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Kreuzwort am 28.11.: KREIPE, MANTEL, ROLOFF & STEINBRÜCK

16 Nov

Okay, das dürfte den meisten nun schon klargeworden sein über unsere Lettrétage-Übernahme, aber: Letztens erst wurde unsere scharmante kleine Lesereihe ein Jahr alt. Yay us! Mittlerweile sind wir schon bei der dritten Location angekommen, dem bezaubernden Damensalon in der Reuterstraße 39. Wie wir eigentlich dort hingekommen sind? Mit der U8 über die Stationen Schönleinstraße oder Hermannplatz, bei größerer Abenteuerlust haben wir die Busse 194 oder M29 genutzt. Carolin kann sogar bequem zu Fuß laufen, was allerdings bei der Wahl dieser schönsten der schönen Kreuzköllner Kneipen nicht ausschlaggebend war.

Jedenfalls werden wir am 28.11. erneut dort aufschlagen und begrüßen ab 20h freudigst euch und außerdem zwei alte Bekannte sowie zwei neue Gesichter, die mitsamt ihren Körpern aus dem eventuell ja okkupierten Frankfurt am Main einreisen! Lutz Steinbrück war schon am 11.10. bei uns und verkaufte mir damals seinen ersten Lyrikband mit Widmung für seine Oma („…dies ist nun meine Dichtersprache … es ist eben alles sehr modern!“) und gut einen Monat später gab sich Birgit Kreipe am 08.11. bei uns (damals noch im Schatzi Neuberg) die Ehre. Ihr zweiter Lyrikband ist grade in Arbeit – vielleicht nimmt sie ja Vorbestellungen entgegen, sollte jemand mit einer persönlichen Widmung seiner oder ihrer Großmutter eine Freude bereiten wollen. Wir freuen uns auch sehr über Marcus Roloff und Julia Mantel, die extra aus Frankfurt anreisen werden, um bei uns zu lesen – eine Gelegenheit, die sich selten auftut.

Deswegen 3€ Eintritt und etwas Nostalgiebereitschaft sowie Entdeckungslust einpacken und sich am 28.11. in den Damensalon begeben, um dem finanzmetropolitanen Stoffwechsel (Stoff… Textilien… Text…, ihr wisst schon) mal hautnah zu erleben.

 

Birgit Kreipe,

geb. in Hildesheim. Kindheit & Jugend auf dem Land. Studium der  Psychologie und Germanistik in Marburg, Wien

und Göttingen, lebt in Berlin.

Kurzprosa und Gedichte sind in vielen Zeitschriften und Anthologien erschienen (zuletzt in lichtungen, randnummer, in: Schneegedichte, hrsg. von Ron Winkler, im Jahrbuch Lyrik 2011)

Im Juni 2010 erschien wenn ich wind sage, seid ihr weg, Verlag im Proberaum, Klingenberg.

Im Winter 2011/12 erscheint „schönheitsfarm“ im Verlagshaus J. Frank, Berlin

Birgit Kreipe ist Mitglied im „forum der 13“.

 

löwen 

 

schaumkronen des windes, geflügelt

ihr hierhier in der mündung nordost

 

antwort auf die wiederholte

frage des meers: wo ist der strand?

 

letzter zuruf für taucher und träumer

zwischen boje und windpark gespannter

 

anker für boote und wolken

schweben von blau zu blau

 

magie für bäume im hinterland

die verstreut vom wasser träumen

 

gespielt auf dem gras, auf dem dünenkamm

heute die antwort für die, die das meer suchen.

 

julia mantel,

jahrgang 1974, studium der angewandten kulturwissenschaften in lueneburg,
seit 2000 konzentration auf lyrik, teilnahme an der textwerkstatt darmstadt unter der leitung von
kurt drawert, zahlreiche publikationen in anthologien, regelmaessige lesungen bundesweit.

lebt als autorin, strickkuenstlerin und sprecherin in frankfurt am main.

www.unvermittelbar.de

letzte veröffentlichung:

„dreh mich nicht um“
mit illustrationen von petrus akkordeon
fixpoetry-verlag/ hamburg 2011

 

für thomas brasch

streich mir das haar

aus der stirn,

 

ich habe bretter

vorm kopf, die

die welt bedeuten,

 

berühre mich dort,

wo ich nie gewesen bin.

 

Marcus Roloff,

geboren 1973 in Neubrandenburg (DDR), lebt als Lyriker und Übersetzer in Frankfurt am Main. Studium der Neueren deutschen Literatur, Philosophie und Kulturwissenschaft an der HU Berlin. Literarische Veröffentlichungen seit 1997, zuletzt u.a. in „Neue Rundschau“, „wespennest“, „Lyrik von JETZT zwei“, „alles außer Tiernahrung“ und „Jahrbuch der Lyrik 2011“. Im Herbst 2010 erschien im gutleut verlag Frankfurt/M. sein dritter Gedichtband „im toten winkel des goldenen schnitts“.

 

balcke + heym

überm winter die landschaft durch watte & licht-
schrulle leer. eisiger werder. er wolle den raureif
feiern. wenn er sterbe seien die menschen tot. wie
stottern sei das nur dass nichts hängen bleibe denn
da werfe man ja die silben in eine art doppelten
boden. die welt klappe nach hinten. aber eigentlich
stottere niemand. das sei nur reminiszenz an die
rememorierte gegend zwischen havel & havel.

 

Lutz Steinbrück,

geboren 1972 in Bremen. Studierte Germanistik und Anglistik in Oldenburg/Niedersachsen. Seine Magister-Arbeit „Fremde Heimat“ über Vechta in der Lyrik Rolf Dieter Brinkmanns erschien 2007 im Oldenburger BIS-Verlag. Seit 2004 lebt er in Berlin. Schreibt Lyrik, Artikel für Print- und Onlinemedien und macht Musik mit der Band „Nördliche Gärten“. Im September 2008 erschien sein erster Lyrikband „Fluchtpunkt: Perspektiven“ im Lunardi Verlag (Berlin). Sein zweiter Gedichtband „Blickdicht“ folgte im März 2011 im Verlagshaus J. Frank (Berlin). Einzel-Veröffentlichung von Gedichten in Zeitschriften (u.a. Poet, Ostragehege, lauter niemand, randnummer), in Anthologien (u.a. Deutscher Lyrikkalender 2011, Versnetze 3) sowie in Online-Portalen (u.a. Poetenladen, Fixpoetry, Lyrikmail). Nominierung für die 2.Lesung des Münchner Lyrikpreises 2011.

„Steinbrück scheut sich nicht, gesellschaftliche Realitäten in ebenso klarer wie scharfer Sprache aufzugreifen und diese in einem Zerrspiegel ad absurdum zu führen: wir sind auf Kurs / und es ist an der Zeit / unter Deck aufzutauchen / um einzuschlafen. Eine Lyrik, die souverän ihrer eigenen Logik folgt und weit davon entfernt ist, in moralisierende oder agitatorische Banalitäten abzudriften. Kein selbstgewisses lyrisches Ich, kein Agitieren von einem sicheren Standpunkt aus. Stattdessen entwirft Steinbrück surrealistische Szenarios auf der Höhe der Zeit mit dichtem Blick auf das Alltägliche. Scheinbare Gewissheiten, die sich auflösen, Perspektiven, die gebrochen werden und pointierte Devisen, gerne als ironische Aufforderung zur Leichtigkeit, wenn es etwa heißt: bitte nehmen Sie / ihr Leben doch / nicht zu persönlich.“

 

Götterclique, geschlossen

 

Du traumhaftes Mikrofaserland

wo die Beatmung der Reisebusse stagniert

wird der mit dem längsten Steuerknüppel

Klassensprecher dieser Autobahn

 
macht noch immer in Trikot-Etagen

macht billig macht das sein Garten ein Turm wird

sein Schwager hat die Elbe neu designt

und leuchtet davon ohne anzuhalten

 
die Ausweisung der Wettkampfzonen

stimmen sie ab im Club eine Art von Heim

hier

hier bleibt die Kälte im Dorf

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So viel Literatur, so wenig parallele Persönlichkeiten: Lettrétage, J. Frank, Milena Oda und ParlandoPark

30 Mrz

Es kommt irgendwann für jeden der Moment, in dem er eingestehen muss, dass er Harry Potter gelesen hat. Meistens, wenn er vor der Wahl steht, drei gute Veranstaltungen an einem Abend zu besuchen und grummelt, dass man so ein nützliches magisches Gerät bräuchte wie Hermione Granger. Das lässt einen für einen bestimmten Zeitraum (so gut hab ich’s dann doch nicht gelesen, hust hust) in der Zeit zurückreisen und macht es so möglich, gleichzeitig an zwei Orten zu sein, Parallelpersönlichkeiten zu haben.

Das Ding hätten wir gerne für Freitag, den 1. April, denn da konkurrieren in Berlin einige feine Angebot. Handeln wir das alphabetisch ab:

Freitag: 1. Hugo Ball – Der magische Bischof der Avantgarde in der Lettrétage

Michael Braun, Norbert Lange, Karl Piberhofer und Bärbel Reetz bitten zur Teilnahme an einer literaturhistorisch-dichterisch-biogiraphisch-onomatopoetischen Karawane. Nicht nur um Hugo Ball werden sich die vier kümmern, sondern auch um seine Lebensgefährtin Emmy Ball-Hennings.

Das klingt gut genug, um sich 5€ Eintritt in die Methfesselstraße 23-25 mitzunehmen. Wer schnell genug losgeht/-fährt ist dann auch um 19.30h pünktlich da. Jolifanto bamblatastisch!

Freitag: 2. Buchpremiere von Milena Odas „Nennen Sie mich Diener“ im Club der polnischen Versager

Eigentlich ist sie ja Tschechin und alles andere als eine Versagerin, aber lassen wir das mal so durchgehen. Da die Veranstaltung um 21h losgeht, könnte man es von der Lettrétage vielleicht noch bedingt pünktlich in die Ackerstraße 168 schaffe, um Milena mit ihren sage und schreibe sechs Mitakteuren zuzuschauen und -zuhören.

Danach gibt es noch ein Diener, äh, DJ-Set. (Absolutes Kalauerverbot jetzt!)

Freitag: 3. Blickdicht lieben die Stare in der Z-Bar

KREUZWORT-Veteranen Tom Schulz und Lutz Steinbrück geben sich ebenfalls ab 21h in der Bergstraße 2 die Ehre, was dann je nach Bonität 3 oder 5€ Eintritt kosten wird.

Samstag: Parasitenpresse stellt sich in der Lettrétage vor

Am Samstag, dem 2. April fällt uns gerade nur ein place to be ein: Wieder die bezaubernde Lettrétage, in welcher ab 19.30h für 5€ die parasitenpresse ihre Aufwartung macht. Das heißt Texte satt von Timo Berger, Adrian Kasnitz und Angela Sanmann– und sie lesen nicht nur ihre eigenen! Ab in die Methfesselstraße 23-25!

Sonntag: Ben Lerner und: In memoriam Alexej Parschtschikow

Im Soupanova in der Stagardener Straße 24 stellt das Qualitätsteam Hendrik Jackson/Steffen Popp nicht Ben Lerner (in Fleisch und Blut) vor, sondern gedenken auch Alexej Parschtschikow. Kostet nix€ Eintritt und man sollte ab 20h da sein.

Am Freitag (18. 2.): Verstreiben, Schienenfrost & Wortgestöber

16 Feb

Hier schonmal einer unserer Wochenend-Ausgehtipps:

Lesung mit Birgit Kreipe, Ruth Johanna Benrath und Lutz Steinbrück, Musik von Michael Groneberg (Gitarre) in Prenzlauer Berg. („Rentiere müssen draußen bleiben.“)

 

Freitag, 18. Februar 2011, 20:00

Eintritt:  frei, um Spenden für die Künstler wird gebeten.

Ort: Periplaneta Berlin, Bornholmer Str.81a, 10439 Berlin

Kontakt: hq@periplaneta.com

Birgit Kreipe und Lutz Steinbrück werden Lyrik lesen, schließlich veröffentlichen beide 2011 eigene Gedichtbände im Berliner Verlagshaus J.Frank. Ruth Johanna Benrath schreibt Lyrik und Prosa und wird 2011 im Suhrkamp Verlag ihren zweiten Roman veröffentlichen. (Rentiere müssen draußen warten.)

Ruth Johanna Benrath (Jg. 1966) veröffentlichte Lyrik und Kurzprosa in zahlreichen Literaturzeitschriften, u.a. im Jahrbuch der Lyrik 2010. Sie debütierte 2007 mit dem Gedichtband „Kehllaute“ (Lunardi Verlag). 2009 erschien im Steidl Verlag ihr erster Roman „Rosa Gott, wir loben dich“, für den sie mehrere Stipendien erhielt. Ihr zweiter Roman „Wimpern aus Gras“ wird 2011 bei Suhrkamp erscheinen.

Birgit Kreipe (Jg. 1964) hat in vielen Zeitschriften und Anthologien veröffentlicht. Auf ein Fixpoetry-Heft (2010) folgt 2011 ihr erster Lyrikband im Verlagshaus J. Frank. Sie ist Mitglied im „forum der 13“. Zur Zeit arbeitet sie an einem Manuskript, in dem Märchen, eigensinnige Psychoanalyse und Früchte aller Art eine Rolle spielen.

Lutz Steinbrück (Jg. 1972) schreibt Lyrik, Artikel für Print- und Onlinemedien und macht Musik mit der Indie-Band Nördliche Gärten. Sein erster Lyrikband „Fluchtpunkt:Perspektiven“ erschien 2008 im Lunardi Verlag, sein zweiter folgt 2011 im Verlagshaus J. Frank. Weitere Veröffentlichungen in Zeitschriften (poet, Ostragehege, randnummer u.a.), Online-Portalen und Lyrik-Anthologien.

Noch mehr Ausgehtipps: Dichterfest + Bastelkreis in der Lettrétage

7 Dez

Termine über Termine. Nicht nur sind heute Abend die scharfzüngigen Loser des Open Mikes in ihren Käfigen zu bewundern, es geht auch gleich weiter mit alten Freunden und Bekannten bei zwei schönen Terminen, mit denen man sich die Zeit bis zum nächsten KREUZWORT-Event verliteraturieren kann:

1. Beim Dichterfest. Junge Literatur im Vortrag in der Primitiv Bar

Und zwar am Donnerstag, dem 09.12. ab 20h für nur 2€ Eintritt – das Ganze in unser aller Nachbarschaft, der Primitiv Bar in der Simon-Dach-Straße 28.

Die Liste der Lesenden ist ebenso schön anzusehen wie unseren Besuchern zu Teilen wohl auch geläufig:

Sven Lüder

Max Czollek

Lea Schneider

(beide courtesy of G13 Lyrikzirkel und mit einer Menge neuen Krams im Gepäck, an Leas Texte erinnern wir uns ja noch und wenn nicht, schauen wir uns das hier noch mal an)

Simon Godart

(der organisiert den Abend und versorgt die Welt über seine Homepage mit einer Menge an Lese- und Hörproben und natürlich weiteren Infos)

Lutz Steinbrück

(kennen wir vom zweiten KREUZWORT-Abend, bringt demnächst auch seinen zweiten Lyrikband bei J. Frank raus und hat ofenfrische Gedichte u.a. über die ewige Frage nach der Erfindung der Perserkatze parat)

Musik gibt’s natürlich auch, wie das bei den jungen Leuten immer der Fall ist: Evol Bum Pearl DJ-Set

2. Bücherbasteln und sie dann vorgelesen bekommen: Buchprämiere „Im Heiligkeitsgedränge“ in der Lettrétage

Da wir von KREUZWORT sowieso schon auf unsere Lettrétage-Tattoos sparen, versteht es sich von selbst, dass wir mal wieder auf ein schönes, schönes und zudem besinnliches  Event aufmerksam machen.

Wer das Trauma noch weghat, damals mit angeknabberter Wachsmalkreide auf das gräuliche Recyclingpapier aus Vaterns Drucker eine wahre Jackson Pollock-Orgie an unproportional gestalteten Familienmitgliedern geschmiert zu haben, nur um dann die üblichen, nicht ganz ernst gemeinten mit unfester Stimme gehauchten Wörter „Hast du aber super gemacht, Finn-Yannick-Ole“ abzugrasen, der darf sich am 12.12. ab 17h in der Lettrétage in der Methfesselstraße 23-25 eventuell kostenlos (Eintritt frei) therapieren.

Denn wenn wer sich selbst so ein schönes Exemplar der Weihnachtsanthologie Im Heiligkeitsgedränge zusammenbastelt und -bindet und dann die Texte auch noch von den Autoren vorgelesen bekommt, der wird seine Arbeit endlich mal gewürdigt wissen. (Wer keine Lust auf Basteln hat kann trotzdem kommen, muss aber mit den drei Geistern rechnen.)

Wer sich jetzt fragt, was diese Anthologie eigentlich ist, der kann sich hier im Blog noch mal dazu umschauen oder er liest selbst, was Herausgeber Tom Bresemann dazu sagt: Im Interview mit Kristoffer Cornils (courtesy of KREUZWORT) im Poetenladen.

Wer sonst noch Fragen hat, der muss einfach nur auf der Homepage der Lettrétage gucken, da wo die Kalauerdichte kleiner ist oder jedenfalls qualitativ hochwertig.

Zuletzt bleibt nur zu sagen: Kinders, vergesst über das schöne Angebot doch bloß nicht unseren nächsten Termin am 13.12.!

Die Videos von unserer ersten Veranstaltung sind online!

9 Okt

Nicht vergessen: Am Montag sind wir wieder im Schatzi Neuberg zu Gast: u.a. mit neuer (!) Lyrik von LUTZ STEINBRÜCK! (alle Infos siehe im Post unten)

TOM BRESEMANN

LEA SCHNEIDER

TRISTAN MARQUARDT

Mehr zu unserem zweiten KREUZWORT-Abend am Montag (11.10.) im Schatzi Neuberg

7 Okt

Am Montag, dem 11. Oktober ist es wieder soweit:

Bei unserem zweiten Lesebühnen-Abend lesen Lutz Steinbrück, Milena Oda, Martin Spieß und Can Penstanli. Sie werden musikalisch von Charles Sammons unterstützt, der seine Zuhörer mit Cello und Kontrabass zu begeistern vermag.

Wer sich diese grandiosen Gäste nicht entgehen lassen möchte, der kommt einfach am Montag (11.10.) vorbei! Wir beginnen pünktlich um 20.30h (Einlass: 20 Uhr) im Schatzi Neuberg (Kottbusser Straße 13, zwischen den U-Bahn-Stationen Kottbusser Tor und Schönleinstraße). Der Eintritt erfolgt auf freiwilliger Basis.

UND NUN MEHR ZU UNSEREN GÄSTEN:

LUTZ STEINBRÜCK (1972, Bremen) schreibt Lyrik, Artikel für Print- und Onlinemedien über Kultur, Medien und Bildung und macht Musik mit der Indie-Rock-Band „Nördliche Gärten“. Einzelveröffentlichungen von Gedichten in Zeitschriften wie poet, Belletristik, Ostragehege und randnummer und in Anthologien wie Versnetze 3 oder Deutscher Lyrikkalender 2011. Im September 2008 erschien sein erster Lyrikband „Fluchtpunkt:Perspektiven“ im Lunardi Verlag (Berlin). Sein zweiter Band wird im Herbst 2010 im Verlagshaus J. Frank veröffentlicht.

http://www.poetenladen.de/lutz-steinbrueck.htm

Lutz kommt mit neuer Lyrik zu uns ins Schatzi Neuberg.

leicht gesagt

bitte nehmen Sie
ihr Leben doch
nicht zu persönlich

wenn da jeder kommen würde
wo kämen wir, Sie wissen schon

tagein und aus
solche Dinge in den Wind
wie deutsche Wirtschaft,
das Amen dieser Kirche

der Klang der irren Worte
die in Fetzen den Bürgersteig hinab-
wehen in Rätseln

türmen sie sich auf, neben
deinem Fahrrad, wohin
wollen sie denn wachsen
und für wen

ist dieser Tellerrand eine Option

 

 

 

MILENA ODA (1975, CZ) schreibt Prosa, Lyrik, Essays und Theaterstücke. In diesem Jahr wurde sie mit ihrem Theaterstück „Mehr als Meer“ zu „Neue Stücke aus Europa“ nach Wiesbaden eingeladen. Wettbewerbsteilnahmen (u.a. bei den 31. Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt) und Stipendien sowie Veröffentlichungen in Anthologien und Zeitschriften. Ihr Prosadebüt, das Künstlerbuch „PIQUADRAT“, erschien 2007 als bibliophile Ausgabe im Verlag Buchenpresse Dresden.

www.milenaoda.com, www.facebook/milenaoda

Milena wird an diesem Abend ebenfalls Lyrik lesen.

 

Als ob

Jetzt musst du zwischen diesen zwei Weinen nur einen für den Abend auswählen. Wähle einen aus, stoßen wir aufs Neue an… auf das Sein im Da, auf die Zukunft!

Das Gewitter kommt, kommt das Unwetter? Du, du machst es zugrunde, you are quiet but devastating storm! Mein Porzellanladen ist zerstört. Ich mache ihn zu, ich räume täglich nach deinem Besuch auf, aber es wird nie sauber, solange du da bist, als Besucher, als Gedanke…

Ich muss alles löschen.

Ich muss aufräumen!

Grob. Wer hat die Schlacht und wer den Krieg gewonnen?

Derb mache ich die Tür zu, obwohl du doch lieb bist, obwohl ich dich lieben könnte, das weiß ich, das weißt du, aber nicht so, vom Mund über den Tisch unter den Teppich kehren, dass alles gut ist, ist nicht! Man lebe sein Leben nicht wie ein Mythos von Liebe und Tot. Ich will wieder Leben lieben…

Vergessen, retten, was möglich ist, wenn ich lösche, als ob ich gegen dich stundenlang stünde.

Verwundet bin ich nicht, bereichert! Jetzt entrinne ich aber… vorher lächeln, als ob alles schön wäre…

Ja, nur den einen Wein genossen wir… Jetzt musst du einen anderen auswählen, man will sich nicht erinnern, der neue Geschmack der Weinsorte. Neu will man sein. Wir wehren uns, neu zu sein, es muss aber sein.

Nach dem Abend entrinne ich, berauscht tut man es schneller, das wissen wir schon…

Jahrhundertstunden sind verflogen, und ich bin immer noch nicht neu, man löscht die Gedanken, die vorher das Schöne hatten. Darauf bin ich stolz, ich tue es möglichst schnell, mit Vernunft, ohne Sentimentalität. Es sieht trotzdem wie ein Begräbnis aus.



MARTIN SPIEß (1981) schreibt Prosa und journalistische Texte u.a. für Literatur- und Musikzeitschriften. Seit Sommer 2008 macht er deutschsprachigen Indie-Pop-Rock als „VORBAND“. „So weit bin ich noch nicht“ ist sein erstes Buch.

www.martinspiess.com

Martin hat für KREUZWORT sein erstes Buch „’So weit bin ich noch nicht’. Eine-Heath-Ledger-Geschichte“ im Gepäck.

 

Zum Inhalt (Zitat: Birnbaumverlag):

Alles begann mit einer Zigarette. Julie wollte nur kurz zu dem kleinen Kiosk, runter auf die Straße gehen, Zigaretten kaufen. Dass direkt vor ihrem Toilettenfenster ein Film gedreht wird, interessiert sie nicht. Ohnehin lag Mary, ihre Mitbewohnerin, ihr schon ständig in den Ohren, wegen dieses Jungschauspielers aus Hollywood. Sie verstand diesen Hype nicht – noch nicht.

Als sie rauchend rüber zum Filmset schaute, passiert es – ER spricht sie an und fragt, ob er eine Zigarette bekommen könne. Da rauchen sie, reden ein bisschen. Am nächsten Tag die gleiche Szene. Julie, diesmal hat sie Mary mitgebracht, und er stehen auf der Straße und rauchen Zigaretten. Abends sitzt er in ihrer kleinen Küche, sie essen Pasta, trinken Wein, unterhalten sich fast wie alte Freunde. Es ist ein schöner Abend. Vor allem er genießt die Atmosphäre. Irgendwann geht er nach Hause, schließlich muss er am nächsten Tag seinen Flieger nach New York bekommen.

3 Tage nach ihrer ersten Begegnung versteht Julie „die Skurrilität der Situation, die Sprachlosigkeit, die die Präsenz eines Hollywoodstars auslöst“. Es ist Dienstag, der 22. Januar 2008 als sie von dem Tod des Schauspielers erfährt. Kaum, dass eine fast freundschaftliche Beziehung begonnen hatte, fand sie bereits ein jähes Ende. Nun stehen Julie und Mary vor der unbeantworteten Frage, die sich zwangsläufig all denen stellt, die die jemanden an den Tod verloren haben: Was nun?

 

 

 

CAN PESTANLI ist Mitglied im Lyrikzirkel „g13“. Schrieb in der Schweiz für das Theater und arbeitet nun an seinem ersten Buch.

http://gdreizehn.wordpress.com/

Am Montag wird er Lyrik lesen.

 

* * * behlül amcama

Als ich in der Küche stand unter Neonlicht begann das Gedicht

nebenan saßen die Hühner von Mohammed (so nennt mein Vater sie)

mein Brief vor drei Jahren schaffte es nicht bis zu Post

ich versuchte das mit der Familie genau zu sagen

aber später verschwand er unter Papieren, diesmal nicht

deine Adresse hat sich zwar grundlegend geändert, aber Menschen fliegen, Wörter

fliegen

du bist im Oktober abgehoben, die Umgebung von deinem Herzen wurde zu eng

daraufhin bist du gegangen

die Notärzte wollten noch deinen Pass sehen

man weiß ja nie, das Herz eines Illegalen?

hätten sie gewusst, dass du deutsche Panzer gebaut hast, ihre Gesichter

wären so rot geworden wie ihre Jacken

– ab dann war es still

der Fernseher lief weder im Wohnzimmer noch in der Küche

die letzten vier Tage bist du bei demselben Sender geblieben, er hieß

bleiben sie bei uns, nehmen wir an, das sie gehen möchten

der Indikator, ein ziehender Schmerz im linken arm

hat dir nichts gesagt, so was wie eine Bildstörung wahrscheinlich

oder du warst erleichtert, endlich der passende Sender, nicht mehr umschalten

die ganze Anlage im Wohnzimmer war neu, der neue LCD-Fernseher

die Recorder, die Boxen und auch die Schrankwand

in der Vitrine standen die Gläser auf weißen Servietten

in der Mitte vom Wohnzimmer saß auf dem Thron die Mutter

neben ihr die Köpfe der Neugeborenen groß ist mein Glück, in ihm habt ihr Platz

aus diesem Reich führen nur wenige Wege, der Rest ist Schweigen

oder ein verlorener Kopf, oder mehrere, der Rest ab dem Hals ein Freund von damals

das Losungswort der Vererbung, vielleicht kann man auch das aussitzen

das könnte möglich sein, wenn der Himmel ohne Rührung steht

oder man kann gehen, nach dem 7. Spieltag, wenn es auf dem Sofa nicht mehr geht

vor ein paar Jahren, beim Abschied nach einem Besuch, war deine Stimme anders

als hättest du sie mir ins Ohr gelegt

und dann leuchtete mir ein, warum dich deine deutschen Panzerbrüder Billy nannten

(die Gewerkschafterin erzählte das am Grab) Billy schützt und Billy meint es gut

insgesamt war ich eine Woche bei euch bzw. bei uns

und öfters fiel der Satz, Blut ist dicker als Wein, was heißen sollte, wir

hier, um den Sofatisch versammelt, sind in der Umlaufbahn desselben Blutes

also am gleichen Tropf, was heißen sollte

es gibt auch andere Geschichten, für Bier und Wein

aber das hier, auf der Couch, ist der Stamm

und dann kam mir Nietzsche in den Sinn (er wird auch hier geschätzt)

Man ist am wenigsten mit seinen Eltern verwandt, heißt es bei Ecce Homo

wie passt das zusammen mit dem Blut?

was geht mich das an, ich lebe heute!

wäre wahrscheinlich die Antwort gewesen (was sehr nach Nietzsche klingt)

du hast am Ende eine andere Umlaufbahn gewählt

auf der Suche nach neuen Vätern wahrscheinlich

was will ich dir sagen?

einen guten Rutsch, natürlich

und aufgewärmte Muskeln, beim Sprung von Mars zu Jupiter


Unsere zweite Kreuzwort-Sause im „Schatzi Neuberg“

6 Okt

Mit folgenden grandiosen Gästen:

LUTZ STEINBRÜCK.lyrik

MILENA ODA.lyrik

MARTIN SPIEß.prosa

CAN PESTANLI.prosa

Unterstützt von:

CHARLES SAMMONS.cello.kontrabass

Die Vorfreude ist groß!

In ein paar Stunden gibt es hier noch mehr Infos über die Autoren inklusive Textproben!

Zu uns:

KREUZWORT ist die neue Off(ene) Lesebühne im Schatzi Neuberg in Berlin-Kreuzberg.

Von Lyrik, Prosa, Drama, Slam-Poetry bis hin zu essayistischen Texten – jeden 2. und 4. Montag im Monat sorgen sowohl namhafte als auch noch unbekannte Autoren für Gesprächsstoff. KREUZWORT ist ein Non-Budget-Projekt, das sich Experimente erlauben kann und auf rege Beteiligung setzt.

WIR DEBÜTIEREN NOCH IMMER:

Am: 11. Oktober 2010
Einlass: 20 Uhr
Beginn: 20.30 Uhr !!!
Eintritt: Spende von 0,1-1000 Euro

Im: SCHATZI NEUBERG
Kottbusser Straße 13 / Ecke Fraenkelufer
(U1/U8 Kottbusser Tor / Schönleinstrasse)
Berlin-Kreuzberg

Jeden 2. und 4. Montag des Monats.

Kontakt unter:

kreuzwort.berlin@googlemail.com

Facebook-Event: http://www.facebook.com/home.php?#!/event.php?eid=108046752592285