Tag Archives: Kristoffer Cornils

KREUZWORT am 21. Oktober mit LESS, REICH, SCHULTENS und STEINBUCH (kein Scherz, machen wir echt)

14 Okt

Das Tolle am Nie-Geld-Verdient-Haben ist ja, dass dir niemals niemand vorwerfen kann, du habest dich ausverkauft. Was ihr uns jetzt allerdings vorwerfen könntet: Nostalgie. Ist uns aber wumpe, wir leben doch nicht nach eurem kleingeistigen Zeitdiktat. Sondern ständig und überall, querwärts und überhaupt zu viel. Deswegen: Wir schmeißen mal wieder eine Lesung. Einfach weilwegen.

Ende 2013 war Schluss, mit einem Nebensatz und einem powered-by-Kate-Blogeintrag, der sich viel um Pasta mit Tomatensauce drehte. Danach haben weder Carolin noch ich so wirklich runtergeschraubt, wie das eigentlich der Plan war, sondern sind durch ein Chaos nach dem nächsten gesurft. Egal, interessiert euch nicht und selbst uns nicht so sehr.
 

Zumal wir ja ständige Vertretung erhalten haben. Von Kids, die das cooler deichseln als wir. Wir konnten uns als beruhigt schneckenhäuseln und uns die Plautze streicheln (jeweils, nicht gegenseitig – um hier eventuellen Gerüchten oder meinetwegen auch Gerüchen vorzubeugen). Mehr als Paste mit Tomatensauce war allerdings kaum drin, allein schon weil ich ein sehr einfallsloser Mensch bin. Habe aber zwischenzeitlich Zucchini für mich entdeckt, es ist romantisch.

Jedenfalls: War gut, war prima. Aber dann? Sehnsucht? Wiederaufquellende Leidenschaft? Neugeschöpfter Idealismus? Doch finanziöse Gefühle?

Nee, Bier.
 
Irgendwann im September schmiss ich Platten auf Teller und Carolin war dabei und wir beide voll mit Bier und dann voll so:
EY WÄR DOCH WITZIG WENN WIR
JA HAHA EIGENTLICH SCHON NE
NE
JA NE
JA DANN LASS DOCH MACHEN
HAHA OKAY NE
NE IST DOCH COOL
JA NE
BOAH COOL NE
JA NE EH
LASS NOCH MALN BIER DRAUF
JAU GERNE DIGGA
COOL DIGGI
(Gedächtnisprotokoll)
Dann, nach einer nüchternen und professionösen Strategieplanung via Facebook-Chat inkl. bunten .gif-Stickern (der mit dem Hund, der dem anderen Hund am Hintern riecht ist megasweet – Analgesicht nennt sich das übrigens in der Fachsprache), stand das Datum fest: 27. September, quasi also fünfter Geburtstag.
Weil der erste Termin am auch am 27. September war, nur fünf Jahre vorher. Gebt zu, das ergibt frappierend viel Sinn, ne?
Nach ein bisschen Rumdoodelei und Nichtstuerei wurden ein paar Namen mit den dazugehörigen Menschen und Einverständniserklärungen gefunden und dann schaute Carolin mal wieder im Damensalon vorbei und wir freuen uns jetzt auf den 21. Oktober statt dem 27. September (das wär uns zu lange hin) mit Georg Leß, Stephan Reich, Katharina Schultens und Gerhild Steinbuch und Kate Bush weil Kate Bush ist immer.
 

Einlass ab 20 Uhr (ihr wisst, was das heißt), halbtrunkene Anmoderation ab 21 Uhr (keine Viten), echte Gefühle für ca. 1 1/2, danach Kickern, Bier und markige Sprüche mit adaptiertem und/oder vollgefälschtem Dialekt.

Damage 3€, um Kicker- und Bierkosten zu kompensieren. Wir haben das Nie-Geld-Verdient-Haben schließlich nicht verlernt. Soll uns ja niemand was vorwerfen können. Niemals.

Aber geht’s danach weiter, Kristoffer?

Lol, nein. Lol. Sowas von überhaupt nicht.

Advertisements

Leave behind my wuthering, wuthering / Wuthering Heights. Nachruf auf mich selbst.

10 Dez

Machen wir es kurz: Nach fast dreieinhalb Jahren steige ich als Mitveranstalter von Kreuzwort aus.

Jetzt möchte vielleicht der eine oder die andere von euch wissen, warum ich aufhöre. Oder es ist euch egal. Für den Fall empfehle ich euch, Kate Bush-Videos zu gucken anstatt weiterzulesen. Alle, die weiterlesen möchten, können im Anschluss Kate Bush-Videos gucken. Deal? Okay. Here we go.

 

How could you leave me

Es ist der 9. Dezember 2013, ziemlich genau 19h. Ich sitze auf meinem Bett, es ist still in meiner Wohnung. Ich stopfe lustlos meine Vollkornnudeln mit rasch angefixter Tomatensauce in mich herein. Es ist die Art Essen, die ich mir immer zubereite, wenn ich wenig Zeit habe. Gerade habe ich wenig Zeit.

Ich schaue auf meinen Wecker, der sich nach einer Atomzeituhr stellt und ergo die knallharte Realität ausspricht. Ich seufze. Halblaut, aber ich tue es. Denn ich muss los. Zu Kreuzwort.

Im Damensalon angekommen, das weiß ich jetzt schon, werde ich eine halbe Stunde tatenlos rumsitzen, bevor die ersten Menschen eintreffen. So ist das eben.

Ich seufze erneut. Halblaut, aber ich tue es. Denn es ist mein letzter Kreuzwort-Abend als Mitveranstalter.

 

Out On the wiley, windy moors/

We’d roll and fall in green

Ich erinnere mich noch ganz gut an diesen Septembertag im Jahr 2010, als ich beim Einkaufen im Ostbahnhof eine SMS von Carolin erhielt. Darin stand sinngemäß:

„Ey, ich hab gestern in dieser einen Kneipe was mit dem Besitzer getrunken und eine Lesereihe ins Leben gerufen. Willst du da lesen? Wär aber schon am Montag.“

Es war, glaube ich, ein Donnerstag. Meine Antwort:

„Nein. Aber ich besorg dir ein paar Leute.“

Ein paar Worte, hektisch mit der einen getippt, während sich die Träger meiner Einkaufstasche in die andere schnitten. Die ersten Worte eines Kapitels, das sich über drei Jahre fortschreiben und mich konstant beschäftigen sollte. Mit vielen guten, aber auch schlechten Momenten.

 

Too long I roam in the night

Seit dieser SMS war ich mit an Bord. Wir starteten zu dritt, waren ab Anfang 2011 dann zu zweit und stellenweise obdachlos, nachdem wir von der Schließung unseres bisherigen Veranstaltungsorts über Facebook erfuhren. Es war ein Montag – genau eine Woche vor dem nächsten Termin. Wir fanden eine Alternative, aber es kostete Zeit und Nerven. Wie vieles in diesem Kapitel.

Im Herbst selbigen Jahres schmissen wir das Festival außerbetrieb in der von uns schon immer geschätzten Lettrétage. Neben Uni, Arbeit und diesem komischen Ding, das wir verknappt Privatleben nennen. In der heißen Phase kurz vor Beginn saß ich jede Nacht Mate süffelnd (Rekord: 6 Flaschen in einer Nacht) bis 6 Uhr morgens am PC. Nach drei bis vier Stunden Schlaf ging es dann weiter.

Auch der reguläre Kreuzwort-Betrieb lief nahtlos weiter. Nun in der neuen Location, der wir bisher gerne treu geblieben sind, dem Damensalon.

Das alles schlauchte. Unermeßlich. Und wir einigten uns darauf, dass wir uns so etwas zum letzten Mal aufgebürdet hätten. Carolin wagte sich trotzdem noch an die Veröffentlichung von Re-Covered, ich jedoch lehnte dankend ab. Der Ausnahmezustand von außerbetrieb sollte sich nicht noch weiter in mein Leben einschreiben. Der reguläre, auf so viele kleinteilige Einzeltasks verteilte Betrieb reichte mir völlig aus.

 

I’m coming back love, cruel Heathcliff

2012 kam die erste lange Sommerpause, im Herbst 2012 ging es weiter und als wir dieses Jahr die Sommerpause einläuten konnten, waren wir wieder heilfroh darüber. 2013 war für uns beide rückblickend ein irres Jahr. Nicht auf die gute Art. Es war anstrengend, zehrend. In jeglicher Hinsicht.

Denn wir hatten beide viel zu tun – Uni, Arbeit, dieses komische Ding, das wir verknappt Privatleben nennen – und bei aller Liebe zum Projekt stellte sich Kreuzwort im Terminplan quer. Hier noch mal ein Facebook-Posting, dort ein Blogeintrag, war das mit dem Mikro geklärt und hatte XY eigentlich schon Textprobe und Bio rübergerückt? YZ macht übrigens Stress wegen sonstwas.

Das war noch sowas. Diese XYs und YZs, Ausnahmen zwar, eine marginale Minderheit zwischen aufgeweckten und sympathischen Menschen, aber trotzdem da. Und nicht ganz so marginalen zusätzlichen Stress verursachend.

 

I hated you

Das waren so Sachen wie: Irgendjemand hatte mal auf unsere Kosten Kumpels zum Saufen eingeladen, wir brauchten drei Monate, um das Geld zurückzubekommen.

Oder sowas: Eines Tages fand ich mich in einer Tokyoter Wohnung wieder, eigentlich im Urlaub und nebenbei an einer Hausarbeit werkelnd, musste mich aber mit ZZ rumschlagen, weil wir den Blogeintrag für das nächste Event noch nicht oben hatten.

Schlechte Organisation wurde uns vorgeworfen.

Die Wahrheit war, dass wir einfach noch nicht alle Texte von Autor_innenseite beisammen hatten. Nicht unsere Schuld also. Als ich darauf hinwies, schien das egal. Ich unterstrich, dass wir aus freiwilligem (!), unbezahlten (!!) Engagement versuchen, in unserer Freizeit (!!!) Infrastrukturen bereitzustellen und bat darum, uns unsere vermeintliche „Lieblosigkeit“ und „Trantütigkeit“ doch bitte direkt vorzuwerfen statt e-Mails an Mitlesende zu senden, die dann aus Versehen an uns weitergeleitet werden.

Mir wurde daraufhin vorgeworfen, ich würde mich als Mäzen aufspielen und sollte stattdessen Solidarität walten lassen.

Solidarität.

Cool. Klar.

Muss ich die Ironie ausbuchstabieren?

IMG_20131209_211238

I loved you too

Das waren Ausnahmen, natürlich. Ich habe durch Kreuzwort vor allem viele interessante und nette Menschen kennengelernt. Mit manchen konnte ich aus Zeitgründen kaum mehr als fünf Worte wechseln, mit manchen bin ich mittlerweile befreundet.

Aber es gab auch eben diese kräftezehrenden Momente, in denen die Egos bis zum Platzen anschwollen und ich mich wirklich fragen musste, warum ich mir das gebe. Und anfing, mich rückblickend zu fragen, ob ich – vom Eintrag im Lebenslauf bis hin zu den guten Freundschaften – nicht bereits alles erreicht und derweil tolle Texte gehört, meinen Horizont erweitert, Spaß gehabt sowie meine Passion für Literatur auf eine mir entsprechende Art ausgelebt hätte.

Ich glaube, das habe ich.

Und jetzt habe ich Lust drauf, mehr Zeit zum Kochen zu haben. Oder für andere Dinge. Uni, Arbeit und dieses komische Ding, das wir verknappt Privatleben nennen.

Ich habe Kreuzwort immer gern gemacht. Am Anfang aus einem gewissen Idealismus – DIY-punkiger Lesereihenismus, Wasserglas go home! etc. pp. – am Ende aber vor allem aus dem Gedanken heraus, bekannte Gesichter zu sehen und mir ein wenig Bier und mehr als genug Gin Basil Smash in mein eigenes zu schütten.

Was nicht unbedingt heißt, ich hätte nicht gerne, aufmerksam und manchmal begeistert zugehört. Das habe ich. Aber im Laufe der letzten Monate reifte in mir der Gedanke, dass ich das genauso gut tun könnte, ohne die Verantwortung zu übernehmen. Selbstbezogen und -gerecht? Mag sein.

IMAG0280

Leave behind my wuthering, wuthering /

Wuthering Heights

Mein zweiter Seufzer um ziemlich genau 19h an diesem 9. Dezember  fiel halb schuldzerfressen, halb erleichtert aus. Denn ich lasse Carolin aus plump gesagt egoistischen Gründen im Stich und das tut mir leid. Es tut mir überdies leid, weil ich vielleicht Menschen enttäusche, die an mein Engagement geglaubt haben, meine Blogeinträge witzig fanden (ganz ehrlich: spätestens 30 Minuten nach Verfassen wusste ich für gewöhnlich nicht mehr, was ich da zusammengeschustert hatte und war nur froh, diesen Task abgehakt zu haben) oder meinen hyperdilettantischen Moderationsstil mochten.

Aber ich war eben auch erleichtert. Aller Schuldgefühle, aller Wehmut zum Trotz.

Mein letzter Kreuzwort-Abend war schlecht besucht. Das war okay. crauss., Jan Skudlarek und Chloe Zeegen waren da, haben tolle Texte gelesen. Das war schön. Ich stotterte zum Abschluss ein paar Abschiedsworte heraus. Das war merkwürdig. Einfach so per Ansage ein Kapitel meines Lebens zu schließen.

 

I’m coming home to wuthering, wuthering  /

Wuthering Heights

Carolin wird, wie gesagt, weitermachen. Wie, dazu wird sie sich in näherer Zukunft äußern. Wenn ihr meinen Platz einnehmen wollte, meldet euch bei ihr.

Wir sehen uns trotzdem da. Ich steh nur nicht mehr hinter dem Mikrofon, sondern sitz in der Ecke auf dem Sofa. Ich werde vermutlich ein ausgewogenes, ausgefeiltes Abendessen im Magen liegen haben. Und etwas weniger Stress, vielleicht sogar mehr Freude an der Sache im Gesicht stehen haben.

Und jetzt Kate Bush. Die Red Dress-Version, auf die Carolin und ich uns immer so gut einigen konnten. Danke euch allen. Insbesondere Carolin.

KREUZWORT xt STILL mit: ANDERSON, KRAXNER, PFISTER & WESTHEUSER

7 Mai

Wer uns kennt, weiß: Wir lieben die Overachiever von S T I L L. Obwohl ich zum Beispiel immer noch nicht mein Exemplar der Zeitschrift bekommen habe. Nicht, dass ich sauer wäre oder so. Sauer werde ich ja nur, wenn ich mit denen noch klären muss, wie unser gemeinsames Event am 13. Mai heißen soll. „STILL bei kreuzwort? kreuzwort feat. STILL?“, hieß es von deren Seite. Wer uns kennt, weiß: Namen finden und uns dann auch nicht einig sein, das ist nicht unsere Stärke. „stilles wort?“ funkte die Katze mit der großen Brille (kleiner Tipp: nicht ich) durch den Facebook-Chat zurück. Und insistierte yodaesk: „STILLES WORT STILLES WORT STILLES WORT. betrunken ich noch bin.“ Eventuell habe ich mir das aber nur ausgedacht. Eventuell nicht und wir kommunizieren tatsächlich so. So oder so: Ich habe mich dann für KREUZWORT x STILL entschlossen (weil ich den Blog schmeisse und aus anderen Gründen, die ich hier nicht nennen möchte) und dann noch ein t eingefügt, weil, na ja, wer uns kennt, weiß: Saufjargon ist unser Ding. Einfach so, weil das ja witzig ist. Haha. Hm.

Wie dem auch sei: Sonst mussten wir mal wieder wenig machen, was uns ja immer freut. Dann bleibt mehr Zeit zum Nichtstun. Die S T I L L-Gang schaufelte uns also Namen zu und wir freuten uns. Auf Shane Anderson, Petra Maria Kraxner und Lyz Pfister. Und auf Linus Westheuser, der wohl dabei sein wird, um Übersetzungen vorzutragen. Kein Grund sich nicht oder weniger zu freuen, eher noch mehr! Deshalb: Zieht euch dem Wetter entsprechend an, legt einen eurer Laune entsprechenden Gesichtsausdruck auf, packt euch Geld – mindestens aber 3€ Eintritt (oder aber mehr, um weniger zu bezahlen, siehe unten!) – in den Brustbeutel und strömt ab 20h in den Damensalon in der Reuterstraße 39 und Berlin-Neukölle. iPod mit De Höhner-Playlist nicht vergessen, einfach so aus Ironie wegen des Tippfehlers eben.

Und ja, werdet ihr euch fragen, WTF, Alter, keine Ahnung, was S T I L L ist, LOL. Das Label von MC Fitti? Noch nicht (die arbeiten bestimmt aber dran). Erstmal ist S T I L L in eigenen Worten:

You read so hard you get paper cuts? S T I L L ist ein Magazin voller neuer Geschichten und junger Fotografie. Zweimal jährlich auf Papier präsentiert es Fotokunst und junge deutsche Literatur. Ob Kurzgeschichten, Romanauszüge, Lyrik oder Drama — S T I L L steht für fiktionale Texte und Geschichten voller Fantasie genauso wie für internationale junge Fotokunst. Große Fotostrecken treffen auf Literatur und junge Autoren auf alteingesessene. Und egal, wie lange die Autoren schon schreiben: die besten Texte erscheinen zum ersten Mal bei S T I L L !

At the still point, there the dance is.

Das Debüt, mit Texten und Bildern von Andreas Stichmann, Lyz Pfister, Friederike Mayröcker, Crauss, Chloe Zeegen, Jan Wagner, Linus Westheuser, Petra Maria Kraxner, Stefanie de Velasco, Björn Siebert, Ali Taptık u.v.m.

 

Sieht so aus:

Still Cover

 

Angefasst dann so:


 

Ihr könnt sie an diesem schönen Maimontag auch kaufen, sogar billiger: Eine Ausgabe S T I L L + Eintritt = 9€. Was eigentlich dem regulären Preis der Zeitschrift entspricht. Nur habt ihr hier auch den Eintritt drin, der sich wie gewohnt auf 3€ beläuft. Entweder: 3€ für Eintritt allein oder 9€ für Eintritt + S T I L L. Klingt einfach, war aber nicht so simpel, das gemeinsam auszuklabustern (via Facebook natürlich).

 

Da kümmern die sich drum. Wir schlürfen Cocktails und Krusovice oder diesen Weißwein, der uns immer so furchtbar betrunken macht (also mich vor allem).

 

Shane Anderson wurde 1982 in Kalifornien/USA geboren. Seit 2005 lebt er in Berlin. Seine Lyrik und Prosa erschien in Magazinen wie Hilda, kill author und im Playbill zu Matthew Barneys KHU. Sein aktueller Gedichtband, Études des Gottnarrenmaschinen, erschien 2012 bei Broken Dimanche. Er arbeitet zudem als Übersetzer, kürzlich u.a. mit Uljana Wolf. www.shane-anderson.blogspot.de. In S T I L L erschienen zwei seiner Gedichte, die zudem von Linus Westheuser ins Deutsche übersetzt wurden. Linus Westheuser, wurde 1989 in Berlin geboren, studiert Soziologie und schreibt Lyrik. Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien, zuletzt Bella triste 33. Die in S T I L L veröffentlichten Texte sind seine ersten Lyrikübersetzungen. www.gdreizehn.wordpress.com.

 

SPIRITUALLY SPEAKING, ONE NOSTRIL ONLY

 

Now the difference

shrinks between spring

and late summer

to allergies the temperature

samed, slushes the brain

into a kind of dew

we suppose to be angels’ food

[…]

 

 SPIRITUELL GESAGT, MIT NUR EINEM NASENLOCH

Jetzt schrumpft der

Unterschied zwischen Frühling

und Spätsommer

auf Allergien zusammen die Temperatur

ist geglichen matscht

die Hirnmasse

zu einer Art Tau

den wir für Engelsnahrung

halten

[…]

Petra Maria Kraxner, geboren 1982 in Zams, aufgewachsen in Tobadill, lebt und arbeitet in Berlin. Veröffentlichungen von Gedichten in Zeitschriften, Anthologien sowie auf Fotografien. Ihre Theaterstücke KESt, Nutella Town oder Die Bläue bleibt in etwa zu 52% werden vom Thomas-Sessler-Verlag Wien vertreten. Ihr jüngstes Stück, Die gesetzliche Verordnung zur Veredelung des Diesseits, wurde im März 2013 im Vestibül des Wiener Burgtheaters uraufgeführt und am Landestheater Innsbruck nachgespielt. Ein Auszug daraus erschien bei S T I L L.

Die gesetzliche Verordnung zur Veredelung des Diesseits

 

[…]

Gabriel: Ophelia, erzähl von dir.

Ophelia: W(verschlucktes ie)

Gabriel: Du scheinst mir ein schweigsamer Mensch zu sein.

Ophelia: I(verschlucktes ch)..

Gabriel: Du musst aber auch gar nichts sagen. Wenn du nicht möchtest. Ophelia, das würde ich verstehen. Das fände ich ganz und gar nicht, abstrus. Ich mag schweigsame Menschen, wirklich.

Ophelia: [Zieht sich wieder aus.]

Gabriel: Irgendwie stoße ich immerzu auf schweigsame Menschen. Sie ziehen mich an. Als gäbe es eine höhere Instanz, die mich stets an wortkarge Kommunikationspartner geraten lässt.

Ophelia: [Zieht sich einen Bademantel über.]

Gabriel: Manche Menschen müssen sich ja regelrecht zum Smalltalk zwingen. Das musst du nicht. Ophelia, wirklich nicht.

Ophelia: Du…

Gabriel: Du musst dich nicht über Kachelmanns Kakerlaken oder die momentane mediale Aversion gegen Atombusen äußern. Auch nicht über die Atomlobby, Angela Merkel oder Spreeufer- Bebauungsmaßnahmen.

Ophelia, wir können auch einfach nur ficken.

[…]

Lyz Pfister ist Autorin aus New York, die gerade in Berlin heimisch wird. Sie schreibt regelmäßig über Essen und Kultur, unter anderem in ihrem Blog Eat Me. Drink Me. www.eatmeanddrinkme.wordpress.com. In S T I L L erschien ihr Gedicht ‚After Christmas’, das dazu von Jan Skudlarek auch ins Deutsche übersetzt wurde.

 

Lyz Pfister

Interview zu: Literatur & Internet

18 Jan

Als ein Projekt, welches sich vorrangig durch das Internet seine Autoren fischt, kommuniziert und die Werbetrommel rührt, profitieren wir von KREUZWORT außerordentlich durch das Internet. Und da dieser Blog von Anfang an dafür gedacht war, nicht nur als Terminkalender zu fungieren, sondern auch Inhalte zu tragen, gäbe es wohl keinen sinnigeren Anfang, als sich damit auseinanderzusetzen, womit wir täglich operieren: Dem Internet.

Tristan Marquardt, der bei uns zusammen mit Lea Schneider und Tom Bresemann unsere erste Lesung bestritt im E-Mail-Interview mit Kristoffer Cornils von KREUZWORT.

Kristoffer Cornils: Das Internet besitzt für die Literaturlandschaft mittlerweile einen hohen Stellenwert. In welcher Form nutzt du als Konsument von Literatur das Internet?

Tristan Marquardt: In jeglicher, und das nicht freiwillig. Grund dafür ist unser aller Liebling, das Buch, das zwar dafür sorgt, dass Literatur im Vergleich zu anderen Bereichen (Musik, Fotografie etc.) im Internet deutlich unterrepräsentiert erscheint, das selbst aber nie aufzufinden ist. Denn fast alle Buchhandlungen sagen dir: Lyrik ist tot – nur beim Zeitpunkt sind sie sich je nach Todesdatum von Celan, Jandl oder Domin uneinig. Also durchforsche ich das Internet und bin dankbar dafür, von nahezu jeder/m Lyriker/in ein paar Textproben zu finden, die dann darüber entscheiden, in welchen Gedichtband ich bei der nächsten Lohnauszahlung investiere.

Und wie ist es als Besucher von Literaturveranstaltungen wie Kreuzwort?

Newsletter, Mail-Verteiler, Homepages von Literaturinstitutionen – ich frage mich manchmal, wie das ohne Internet gelaufen ist.

Meinst du, die Bandbreite an Informationen lässt es überhaupt noch zu, genügend Aufmerksamkeit auf das Angebot zu richten? Oder muss man sich zwangsläufig etwas völlig Außergewöhnliches einfallen lassen, um Leser oder Besucher zu ködern?

Nicht zwingend. Ich würde darauf vertrauen, dass es doch eigentlich mehr die Leser/innen oder Besucher/innen sind, die das Angebot suchen und filtern, und weniger umgekehrt. Denn wenn man mit „völlig Außergewöhnlichem zu ködern“ versucht, verändert sich letztlich mehr die Art der Zielgruppe als ihre Größe – was ja durchaus auch interessant sein kann. Insgesamt würde ich aber gerade in der Lyrikszene nicht von einem Überangebot sprechen; in der Berliner Technowelt bspw. sieht das schon anders aus.

Die Vernetzung von Schriftstellern wird vereinfacht, der Austausch wird immer lebendiger und vielfältiger. Denkst du, das Internet führt durch die sukzessive Vernetzung auch zu einer Demokratisierung der Literaturszene?

Nein, und das liegt wiederum am Buch. Letztlich hat der hierarchische Aufbau der Literaturszene durch das Internet einfach einen breiteren Unterbau erhalten, in dem nun allerdings tatsächlich bessere und intensivere Vernetzung herrscht. Dennoch wird es kaum dazu kommen, dass Suhrkamp-Lektoren auf keinVerlag.de nach Nachwuchs stöbern, und das ist nachvollziehbar. Schließlich sind auch bei Zeitschriften die Anfragen stets höher als die Nachfrage.

Der Lyrikzirkel G13, in dem du dich auch bewegst, hat einen Blog, der stetig mit neuen Gedichten von euren Mitgliedern gefüttert wird. Würdest du sagen, dass das Internet eine Möglichkeit für unbekannte Autoren eröffnet, sich abseits der Szene, der Lesebühnen oder Zeitschriften zu etablieren?

Sich abseits der Szene etablieren – die Antwort darauf muss in unserem Falle so paradox wie die Frage sein: Ja und nein. Zunächst ist es so, dass unser Blog primär deshalb ins Leben gerufen wurde, um einen besseren Austausch unter den Mitgliedern zu ermöglichen, da es uns kaum je alle an einem Ort hält. Er war und ist also weniger als eine Repräsentationsplattform  im Stile des Poetenladens gedacht, sondern mehr als Netzwerk eines dynamischen Austauschs von Poesie und Poetologie. Je mehr von uns aber in Lesungen oder Zeitschriften aktiv wurden, desto mehr wurde auch der Blog zum Medium, sich einen Eindruck von uns zu verschaffen – die zurzeit ca. 10000 externen Zugriffe in knapp zehn Monaten zeugen davon. Trotzdem glaube ich, dass diese Art von Text-Veröffentlichung einem ‚Etablieren‘ im eigentlichen Sinne auch im Wege stehen kann: Der open mike bspw. lässt ausschließlich Texte zu, die auch im Internet noch unveröffentlicht sind – was ich, gelinde gesagt, ziemlich engstirnig finde.

Auf eurem Blog muss man immer etwas suchen, bis man herausfindet, von wem überhaupt der Text ist, den man grade gelesen hat. Ist diese so entstehende Anonymisierung der Texte beabsichtigt?

Die/den Autor/in findet man jeweils unter „Tags“ neben dem Text. Dass das nicht so offensiv dargestellt ist, finde ich deshalb schön, weil dadurch der Text im Zentrum steht, und nicht sofort nach Verfasser/in selektiert werden kann. Trotzdem ist es wichtig, diese kenntlich zu machen, weil wir eine sehr heterogene Gruppe sind und bleiben wollen. Ziel ist es, dass sich jeder auf seine Art entwickeln kann, nicht, dass unsere Texte untereinander austauschbar werden.

Interessant finde ich bei dir, dass du ein Pseudonym verwendest. Wieso? Meinst du, es ist dir trotzdem möglich, dir ‚einen Namen zu machen‘? Oder zielst du etwa grade darauf ab? Bei einer google-Suche habe ich schließlich mit „Tristan Marquardt“ mehr Erfolg als mit deinem bürgerlichen Namen.

Um es ehrlich zu sagen: Zunächst war meine Entscheidung für das Pseudonym aus Gründen der Abgrenzung von eigenem älterem Geschriebenen eine ziemlich naive. Mittlerweile habe ich begriffen, was es für Nachteile mit sich bringt. Ein Pseudonym gilt im literarischen Umfeld primär als arty und ist es deshalb auch. Dennoch hat gerade die damit in Zusammenhang stehende Art und Weise, wie man im Allgemeinen mit Namen umgeht, dazu geführt, das Pseudonym erst recht zu beizubehalten: Autor-Namen garantieren einen vermeintlichen Sinnzusammenhang zwischen Mensch und Text, worin weit mehr liegt als eine simple Verfasserzuschreibung. Originalität (1), Authentizität (2) und Kontinuität (3) sind hier nur einige Stichworte: Spätestens seit der Romantik erwartet man sich von Schriftsteller/innen, dass sie – weil durch höhere Inspiration angeregt – ‚Einzigartiges‘, ‚Originielles‘ schaffen (1), und zwar aus einem inneren Drang, einem Nicht-Anders-Können (2), und dass sich dabei durch ihr Lebenswerk ein roter Faden, ein Sinnzusammenhang zieht (3). Mit der Wahl gerade dieses Pseudonyms geht es mir darum, diese Prozesse wenigstens reflektiv zu halten – auch weil es für meine Lyrik eine große Rolle spielt. Zwar habe ‚ich als Mensch‘ weder etwas zu verbergen, noch zu exponieren. Dass das Pseudonym eine solche Vermutung aber nahe legt, verdeutlicht letztlich, was für alle Namen gilt: Sie sind stets mehr als nur simple Zuordnung.

Inwiefern benutzt ihr das Internet nicht nur als Plattform, sondern integriert es auch in eure Arbeit?

Die Integration ist ein guter Punkt: Gerade hier liegt vielleicht der zentrale Aspekt einer produktiven Begegnung von Literatur und Internet – ein Potential, das es größtenteils noch auszuschöpfen gilt. Denn man kann das Internet ja nicht nur als Plattform, sondern auch als Medium für lyrische Verfahren nutzen. Zwei kleine Beispiele: Erstens lässt sich etwa durch Hyperlinks die Grenze des traditionellen Text-Begriffs hin zu einem verwobeneren Gefüge überschreiten: betrachten sie die fauna im taunus. Zweitens hat das Internet die Formen der Wissensgenerierung und -sicherung verändert. Diesbezüglich liege ich gerade mit Wikipedia im Clinch. Nachdem ich immer wieder so großartiges Wissen von dort wie etwa der kranich ist ein vertreter aus der familie der kraniche lyrisch verarbeitet habe, hatte ich nun das Vorhaben, eine Wortschöpfung aus einem neueren Text durch einen selbst verfassten Wikipedia-Artikel „real“ und „wahr“ werden zu lassen. Zwar scheitere ich zurzeit am Fake-Filter, aber es wird sich schon noch eine Möglichkeit finden lassen, ihn mit ebenfalls fingierten Quellen zu umgehen.

Würdest du die digitale Poesie und den Umgang und die Integration des Internets als eine Ausprägung spezifisch ‚junger‘ Schriftsteller sehen?

Als Gegenstand der Thematisierung wohl schon. Wenn es aber um die angesprochenen Verfahren und Funktionsweisen des Internets geht, ist es, glaube ich, altersunabhängig eher generell experimentelle Lyrik, für die sich eine Arbeit mit dem Internet anbietet. So arbeitet ja z.B. Ulf Stolterfoht, den ich zwar noch nicht als alt, aber auch nicht mehr als jung bezeichnen würde, seit Jüngstem täglich an einem „Systemgedicht“ im Internet (siehe Link unten).

Was sind deiner Meinung nach die lohnenswertesten, interessantesten oder informativsten Internetseiten, was Literatur angeht?

Ich kann zwar kompetent nur für Lyrik sprechen, verweise da aber unumwunden auf das noch neue Blog-Gefüge BRUETERICH TM, in dem sich tägliche Dosen antisemantischer Impulse, eine Online-Zeitschrift, alter Körper – geladen mit Hass u.v.m. verweben. Ansonsten lässt sich der Tag wunderbar auf Lyrikline, dem Poetenladen, Lyrikkritik, Lyrikzeitung usw. usf. vertreiben. Zudem gibt’s ja ohnehin alle Infos auf uschtrin.de, und wenn dann noch Leute wie ihr dazu kommen, die ihren Blog nicht nur zur Promo, sondern auch für Inhaltliches nutzen, lohnt sich das Surfen umso mehr.

Vielen Dank für das Gespräch und bis hoffentlich bald wieder bei KREUZWORT.