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KREUZWORT am 9.12. mit crauss., Jan Skudlarek und Chloe Zeegen

4 Dez

Immerhin: Es hat noch nicht geschneit und Berlin fröstelt nur gräu(s)lich vor sich hin, statt im Schneewasserdreckmatsch zu ersaufen. Das sind doch, den Umständen entsprechend, gute Nachrichten. Und es ist mal wieder Kreuzwort, was für euch – da lass ich nichts anderes gelten – umstandslos gute Nachrichten sind. Diesmal freuen wir uns auf drei bekannte Gesichter. crauss. hatte bereits vor einiger Zeit bei uns gelesen und damals schon Jan Skudlarek im Schlepptau. Der allerdings ist ja schon vorher und nachher immer schon unser liebster Stammgast (sorry an alle anderen!) gewesen. Jan beziehungsweise der Arbeit des famosen STILL-Magazins, in deren Redaktion er sitzt (obwohl die, so vermuten wir, eher im Liegen arbeiten), haben wir es auch zu verdanken, dass wir auf Chloe Zeegen aufmerksam wurden. Sie las im Juni bei uns und ist nun mit einer anderen Geschichte aus ihrem soeben bei mikrotext erschienenen eBook I love myself ok? dabei. Jan hat auch vor Kurzem sein Debüt vorgelegt: elektrosmog ist kürzlich bei luxbooks veröffentlicht worden und kann bei uns vom Büchertisch weggegrabbelt werden. Und crauss.? Der hat doch mindestens fünf neue Bücher in die Diskurssuppe gespuckt, seitdem er vor anderthalb Jahren bei uns eine Lakritzvergiftung erlitt. Schönheit des Wassers zum Beispiel, im stets verlässlichen Verlagshaus J. Frank.

Also, wen von den Dreien sollten wir nun ins Rampenlicht rücken? Wie immer: Alle. Vor allem aber den Spaß. Das ist der Vierte im Bunde. Er kommt gegen 20h pünktlich zum Einlass in den Damensalon in der Reuterstraße 39 (leicht zu erreichen von der U Hermannplatz oder der U Schönleinstraße) und trinkt dort ein paar Gin Basil Smash, bis um 21h, wenn die Lesung beginnt. Neben dem Schnapsbudget hat er natürlich auch die 3€ Eintritt einstecken. Ist ja ein smoother Bursch, dieser Spaß. Ihr solltet ihn kennenlernen, ernsthaft. Und nebenbei natürlich noch einer schönen, abwechslungsreichen Lesung beiwohnen, die euch mit viel Feel-Good-Molekülen den Solar Plexus wärmen und den Grauschleier von der Stadt reißen wird. Versprochen.

P5307795-(Crauss-2013)locrauss., *1971 in Siegen / D, lebt dort. Literaturstudium, Dozent für Kreatives Schreiben, Museumstänzer, Werbetexter, Postsortierer. Mitglied verschiedener Literaturgruppen; ausgezeichnet mit Stipendien und Literaturpreisen. Letzte Veröffentlichungen: MOTORRADHELD (prosa, 2009), LAKRITZVERGIFTUNG (juicy transversions, 2011) und SCHÖNHEIT DES WASSERS (gedichte, 2013). Mehr auf www.crauss.de

crauss trance

1427851Jan Skudlarek, geboren 1986, wohnhaft in Berlin. Sein Gedichtband »elektrosmog« erschien vor Kurzem bei Luxbooks. Als Kreuzwortstammgast freut er sich, sein Buch vorstellen zu dürfen.

herrenlosigkeit Chloe Zeegen, born 1980 in the United Kingdom, gave up a successful career in arts management in London to move to Berlin in early 2012 and focus on her work as an artist and writer. Her writing is published online and has recently appeared in the debut issue of STILL magazine for young literature and photography. Her first ebook I love myself ok? was recently published by mikrotext.

Excerpt from Bierpinsel and Fuck Trauma

It’s called the Bierpinsel and I didn’t know it was in Steglitz until I moved there but I would have moved here if I’d known it was here so it’s a good job I moved there. Isn’t it? Isn’t it. Say it so I can hear you. I can see it from my flat and I can see it when I walk down the street and I can see it when I come in from the snow. Did you hear the one about the man who went into the field and it was snowing and there was all that stuff about stolen money?

Some people preferred it before it was repainted but I like it now that it’s all dolled up. When I’m far away from it, I can see it’s frightening but when I’m close to it, it charms me into accepting something.

Mit Chloe habe ich mich selbst übrigens mal über den Bierpinsel unterhalten, Nikola Richter von mikrotext hat es mitgeschnitten und das Video gestaltet sich so:

KREUZWORT am 11.11. mit ELZE, KREIPE, SCHULZ & THIES

1 Nov

Wat, schon wieder Kreuzwort? Na gut. Dann legen wir mal los, am närrischen 11.11. diesmal, montäglich wie gewohnt, mit Einlass ab 20h, was einen Beginn um 21h nach sich ziehen wird. Diesmal dabei ein bunter Blumenstrauß von Lyrik mit Carl-Christian Elze, Birgit Kreipe, Kreuzwort-Veteran Tom Schulz und Klaus Johannes Thies. Noch mehr Infos? Na gut: Im Damensalon in der Reuterstraße 39 as usual. Achja, kostet wie immer 3€ Eintritt. Puh, hab ich noch was vergessen? Glaub nicht. Kommt einfach rum, zackig!

 

Carl-Christian Elze, 1974 in Berlin geboren, lebt in Leipzig. Er studierte Biologie und Germanistik, und von 2004-2008 am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Er schreibt Gedichte, Prosa, Drehbücher und Libretti. Zahlreiche Einzelveröffentlichungen und Beiträge in Literaturzeitschriften und Anthologien wie EDIT, Bella Triste, Lyrik von Jetzt 2, Jahrbuch der Lyrik. Sein letzter Gedichtband „ich lebe in einem wasserturm am meer, was albern ist“ erschien 2013 im luxbooks-Verlag. Für seine Gedichte erhielt er u.a. den Lyrik-Debütpreis Poetenladen (2005), das New York-Stipendium des Deutschen Hauses NY und der Max-Kade-Foundation (2010), und den Lyrikpreis München (2010). Seit 2011 betreibt Elze zusammen mit Janin Wölke, Udo Grashoff, Mario Salazar und Thorsten Frey die Lesereihe niemerlang in Berlin und Leipzig.

 

ich habe fickende fliegen im kopf, ich habe so viele
fickende fliegen im kopf, alles brummt & legt kleine eier.
ich habe dinge zu regeln, wenn ich wieder im haus bin.
wie kann es sein, dass fickende fliegen in mich geraten?
das system muss offen sein. wie liebestoll ist dieses system?
& wenn es offen ist, kann ich mit dem kleinen finger hinein?
& reicht es aus, wenn ich nur einer einzigen fickenden fliege,
während sie fickt, mit dem kleinen finger übers rückenfell fahre
dass es knistert, um selber glücklich zu sein?, weil fickende fliegen
glücklich sind, so steht es geschrieben, & alles glück abstrahlt –

aus:  ich lebe in einem wasserturm am meer, was albern ist. Gedichte. luxbooks, Wiesbaden 2013.

 

Birgit Kreipe, geb. in Hildesheim. Kindheit & Jugend auf dem Land. Studium der  Psychologie und Germanistik in Marburg, Wien und Göttingen, lebt in Berlin. Kurzprosa und Gedichte sind in vielen Zeitschriften und Anthologien erschienen (zuletzt in erostepost, ostragehege, randnummer, lichtungen, zeitzoo; Anthologien:  Die Schönheit ein deutliches Rauschen und Schneegedichte. beide hrsg. von Ron Winkler; Im Heiligkeitsgedränge, Verlag Lettretage, 2011;  Jahrbuch Lyrik 2011, 2013,)

Im Frühjahr 2012 erschien „schönheitsfarm“ im Verlagshaus J. Frank, Berlin

 

nachts rücken die scheunen zusammen, werden zahm

I

hier, wo die blauen luftschiffe aufsteigen
wie soda, war mein acker. unter dem grün
das feld, wo wir licht anbauten
in den jahren des zusammenhaltes
gussmodeln: hier liebesformate
dort kühlpackungen für die verwundeten.
das licht kitzelt noch, wie ein schwarm, auch wenn
das wurzelwerk lange erloschen ist.
bäume, ihr wispern, wie muhmen:
da bist du ja, mein stiefelmädchen
gerstenfeld, mondgesicht, endlich zuhaus!
wir werden leben wie ein orchester, zusammen!
wo die apparaturen erblinden
zischeln vier winde. ich will nicht
ins trudeln geraten, die balance
die blauen luftschiffe, sie gehören zu mir.

 

Tom Schulz, geboren 1970 in der Oberlausitz, aufgewachsen in Ostberlin. Lebt  als freier Autor und Herausgeber in Berlin. Dozent für Kreatives Schreiben. Leitet seit 2011 die Schreibwerkstatt „open poems“ an der Literaturwerkstatt Berlin.

Zuletzt erschienen: Innere Musik. Gedichte. Berlin Verlag, 2012. Kanon vor dem Verschwinden. Gedichte. Berlin Verlag, 2009. Im Frühjahr 2014 erscheint bei Hanser Berlin (zusammen mit Björn Kuhligk): Wir sind jetzt hier. Neue Wanderungen durch die Mark Brandenburg.

Herausgeber der Anthologie: Alles außer Tiernahrung – Neue Politische Gedichte. Rotbuch Verlag, 2009. Und der Liebesgedichte – von Nicolas Born. Insel Verlag 2011. Mitherausgeber der Anthologie „Trakl und wir – Fünfzig Blicke in einen Opal.“ Stiftung Lyrik-Kabinett, 2014.

Preise und Stipendien u.a.: Bayerischer Kunstförderpreis für Literatur, 2010. Aufenthaltsstipendium der Villa Decius in Krakau, 2010.  Aufenthaltsstipendium des Künstlerhofs Schreyahn, 2012. Aufenthaltsstipendium des Heinrich-Heine-Hauses in Lüneburg, 2012-13 . Berliner Senatsstipendium, 2013. Kunstpreis Literatur der Lotto-Stiftung Brandenburg, 2013.

Aus der Lichtuniversität

 

Nur eine Zeile. Lyon. Only the young die young. Traf mich ein Sonnenstrahl. Sanft

und warm. Über den Platz ging ein Mann. Dann eine Frau. In den Bäumen weder

Blätter noch Reif. Weder die Knospe. Noch eine Hostie. Nur das Licht. Lumiere.

Leicht zu denken. Auch dies. Der Clochard war aus Gras. Wir rauchten zusammen.

Bis auf den Filter. Spazierten am Fluss. Die Wege, mit dem Meer verbunden. Auf

eine unbekannte Weise. Wie Tiefgaragensümpfe. Stell dir vor: brennende Ebenen. Dazwischen wir: Äffchen. Schaukeln inmitten der Verkehrsinseln. Versteh mich nicht falsch. Nur eine Zeile. Was du denkst oder isst, gehört dir. Das Brötchen im Pralinen-mantel. Diese Referenz: an eine leere Mitte. Hinterlässt keinen Diskurs. Pralinen-brötchen. Gefüllt mit nichts. Außer süßem Teig. Ein Körper, wenn er aufprallt. Fällt

er weich? Erste Hilfe. Mund zu Nase. Leicht zu verstehen. Auch dies. Der eine

Garten heißt Gabriel Faure. Dieses Haus. Ein Gebäudeteil davon. Die Nocturnes.

Hören sich an am Tag. In der Nacht. Schwingen die Brücken noch? Versteh mich

nicht falsch. Mein Kopf badet in der Sonne. Ich bestehe fast nur aus Wasser.

Wenn ich einen Gedanken fasse, gluckert es. Als wäre etwas im Fluss. Als fädelten

wir uns durch die Passagen wie Kamele in einem Nadelöhr. In den Auslagen

Teufelsrochen. Jemand wie ich tritt in ein Glühlampengeschäft. Spricht die Worte

ungenügend. Oder falsch betont. Verwechselt Bahnhof mit dem Schlafanzug. Tür

und Hafen. Am Geländer hielten wir uns fest. Liefen herüber nach Alt. Lyon. Nur

eine Zeile. Kirchliche Gassen, schmal. Eine Frau ging hindurch. Ein Mann. Dann

die Horde Schulkinder. Stand vor der Kathedrale. Sahen die fehlenden Köpfe nicht.

Die Köpfe der Engel, abgesägt. Etwas gluckert, wird still. Als wir in den Garten aus

Stein gerieten. Beinah stolperten. Die Rückseiten der Häuser ergriffen. Die Rück-

seiten der Daguerreotypien. In sechzehn Bildern pro Sekunde. Wovon zu erzählen

wäre. Die erste Erzählung des Lichts. Wir kauften die Milchbrötchen.

 

Klaus Johannes Thies, aufgewachsen in Bielefeld, ab 1966 in und um Würzburg, seit 1975 in Bremen, seit 2000 auch in Berlin.

Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften: „Manuskripte“, (Heft 124, 143, 164, 183) „Neue Rundschau“, „Akzente“, „neue
deutsche literatur“, „die horen“, „Litfass“, „Der Literaturbote“, „Hirschstraße“,  „Zündschrift“, „Krachkultur“, „Stint“, „Trafika“ (Prag/New York), „Tratti“ (Faenza), „Yang“ (Gent), „entwürfe“(Zürich)…

Bücher: „Was machen wir hier“, Eric van der Wal, Bergen NH (Gedichte) 1984 „Unbedingte Zunahme“, Tende Verlag Frankfurt 1986 (dafür Förderpreis für Bremer Schriftsteller und Stipendium in der Casa Baldi, Olevano Romano) „Schurrmurr“, Achilla Presse Bremen/Hamburg 1996 „Die Dunkelkammer unter dem Rock“, Reclam Leipzig 1998 „Tacchi a spillo sulla tastiera di Monk“, Mobydick, Faenza 2000, (Übersetzer: Giovanni Nadiani) “Uranda Urundi”, (Kurzprosa) 2007 “Zusammenarbeit mit Dritten”, (Kurzprosa) 2009

Hörspiele: „Kalte Füße“ „Bilder, Schritte, Anfänge“ (drei kleine Phantasien) 1999 (beide von Radio Bremen produziert)

Fernsehen: Portrait von Christel Körner, produziert vom swr

 

EIN PHOTO AUS EINEM ANDEREN JAHRHUNDERT

Heute morgen bin ich versehentlich in einem anderen Jahrhundert erschienen.
Ohne fremde Hilfe konnte ich keine der Personen identifizieren,
die da in meiner Wohnung herum gingen.
Und dann die Musiker dazwischen.
Offensichtlich war ich in ein Familienfest meiner Vorfahren hineingeraten.
In den Gesichtern erkannte ich die großen Hoffnungen, die, wie Fallschirme,
nie aufgegangen waren, und dann die Veteranen, die soviel Angst und
Schrecken verbreitet haben;
jetzt saßen sie, wie in einem Linienbus, hintereinander
und konnten kaum die Abfahrt zum Sennefriedhof I erwarten,
saßen nach dem Essen da, in sich versunken,
als würde sie eine Lampe von innen schwach wie Hustensaft beleuchten,
und die Kinder liefen um sie herum, wie um Eisberge, von denen nur noch die
ausgemergelten Knie zu sehen waren.
Sah mich nicht in der Lage, die zwanzig, dreißig Jahre zu überspringen,
die ich anscheinend verpasst hatte, fortwährend mit feuchten Augen anwesend,
und eben wegen der feuchten Augen vielleicht nur die Hälfte sah,
und dann unterspülten die Musikanten das, was mich im Innersten
zusammenhielt, mit ihrer rumänisch klingenden Musik.

Lesung Weltklang 2014 a.k.a. KREUZTORP am 14.10. mit RAMMSTEDT, SCHOCH und WINKLER

5 Okt

Hä, Weltklang? 2014? Nein, keine Sorge, so sehr haben wir uns während der Kreuzwort-Auszeit nicht das Hirn aufgeweicht. Obwohl, doch, ein bisschen vielleicht. So oder so: Wir stehen ja zu unseren Wörtern, deswegen kriegt der prachtvolle Ron Winkler auch das, was ich ihm mal auf Facebook versprach:

Ron Winkler Torp

Und deswegen heißt unsere Comeback-Veranstaltung jetzt eben Weltklang 2014. Klar? Es trifft sich natürlich schön, dass besagter Torp natürlich auch dabei sein und eventuell sogar prügeln wird. Keine Sorge, dabei handelt es sich nicht um das Wettspielportal TORP – Tennis Online Rheinland-Pfalz, sondern um diesen munteren Burschen. Jetzt mit noch mehr neuen Wimpern. Und nicht nur das Törpchen wird Ron bei der inoffiziellen Buchpremiere slash 3-Jahre-Kreuzwort-Sause begleiten, sondern auch Tilman Rammstedt und Julia Schoch, die sich ebenfalls am 14. Oktober bei uns die Ehre geben werden. Äh, wo noch mal? Achja, im Damensalon in der Reuterstraße 39 (Nähe U Hermannplatz oder Schönleinstraße). Und wie war das noch mal, wann fangen wir für gewöhnlich an? Achja, um 20h beginnt der Einlass und ab 21h geht es dann pünktlich mit der Lesung los. Die 3€ Eintrittsmoney solltet ihr zu allem Überfluss nicht vergessen und ruhig noch etwas mehr einstecken, denn schließlich habt ihr sicherlich seit Ewigkeiten keinen Gin Basil Smash mehr getrunken und solltet dementsprechend einiges nachholen. Wir machen auch mit, versprochen.

 

Tilman Rammstedt wurde 1975 in Bielefeld geboren und lebt in Berlin. Er studierte eine ganze Reihe von Dingen in Edinburgh, Tübingen und Berlin. Statt einer Magisterarbeit schrieb er aber sein erstes Buch.

Julia Schoch, 1974 in Bad Saarow geboren, aufgewachsen in Mecklenburg. Lebt in Potsdam. Studium der Germanistik und Romanistik. Sie veröffentlichte im Piper-Verlag Der Körper des Salamanders (2001), Verabredungen mit Mattok (2004). Ihr Roman Mit der Geschwindigkeit des Sommers (2009) war für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert. Zuletzt erschien Selbstporträt mit Bonaparte. Sie erhielt u.a. den Preis der Jury beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb und den André-Gide-Preis für Literaturübersetzungen.

aus: Steltz & Brezoianu – Ein Mosaik für Leidenschaftliche, 2007

 

Berlin/ Belém (via Frankfurt a.M. und Brasilia)

Brezoianu brachte Steltz, die zu einer weiten Reise aufbrach, zum Flughafen. Bevor sie durch die Paßkontrolle davonging, verabschiedete er sich von ihr: Ich liebe dich.

Wie sonderbar, daß du diesen Satz noch nie bei meiner Ankunft gesagt hast, erwiderte Steltz und strich nachdenklich über Brezoianus breite Koteletten.

Ron Winkler, 1973 im Bezirk Gera geboren und aufgewachsen mit Blick auf fremde Äpfelbäume und einen Bergsturz. Sechsjährige Ausbildung zum Judoka, sporadische Teilnahme an der Schülerakademie (»Tarnung, Warnung und Signal: Die Farben der Tiere«) und mit einsetzender Adoleszenz Engagement in den FKR Literatur und Sozialistische Landesgestaltung (Pflege eines Orchideeotops). Diverse Besuche der Großeltern mittels eines Ikarus 66. Ungesühnte Straftaten: Inbrandsetzung einer Mülldeponie (Zetti-Süßwaren-Tüten-Fehldrucke, Chemikalien, künstliche Nieren, Hausmüll).
Ron Winkler hat eine Leerstelle für Torp und widmet sich neuerdings der sinnlichen Katzendokumentation.

Jetzt draußen: Prachtvolle Mitternacht (Schöffling & Co.) sowie Torp. Neue Wimpern.

Torp war in eine Familie Torp hineingeboren worden. Sein Vater war lange Zeit dritter stellvertretender Direktor beim Zirkus Horoscopani. Sein Vater hatte schon als junger Mann den Fujimanjaro bestiegen. Sein Vater hatte Brauen groß wie die Raupen des Tagpfauenauges. Sein Vater litt an chthonischem Husten. Sein Vater hatte auf Schaukeln wippen können. Sein Vater fand die Nanosekunde schön. Sein Vater vermochte die jeweilige Stunde
am Klang der Stadt zu erkennen. Seine Mutter aber war etwas Besonderes.

Kreuzwort am 11.03.: MADER, MAGYAR, NEIDEL

4 Mrz

Wir haben uns ja schon seit jeher gern den Mantel der Unprofessionalität übergezogen (er ist warm und innen gefüttert und lässt alle Kritik abperlen), mittlerweile struggeln wir allerdings noch härter damit, mit KREUZWORT irgendwas auf die Beine zu stellen. Wir haben ja Jobs, gehen zur Uni und haben noch mehr Jobs. Und nebenbei bringt Carolin zum Beispiel auch ein Buch heraus, das aus einer ehemaligen außerbetrieb-Veranstaltung erwachsen ist. Hier geht’s zur Facebook-Seite mit aktuellen Infos und Veranstaltungshinweisen. Momentan ist es leider noch nicht bei Amazon gelistet, deswegen müsst ihr die ISBN-Nummer auf anderem Wege herausfinden, um sie daraufhin dem_der Buchhändler_in in eurer Nähe zu diktieren. So wie das eben sein sollte.

Aber ich lass mich davontreiben, eigentlich geht’s darum: Dass wir’s trotz aller Widrigkeiten, Vergesslichkeiten (sorry wegen all der un- oder zu spät beantworteten e-Mails!), Panikattacken und Alltagsjongleurismus geschafft haben, mit Babet MaderTabea Xenia Magyar und Peggy Neidel auszumachen, dass sie am 11. März bei uns lesen werden. Ab 20h sind wir anwesend und ein paar Viertelstunden (gemeinhein pünktlich um 21h, wobei pünktlich wirklich pünktlich und nicht punk-lich heißt) später geht’s auch los. Also kommt, bringt 3€ und Leidenschaft in den Damensalon (Reuterstraße 39).

Babet Mader, geboren und aufgewachsen in Berlin. Studium am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Davor arbeitete sie als Putzkraft im Krankenhaus, Verkäuferin (so gut wie alles), Barkraft (so gut wie überall), Kaffeetante, Model, Einpackhilfe, Call Center-Agentin, Zigaretten-Promoterin, Komparsin, Texterin, Babysitterin, Fotoassistentin und Buchhalterin. Eigentlich wollte sie Floristin werden. Theaterstücke, Kurzfilme, Gedichte, Erzählungen.

 

Tabea Xenia Magyar, geboren 1988 in Zürich. Seit 2012 lebt und arbeitet sie in Berlin. Sie ist Mitglied des Berliner Lyrikkollektivs G13. Letzte Publikation: 40% paradies. gedichte der lyrikgruppe G13 (bei luxbooks 2012). 2012 war sie Autorin und Performerin beim Projekt „Bewegungsschreiber“, das Dichtung und Tanz zusammenbringt.

nur kurz ausgetreten. fiel der park
ins gesicht, wollte schneiden.
wusste nicht was, aber schnitt.

die schnitte fielen
wie unreife pflaumen.
niemand sammelte
die schmerzenden stellen ein.

wuchsen in die gegend
wie die gegend ins gesicht
gewachsen war, bildeten pfützen
und dann seen aus.

vögel stürzten in die seen
und starben, stürzten
einfach hinein und warn tot.

Peggy Neidel, geboren in Zwickau. Studium der Germanistik und Neueren Geschichte in Düssel­dorf. Mit­be­gründerin des Literaturclub Düssel­dorf. Weitere Tätig­keiten als Veran­stal­terin, Dozentin für krea­tives Schreiben und freie Journalistin. Veröffentlichungen von Prosa und Lyrik in Zei­tungen und Literatur­magazinen, u.a. Ostragehege, Perspektive, poet, Metrópolis.

qualle

während ich am zugefrorenen kanal spaziere
erscheint vor mir ein hologramm
in gestalt meiner angst
eine wirbellose qualle
ich speichle die nachahmung davon in die luft
das tier fliegt zu boden, pulsiert
meine schuhe finden den weg

KREUZWORT am 23.01. mit BOEGE, JACKSON, STALLBAUMER & TEZKAN

17 Jan

Nach einem wunderbaren letzten Kreuzwort-Abend, der uns mit verquollenen Augen, rumpelnden Mägen und zufrieden-besonnenem Lächeln aufwachen ließ, nehmen wir nun frisch und unverkatert Fahrt auf. Am Mittwoch werden wir noch Brigitte Struzyk, Ulrich Koch und Peter Wawerzinek in der Lettrétage belauschen und -gutachten, bevor’s am Freitag wieder eine Portion Kunst gibt. Immerhin: Akute Handlungsbereitschaft im Haus am Lützowplatz. Mark Greif ist nicht dabei, der ist zu dem Zeitpunkt leider in jeder Feuilletonsparte jedes Mediums überhaupt. Dafür haben wir das pfundige Lyriksternchen Manuel „Ramboel Stalldoomer“ Stallbaumer bei uns, der nicht nur mit mir zusammen ein Buch verlosen wird, das wohl niemand haben möchte, nein, er hat einen weiteren alten Bekannten eingepackt: Hakan Tezkan kommt ebenfalls aus Leipzig herüber und liest Prosa. Unterstützung findet die Gattung auch durch Luise Boege. Zudem freuen wir uns, Hendrik Jackson begrüßen zu dürfen und mit ihm Alexej Parschtschikow – jedenfalls textlich, Hendrik liest Übersetzungen von Parschtschikows Lyrik.

Die ganz nüchternen und nackten Daten: 23.01.2012, ab 20h im Damensalon in der Reuterstraße 39 (Nähe U Hermannplatz und/oder Schönleinstraße), 3€ Damage, eventuell ein Buchgewinn. Alles klar?

Übrigens möchten wir an dieser Stelle Nora Bossong zum Peter-Huchel-Preis gratulieren. Wieder einmal zeigt sich: Wer häufig bei Kreuzwort auftaucht, kann nur gewinnen. Weitere Personen, die zukünftig noch gewinnen werden und warum:

Luise Boege, geboren 1985 in Würzburg, lebt und arbeitet in Berlin. Studium am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Veröffentlichungen von Lyrik und Prosa in Anthologien und Zeitschriften, zuletzt Entwürfe und Lichtungen. Auszeichnungen unter anderem Open Mike 2006.

Mein Blick scheint etwas kaputtzumachen an den Dingen, denn ich träumte (nehme ich an) einmal von einem dritten Auge, das über meinem eigentlichen Auge (dem rechten) wuchs, und ich fragte mich, gemeinsam mit den bei mir seienden Menschen (Freunde oder so), ob das Bedeutung habe, oder ob dritte Augen nicht einfach so wüchsen (man hatte schon davon gehört in diesem Kreis, also sowohl von der möglichen Bedeutung dritter Augen als auch der Möglichkeit von Nichtbedeutung dritter Augen), also war beides möglich und berechtigte Annahme. Ich konnte ohnehin nicht mehr als vorher auch schon sehen, obwohl ich ja hätte müssen (mit dem dritten Auge). Das juckte (das Auge, und die anderen waren auch lang schon weggeglitten von dem Gespräch, hin zu etwas, das ich, traumüblich, nicht ansehen konnte, etwas, das ich möglicherweise selbst ausstrahlte, ins blinde Zentrum meines Blickfeldes). Seitdem bin ich sensibilisiert für meine eigene Ausdehnung (ich ahne sie).

Hendrik Jackson, geboren 1971 in Düsseldorf. Lebt als freier Autor, Übersetzer und Herausgeber (lyrikkritik.de) in Berlin. Er veröffentlichte die Bändebrausende Bulgen – 95 Thesen über die Flußwasser in der menschlichen Seele, edition per procura 2004, Einflüsterungen von seitlich, Morpheo Verlag 2001, sowie als Übersetzer aus dem Russischen Marina Zwetajewas Poem vom Ende/Neujahrsbrief, edition per procura 2003. Zuletzt erschienen der Gedichtband Dunkelströme, kookbooks 2006, und der Essayband Im Innern der zerbrechenden Schale. Poetik und Pastichen, kookbooks 2007. Hendrik Jacksons Gedichte wurden unter anderem mit dem Rolf-Dieter-Brinkmann-Stipendium 2002, dem Wolfgang-Weyrauch-Förderpreis 2005, dem Hans-Erich-Nossack-Förderpreis 2006 und dem Friedrich-Hölderlin-Förderpreis 2008 ausgezeichnet. Vor Kurzem erschien im Merve Verlag Helm aus Phlox. Zur Theorie des schlechtesten Werkzeugs zusammen mit Ann Cotten, Daniel Falb, Steffen Popp und Monika Rinck.

Hendrik wird Gedichte von Alexej Parschtschikow lesen, die er aus dem Russischen übersetzt hat. Erschienen sind sie im Band Erdöl bei kookbooks.

Das liest sich dann so:

Igel

Igel: ein dunkler Prophet, der die Wurzel des Himmels zieht,

dessen Nadelbett den Leib Sebastians durchspießt.

 

Sein Rücken: eine Vielheit, geschöpft wie durch ein Sieb,

und der doch in sich, ganz, abgesondert blieb.

 

Zisch ihn an – er  erlischt, gleichsam durchbohrt. Trollt

sich fort. Pass auf, daß er nicht in den Kragen rollt!

 

Der Igel – ein Schlosserutensil; Tölpel, der einen Twist hinlegt.

Abfallkorb an der Haltestelle, von einer Schneewächte verdeckt.

 

Bei Frauen stehen seine Nadeln still, wie in Futteralen.

Verträumten Männern wird er das Kinn zermahlen.

 

Das Verschwinden des Igels – ein trockener Auspuffknall.

Auferstanden? –Dann schüttel dich aus! Nadeln überall!

 

Manuel Stallbaumer, geboren 1990. Aufgewachsen und unter pompösen Umständen größtenteils erwachsen geworden in Aidlingen. Studiert seit 2009 am Literaturinstitut in Leipzig, veröffentlicht hin und wieder Gedichte. Top: War 2011 für den Open Mike nominiert. Flop: Hat nicht gewonnen.

-1wodkatampons als kleinster gemeinsamer nenner
meiner generation. zum zeitpunkt des versagens
der actimelabwehrkräfte trafen wir uns zum

abarbeiten an der ödnis / an molekülgeschwadern
penibel genaue verortung im irgendwo der felder
und als hauptattraktion: german angst wo einer stand
auf dem geländer eines stegs an
einem künstlich angelegten see
und sprang / ich hinterher

(unnötig anzumerken: ’s war august
der vierundzwanzigste oder so vor uns
eine noch zu erbauende vorstadt mit
getthoprädestination)

hakan tezkan, geboren 1989, seit 2009 studium am deutschen literaturinstitut leipzig, ein paar veröffentlichungen.

Die Mutter und der Vater saßen bereits am Tisch und warteten. Darauf zu sehen: in der Mitte ein Glaskrug gefüllt mit Wasser, darum herum Schalen, aus denen es dampfte, außerdem Teller, Besteck, Servietten. M stand am Fenster und fuhr mit den Fingern über die Scheibe, zeichnete die Konturen der Geräte auf dem Spielplatz nach: bunte Klettergerüste, Rutschen, Wippen, ein Sandkasten. Es hatte geregnet, im Sandkasten lagen aufgeweichte Bieretikette und anderes Papier. Die Eltern unterhielten sich darüber, über den Regen, die Sonne, die sich nicht blicken ließ, über das Wetter allgemein; darüber konnte man immer sprechen. M verließ jetzt den Raum, man hörte Türen sich öffnen und schließen, Rascheln, Schritte, dann wieder Türen, kam zurück. Ob er sich nicht setzen wolle, sagten die Eltern dann. Das mache sie ganz nervös, dass er in der Wohnung umher laufe wie ein Streuner. Er setzte sich. Kurz darauf fing er an, mit den Füßen zu wippen, der Tisch zitterte, man hörte das Besteck auf der weißen Tischdecke, auf dem Holz, man hörte es dort ganz deutlich zittern und die Mutter und der Vater schauten M an, sagten erst nichts, schauten ihn bloß an, als würde er wissen, was sie damit meinten; und er wusste auch, was sie meinten, er reagierte bloß nicht. Er solle damit aufhören, sagte der Vater schließlich. M ließ die Beine sofort still und stand auf, stellte sich wieder ans Fenster. Ein Hund pinkelte gerade in den Sandkasten, sein Herrchen war nicht zu sehen. In einer der Wohnungen gegenüber ging das Licht an, man sah einen Schatten hinterm Vorhang auftauchen/abtauchen. Die Mutter strich sich ihren Pulloverärmel hoch und guckte auf ihre Uhr. Wiederholte das kurze Zeit danach wieder. Fragte dann, ob W später komme, ob er etwas gesagt habe. Nein, sagte M, und weiter: der wird schon gleich auftauchen. Er könne sich ja schonmal die Hände waschen, sagte die Mutter und M verließ also das Zimmer, ging ins Bad, drehte den Wasserhahn auf. Er hielt seine Hände nicht darunter, betrachtete sich bloß im Spiegel und machte Grimassen, über die er versuchte zu lachen, er lachte aber nicht. Dann drehte er den Hahn zu und ging zurück ins Esszimmer. Er kehrte den Eltern den Rücken und betrachtete die Wand, die Raufasertapete, die er an einigen Stellen schon abgekratzt hatte, über die seine Eltern immer wieder hatten streichen müssen. Man sah die übertrieben weißen Flecken, wenn man genau hinsah, sie waren dann deutlich zu erkennen.

Kreuzwort am 09.01. mit M. NATT, L. WESTHEUSER, G. GRANDERATH und D. FALB

3 Jan

Reißerische, überironische Späße über Jahresanfang wären an dieser Stelle genauso lahm wie Träne-im-Knopfloch-Lobhudeleien darüber, dass wir’s ohne euch niemals ins dritte Jahr geschafft hätten, welche Erfolge wir für uns verbuchen konnten und was wir noch so vorhaben. Eigentlich haben wir auch nicht so viel vor, wir lassen ja machen. Der Damensalon in der Reuterstraße 39 wird am 09. Januar seine Tür öffnen, die ihr ab 20h aufdrücken könnt, um uns 3€ Eintritt in die Wurstfinger zu stecken. Dann lesen Maria Natt, Linus Westheuser, Greta Granderath und Daniel Falb Texte vor, die nicht mal wir geschrieben haben – die machen das noch selbst. Man kann nicht mal sagen, wir hätten uns überflüssig gemacht, vielleicht waren wir einfach nie wichtig. Wer allerdings im Jahr 1 nach Occupy noch für Aktivismus und Partizipation ist, der kann ja kommen und ganz angestrengt und konzentriert zuhören, Bier trinken oder kickern. Das machen wir dann immerhin auch, das eine von mehr Erfolg gekrönt als das andere. Ratet mal.

Maria Natt, geboren 1988 in Oldenburg. Lebt, liest und schreibt in Berlin, seit 2009 Mitglied der G13. Veröffentlicht Lyrik in Kneipen, Zeitschriften und Anthologien, und auf www.gdreizehn.wordpress.com

sommer herbst morgen berlin 16°C
ich sollte rausgehen ein fenster öffnen wenigstens
akzeptieren dass der morgen ein vormittag ist
ich kann mir nicht helfen
könnte mir großes vornehmen
oder die m4 zum hackeschen
ich denke nicht viel in letzter zeit
ausser durch den regen zu gehen und ja
ganz unmetaphorisch
ich könnte das haus verlassen
mich abgewöhnen oder ausbaden
ich bin nicht gut im begreifen
das mit den jahreszeiten den tagabständen
die sache mit dem frühstück und ja
ich kann mir nicht helfen
und wenn ich rausgehe dann sind da die bordsteinfugen
und die abstände und die zwischenräume
da wo man hintreten darf
dann kann ich durch den regen gehen
und ganz laut august denken
alle sachen wieder hinstellen und kreuze machen
aber helfen dann doch nicht
vielleicht später oder ja ein andermal

Linus Westheuser, geb. 1989 in Berlin. Studiert Soziologie. Seit 2009 Mitglied der Lyrikgruppe G13. Veröffentlichungen in Zeitschriften und zuletzt in der Anthologie des „Zeitkunst“-Festivals 2011.

freiflächen. sinnloses warten auf serien. abstürzende seerosen.
geleeartig aufmerksamkeit. im hintergrund
hat das wetter angefangen. verschränkte arme
zeigen fragliches an. spannbreit am bauch die hand weiß. wolken.
ich habe das nie verstanden. die enge in anflügen. lungen
wenn ich auf plastikschalen rosen sehe. seerosen, nein?
die augen verkniffen zum eindruck. als brächen nicht ständig
esel ins eis. als kämen zwischen einem
finger und dem nächsten nicht alle flüge zu spät.
das wetter verstaut sich immer wieder neu. ich lauer darauf.
unauffällige bodenlosigkeiten wie wenn man
vom luftraum aus auf eine kette von teichen zeigt.
wichtig ist man weiß wenn einer springt
dann springen die anderen auch.

Greta Granderath, geboren 1985 in Gelsenkirchen (NRW), ist Autorin und Theatermacherin. Sie lebt in Hamburg, wo sie 2010 den Masterstudiengang Performance Studies an der Universität Hamburg abschloss.  Zuvor studierte sie Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft und Theaterwissenschaft an der Freien Universität Berlin. Als Performerin, Dramaturgin oder Autorin war sie an unterschiedlichen Theaterproduktionen beteiligt.

Mit ihren Texten (Lyrik und Prosa) war Greta Granderath u.a. eingeladen zum internationalen Literaturfestival Lit.Cologne und zum Internationalen Poesiefestival Berlin. 2009 las sie in der Endauswahl des 17. Open Mike. 2004 war sie Preisträgerin des Hattinger Förderpreises für junge Literatur.
Ihre Texte wurden in Zeitschriften und Anthologien veröffentlicht, zuletzt in Randnummer 02 (2010) und im Jahrbuch der Lyrik (S. Fischer Verlag, 2009).

 

Stadt der Pelze und Fische

 

ein euphemistischer Hbf (Wandelhalle)
in alle Himmelsrichtungen offen
im Schutz der Kameras entstehen Schlafplätze ex negativo

 

die An- bzw. Abwesenheit von Banknoten
(von Natur aus emergierend)
gleicht einer Symphonie: Mood Media

 

was reimt sich auf Brise? (Flattern)
was ist mittelgroß und schreit im Sturzflug: Meins!
der Sprung über die Elbe (stadtauswärts) als Cliffhanger

 

einer noch nicht gegenfinanzierten Komödie
(super authentische Hafenarbeit)
warum steht eine Blondine an der Werft

 

und wirft Steine ins Wasser? (Post Production)
im Loop: Winteranfang (Weiß auf Weiß)
sagt eine Schneeflocke zur anderen:

 

eine Bordsteinschwalbe macht noch keinen Sommer
Eisschollen schlagen an die größte Flussinsel Europas
Hafengiraffen träumen von Insulanern

 

die sich gegenseitig aufwerten (Bohemian Index)
man unterscheidet in absolute und relative Zeitgeschichte
sagt ein Hamburger zum anderen:

 

was ist prekär und riecht nach Fisch?

 

Daniel Falb, geboren 1977 in Kassel, lebt in Berlin. Studium der Philosophie. Einzelpublikationen: die räumung dieser parks, Gedichte, kookbooks, Berlin 2003; bancor, Gedichte, kookbooks, Berlin 2009; naturezas-mortas sociais – 33 poemas (portugiesisch-deutsch), Sextante Editora, Lissabon 2009. Kürzlich erschienen: Helm aus Phlox. Zur Theorie des schlechtesten Werkzeugs (mit A. Cotten, H. Jackson, S. Popp, M. Rinck), Merve, Berlin 2011. Preise: Preisträger Literaturwettbewerb des „Literaturort Prenzlauer Berg“ 2001; Lyrikdebütpreis des Literarischen Colloquiums Berlin 2005; Stipendiat der Stiftung Niedersachsen 2006

***
die erlegte maschine wird, noch auf der lichtung befindlich, tagelang nicht abgeholt.
der blick auf die ungestellte uhr. kein rudel von beagles nähert sich. denn
sie verströmt keinen geruch. tritt eine so schlechte nachricht ein, wird ein altes foto von mir
rausgesucht, auf dem isch traurig aussehe.
schnitzereien aus ahorn wachsen der maschine dr. alzheimer entgegen, locker im raum,
der spitzabfall eines ganzen bleistifts, die von einem neuen radiergummi
übrig bleibenden krümel, röllchen: wirft man dies in den ganz neuen papierkorb, wird es
unverzüglich rausgeholt und der korb gereinigt.
die in verschiedenen intensitäten von rot eingefärbte karte zeigt nichts bleibendes, sondern,
was sich jetzt bewegt. wie auf nichts,
auf schneebedeckter plane, findet der autoverkehr statt, die ihre bahn
ziehenden autos, unsichtbar auf dem parkplatz.
unsichtbare maschine dr.,
erkennbar allein an den progredierenden schnitzereien, blüten aus ahorn-holz. wollen wir sie
tot oder lebendig? das ist unentscheidbar, denn bewegung
ist leben. an einem windstillen tag lassen wir vier heißluftballons steigen, übermitteln uns
– in luftigen höhen – per handspiegel kurze nachrichten bzw. grüße.

Kreuzwort am 14.11.: crauss. / Breyger / Krämer / Schmid

6 Nov

Wenn man keine Ahnung hat, welchen semi-humoristischen Aufhänger man für den nächsten Blogeintrag zum nächsten Kreuzwort-Abend am 14.11. ab 20h hat, weil denken irgendwie anstrengend ist, dann hilft die wordpress-Statistik weiter: „straßenstrich nähe schönleinstrasse“, so kann man uns über google finden, scheint es. Schön. Statt sex kommen aber eher – Wahnsinnskalauer – text workers zu uns und aus der voyeuristischen bzw. ecouteuristischen (gibt es wirklich, das Wort) Perspektive muss man lediglich 3€ Eintritt hinlegen. Um das zu konkretisieren: Aus der Nähe des Straßenstrichs bzw. der U Schönleinstraße oder aber der U Hermannplatz kommt man ja sehr schnell in die Reuterstraße 39 und somit in den – weitere Wahnsinnspunchline von Wortspiel in 3, 2, 1,… – (Anstands-)Damensalon. Dort warten dann Yevgeniy Breyger – welcher auch am 16.11. in der Lettrétage lesen wird, dort allerdings PROSA, bei uns LYRIK -, Thorsten Krämer mit Prosa, Annina Luzie Schmid und crauss. kommen ebenfalls lyrisch.

In alfabetischer Order:

Breyger, Yevgeni: wurde 1989 in der ukraine geboren, lebt seit 1999 in deutschland. studiert kreatives schreiben an der uni hildesheim. hat mehrere preise und stipendien gewonnen, darunter ein arbeitsstipendium der stiftung niedersachsen und den mit 2000€ dotierten selma-meerbaum-eisinger literaturpreis.hat in zeitschriften und anthologien veröffentlicht, u.a: konzepte, bella triste, poet, wortwuchs.

funker

nimm dein tierpräparat in die hand, hier kannst du
nicht bleiben: geweihe, gewehr aufgehängt. moment,

du zeichnest mich ab. etwas kleines im nacken,
bestimmst du die art, den gehalt? schiene. zurück,

nimm dein tierpräparat, behalts. du faltest einen
doppelten knoten ins bild, ziehst mich auf. schleife

zwischen die hufen, geschenkt. spul an den anfang,
klemm das ding unter die arme, spann es dir ein.

crauss.:

(1971) ist ganz aus dem takt geraten, seit er vom städtischen museum als gogo-tänzer engagiert wurde. tingelt seitdem durch verschiedene textspelunken und legt sich, wenn er genug getrunken oder eine lakritzvergiftung hat, mit motorradhelden an. bücher, burschen, bilder und brandaktuelles auf www.crauss.de

(c) marvellous

Hier wird erkenntlich dass cräuss.sche Texte mehr Fäden haben als dieser Blogeintrag, dort bekommt man eine utopische/dystopische (man weiß es nicht) Zukunfts- oder Vergangenheitsvision zu Florians in Berlin, die vielleicht am 14. eintrefen wird oder Teil der Vergangenheit gewesen sein könnte. Kurz: Klicken & crauss. lesen!

Krämer, Thorsten: geboren 1971, lebt in Köln. 1998 erschien sein erstes Buch, „Ich heiße Hal Hartley“, seit diesem Sommer ist das fünfte erhältlich: „Der graue Cardigan“. Daneben zahlreiche Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien sowie Arbeiten für Radio und Fernsehen.

Ab Januar 2012 startet die Reihe krämer’s monthly mit jeweils einem Band pro Monat. www.thorstenkraemer.de

Aus „Der graue Cardigan“:

Meistens bin ich es, der das Besteck vom Frühstück in die Spülmaschine räumt. Aber nicht direkt. Vom Tisch wandert es zunächst in die Spüle, entgegen aller Weisheit in Sachen Organisation und Prozesse. Die besagt, dass man einen Gegenstand nicht öfter als notwendig in die Hand nehmen soll. Es ist schlicht ineffizient, das schmutzige Besteck erst einmal in die Spüle zu legen und dann, vielleicht eine halbe Stunde später, von der Spüle in die Spülmaschine zu befördern. In Wahrheit ist diese Handlungsweise natürlich nicht nach den Kriterien der Wirtschaftlichkeit ausgerichtet, vielmehr steht die Kommunikation im Vordergrund. Das schmutzige Besteck in der Spüle ist ein Angebot zur Teilhabe, ich biete ihr damit die Möglichkeit, ihrerseits aktiv zu werden. Ich lege das Besteck in die Spüle, sie räumt es von dort in die Spülmaschine. Auf diese Weise sind wir beide beteiligt, das Besteck verbindet uns. Das ist ein schöner Gedanke, finde ich, aber in der Praxis funktioniert das leider nicht so gut. Entweder ignoriert sie das Besteck in der Spüle einfach, oder sie fragt mich, warum ich es nicht gleich in die Spüle geräumt habe. Auf diese Frage aber antworte ich nicht, sie muss schon selbst dahinter kommen. Wenn man genau hinhörte, könnte man sogar einen leicht vorwurfsvollen Unterton in ihrer Stimme heraushören, aber ich bin meistens zu unkonzentriert, um so genau auf jede Nuance ihrer Stimme zu achten.

Schmid, Annina Luzie: Bloggerin, Social Media Beraterin, freie Autorin. Urheberin des GIRLS CAN BLOG Projektes (seit 2010) und des Litblogs Words On A Watch (seit 2007). Veröffentlicht in diversen Print- und Online-Magazinen. Geboren in Zürich im Jahr 1983, derzeit wohnhaft in Berlin.
www.anninaluzieschmid.net und http://wordsonawatch.blogspot.com/

ich in tüll laken lackkleid nag am fensterrahmen bricht licht in triangelstrahlen staub wendet sich blendet und ich urban es urbakterium will unter wasser ober flächen molekül sein mir von dir mit spitzen lippen zeigen lassen wie die fische machen algen mähen zwischen heiligen korallen mit dir fieberpirouetten drehen in tiefsee kissengraben sinken auferstehen als dampf noch einmal durch die nacht als regen wieder niedergehen…