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KREUZWORT RE-COVERED am 08.04. Mit: GUGIĆ, HARTZ, MARFUTOVA, RÜHLE und WENRICH

3 Apr

Als notorischer Underachiever gönne ich per se niemandem gar nichts. Erst recht nicht die erste Buchpublikation. Wenn Carolin dann eine Anthologie veröffentlicht, zucke ich selbstverständlich nur mit der frühlingskalten Schulter und schieße spitzmündig spöttische Pointen in ihre Richtung: „Naaa, bist du jetzt (Hrsg.)?“ oder „Guck mal, da ist ja ein Porträtfoto von dir drin.“ Sowas in der Art eben. Muss ich noch dran feilen. Dabei bleibt mir wenig Zeit, denn bereits am 8. April werde ich mit weißweinschwangerer Artikulation ziemlich viel Neid nattern müssen. Dann feiert RE-COVERED Buch-Release bei Kreuzwort!

So sieht doch kein Buch aus! Wenn Gutenberg das noch erlebt hätte!

Um euch einzuweihen, damit ihr an diesem neo-winterlichen Montag an meiner Seite die Lästerzungen zum rotieren bringen könnt: RE-COVERED ist ein Projekt, das auf eine Veranstaltung aus der außerbetrieb-Reihe zurückgeht. Nachdem im Verlag Lettrétage bereits mit der Anthologie Covering Onetti den Wahlspruch OnettisKlaut, wenn nötig. Lügt immer.“ beim Wort nahm und ein paar exzellente Prosa-Covers versammelte, wurden diese Covers wiederum Gegenstand von jungen AutorInnen . Carolin schreibt dazu:

„Es ist der stete Neubezug, der die hier versammelten Versionen des Erzählten in ihrer Vielfalt und Eigensinnigkeit vereint. Vier Erzählungen des uruguayischen Autors Juan Carlos Onetti setzten vor vier Jahren ein einmaliges Schreibprojekt junger deutschsprachiger Autorinnen und Autoren in Gang. Seitdem entstanden über 30 Coverversionen – Paraphrasen, Parodien, Aktualisierungen, Annäherungen und Abstoßungen – alle einmalig in ihrem Ansatz. Nach der ersten Ausgabe Covering Onetti liegen mit Re-covered nun 22 Texte vor, die nicht mehr nur Onettis Texte sondern auch die vorangegangenen Coverversionen sampeln. Diese Anthologie versammelt die literarischen Stimmen von morgen.

Hat sie aber bestimmt nicht mal selbst geschrieben. Die Texte im Buch sind ja auch nicht von ihr. Sondern von Mario Apel, Luise Boege, Silke Eggert, Jens Eisel, Sandra Gugic, Philipp Günzel, Bettina Hartz, Roman Israel, Katharina Kaps, Thorsten Krämer, Georg Leß, Babet Mader, Yulia Marfutova, Tom Müller, Laetizia Praiss, Sascha Reh, Donata Rigg i. A. das Autorinnenkollektiv, Marc Oliver Rühle, Martin Spieß, Gerhild Steinbuch, Florian Wacker, Robert Wenrich und Daniel Windheuser.

Schwache Leistung, Carolin!  Lässt dir auch noch die Texte schreiben, pffffffff. Wirst bestimmt mal Ministerin bei einer konservativen oder liberalen Partei. Ich wiederhole: Pffffffff. Und am 8. April wirst du sie dann nicht mal selbst lesen. Stattdessen stellen Sandra Gugic (die tatsächlich mit einem c mit Akut geschrieben wird, was unser WordPress aber leider nicht so gern anzeigen mag), Bettina Hartz, Yulia Marfutova, Marc Oliver Rühle und Robert Wenrich ihre Texte vor.

Ihr alle könnt euch nach dem Einlass ab 20h neben mich an die Bar setzen und wir strafen Carolin bis zum pünktlichen Beginn um 21h mit missgünstigen Blicken aus unseren Giftglubschern. Ihr erkennt mich leicht: Ich bin der mit dem leeren Gesicht ohne nennenswerte Talente, Eigenschaften oder Buchveröffentlichungen. Aber mal ernsthaft: 3€ Eintritt will die rosenfingrige Turbokapitalistin auch noch! Obwohl, Preis/Leistung stimmt da schon irgendwie. Und immerhin: Im Damensalon in der Reuterstraße 39 gibt es ja das mit beste Bier Berlins und außerdem noch den traumhaften Gin Basil Smash. Rettet einiges! Die Texte könnten sicherlich ebenfalls gut werden, aber das kann ich nicht sagen – ich les das doch nicht! Pfffffff. Okay, vielleicht doch. Klingt ja doch alles ganz interessant so. Aber wenn, dann nur mit Hassmaske drauf.  Sieht meinem Gesicht übrigens zum Verwechseln ähnlich.

Sandra Gugic, in Wien geboren, schreibt Prosa, Lyrik und Theatertexte. Studium an der Universität für Angewandte Kunst und am deutschen Literaturinstitut Leipzig. Preise und Stipendien u.a.: 2010/11 Staatstipendium für Literatur des bm:ukk; 2012 open-mike-Gewinnerin sowie Preis der Akademie Graz. Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien u.a.: kolik, tippgemeinschaft, wortwuchs. Derzeit lebt sie in Berlin und Wien.

Sputnik oder: I’m just an animal, looking for a home (Auszug)

[…] Das einzige Licht vor dem Supermarkt ist matt und gelblich, die Laternen ganz hinten haben wir kaputtgeschossen, vor Wochen schon, der hintere Bereich des Parkplatzes wird von der Dunkelheit verschluckt. Wir hocken hinter den Mülltonnen und warten, schwarze Hosen, schwarze Kapuzenpullover, Autoscheinwerfer streifen uns, sie spielt mit ihren Haarspitzen, ich sage nein und wiederhole: nein, aber sie kichert nur nervös und sagt: In fünf fangen wir an. dann laufen wir geduckt über den Vorplatz, ich klemme ab, und sie kappt das dicke Stromkabel, ich löse die Schrauben, das geht schneller als in meiner vorstellung, aber dafür ist das ding viel schwerer, als wir gedacht haben, sie nimmt den vorderen Teil, Kopf und Vorderbeine, ich das schwere Hinterteil mit dem seitlich angebrachten Münzbehälter, als wir es anheben, sacke ich unter dem Gewicht zusammen und beginne augenblicklich zu schwitzen, ich wiederhole: nein, und sie: ja. Die Münzen im Behälter klimpern, als wir das rosa Plastikschwein dann doch, zwischen Ächzen und Kichern, über den Parkplatz schleppen, ich bekomme Seitenstechen, muss mich konzentrieren, damit mir das rosa Ungetüm nicht aus meinen feuchtkalten Händen rutscht, unser Laufschritt verlangsamt sich in die zeitlupe, ein Standbild im weißen Licht einer Taschenlampe, die auf uns gerichtet wird. […]

Bettina Hartz, geboren 1974 in Berlin. 1994 bis 1999 Studium der Germanistik, der Musik- und Theaterwissenschaften. Seit 1999 Schriftstellerin und freie Kulturjournalistin (u.a. für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung und den Freitag). 2002 Nominierung für den manuskripte-prosa-preis, 2006 Stipendiatin der Prosawerkstatt des Literarischen Colloquiums Berlin, 2013 Writer in Residence in Split (Kroatien). Reisebuch Altfundland – Ansichten von Italien (2006), Erzählung Nicht viel (2007) und Poetik des Radfahrens Auf dem Rad (DVA, 2011). Derzeit Arbeit am ersten Roman sowie an einem Theaterstück über die Occupy-Bewegung.

Träume (Auszug)

Träumte,

drückte mich in den Schlamm, die Hufe, die Pferdeleiber über mich hin, sie streiften meine Schultern, mit den rauen Kanten ihrer Eisen, ich drückte den Kopf noch tiefer, hielt den Körper so flach wie möglich, drei, vier waren vorüber, wenn nur keines hängen blieb, wenn nur keines stürzte, für sie war ja alles eins, Schlamm, Weg und ich, die sich hineindrückte, flach machte, noch zwei donnerten über mich hinweg, ich wagte kaum zu atmen, noch ein letztes musste, duckte mich,
noch ein letztes, wenn ich mich nicht verzählt, duckte mich zu wenig, lauschte zu sehr, ein Vorderhuf riss mir die Schulter auf, aber das Pferd rannte weiter, mit prasselnden Hufen, frische nasse kalte Erde flog mir ins Gesicht, in den vor Schmerz offenen Mund,

ich erwachte, […]

Yulia Marfutova, geboren 1988 in Moskau, lebt in Berlin. Studium der Germanistik und Geschichte. 2007 Einladung zum Treffen junger Autoren, 2008 Stipendiatin der Stiftung Niedersachsen (Literatur Labor Wolfenbüttel), 2012 Stipendiatin des Klagenfurter Literaturkurses, 2013 Alfred-döblin-Stipendium. Veröffentlichungen in Zeitschriften (u.a. lauter niemand und um[laut])und in Anthologien (u.a. Der Horizont hängt schief und Destillate).

Jan dreht einen Film und wird gestört (Auszug)

Vorwärts, unter dem Kondensstreifen ducken und scharf um die Ecke, beschleunigen, unter dem S-Bahn-Bogen hindurch, jemanden streifen, wieder höher, wie reglos verharren in der Luft, aufgestützt auf die Aerodynamik, und hinabschnellen, in hundert Metern haben Sie Ihr Ziel erreicht. Das Auto, das ins Bild fährt, Zoom, ein Geräusch. Die Scheibe schlägt an die Taube.

Jetzt muss noch einmal von vorn gedreht werden, das heißt: noch ist lange nicht Feierabend. Die Taube, dieses Mistvieh, dieses, was soll das, ja was denn, was hat die Taube denn gesehen, dass sie das Auto nicht gesehen hat, dass sie nicht aufgepasst hat, dass sie jetzt einen Flügel hat, der nicht mehr mit dem Rest verbunden ist. Jan schimpft, schimpft in seinen Bart, die Scheibe wird geputzt und dann alles auf Anfang. Auf Anfang fährt das Auto ins Bild, Zoom, aber da liegt ja
noch der Flügel, dieser Flügel, warum ist der noch nicht weg. Alles auf Anfang, schon wieder, Auto ins Bild, Zoom, ja, ja, endlich Szene 2. […]

Marc Oliver Rühle, geboren 1985 in Dresden. Studium der Literaturwissenschaft in Leipzig und Cagliari/Sardinien, sowie des Kreativen Schreibens und des Kulturjournalismus an der Universität Hildesheim. Arbeitet als Freier Journalist für diverse Print- und Onlinemedien. Gehört der Künstlergruppe ATLAS an, deren Mitbegründer er ist. Letzte Veröffentlichungen in poet 11, sowie online auf poetenladen.de und in Anthologien (u. a. In diesen Häusern (Hrsg. Paul
Brodowsky und Kay Steinke), Wiener Journal (gemeinsam herausgegeben mit Vea Kaiser), +100 (Hrsg. Guido Graf), Landpartie 11 und Landpartie 12) sowie in Zeitschriften wie Froh!.

IM

BEI

SEIN (Auszug)

[…] Ich ging alle meine Wörter durch: Welches würde frei bleiben, welches übrig – für jetzt? Ich konnte mich nicht entscheiden und kam nicht überein, einzelne Wörter gegeneinander auszutauschen, bevor ich weiterredete, auf König einredete. Der Reihe nach. Ich musste mir erklären, wozu ich jetzt noch für König in der Lage war. Nach all dem Ausprobieren, erfinden und Täuschen, welches mir auf der Zunge lag. Stoffe, Motive. An leichten Tagen ging ein Betrug ganz einfach vonstatten. Kontaktanzeigen der Gesten. eine Frage wie Woran denkst Du? leitete situative Sätze ein. Oftmals war das die Berechtigung für eine Lüge. Wie weit willst Du gehen?, dachte ich dann. Im Grunde war es mit König und mir dasselbe. Ich ging Beschreibungen für eine Gemeinsamkeit ab wie ein Supermarktregal. Ein Lachen dann über mich selbst, wie konnte ich mir anmaßen, König Worte in den Mund zu legen. Woher sollte ich wissen, was gut für ihn war? Etwas zu ahnen war wie nichts zu wissen. […]

Robert Wenrich, geboren 1983. Arbeitet als Konzepter in den Neuen Medien, schreibt hauptsächlich Prosa und Lyrik. Studium des Kreativen Schreibens in Hildesheim. Veröffentlichung in diversen Anthologien und in der BELLA Triste.

SYNCHROTRON BERLIN (Auszug)

I
Alles dreht sich – um die Gesellschaft – in dieser trinken Menschen zu viel – davon werden sie ganz schwer – belasten sich gegenseitig mit ihren Geschichten – diese Geschichten schlagen ein – wie Fliegerbomben – verheeren weite innere Landstriche! – Um das zu vermeiden – müssen Abwehrkräfte gebildet werden – Ablenkungsmanöver starten! – Einkaufen gehen! – Bei dieser Gelegenheit sprechen Menschen – das heißt: sprechen Männer Frauen an – alles dreht sich – und Menschen landen im Gefängnis – das ist ihr eigener Kopf! – Sie fahren im Anschluss pausenlos Fahrrad – oder essen sinnlos ein eis – oder schreiben pointierte Gedichte – bis am Abend bei Ihnen – die stärksten Herzprobleme einsetzen – sie wollen nicht abklingen – bis es draußen endlich dämmert – jetzt müssen Menschen Ringbahn fahren! –
Ringbahn heißt: Sie fahren im Kreis – Pferde laufen im Kreis. Mariendorf liegt ein wenig außerhalb, die hiesige Trabrennbahn hat leider keine Anbindung. Menschen wissen das, sie kommen kaum dorthin – und setzen dennoch alles auf ihre Ex-Freundin. Hier ein Foto aus der letzten Kurve: Auf dem Foto, das bin ich. Als Pferd. Man sieht mir die Erschöpfung nicht an, aber es ist meine Ex-Freundin, die mich gerade zu Tode reitet. […]

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Kreuzwort am 08.10: Hanna Lemke, Marie. T. Martin, Tom Schulz und Ron Winkler

28 Sep

Das Leben hat leider keine opening themes, deswegen kommen wir gleich zum Punkt: Tom Schulz bringt ein neues Buch raus, es heißt Innere Musik und er wird daraus am 08.10. bei Kreuzwort im Damensalon in der Reuterstraße 39 in Berlin-Neukölln vorlesen. Begleiten werden ihn Hanna Lemke, Marie T. Martin und der frenetische Ron Winkler. Nicht nur geistig, sondern auch textlich respektive leserlich und… Ihr wisst schon! Ihr seid auch dabei: Ab 20h und mit 3€ in der Tasche, die ihr endlich loswerden könnt, wenn ihr in unsere geldgeile Umarmung lauft. Wir freuen uns. Nach den Credits können wir dann noch alle mit einem Bier im Bauch Toms Buch und/oder seine Person feiern, oder das Leben oder eben einen bezaubernden Abend. Wird schön

Hard facts & running order:

Hanna Lemke, geboren 1981 in Wuppertal, studierte von 2002 bis 2006 am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. 2010 erschien ihr Debüt, der  Kurzgeschichtenband “Gesichertes” im Verlag Antje Kunstmann. 2011 die Erzählung „Geschwisterkinder“. Sie lebt in Berlin.

Auszug „Geschwisterkinder“ (Erzählung), Verlag Antje Kunstmann 2012:

„Meinst du, wir waren als Kinder auch schon so, wie wir jetzt sind?“, fragte Milla. 

„Schwer zu sagen.“ Ritschie schaute sie an, eindringlich, als würde er in ihrem Gesicht Spuren von ihrem Gesicht als Kind suchen. „Ich erinnere mich noch daran, wie du ausgesehen hast, als du neu geboren warst“, sagte er. „Du hattest diesen Marienkäferstrampler an. Du hattest ein ganz rotes Gesicht. Und ich weiß noch, dass ich dachte, dass du noch gar nicht aussiehst wie ein Mensch.“

Marie T. Martin, geboren 1982 in Freiburg, studierte am Deutschen Literaturinstitut Leipzig und absolvierte eine Ausbildung zur Theaterpädagogin. Sie lebt in Köln. 2007 erhielt sie den Förderpreis des MDR-Literaturwettbewerbs und 2008 das Rolf-Dieter-Brinkmann-Stipendium. 2010 war sie Stipendiatin der Stadt Köln in Istanbul. Nach ihrem Erzählband Luftpost (poetenladen 2011) erschien 2012 mit Wisperzimmer ihr Lyrikdebüt im Poetenladen Verlag.

Heute nicht heute geht der Wind so komisch
alle Zitronen im Kreis beginnen zu leuchten
heute nicht heute liegen Waren auf dem Laufband
zur Kasse du hast wohl das meiste davon gekauft
darunter den Fisch mit den schillernden Flossen
das luftdicht verpackte Kraut ohne Namen
heute nicht heute sind die Tüten mit Wasser gefüllt
hängt wirklich ein Farnstrauß am Mantelhaken
und Regen Limetten der windstille Ort dort drüben
im Flur sieht dich die Katze dort schaffst du den Weg
zur Küche nicht mehr dort sieht dich am frühen Abend
die Katze und schließt deine grünen Augen zu schnell

Tom Schulz, geboren 1970 in der Oberlausitz, aufgewachsen in Ostberlin, lebt in Berlin. Von ihm erschienen sechs Gedichtbände, zuletzt: Innere Musik, 2012 im Berlin Verlag. Der Kurzprosaband: Liebe die Stare. Verlagshaus J. Frank, 2011.
Mitherausgeber der Kneipenbuchreihe im Berliner Taschenbuch Verlag sowie der Anthologie „Alles außer Tiernahrung – Neue politische Gedichte.“
2010 erhielt er den Bayerischen Kunstförderpreis für Literatur.

Nahe der Alten Oder

wir kamen an den See, ein Kranich
Schlafplatz, im Herbst sahn wir
den Köder auf dem Blinker
die Welt im Nebel, falsche Hatz

auf einer Campingliege: ein Körper
vage, ohne Wille, müde; die Fliege
in seinem Gesicht, einen oder zwei
Tage klüger als der Menschenangler

wir wissen nicht, wie der Gesang
in einem Schwan anschwillt, hat er
sich aufgeplustert, ein spanischer
Infant mit Rüschen…

weißer Halskrause; rief ich dir
in den Röhricht nach, das Wasser
ist nicht tief… die Flatterbinsen

verglichen wir unsre Schnatterlaute

auf einem Smartphone, das zu
versinken schien, erkannten
dieses Zischen, Zischeln, jenes Futter
Betteln auf dem Vogelstimmen-App

die Kähne mit den Kohleschiffern
lauschten wir still der Dommel
auf dem Grund schwammen im flachen
seichten Schlamm Karauschen

Ron Winkler, 1973 im Bezirk Gera geboren und aufgewachsen mit Blick auf fremde Äpfelbäume und einen Bergsturz.
Sechsjährige Ausbildung zum Judoka, sporadische Teilnahme an der Schülerakademie (»Tarnung, Warnung und Signal: Die Farben der Tiere«) und mit einsetzender Adoleszenz Engagement in den FKR Literatur und Sozialistische Landesgestaltung (Pflege eines Orchideeotops).
Diverse Besuche der Großeltern mittels eines Ikarus 66. Ungesühnte Straftaten: Inbrandsetzung einer Mülldeponie (Zetti-Süßwaren-Tüten-Fehldrucke, Chemikalien, künstliche Nieren, Hausmüll).
Ron Winkler hat eine Leerstelle für Torp und widmet sich neuerdings der sinnlichen Katzendokumentation.

Einen Text Rons kriegt man auf Klick hier, kurze Peter Maffay-Reminiszenz nicht ausgeschlossen. (Text entfernt, wer zu spät kommt, den bestraft Peter Maffay! Wusste schon Boris Gorbatschow)

KREUZWORT am 11.04.: Seel, Reuther, Albrecht & Friends

8 Apr

Nach dem erfolgreichen Neueinstieg in die skurril-schöne Welt des Schatzi Neubergs geht es am 11.04. nun weiter.

Die hard facts: Montag, der 11.04. ab 20.30h im Schatzi Neuberg in der Kottbusser Straße 13 (U Kottbusser Tor/Schönleinstraße), 3€ kostet das Ganze leider wieder, weil wir Unkosten decken müssen.

Die soft skills in Form von Literatur liefern Daniela Seel, Rick Reuther und Jörg Albrecht, der neben Texten zwei Schauspieler (Janna Horstmann & Steffen Klewar) mitbringen wird – es wird also rumexperimentiert, szenisch gelesen, es wird Musik geben und nebenbei noch Spaß.

Zum Reinlesen:

 

Rick Reuther

geboren 1993, zurzeit Abiturient, lebt in Hamburg und bald in Sibirien/Berlin. Mitbegründer & Herausgeber der Zeitlosschrift. Veröffentlichungen in Zeitungen, Zeitschriften und online.

kurzer hotelführer

ich (das klass.) schenke
dir eine entführung
früh in der ersten
zeile morgens weil
du keine ahnung
von poesie besitzt
heißt das nicht, dein
knie bückt sich in tr
ophäen, dass du keine
poesie beugst, wenn
ich von treppn, vom
schlafen zu müde bin um
gegn den wind zu husten
zu schreiben, einen
entführerbrief der mit
dir u jeder zeile
schwärzer über meine
schultern (beiden) geht
ich verneige mich über
die knie diese beiden rot
iergelenke, entrecotierst
du mich noch ins hotel
in den dritten stock dort
also zwischen die rippn
der fenster, ich öffne sie
nachts um die lettern zu
färben erkennst du meine
hand nicht meine schrift

Daniela Seel

geboren 1974 in Frankfurt/Main, lebt in Berlin. 2003 gründete sie, gemeinsam mit dem Buchkünstler und Illustrator Andreas Töpfer, kookbooks – Labor für Poesie als Lebensform. Ihr Debüt »ich kann diese stelle nicht wiederfinden«, kookbooks 2011, wurde mit dem Friedrich-Hölderlin-Förderpreis ausgezeichnet.

ich habe mir ihren körper dann einfach
umgebunden wie eine schürze.

distanz gewinnen, eine bewegung,
die nur in der zeit existiert, nicht im raum.

wie sinne verhalten steuern. ihrer stimme
habe ich immer vertraut, nicht den augen.

ich kann nicht aufhören, das zu wiederholen.
einträge von ausrichtung. diese bewegung,

die meinen körper konstituiert. ihre stille,
dressierte präsenz. ich will diese schürze

nie wieder ausziehen.

 

Jörg Albrecht (diesmal mit Unterstützung von Janna Horstmann & Steffen Klewar)

geboren 1981 in Bonn, lebt in Berlin; arbeitet in intermedialen Serien; es erschienen die Romane Drei Herzen (2006) und Sternstaub, Goldfunk, Silberstreif (2008, beide Wallstein Verlag) und das vom BR produzierte Hörspiel Moon Tele Vision (mit Matthias Grübel, intermedium records 2009); 2012 kommt ein drittes Buch über Werwölfe und Kreativwirtschaft; Theaterstücke u.a. am Maxim Gorki Theater Berlin, Schauspielhaus Wien und an den Münchner Kammerspielen; mit copy & waste, seinem Theaterkollektiv, erforscht er die Architektur von Städten und Fiktionen; http://fotofixautomat.de

Deine Nase ist zu süß für ein Drama, Jane Fonda!

Erstmal lockern! Ja, gut so. Und atmen und zählen und atmen und zählen und atmen und. Briefe zählen. Unzählige Körbe voll mit Briefen, begeistert über mein Workouttape, Menschen auf der ganzen Welt were DOING JANE FONDA. Ich bin ins Trainingsgeschäft eingestiegen, um meine politische Organisation zu finanzieren, und mein Mann hat mich immer kritisiert und meinte, es ginge mir nur um Eitelkeit. Wir hatten keine Stylisten oder Teleprompter für die Workouttapes. Doch ich hatte längst bemerkt, daß Politik und Glanz, daß die, ja, daß sie begannen, sich neu zu ordnen. In einem Video performte ich mit einer Trainingspartnerin vor einem Screen, auf dem Leute tanzten, passend zur Musik. Das erinnerte mich an Barbarella, als ich mit John Philip Law, dem blinden Engel, an Haken im Studio hing, hinter uns die Projektion ziehender Wolken, und beim Test Screening erst stellten alle fest, daß die Wolken falschrum zogen, wir rückwärts flogen. Politik und Glanz hatten sich zusammengetan, und auch wenn es sich noch anfühlte, als zögen sie vorwärts, sie hatten schon längst die Richtung gewechselt, unmerklich. Und so legte ich vor, für ein Jahrhundert, das noch weit weg lag. Ich hatte an meinem Heimatland viele neue Gesichtszüge entdeckt. An meinem Gesicht nicht. Und ich sagte mir: Ich hab versucht,  die Anatomie des Krieges zu vermitteln, jetzt kommt meine!