vermessen von diesen höfen zu sprechen,
nie die gewissheit zu missen: sie sind deprimierend.
ich kann da nichts zu, müllreste, trennung, geflieder
und streu, sand auf den wegen, die ich nicht gern gehe.
friedhofsstimmung verhält sich zu farbe wie drogen
zu schlaf
(aha) schon wieder den vorsatz gebrochen
die worte nützlich und nur zu gebrauchen.
ist es vermessen zu sagen: ich mache mir sorgen
um meinen nachbarn. verschlossenen landsmann.
unbekannten, flaschen- und milchpackungssammler.
trotzig, schnupfnasig bei jedem wetter
in boxershorts tigert er die treppenwälder
hoch zu seiner wohnung. er sperrt sich ein.
schreit die wand an. und scheiß die wand an:
ich hör weg.

 

Grund Nr. 2: Tom Schulz, geboren 1970 in der Oberlausitz; aufgewachsen in Ost-Berlin.

Seit 2002 Freier Autor. Lyrik, Prosa, Kritik, Übersetzungen und Herausgabe. Lebt in Berlin.

Herausgeber der Anthologie “alles außer Tiernahrung – Neue Politische Gedichte“ – Rotbuch Verlag, 2009.
Mitherausgeber der Anthologien „Das Berliner-  Hamburger und Münchener Kneipenbuch“ – alle: Berliner Taschenbuchverlag, 2006, 2008 und 2009.
Mitherausgeber des „Kölner Kneipenbuchs“, DuMont Verlag, 2011.
„Liebesgedichte“ von Nicolas Born – (Auswahl und Nachwort). Insel Verlag, 2011.
Letzte Veröffentlichungen:
Liebe die Stare. Prosa. Verlagshaus J. Frank, Berlin,  2011.
Kanon vor dem Verschwinden. Gedichte. Berlin Verlag, Berlin, 2009.
Vergeuden, den Tag. Gedichte. kookbooks, Berlin, 2006.
Preise / Stipendien u.a.:
DAGNY-Stipendium der Villa Decius und der Stiftung für Deutsch-Polnische Zusammenarbeit, Krakau, 2010.
Bayerischer Kunstförderpreis für Literatur, 2010.
Stipendium der Stiftung Preußische Seehandlung, 2010.
Stipendium des Künstlerhofes Schreyahn, 2012.

 

der Tanzbär

bei meinem Hüftschwung durch die
vor heißem Hunger schmilzenden Agenturen
öffnen sich andere Türen, andere Fallen

in den Tellern schwimmen Muschelscherben
wie sehr man mich auch in das Tellereisen rief
ich tanze den Aussterbewalzer, immerzu

um die Kaminattrappen, die Gleichnisvillen
ich folge immer meiner Nasenspitze in den Regen
in die Regionen des Überfells, der Zwerge

jener Zwerchkaninchen, wenn andere Feuer
Räder sehen, lache ich auf
schwinge einmal links, dann anders herum

wie bedachtsam meine Schritte auch
erscheinen mögen, wenn ich mich im Kreis drehe
erlöschen die Haltepunkte im Raum

der Tanzbär bin ich, in der Bar St. Tropez
vollbringe das Kunststück der Trägheit
der Langsamkeit, des langen Mutes

ich wurde staatlich unvereidigt, man sandte
mir das Beileidsschreiben, ich faxte es
an den Wald, das Feuer, die Haufen

ich tanze für die Pfeifen, für die
über das dumme Wasser Blickenden
ich tanze, wenn man mich ruft

Tom, do you wonna be the dancing bear?

 

Grund Nr. 3: Max Czollek, geboren 1987 in Berlin
– Studium der Politikwissenschaften in Berlin
– Mitglied des Lyrikzirkels G13
– Veröffentlichungen in Ausgaben der Schreibwerkstatt open poems (2007, 2009 und 2010)
– mehrmaliger Teilnehmer der Schreibwerkstatt open poems (2005/2006, 2006/2007, 2008/2009, 2009/2010) unter Leitung von Björn Kuhligk und Ulf Stolterfoht sowie der Werkstatt „Lyrik der Gegenwart“ mit Uwe Kolbe (2009)
– Aktuelle Projekte:
(1) G13-Lesung in der Lettretage am 26.03.2011
(2) Planung, Organisation und Durchführung eines Workshops zur Lyrik der Gegenwart in der Lettretage von Mai – Juli 2011.

 

dub-step-revolution

ein morgen als voice over
das ende der chiffre detroit
unter monochromen rubbellosen
an denen niemand mehr kratzt

an den postschalten wachsen die zelte
zur hochkonjunktur der brieftauben:
kabellose über transmediterrane gefälle

und kairo liegt im mariannengraben
von windgeistern gordisch verknotet:
zu viele schwerter für den konjunktiv

wider die starre grundierung
unserer eingespannten himmel
die phantasie vom untergrund
im sound einer fahrenden u-bahn

 

Grund Nr. 4: Björn Kuhligk, geboren 1975 in Berlin.
Zuletzt erschienen die Bände Der Wald im Zimmer – Eine Harzreise (mit Jan Wagner), Berliner Taschenbuch Verlag, 2007,
Von der Oberfläche der Erde, Berlin Verlag, 2009 sowie Bodenpersonal, Verlagshaus J. Frank, 2010.
Als Mitherausgeber editierte er zuletzt Das Münchner Kneipenbuch, Berliner Taschenbuch Verlag, 2009 und Lyrik von Jetzt zwei, Berlin Verlag, 2008.
1997 war er Preisträger des open mike der literaturWERKstatt Berlin, 2007 erhielt er ein Arbeitsstipendium der Stiftung Preußische Seehandlung, 2008 ein Arbeitsstipendium des Berliner Senats.

 

SPIEKEROOGER MITTERNACHT

Zwei geplünderte Körper, Partyzelte
nach Blitzeinschlag, das Meer spricht
auch wenn die Liebenden fallen, moin, moin
fällt die Liebe, wir sind versichert, nicht

in der langen Nacht der Musen streunert
man davon, erst sozial, dann demokratisch
gehts auch weniger, weißt schon, ach, nee
kommt einer, fragt, warum schreiben Sie

Gedichte, können Sie davon leben, Antworten
die wie Weltraumschrott, danke, es geht, das
hat Füße, an denen weiter oben Finger, die hören
das Blut durchs Herzeleid stampfen

 

…vier gute Gründe also. Wir sehen uns am Montag, dem 14.03. ab 20h!

 

Und, psssst: Da wir ab und zu auch mal mit der Literatur durch sind und gerne mal was trinken, um dann rhythmische Körperbewegungen zu ergotherapeutischer Musik zu vollführen raten wir auch dringend, laden wir herzlich dazu ein, uns nach der Lesung noch ins Maria am Ostbahnhof zu folgen. Wort auf der Straße ist ja, dass da DJs am Polyvinylchlorid rumratschen, die uns zwar von ihren Namen (Loop, Simian Keiser) nicht unbedingt bekannt vorkommen, deren Gesichter wir doch aber schon irgendwo mal… Nicht wahr?

Der literarische Ausgehtipp fürs Wochenende und weitere Vorschläge für die Wochengestaltung

5 Mrz

Bevor unser Exilprogramm mit Björn Kuhligk, Tom Schulz, Friederike Scheffler und Max Czollek am 14.3. in die zweite Runde geht (siehe rechts), wollen wir euch folgende Termine ans Herz legen:

peeka peeka beim Parlandopark

Am 6. März (Sonntag)

Beginn 20 Uhr

Eintritt frei

Im Soupanova, Stargarder Straße 24 (S Prenzlauer Allee)

„ein kleiner tumult in der cerebralen chemie – und wir geraten in eine andere welt“; mitunter in einen sonntag.

peeka peeka // kim peek lieferte die wesentliche inspiration für den film „rain man“. ein autist, wie ihn dustin hoffmann letztlich verkörpern sollte, war er jedoch nicht. peek gilt als einer der bekanntesten menschen mit savant-syndrom […] warum kims wort für bastard beethoven lautet und was metaphern in diesem abend zu suchen haben, we’ll see // einige videofragmente, gedichte und andere texte. offenes im anhang.

Moderation: Simone Kornappel

KOOKread. Mit Hannes Köhler, Sünje Lewejohann und Ulrike Almut Sandig.

Am 9. März (Mittwoch)

Beginn 20 Uhr

Im Kvartira Nr. 62, Lübbener Str. 18 (U Schlesisches Tor)

Lyrik und Prosa mit:

Hannes Köhler (*1982 in Hamburg) lebt seit 2001 in Berlin. Dort und in Toulouse studierte er Literatur und Geschichte. Er war Mitbegründer der Literaturgruppe und Lesebühne „Die Lautmaler“ und veranstaltet seit 2003 regelmäßig Lesungen in Berlin. 2008 war Hannes Köhler Teilnehmer des Heiner-Müller-Kollegs an der Freien Universität Berlin und 2009 Stipendiat der Autorenwerkstatt Prosa des Literarischen Colloquiums Berlin. Nach Veröffentlichungen in Zeitschriften, Zeitungen und Anthologien ist der Roman „In Spuren“ (mairisch Verlag) seine erste Buchveröffentlichung. Köhler erzählt darin von einer Spurensuche und stellt dabei existenzielle Fragen nach Freundschaft, Liebe, Sinn – Fragen, die für jede Zeit neu formuliert werden müssen. Mit „In Spuren“ gelingt ihm das auf eindringliche Weise.

Sünje Lewejohann, 1972 in Flensburg geboren, studierte Skandinavistik und Germanistik in Berlin, dann am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Sie war Mitherausgeberin der Literaturzeitschrift EDIT und ist Mitglied im Autorenforum „Der Goldene Fisch“. 2003 nahm sie an der Endrunde des Open Mike der Literaturwerkstatt Berlin und am Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt teil. 2004 erhielt sie ein Stipendium des Künstlerhauses Lukas in Ahrenshoop sowie Stipendien der Arno-Schmidt-Stiftung und des Nordkollegs Rendsburg. 2005 erschien ihr Roman „Am Sonntag will Gott zu Atem kommen“ (DuMont), 2010 verlieh man ihr beim Lyrikpreis Meran den Alfred Gruber Preis für eine Auswahl ihrer Gedichte. Sünje Lewejohann lebt als Mutter von zwei Kindern in Berlin. Sie wird neue Lyrik lesen, wie sie zuletzt u.a. in der „Neuen Rundschau“ (01/2011) erschien.

Ulrike Almut Sandig, 1979 geboren, aufgewachsen bei Riesa, lebt in Leipzig. Sie studierte Religionswissenschaft und Indologie sowie am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Bisher erschienen die Gedichtbände „ZUNDER“ (2005) und „STREUMEN“ (2007), das Hörbuch „der tag, an dem alma kamillen kaufte“ (2006, gemeinsam mit Marlen Pelny), die Hörspiele „HUSH LITTLE BABY“ (2008) und „UNTER WASSER“ (2010) sowie ihre erste Prosaveröffentlichung „FLAMINGOS“ (2010). Soeben erschien ihr 3. Gedichtband „DICKICHT“ (Schöffling & Co. 2011). Ihre Lyrik wurden mehrfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem Leonce-und-Lena-Preis 2009. 2010 erhielt sie für „FLAMINGOS“ den Silberschweinpreis der lit.COLOGNE und den Preis der Hotlist. Ulrike Almut Sandig liest Prosa aus „FLAMINGOS“ und Gedichte aus „DICKICHT“.

LIEBE DIE STARE – Buchpremiere zu Tom Schulz‘ Prosaband mit Björn Kuhligk und Ron Winkler

Am 10. März (Donnerstag)

Beginn 20 Uhr

Im Roten Salon in der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz

»Liebe die Stare« ist eine Buchpremiere von und mit Tom Schulz, der das Erscheinen seiner Texte mit den Kollegen Björn Kuhligk und Ron Winkler feiert.

Auf so ironische wie unterhaltsame Weise lockt Tom Schulz seine Leser, mit ihm gemeinsam in das Provinzielle der Großstadt, das Großstädtische der Provinz einzutauchen, einen Blick auf die Kleinigkeiten unseres Lebens sowie auf die Erinnerung eines überholten, aber nicht  eingeholten Alltags zu werfen. Mit Anteilnahme und präzisem poetischem Blick für Schärfenstrukturen ist Tom Schulz’ Prosa geschrieben. Von Erzählungen bis hin zu fragmentarischen Phantasieausflügen sind in seiner ersten Prosasammlung Texte enthalten, die den Leser so sehr verzaubern wie verstören.“ (http://www.belletristik-berlin.de/)