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KREUZWORT RE-COVERED am 08.04. Mit: GUGIĆ, HARTZ, MARFUTOVA, RÜHLE und WENRICH

3 Apr

Als notorischer Underachiever gönne ich per se niemandem gar nichts. Erst recht nicht die erste Buchpublikation. Wenn Carolin dann eine Anthologie veröffentlicht, zucke ich selbstverständlich nur mit der frühlingskalten Schulter und schieße spitzmündig spöttische Pointen in ihre Richtung: „Naaa, bist du jetzt (Hrsg.)?“ oder „Guck mal, da ist ja ein Porträtfoto von dir drin.“ Sowas in der Art eben. Muss ich noch dran feilen. Dabei bleibt mir wenig Zeit, denn bereits am 8. April werde ich mit weißweinschwangerer Artikulation ziemlich viel Neid nattern müssen. Dann feiert RE-COVERED Buch-Release bei Kreuzwort!

So sieht doch kein Buch aus! Wenn Gutenberg das noch erlebt hätte!

Um euch einzuweihen, damit ihr an diesem neo-winterlichen Montag an meiner Seite die Lästerzungen zum rotieren bringen könnt: RE-COVERED ist ein Projekt, das auf eine Veranstaltung aus der außerbetrieb-Reihe zurückgeht. Nachdem im Verlag Lettrétage bereits mit der Anthologie Covering Onetti den Wahlspruch OnettisKlaut, wenn nötig. Lügt immer.“ beim Wort nahm und ein paar exzellente Prosa-Covers versammelte, wurden diese Covers wiederum Gegenstand von jungen AutorInnen . Carolin schreibt dazu:

„Es ist der stete Neubezug, der die hier versammelten Versionen des Erzählten in ihrer Vielfalt und Eigensinnigkeit vereint. Vier Erzählungen des uruguayischen Autors Juan Carlos Onetti setzten vor vier Jahren ein einmaliges Schreibprojekt junger deutschsprachiger Autorinnen und Autoren in Gang. Seitdem entstanden über 30 Coverversionen – Paraphrasen, Parodien, Aktualisierungen, Annäherungen und Abstoßungen – alle einmalig in ihrem Ansatz. Nach der ersten Ausgabe Covering Onetti liegen mit Re-covered nun 22 Texte vor, die nicht mehr nur Onettis Texte sondern auch die vorangegangenen Coverversionen sampeln. Diese Anthologie versammelt die literarischen Stimmen von morgen.

Hat sie aber bestimmt nicht mal selbst geschrieben. Die Texte im Buch sind ja auch nicht von ihr. Sondern von Mario Apel, Luise Boege, Silke Eggert, Jens Eisel, Sandra Gugic, Philipp Günzel, Bettina Hartz, Roman Israel, Katharina Kaps, Thorsten Krämer, Georg Leß, Babet Mader, Yulia Marfutova, Tom Müller, Laetizia Praiss, Sascha Reh, Donata Rigg i. A. das Autorinnenkollektiv, Marc Oliver Rühle, Martin Spieß, Gerhild Steinbuch, Florian Wacker, Robert Wenrich und Daniel Windheuser.

Schwache Leistung, Carolin!  Lässt dir auch noch die Texte schreiben, pffffffff. Wirst bestimmt mal Ministerin bei einer konservativen oder liberalen Partei. Ich wiederhole: Pffffffff. Und am 8. April wirst du sie dann nicht mal selbst lesen. Stattdessen stellen Sandra Gugic (die tatsächlich mit einem c mit Akut geschrieben wird, was unser WordPress aber leider nicht so gern anzeigen mag), Bettina Hartz, Yulia Marfutova, Marc Oliver Rühle und Robert Wenrich ihre Texte vor.

Ihr alle könnt euch nach dem Einlass ab 20h neben mich an die Bar setzen und wir strafen Carolin bis zum pünktlichen Beginn um 21h mit missgünstigen Blicken aus unseren Giftglubschern. Ihr erkennt mich leicht: Ich bin der mit dem leeren Gesicht ohne nennenswerte Talente, Eigenschaften oder Buchveröffentlichungen. Aber mal ernsthaft: 3€ Eintritt will die rosenfingrige Turbokapitalistin auch noch! Obwohl, Preis/Leistung stimmt da schon irgendwie. Und immerhin: Im Damensalon in der Reuterstraße 39 gibt es ja das mit beste Bier Berlins und außerdem noch den traumhaften Gin Basil Smash. Rettet einiges! Die Texte könnten sicherlich ebenfalls gut werden, aber das kann ich nicht sagen – ich les das doch nicht! Pfffffff. Okay, vielleicht doch. Klingt ja doch alles ganz interessant so. Aber wenn, dann nur mit Hassmaske drauf.  Sieht meinem Gesicht übrigens zum Verwechseln ähnlich.

Sandra Gugic, in Wien geboren, schreibt Prosa, Lyrik und Theatertexte. Studium an der Universität für Angewandte Kunst und am deutschen Literaturinstitut Leipzig. Preise und Stipendien u.a.: 2010/11 Staatstipendium für Literatur des bm:ukk; 2012 open-mike-Gewinnerin sowie Preis der Akademie Graz. Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien u.a.: kolik, tippgemeinschaft, wortwuchs. Derzeit lebt sie in Berlin und Wien.

Sputnik oder: I’m just an animal, looking for a home (Auszug)

[…] Das einzige Licht vor dem Supermarkt ist matt und gelblich, die Laternen ganz hinten haben wir kaputtgeschossen, vor Wochen schon, der hintere Bereich des Parkplatzes wird von der Dunkelheit verschluckt. Wir hocken hinter den Mülltonnen und warten, schwarze Hosen, schwarze Kapuzenpullover, Autoscheinwerfer streifen uns, sie spielt mit ihren Haarspitzen, ich sage nein und wiederhole: nein, aber sie kichert nur nervös und sagt: In fünf fangen wir an. dann laufen wir geduckt über den Vorplatz, ich klemme ab, und sie kappt das dicke Stromkabel, ich löse die Schrauben, das geht schneller als in meiner vorstellung, aber dafür ist das ding viel schwerer, als wir gedacht haben, sie nimmt den vorderen Teil, Kopf und Vorderbeine, ich das schwere Hinterteil mit dem seitlich angebrachten Münzbehälter, als wir es anheben, sacke ich unter dem Gewicht zusammen und beginne augenblicklich zu schwitzen, ich wiederhole: nein, und sie: ja. Die Münzen im Behälter klimpern, als wir das rosa Plastikschwein dann doch, zwischen Ächzen und Kichern, über den Parkplatz schleppen, ich bekomme Seitenstechen, muss mich konzentrieren, damit mir das rosa Ungetüm nicht aus meinen feuchtkalten Händen rutscht, unser Laufschritt verlangsamt sich in die zeitlupe, ein Standbild im weißen Licht einer Taschenlampe, die auf uns gerichtet wird. […]

Bettina Hartz, geboren 1974 in Berlin. 1994 bis 1999 Studium der Germanistik, der Musik- und Theaterwissenschaften. Seit 1999 Schriftstellerin und freie Kulturjournalistin (u.a. für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung und den Freitag). 2002 Nominierung für den manuskripte-prosa-preis, 2006 Stipendiatin der Prosawerkstatt des Literarischen Colloquiums Berlin, 2013 Writer in Residence in Split (Kroatien). Reisebuch Altfundland – Ansichten von Italien (2006), Erzählung Nicht viel (2007) und Poetik des Radfahrens Auf dem Rad (DVA, 2011). Derzeit Arbeit am ersten Roman sowie an einem Theaterstück über die Occupy-Bewegung.

Träume (Auszug)

Träumte,

drückte mich in den Schlamm, die Hufe, die Pferdeleiber über mich hin, sie streiften meine Schultern, mit den rauen Kanten ihrer Eisen, ich drückte den Kopf noch tiefer, hielt den Körper so flach wie möglich, drei, vier waren vorüber, wenn nur keines hängen blieb, wenn nur keines stürzte, für sie war ja alles eins, Schlamm, Weg und ich, die sich hineindrückte, flach machte, noch zwei donnerten über mich hinweg, ich wagte kaum zu atmen, noch ein letztes musste, duckte mich,
noch ein letztes, wenn ich mich nicht verzählt, duckte mich zu wenig, lauschte zu sehr, ein Vorderhuf riss mir die Schulter auf, aber das Pferd rannte weiter, mit prasselnden Hufen, frische nasse kalte Erde flog mir ins Gesicht, in den vor Schmerz offenen Mund,

ich erwachte, […]

Yulia Marfutova, geboren 1988 in Moskau, lebt in Berlin. Studium der Germanistik und Geschichte. 2007 Einladung zum Treffen junger Autoren, 2008 Stipendiatin der Stiftung Niedersachsen (Literatur Labor Wolfenbüttel), 2012 Stipendiatin des Klagenfurter Literaturkurses, 2013 Alfred-döblin-Stipendium. Veröffentlichungen in Zeitschriften (u.a. lauter niemand und um[laut])und in Anthologien (u.a. Der Horizont hängt schief und Destillate).

Jan dreht einen Film und wird gestört (Auszug)

Vorwärts, unter dem Kondensstreifen ducken und scharf um die Ecke, beschleunigen, unter dem S-Bahn-Bogen hindurch, jemanden streifen, wieder höher, wie reglos verharren in der Luft, aufgestützt auf die Aerodynamik, und hinabschnellen, in hundert Metern haben Sie Ihr Ziel erreicht. Das Auto, das ins Bild fährt, Zoom, ein Geräusch. Die Scheibe schlägt an die Taube.

Jetzt muss noch einmal von vorn gedreht werden, das heißt: noch ist lange nicht Feierabend. Die Taube, dieses Mistvieh, dieses, was soll das, ja was denn, was hat die Taube denn gesehen, dass sie das Auto nicht gesehen hat, dass sie nicht aufgepasst hat, dass sie jetzt einen Flügel hat, der nicht mehr mit dem Rest verbunden ist. Jan schimpft, schimpft in seinen Bart, die Scheibe wird geputzt und dann alles auf Anfang. Auf Anfang fährt das Auto ins Bild, Zoom, aber da liegt ja
noch der Flügel, dieser Flügel, warum ist der noch nicht weg. Alles auf Anfang, schon wieder, Auto ins Bild, Zoom, ja, ja, endlich Szene 2. […]

Marc Oliver Rühle, geboren 1985 in Dresden. Studium der Literaturwissenschaft in Leipzig und Cagliari/Sardinien, sowie des Kreativen Schreibens und des Kulturjournalismus an der Universität Hildesheim. Arbeitet als Freier Journalist für diverse Print- und Onlinemedien. Gehört der Künstlergruppe ATLAS an, deren Mitbegründer er ist. Letzte Veröffentlichungen in poet 11, sowie online auf poetenladen.de und in Anthologien (u. a. In diesen Häusern (Hrsg. Paul
Brodowsky und Kay Steinke), Wiener Journal (gemeinsam herausgegeben mit Vea Kaiser), +100 (Hrsg. Guido Graf), Landpartie 11 und Landpartie 12) sowie in Zeitschriften wie Froh!.

IM

BEI

SEIN (Auszug)

[…] Ich ging alle meine Wörter durch: Welches würde frei bleiben, welches übrig – für jetzt? Ich konnte mich nicht entscheiden und kam nicht überein, einzelne Wörter gegeneinander auszutauschen, bevor ich weiterredete, auf König einredete. Der Reihe nach. Ich musste mir erklären, wozu ich jetzt noch für König in der Lage war. Nach all dem Ausprobieren, erfinden und Täuschen, welches mir auf der Zunge lag. Stoffe, Motive. An leichten Tagen ging ein Betrug ganz einfach vonstatten. Kontaktanzeigen der Gesten. eine Frage wie Woran denkst Du? leitete situative Sätze ein. Oftmals war das die Berechtigung für eine Lüge. Wie weit willst Du gehen?, dachte ich dann. Im Grunde war es mit König und mir dasselbe. Ich ging Beschreibungen für eine Gemeinsamkeit ab wie ein Supermarktregal. Ein Lachen dann über mich selbst, wie konnte ich mir anmaßen, König Worte in den Mund zu legen. Woher sollte ich wissen, was gut für ihn war? Etwas zu ahnen war wie nichts zu wissen. […]

Robert Wenrich, geboren 1983. Arbeitet als Konzepter in den Neuen Medien, schreibt hauptsächlich Prosa und Lyrik. Studium des Kreativen Schreibens in Hildesheim. Veröffentlichung in diversen Anthologien und in der BELLA Triste.

SYNCHROTRON BERLIN (Auszug)

I
Alles dreht sich – um die Gesellschaft – in dieser trinken Menschen zu viel – davon werden sie ganz schwer – belasten sich gegenseitig mit ihren Geschichten – diese Geschichten schlagen ein – wie Fliegerbomben – verheeren weite innere Landstriche! – Um das zu vermeiden – müssen Abwehrkräfte gebildet werden – Ablenkungsmanöver starten! – Einkaufen gehen! – Bei dieser Gelegenheit sprechen Menschen – das heißt: sprechen Männer Frauen an – alles dreht sich – und Menschen landen im Gefängnis – das ist ihr eigener Kopf! – Sie fahren im Anschluss pausenlos Fahrrad – oder essen sinnlos ein eis – oder schreiben pointierte Gedichte – bis am Abend bei Ihnen – die stärksten Herzprobleme einsetzen – sie wollen nicht abklingen – bis es draußen endlich dämmert – jetzt müssen Menschen Ringbahn fahren! –
Ringbahn heißt: Sie fahren im Kreis – Pferde laufen im Kreis. Mariendorf liegt ein wenig außerhalb, die hiesige Trabrennbahn hat leider keine Anbindung. Menschen wissen das, sie kommen kaum dorthin – und setzen dennoch alles auf ihre Ex-Freundin. Hier ein Foto aus der letzten Kurve: Auf dem Foto, das bin ich. Als Pferd. Man sieht mir die Erschöpfung nicht an, aber es ist meine Ex-Freundin, die mich gerade zu Tode reitet. […]

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Kreuzwort am 14.11.: crauss. / Breyger / Krämer / Schmid

6 Nov

Wenn man keine Ahnung hat, welchen semi-humoristischen Aufhänger man für den nächsten Blogeintrag zum nächsten Kreuzwort-Abend am 14.11. ab 20h hat, weil denken irgendwie anstrengend ist, dann hilft die wordpress-Statistik weiter: „straßenstrich nähe schönleinstrasse“, so kann man uns über google finden, scheint es. Schön. Statt sex kommen aber eher – Wahnsinnskalauer – text workers zu uns und aus der voyeuristischen bzw. ecouteuristischen (gibt es wirklich, das Wort) Perspektive muss man lediglich 3€ Eintritt hinlegen. Um das zu konkretisieren: Aus der Nähe des Straßenstrichs bzw. der U Schönleinstraße oder aber der U Hermannplatz kommt man ja sehr schnell in die Reuterstraße 39 und somit in den – weitere Wahnsinnspunchline von Wortspiel in 3, 2, 1,… – (Anstands-)Damensalon. Dort warten dann Yevgeniy Breyger – welcher auch am 16.11. in der Lettrétage lesen wird, dort allerdings PROSA, bei uns LYRIK -, Thorsten Krämer mit Prosa, Annina Luzie Schmid und crauss. kommen ebenfalls lyrisch.

In alfabetischer Order:

Breyger, Yevgeni: wurde 1989 in der ukraine geboren, lebt seit 1999 in deutschland. studiert kreatives schreiben an der uni hildesheim. hat mehrere preise und stipendien gewonnen, darunter ein arbeitsstipendium der stiftung niedersachsen und den mit 2000€ dotierten selma-meerbaum-eisinger literaturpreis.hat in zeitschriften und anthologien veröffentlicht, u.a: konzepte, bella triste, poet, wortwuchs.

funker

nimm dein tierpräparat in die hand, hier kannst du
nicht bleiben: geweihe, gewehr aufgehängt. moment,

du zeichnest mich ab. etwas kleines im nacken,
bestimmst du die art, den gehalt? schiene. zurück,

nimm dein tierpräparat, behalts. du faltest einen
doppelten knoten ins bild, ziehst mich auf. schleife

zwischen die hufen, geschenkt. spul an den anfang,
klemm das ding unter die arme, spann es dir ein.

crauss.:

(1971) ist ganz aus dem takt geraten, seit er vom städtischen museum als gogo-tänzer engagiert wurde. tingelt seitdem durch verschiedene textspelunken und legt sich, wenn er genug getrunken oder eine lakritzvergiftung hat, mit motorradhelden an. bücher, burschen, bilder und brandaktuelles auf www.crauss.de

(c) marvellous

Hier wird erkenntlich dass cräuss.sche Texte mehr Fäden haben als dieser Blogeintrag, dort bekommt man eine utopische/dystopische (man weiß es nicht) Zukunfts- oder Vergangenheitsvision zu Florians in Berlin, die vielleicht am 14. eintrefen wird oder Teil der Vergangenheit gewesen sein könnte. Kurz: Klicken & crauss. lesen!

Krämer, Thorsten: geboren 1971, lebt in Köln. 1998 erschien sein erstes Buch, „Ich heiße Hal Hartley“, seit diesem Sommer ist das fünfte erhältlich: „Der graue Cardigan“. Daneben zahlreiche Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien sowie Arbeiten für Radio und Fernsehen.

Ab Januar 2012 startet die Reihe krämer’s monthly mit jeweils einem Band pro Monat. www.thorstenkraemer.de

Aus „Der graue Cardigan“:

Meistens bin ich es, der das Besteck vom Frühstück in die Spülmaschine räumt. Aber nicht direkt. Vom Tisch wandert es zunächst in die Spüle, entgegen aller Weisheit in Sachen Organisation und Prozesse. Die besagt, dass man einen Gegenstand nicht öfter als notwendig in die Hand nehmen soll. Es ist schlicht ineffizient, das schmutzige Besteck erst einmal in die Spüle zu legen und dann, vielleicht eine halbe Stunde später, von der Spüle in die Spülmaschine zu befördern. In Wahrheit ist diese Handlungsweise natürlich nicht nach den Kriterien der Wirtschaftlichkeit ausgerichtet, vielmehr steht die Kommunikation im Vordergrund. Das schmutzige Besteck in der Spüle ist ein Angebot zur Teilhabe, ich biete ihr damit die Möglichkeit, ihrerseits aktiv zu werden. Ich lege das Besteck in die Spüle, sie räumt es von dort in die Spülmaschine. Auf diese Weise sind wir beide beteiligt, das Besteck verbindet uns. Das ist ein schöner Gedanke, finde ich, aber in der Praxis funktioniert das leider nicht so gut. Entweder ignoriert sie das Besteck in der Spüle einfach, oder sie fragt mich, warum ich es nicht gleich in die Spüle geräumt habe. Auf diese Frage aber antworte ich nicht, sie muss schon selbst dahinter kommen. Wenn man genau hinhörte, könnte man sogar einen leicht vorwurfsvollen Unterton in ihrer Stimme heraushören, aber ich bin meistens zu unkonzentriert, um so genau auf jede Nuance ihrer Stimme zu achten.

Schmid, Annina Luzie: Bloggerin, Social Media Beraterin, freie Autorin. Urheberin des GIRLS CAN BLOG Projektes (seit 2010) und des Litblogs Words On A Watch (seit 2007). Veröffentlicht in diversen Print- und Online-Magazinen. Geboren in Zürich im Jahr 1983, derzeit wohnhaft in Berlin.
www.anninaluzieschmid.net und http://wordsonawatch.blogspot.com/

ich in tüll laken lackkleid nag am fensterrahmen bricht licht in triangelstrahlen staub wendet sich blendet und ich urban es urbakterium will unter wasser ober flächen molekül sein mir von dir mit spitzen lippen zeigen lassen wie die fische machen algen mähen zwischen heiligen korallen mit dir fieberpirouetten drehen in tiefsee kissengraben sinken auferstehen als dampf noch einmal durch die nacht als regen wieder niedergehen…