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23.04.: Präsentation der DLL-Tippgemeinschaft mit FEIBIG, KIRCHMAYER, MADER & MAISANO

17 Apr

Wenigen mag es bisher aufgefallen sein und ich war selbst ziemlich überrascht als ich es erfuhr, aber: Die meisten der Autorinnen und Autoren, die bei uns lesen, veröffentlichen ihre Texte. Und nicht nur so auf Blogs, bei Facebook oder auf den Hauswänden von Neukölln, sondern in Büchern. Wahnsinn. Zum Beispiel kann man jetzt von Tom Bresemann eine Geschichte für ’nen Euro (auch: Teuro, Eurone, Taler, Pinke Pinke, Mark) bei SuKuLTur kaufen, die er irgendwann mal in einer frühen Fassung noch bei uns las. Überhaupt werden diese ganzen Bücher auch gelesen. Und dann schreiben Leute was darüber, wie zum Beispiel im Falle von Mathias Traxler. Der hat auch mal bei uns gelesen, und zwar aus seinem Band You’re Welcome. Ein paar von den Leuten, die damals im Publikum saßen haben sich mit ein paar anderen Leuten, die damals vielleicht auf der heimischen Couch saßen, zusammengetan und bloggen nun über den Band

Ich allerdings blogge hier gerade über KREUZWORT, aber irgendwie komm ich trotzdem von diesen Büchern nicht los: Schließlich haben wir eine Präsentation vor uns: 

Seit zehn Ausgaben steht die Jahresanthologie des Deutschen Literaturinstituts Leipzig für jüngste deutsche Literatur, seit zehn Jahren gibt sie kontinuierlich Einblicke in das Schreiben der Studierenden – 2012 feiert die Tippgemeinschaft also ein rundes Jubiläum.

Anlässlich dieses besonderen Ereignisses wurde nicht nur erstmalig ein Teil der Texte von ihren Autoren eingesprochen, es wurden darüber hinaus auch ehemalige Studierende des Instituts dazu eingeladen, mit aktuellen Texten den Bogen über die Jahre zu spannen.

Vier der im Band vertretenen Autorinnen und Autoren dürfen wir am Montag, dem 23.04. bei uns im Damensalon in der Reuterstraße 39 begrüßen. Eintritt ist wie immer ab 20h und beträgt die gewohnten 3 Teuronen (das ist jetzt neu!). Dafür gibt es vorgetragene Texte von Ulrike Feibig, Ursula Kirchenmayer, Babet Mader und Patrick Maisano, in die hier herein gelesen werden kann:

Patrick Maisano (1977) hat Architektur studiert und 2005 an der ETH Zürich diplomiert. Ab 2009 studierte er im Masterstudiengang des Deutschen Literaturinstituts Leipzig und schloss 2012 mit einem Romanmanuskript ab. Er arbeitete als Autor, Architekt, Bühnenbildner und Performancekünstler an verschiedenen Orten in Europa und in den USA. 

Ausschnitt aus dem Romanmanuskript BASTARDI:

Ja, so in dieser warmen Flüssigkeit, mit geschlossenen Augen. – So, dass du nichts sehen musst. – Einfach so, dass es schön eng ist. – So schön eng, dass du dich nicht bewegen musst. Nicht mal atmen … – Klar, die Nase ist ja zu. – Ich würd’ sagen, die ist eher offen und die Lunge ist voll mit Flüssigkeit. – Genau, die Lunge ist voll mamma. – Voll mamma? – Ja, meine mamma, die mir durch die Nase, durch den Hals, durch die Lunge, ins Blut fliesst. – Wenn du meinst. – Und ich kann nicht ersticken dabei, weil da gar nichts anderes in mich rein kann als meine mamma. Alles in mir ist ausgefüllt von meiner mamma. Meine mamma ist in mir und um mich. Und dazwischen ich. – Vielleicht mit so ein paar wenigen Haaren auf dem Kopf? So Klebhärchen? – Ja. – Allerdings, das ist schon wieder schwierig. Weil, wie sind die denn, deine Haare? – Du meinst, ob die eher blond und gerade oder eher schwarz und gekruselt sind? Oder vielleicht blond und gekruselt? Oder schwarz und gerade? – Eigentlich müssten die ja ähnlich sein wie die deiner Mutter. – Oder sonst wie die meines Vaters. – Oder halt eben ein Gemisch aus den beiden. – Oder halt eben.

babet mader 1982 geboren studiert am deutschen literaturinstitut leipzig seit 2010 und hat schon einiges gemacht

Auszug aus Ich versteh nicht was ihr von mir wollt

wenn man überlegt wie viel zeit man mit aktivitäten verbringt die einen langweilen wie viel zeit auch mit bürokratie und arbeit verschwendet wird gibt es eine aufschlüsselung dafür bestimmt verbringt man 60 prozent seines lebens mit unerwünschten angelegenheiten ich dachte früher das liegt am besitz den man hat und wollte punk werden aber das ist der totale irrtum als punk hast du genau die gleichen probleme viele aktivitäten die langweilen und auch viele unerwünschte angelegenheiten es ändert sich nicht bei den superreichen ist es genau das gleiche oben und unten verbindet die langeweile und das leben das wir leben scheint deshalb so kurz weil wir die meiste zeit mit anderen dingen beschäftigt sind ich habe schiss dass ich erst lebe wenn sich andere menschen um meine angelegenheiten kümmern dann wenn ich mir nicht mal mehr meinen eigenen arsch abwischen kann ich habe versucht mich all meinen verpflichtungen und aktivitäten zu entledigen ich habe versucht genau das zu machen worauf ich lust hatte wenn ich auf etwas lust habe dachte ich bleibt die langeweile aus das geht nämlich nicht dachte ich dass ich mich bei etwas worauf ich lust habe langweile also habe ich mir einen film den ich schon immer sehen wollte ausgeliehen ich habe mein handy ausgemacht und habe mir eine schöne schaumige wanne voll dampfendem wasser eingelassen und dann habe ich mir zigaretten vorgedreht und eine flasche wein geöffnet ich lag in der wanne trank den wein schaute den film rauchte die zigaretten und habe nichts dabei empfunden ich habe nur das bild der perfekten entspannung gesehen ich habe gesehen wie das von außen wirkt es wirkt entspannend wenn man das erzählt weil alle denken gott wie entspannend ich konnte mich überhaupt nicht entspannen ich habe es gemacht wie ich alles mache ich mache es mir gemütlich ich mache mir etwa zu essen ich mache mal ne Pause aber entspannen kann ich so nicht ehrlich gesagt weiß ich gar nicht wie das geht ich habe mich noch nie damit beschäftigt meine eigene form von entspannung zu finden ich falle auf die gesellschaftlich anerkannten formen der entspannung rein vielleicht ist meine form von entspannung wände streichen oder cds sortieren wer weiß das schon die vorgegebenen entspannungsmethoden funktionieren bei mir jedenfalls nicht

theater konzert essen gehen und sex das sind keine relax momente in meinem leben ich mach das alles aber es entspannt mich nicht drogen und feiern auch nicht das ist das anstrengendste was es gibt schlimmer noch als arbeiten oder langstreckenflüge langstreckenflüge sind jedoch das allerschlimmste qualvoll muss der job als stewardess sein das sagt man nicht mehr oder bevor ich in den zug gestiegen bin stand ich lange am hauptbahnhof rum und habe von ganz oben nach ganz unten auf die gleise geschaut als erstes wollte ich unbedingt runter spucken und dann wollte ich runterspringen der boden sah so weich aus wie eine hüpfburg ich dachte vielleicht federt das und ich fliege wieder hoch

Ursula Kirchenmayer wurde 1984 in Lugosch (Rumänien) geboren und lebt in Berlin. Sie studierte Literaturwissenschaft und Romanistik (Spanische Philologie) an der Universität Potsdam sowie an der Universidad Nacional Mayor de San Marcos in Lima (Peru), und unternahm ausgedehnte Reisen durch verschiedene Länder Lateinamerikas. Seit 2010 studiert sie „Literarisches Schreiben“ am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. 

(…) Der Vater hatte die Fähigkeit, von einer Sekunde auf die andere aus seinem Sessel zu verschwinden und an einem anderen Tag, in einer anderen Sekunde, in einem anderen Sessel wieder aufzutauchen. Es gab verschiedene Möglichkeiten, das Verschwinden des Vaters zu verhindern. Man konnte sich in seiner Armbeuge verstecken oder unter seinen Pullover klettern, an seinem Hosenbein konnte man sich festkrallen, auch das Zusammenbinden seiner Schnürsenkel hat sich in der Vergangenheit als hilfreich erwiesen. Weiterhin konnte man den Vater auf Trab halten, indem man den blondgelockten Bruder an den Haaren zog, nur übertreiben durfte man es nicht. Sonst wurde man alleine ins Schlafzimmer gesperrt. Und dann half nur das Wippen wieder, der harte und regelmäßige Schlag der Gitterstäbe im Rücken, die kleine Erschütterung im Kopf.

(…)  Jedes Jahr im Sommer trug der Vater die Mutter auf den Armen ins Meer. Zuhause in Deutschland aber haftete allen Gegenständen, Gesten und Blicken eine sonderbare Spannung an. Unsichtbar, wie eine feine Staubschicht, die nur das Kind wahrnahm, hatte sie sich auf die Dinge gelegt: über das geblümte Wachstischtuch zwischen den Eltern zuerst, um dann Besitz zu ergreifen von den Händen des Vaters, die mit schnellen Bewegungen eine Orange schälten und sich dabei beinahe in den Finger schnitten; auch auf die Hände der Mutter, die reglos im Schoß lagen, war sie übergegangen. Eine einzige Unachtsamkeit des Kindes konnte reichen, und die stumme Zweisamkeit der Eltern war aus dem Gefüge gebracht. Das versehentliche Auftreten mit der Ferse vielleicht, ein Bissen mit offenem Mund, ein Wort in Kindersprache. Solange aber der Vater die Mutter durch das Meer trug, dachte das Kind, so lange würde alles an seinem Platz bleiben auf der Welt.

Ulrike Feibig, geboren 1984 in Magdeburg, studierte/studiert Germanistik, Slavistik, Kunstpädagogik, Literarisches Schreiben, lebte/lebt in Magdeburg, Wettin, Quedlinburg, Dresden, Leipzig, arbeitete/arbeitet in einem Kulturzentrum, als Bühnen- und Kostümbildassistentin, als Spielzeug- verkäuferin auf Märkten, als studentische Hilfskraft, im Kinderheim, als Aufsicht in einem Museum, als Kindermädchen und Fischverkäuferin

Miniaturen

Das Kreuztier hinter dem Tuch (1)

Das Kreuztier ist in doppelter Hinsicht ein Kreuztier. Einmal, weil es meinen Weg kreuzt oder ich seinen Weg kreuze. Zudem trägt das Kreuztier ein Kreuz auf dem Rücken. Du sagst: Ich lasse mich doch von Dir nicht aufs Kreuz legen. Das Kreuztier mag das auch nicht. Es stirbt dann.

Das Kreuztier hinter dem Tuch (2)

Das Kreuztier ist in doppelter Hinsicht ein Kreuztier. Einmal, weil es meinen Weg kreuzt oder ich seinen Weg kreuze. Zudem trägt das Kreuztier ein Kreuz auf dem Rücken. Du sagst: Ich lasse mich doch von Dir nicht aufs Kreuz legen. Das Kreuztier liegt hingegen gerne auf dem Rücken. Es zieht die Beine an und wartet. Manchmal mache ich es ihm nach.

Das Kreuztier hinter dem Tuch (3)

Das Kreuztier ist in doppelter Hinsicht ein Kreuztier. Einmal, weil es meinen Weg kreuzt oder ich seinen Weg kreuze. Zudem trägt das Kreuztier ein Kreuz auf dem Rücken. Ich habe gesehen, wie es auf dem Rücken liegt, die Beine anzieht und wartet. Manchmal mache ich es ihm nach.

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außerbetrieb: Abschlusspräsentation „all work and no play“

13 Okt

In drei Sitzungen hat Georg Leß nun Mikro- und Makrokosmos des Horrorfilms durchwühlt, von Kameraeinstellungen bis zu den gängigen Wirkungsmechanismen – immer im Blick: Die Figur des Autors. Klar, so ein bisschen haben wir schließlich auch mit Literatur am Hut. Wer sich also für das Crossover von Slasher, Splatter, Thriller, Gore und Guts und Poesie und Prosa interessiert, sollte seine Blutreserven am Freitag, dem 14.10. in die Lettrétage in der Methfesselstraße 23-25 tragen. 5€ oder 3€ ermäßigt (gilt für Untote, Studierende usw.) im modischen Minileichensack bei sich zu tragen wäre natürlich auch sinnig.

Neben Georg Leß‚ kleiner Zusammenfassung erwarten uns  Furcht und Schrecken von Tom Bresemann, der den Workshop kreativ genutzt hat, sowie weiteres Unheil durch den fluchbringenden Martin Lechner. Und wer weiß, welche Zombies noch in die Lesung reintaumeln – vom Dreifaltigkeitsfriedhof aus sind’s nur 1,3km bis zur Lettrétage, im Leichenwagen ist das ja schnell überbrückt. Bevor ich jetzt noch mehr peinliche Verlegenheitsanspielungen bringe: Kommt vorbei, seid froh und munter beim vorletzten außerbetrieb-Abend!

außerbetrieb: Die Lettrétage übernimmt KREUZWORT am 10.10. (ACHTUNG: Ortswechsel!)

5 Okt

So sieht’s aus: „außerbetrieb“ heißt ja nicht nur, dass wir Tom, Moritz und Katharina in der Lettrétage alle Arbeit abnehmen – nein, die müssen sich auch revanchieren. Deswegen freuen wir uns, das Ende der Sommerpause einleiten zu können und uns dabei trotzdem noch zurücklehnen dürfen.

Passend zur neuen Ära (naja, immerhin: wir gehen ins zweite Jahr!) wechseln wir auch den Veranstaltungsort und befinden uns ab nun an im Damensalon in der Reuterstraße 39, Berlin-Kreuzkölln (das muss ich jetzt schreiben, sonst wird wegen unseres Namens gemeckert).

Genauer: An der Ecke zur Pflügerstraße, erreichbar mit/durch: U Hermannplatz/Schönleinstraße, H Pflügerstraße Bus 194 (aus Fhain), M29. Eintritt beträgt 3€. Eintritt ab 19h45!

Wir werden uns also fein raushalten und zitieren nur aus einem Bekennervideo, welches die Lettrétage auf extremistischen Poesieseiten hochgeladen hat und in dem sie Ziele und Namen nennen:

Die Lettrétage übernimmt Kreuzwort. Aber keine Angst, euch wird weiterhin high-class-adult-entertainment-Poesie vom Feinsten geboten:

Sandra Trojan ist in der Stadt, und schreibt sich während ihres Stipendienaufenthalts in der Villa des lcb am Wannsee die Finger wund. Gönnen wir ihr eine kleine Pause und uns eine Kostprobe ihres Tuns!

Katharina Schultens, Kreuzbergerin und Katholikin, liefert gierstabile Qualität in den Versen ihres diesjährig bei luxbooks erschienen Gedichtbands. Höchste Zeit, die Prophetin der Erkenntnis auch im eigenen Lande zu Wort kommen zu lassen!

Tom Bresemann, geboren in der Hauptstadt der DDR lebt er mittlerweile in der Hauptstadt der Welt: Neukölln. Sein zweiter Gedichtband „Berliner Fenster“ ist soeben erschienen. Come in and find out!

VITEN & GEDICHTE

SCHULTENS

„Schultens’ Verse bleiben haften, ohne klebrig zu sein. So oft sie auch überfordern, so oft fordern sie zum Nachdenken heraus. Diese Lyrik ist noch auf dem Weg begriffen, entwickelt sich aber unaufhörlich fort. Wie ein Fahrzeug, das sich ohne weiteres Eingreifen von außen geradeaus bewegt. Das ist ja schließlich auch die Definition des Begriffes Gierstabilität. Einen besseren Titel hätte der Band nicht haben können.“ (Junge Welt)

Katharina Schultens, geboren 1980 in Rheinland-Pfalz, arbeitet seit 2006 als Forschungsreferentin an der Humboldt-Universität zu Berlin. Diverse Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien (zuletzt ostragehege, randnummer, shampoo, bella triste, Lyrik von Jetzt II, Neubuch). 2004 ein Debütband im Rhein-Mosel-Verlag; 2011 als zweiter Band  „gierstabil“ im Wiesbadener luxbooks-Verlag. Preisgeld gabs auch, besten Dank: 2005, 2007 und 2009.

forum

um zu sprechen, vergiß zunächst alle, die diesen luxus nicht haben. erinnere dich
erst ganz am schluß. dazu später. vergiß (unvollständige liste): traumata – kindliche
inklusive – , ehemalige wie zu erledigende lieben + sorgen, dieses eine geringfügige
scheitern, das sich später als entscheidender punkt erwies, tod angehöriger und
geburt etwaiger kinder, gib überhaupt dein geschlecht ab: falls du mitten im raum
stehen solltest, wirfs nach hinten, es fängt garantiert wer, den bügel zur anderen
hand, es dir anschließend überzuziehn. die schönheit, falls du sie trägst, leg ab
falls dein spezifisches alter sich mit überzeugung zu wort melden sollte, im rahmen
von erkenntnissen darüber, was jeweils jüngere unbedingt wissen müßten, dann
ignorier es, mit überzeugung und selig. ignorier auch den impetus zur wiederholung
schieb die emphase zur seite, spar die evokation jedweder baratmosphäre oder des
zugehörigen kippens vom hocker ins bett: fort, laß bloß nicht bleiben, sondern sein
und unter diesen voraussetzungen, die ich kurz mal bezeichnete als: entferne
den schutz – steh nicht im akkord, der dann einsetzt. laß die trance denen
die sie beherrschen. sprich, was dann übrig, bestenfalls denen, die übrig
(s.o.) aus.

TROJAN

Ein kleiner zusammengekauerter König ziert das Cover. Das kann trügen. Denn die Gedichte der studierten Amerikanistin und Journalistin sind nicht märchenhaft, nicht romantisch. Und eigentlich auch nicht lyrisch. Was wohl tut, wenn man sich an sich einmal wieder den Magen verdorben hat mit gezuckerter deutscher Lyrik. (Leipziger Internetzeitung)

Sandra Trojan, geboren 1980 in Winterberg. Studium der Amerikanistik, Journalisik und Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft in Leipzig, anschließend am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Arbeitet als Autorin und Übersetzerin und unterrichtet kreatives Schreiben an Schulen. Derzeit ist sie Stipendiadtin des lcb.

Ihr Debüt ‚Um uns arm zu machen‘ erschien 2009 im Verlag poetenladen.

Läutern // Zu müde in Bienen zu sprechen
Ich sollte ganz einfach sprechen: von dir, und von mir, Pathogenen.
Von Lippen, schlaff hängenden Netzen, von letzten Worten
ins Dunkel gemurmelt: Machs gut. // Machs gut.

Ein wachsbeflecktes Wort deckt jedes zweite Bild ab.
Ich will doch nur gewahren, was darunter liegt:

ein Zwang, der die Mundhöhle infiziert
eine Litanei, die meist auf Assonanzen stößt.

Nie hört es auf: Zu tief hast du die Akkorde
mit deinen Händen gehämmert, geborgte Worte, spitz
wie Meißel, nur nicht so wahr. // Und endlich zu den Bienen:

nicht von Natur aus garstig, nur ihr Terrain bewahrend
mit Tendenz zum Jähzorn, ist die Dame dahin oder fort //

ist was ich schrieb, aber wurde so müde, so elend mir
von ihrem Dröhnen, dass ich die Wange gegen die Tischkante rieb

// und weinte.

BRESEMANN

Bresemanns Kritik an den Verhältnissen ist subtil – und vor allem poetisch. (Berliner Literaturkritik)

„Das ist schlechter als drittklassiger Poetryslam“ (Raoul Schrott bei der Endrunde des Leonce und Lena Preises 2011)

Tom Bresemann, geboren 1978 in Berlin, Lettrétage und S³ LiteraturWerke Mitbegründer, Herausgeber, Übersetzer, Hundebesitzer, Krawattenträger, Espressosuchtgeschädigter etc. (diese fläche steht nun ihrer werbung frei)

aktuelles Buch: Berliner Fenster (Berlin Verlag) // berlinerfenster-gedichte.de

wenn
                          Auf das Notwendige kann ich verzichten.

wenn ich reich bin ziehe ich nur noch 100%
rein zerstoßenes geld durch die nase.

wenn ich reich bin baue ich kein haus,
ich kauf mir eure.

wenn ich reich bin gestatte ich nur noch apartesten
gleichnissen meiner langweile ausdruck zu verleihen.

exquisite buffetstrecken voll ausgestorbener
köstlichkeiten werde ich, wenn ich reich bin, veranstalten.

wenn ich reich bin werde ich auch schwul.

alle werden mich lieb und teuer halten
denn ich werde verstehen die leere auszukosten.

Eine Art Aufruhr – Lyrikabend mit junger politischer Literatur

9 Jun

Bevor wir am 13.06. wieder die heiligen Hallen dieser Eckkneipe in der Kottbusser Straße einfinden, die jetzt mittlerweile auf den Namen Bruegge hört (also: die Eckkneipe, nicht die Straße), deeskalieren wir noch am 10.06. in der Galerie Haus am Lützowplatz (die liegt wirklich am Lützowplatz, Hausnummer 9). Unter der Moderation von Marc Holzenbecher (richtig, der junge Mann vom um[laut] Magazin, der auch mal bei Umzügen von KREUZWORT-Mitgliedern hilft) und in Begleitung der Musik Onur Kücükarslans und Nurées werden die Gedichte aus den Schulbüchern raus- und mitten ins Leben reingerissen. Das verspricht jedenfalls die Ausstellung Eine Art Aufruhr, in deren Rahmen nun fünf Dichterinnen und Dichter das Private ins Politische tragen oder umgekehrt oder seitwärts oder querwärts oder wie es in ihrem Sinne liegt.

Die stehen dabei nicht nur unter der Schirmherrschaft des um[laut] Magazins, sondern auch Los Superdemokraticos deren Nikola Richter und Rery Maldonado geben sich die Ehre, Olga Grjasnowa wird ebenfalls ihre Stimme erheben und Clemens Schittko und Tom Bresemann werden dabeisein. Das ist so viel Programm, dass ich an den Tags und Links jetzt echt viel Zeit aufgewendet habe. Damit ich die wiederbekomme, kommt morgen ab 20h hin und gebt mir ein Bier aus, schließlich kostet das Ganze nix€uro, da hättet ihr was gespart. Und am Montag dann zu KREUZWORT, yay!

Mehr zum nächsten KREUZWORT-Abend am Montag, dem 14. Februar (auch „Valentinstag“ genannt)

7 Feb

Wie schon angekündigt, werden wir mit dem schüchternen Tom Bresemann, dem pornösen Philip Maroldt und dem schrecklichen Georg Leß am „Valentinstag“ ordentlich Radau machen. Von unschuldiger Liebe über Sex und Porno bis hin zu Horror und Verstümmelung ist hier alles vertreten. Zusätzlich wird alles noch mit einem My-Bloody-Valentine-Preisrätsel und einer kleinen feinen Poster-Slideshow zum Thema „Herzen im Horrorfilm“ von Georg Leß aufgemotzt – warum also ein Vermögen für Blümchen, Pralinchen und Häppchen beim Edel-Franzosen ausgeben: Hier spielt die Musik, Freunde der gepflegten literarischen Unterhaltung.

Am Montag (14.2.) mischen wir mal wieder den Betrieb auf. Wir sehen uns ab 20.30h im Schatzi Neuberg (Kottbusser Straße 13, zwischen den U-Bahn-Stationen Kottbusser Tor und Schönleinstraße). Der Eintritt beträgt 2 Euro.

Nun mehr zu unseren Gästen:

TOM BRESEMANN

hat neben vielen Veröffentlichungen in diversen Magazinen und Anthologien auch einen eigenen Gedichtband „Makellos“ veröffentlicht. Zudem ist er Mitbegründer S³ Literaturwerke und der Lettrétage.

„Sie, vor ihm auf Knieen, den Kopf zurückgedreht, sie, unter ihm, die Unterschenkel fest um sein Becken gewinkelt, die Finger in seinen Hintern verkrallt, das ist dabei.
Juliane, die sich nicht küssen lassen will. Ihr Leben hängt davon ab.
Immer wieder Juliane, den Kopf von-rechts-nach-links werfend, dann innehaltend, aufblickend, unter der glänzenden Schminke, unter der Haut kein Gesicht, das seine rechte Hand nimmt, sich an den Hals legt:
– Drück zu!
Konstantin, der zudrückt.
Juliane, die beginnt, schneller zu atmen, das ist daraufhin. Die Halsschlagader tritt deutlicher zu tage. Konstantin empfindet Wut in sich aufsteigen. Der Hals ist so dünn, dass man ihn mit einem festen Griff jetzt einfach durch brechen könnte, denkt er.
Er kann die Lymphknoten erkennen, würde sie aber nicht als geschwollen bezeichnen. Die Haut konturiert ein System von Adern, das sich umso deutlicher abzeichnet, je fester er zudrückt. Die Haut verfärbt sich bläulich unter den Fingern, und obwohl er weiß, dass das normal ist, ekelt sich Konstantin vor der Verfärbung.“

PHILIP MAROLDT

wurde geboren. Schreibt.

„Ich habe beinahe vergessen, wer hier eigentlich erzählt, daß ich es bin, der etwas zu berichten hat, etwas, das alles gesagte aufhebt und endlich einen Neuanfang bedeutet, eine innere Revolution, die sich von keiner Musik aufhalten, zurückhalten läßt, die das Äußerste nach Innen kehrt, die mich in eine schöne neue Welt zurückkatapultieren wird, nein, bereits katapultiert hat – denn jetzt, an genau diesem Punkt ist längst alles entschieden, die kleinen, schwer fassbaren Strukturen vermehren sich bereits unaufhaltsam in meinem Körper, dringen in meine Zellen ein als sanfte, mitleidlose Schläfer, setzen mich einem heilsamen Terror aus, der mir ein neues Leben ermöglichen wird, in dem jede Sekunde zählt.“

GEORG LEß

1981 in Neheim geboren, wohnt in Berlin. Er veröffentlichte Lyrik und Prosa in Literaturzeitschriften und Anthologien.

Auszug aus einem Liebes- und Phantomroman

„Lebendig und zu Hause angekommen stolperte ich als erstes über die ausgestopfte Bestie, wobei sie den gesamten Flur entlang rutschte. Es lösten sich einige Zähnchen, sprangen klacklacklack über die Dielenbretter, sowie ein längliches Knochengebilde, das bei späterer Inspektion nirgends zu fehlen schien. Damenbesuch sollte es bald sachkundig als Baculum identifizieren.

Ein breiter, rehbrauner Nubukledergürtel führte 68 Zentimeter um sie herum. Wobei ich mich in diesen Dingen gern verschätzte. Das, was sich da in meinem Hirn wie eine Urwaldschlange zusammengerollt hatte, war kein Maßband, sondern ein Verlangen.

Wenig später geschah der bereits angedeutete Zimmerbrand, kam es zum besagten Wasserschaden, in jedem Tropfen eine Rußgalaxie. Sie sah dabei zu, so weiß und still. Als es Blasen warf, schmolz, ihre Augenfarbe und Staatsangehörigkeit. Das alles musste ja einmal ein Ende finden. Warum nicht meins?“

Und mal wieder Termine, Termine: Erschlossenes Land, HARDCOVER im Gorki & ParlandoPark

1 Feb

Da wir erst wieder am 14. Februar („Valentinstag“-Special mit den schüchternen Tom Bresemann, Philip Maroldt und Georg Leß) den Betrieb aufmischen, könnt ihr euch in der Zwischenzeit mal genau den anschauen, da gibt es doch den einen oder anderen sehr lohnenswerten Termin in der nächsten Zeit.


Erschlossenes Land am 03.02.

Max Czollek, Maria Natt und Friederike Scheffler sind nicht nur aktive Mitglieder des von uns mit verliebten Augen angeäugelten Lyrikzirkels g13, sie reisen ab und zu auch durch die Welt und schreiben darüber. Und jetzt sind sie sogar in Berlin und lesen daraus. Mit Pianobegleitung von der Vermont Piano Moving Company. Werft euch die Fracks über und vergesst einen Polyglott nicht, wenn ihr dorthin reist:

Im TIK-Nord in der Rigaer Straße 77. Das Lyriktraumschiff läuft am Donnerstag, dem 03.02. vom Stapel.

(Kleiner Hinweis, weil heute mal wieder in der Bahn gesehen: Die „Ich bin Touri, ich wußte nicht, dass man hier für öffentliche Verkehrsmittel bezahlen muss“-Masche zieht leider so gar nicht, erst recht nicht in West-Berlin! Deswegen Ticket kaufen, das dürfte mit den 4€ Eintritt nicht allzu schlimm kommen, vor allem wenn ihr doch auf Touri plädiert und die 3€ ermäßigt rausschlagt!)

 

HARDCOVER studio: Lyrik live am 05.02.

Wessen Finger häufiger mal schneller sind als der Hirnvorderlappen, der wird aus Hardcover auch gerne mal Hardcore machen, aber das ist bei der Gästeliste nicht unbedingt so unangebracht:

Jan Wagner

Björn Kuhligk

Ron Winkler

Elke Schmitter

Matthias Göritz

Matthew Sweeney

Tom Schulz

Tom Bresemann

liefern sich am 05.02. ab 20h im Gorki Theater ein Gladiatorenmatch der Sonderklasse. Last poem standing also zu einem schönen Anlass: 10 Jahre Lyrik bei Berlin Verlage. Auf dass es ewig weitergeht (und sie endlich mal eine Kreuzwort-Anthologie von uns fordern). Tickets für 5€ gibt’s hier.

 

Hyperrealismus im ParlandoPark am 06.02.

Wem das bisher alles zu surreal war, der kann sich auf den nächsten ParlandoPark-Termin freuen, da gibt’s dann Hyperrealismus (und eventuell eine öffentliche Enthauptung für den furchtbaren Kalauer in dieser Ankündigung, puh..). Moderiert wird das Ganze von einer vielleicht wieder quickfidelen Simone Kornappel powered by power point robots, als Lesender tritt Kreuzwort-Veteran Georg Leß mit seinem Phantomroman auf, den hatten wir schon mal hier und – ja, er kommt wieder, am 14.02. Oh, Gloria!

Hier die mittlerweile bekannten Hard Facts: Im Soupanova in der Stargarder Straße 24 im Prenzlberg ab 20h am Sonntag, dem 06.02. für umme, laut, gratis, kostenlos und frei!

Als Bonus danach wieder offene Bühne und Kritikkultur!

Literarische Ausgehtipps zum Wochenende:

12 Jan

Bevor es am 24. Januar mit Simone Kornappel, Philipp Günzel, Jan Skudlarek und Manuel Stallbaumer bei uns weitergeht, hier unsere Vorschläge für die Wochenendgestaltung:

Am Freitag, 14. Januar:

randnummer – Releaselesung zur 3. Ausgabe

Das Hamburger Literaturmagazin für Gegenwartsliteratur präsentiert eine Zivilcollage mit:

Nicolai Kobus

Hendrik Jackson

Richard Duraj

Manuel Stallbaumer

http://www.randnummer.org/

In der Lettrétage:

Methfesselstraße 23-25, Berlin (U Mehringdamm / U Platz der Luftbrücke)

Start: 19.30 Uhr

Eintritt: 5 Euro

Am Samstag, 15. Januar: OHNE TIERE

Lesung, ebenfalls in der Lettrétage, mit:

Tom Bresemann

Roman Israel

Sonja vom Brocke

Sonja vom Brocke (geb. 1980 in Hagen/Westfalen, lebt in Berlin) schreibt Gedichte, Prosa und monologische bis vielstimmige Texte. Sie veröffentlichte bislang in Zeitschriften und 2010 die Einzelpublikation Ohne Tiere im Verlag Heckler und Koch, Berlin. Hin und wieder arbeitet sie mit bildenden Künstlern zusammen und rückt dabei ihre Texte in räumliche Verhältnisse auch abseits des Blattes.

Roman Israel (geb. 1979 in Löbau) lebt als freier Autor in Dresden und Leipzig. Seine Texte kombiniert er mit Fotos, Grafik, Film, Musik. Zu seinen literarischen Besonderheiten zählen Beschreibungen skurriler Charaktere und Situationen mit gesellschaftskritischen, nicht selten politischen Untertönen. Seit 2005 ist er Mitglied der Lesebühne Sax Royal, die monatlich im Kulturzentrum Scheune in der Dresdner Neustadt ihre neuesten Geschichten, Gedichte, Songs und Hörspiele präsentiert.

Tom Bresemann (geb. 1978 in Berlin) ist bisher hauptsächlich als Lyriker in Erscheinung getreten. Nach Abschluss der Arbeiten an seinem 2011 erscheinenden Gedichtband widmet er sich hauptsächlich dem Schreiben von Erzählungen und wird aus seinem entstehenden Prosamanuskript lesen. Die Publikation Covering Onetti (Verlag Lettrétage) bildet hierbei einen Referenzpunkt, von dem es sich fortzuschreiben gilt.

In der Lettrétage:

Methfesselstraße 23-25, Berlin (U Mehringdamm / U Platz der Luftbrücke)

Start: 19.30 Uhr

Eintritt: 5 Euro

Am Sonntag, 16. Januar:

Parlandopark, diesmal „björk binär“

Der dieswöchige offene Lese- und Diskussionsabend wird von der Lyrikerin und randnummer-Herausgeberin SIMONE KORNAPPEL moderiert:

Videos zu aktuellen humanoiden Robotern aus Korea (eveR-) und Japan (hrp-4c)

Ausgesuchte Maschinen- und Databaselyrik verschiedener Autoren

Dazu Auszüge aus ULF STOLTERFOHTS „ammengespärche“ (roughbooks)

Gast & Gedichte „zwischen den nullen und einsen“: PHILIP MAROLDT

Im Anschluss offene Köpfe, Diskussion

Im Soupanova:

Stargarder Straße 24 (S Prenzlauer Allee)

Start: 20 Uhr

Eintritt frei