Tag Archives: Georg Leß

KREUZWORT am 21. Oktober mit LESS, REICH, SCHULTENS und STEINBUCH (kein Scherz, machen wir echt)

14 Okt

Das Tolle am Nie-Geld-Verdient-Haben ist ja, dass dir niemals niemand vorwerfen kann, du habest dich ausverkauft. Was ihr uns jetzt allerdings vorwerfen könntet: Nostalgie. Ist uns aber wumpe, wir leben doch nicht nach eurem kleingeistigen Zeitdiktat. Sondern ständig und überall, querwärts und überhaupt zu viel. Deswegen: Wir schmeißen mal wieder eine Lesung. Einfach weilwegen.

Ende 2013 war Schluss, mit einem Nebensatz und einem powered-by-Kate-Blogeintrag, der sich viel um Pasta mit Tomatensauce drehte. Danach haben weder Carolin noch ich so wirklich runtergeschraubt, wie das eigentlich der Plan war, sondern sind durch ein Chaos nach dem nächsten gesurft. Egal, interessiert euch nicht und selbst uns nicht so sehr.
 

Zumal wir ja ständige Vertretung erhalten haben. Von Kids, die das cooler deichseln als wir. Wir konnten uns als beruhigt schneckenhäuseln und uns die Plautze streicheln (jeweils, nicht gegenseitig – um hier eventuellen Gerüchten oder meinetwegen auch Gerüchen vorzubeugen). Mehr als Paste mit Tomatensauce war allerdings kaum drin, allein schon weil ich ein sehr einfallsloser Mensch bin. Habe aber zwischenzeitlich Zucchini für mich entdeckt, es ist romantisch.

Jedenfalls: War gut, war prima. Aber dann? Sehnsucht? Wiederaufquellende Leidenschaft? Neugeschöpfter Idealismus? Doch finanziöse Gefühle?

Nee, Bier.
 
Irgendwann im September schmiss ich Platten auf Teller und Carolin war dabei und wir beide voll mit Bier und dann voll so:
EY WÄR DOCH WITZIG WENN WIR
JA HAHA EIGENTLICH SCHON NE
NE
JA NE
JA DANN LASS DOCH MACHEN
HAHA OKAY NE
NE IST DOCH COOL
JA NE
BOAH COOL NE
JA NE EH
LASS NOCH MALN BIER DRAUF
JAU GERNE DIGGA
COOL DIGGI
(Gedächtnisprotokoll)
Dann, nach einer nüchternen und professionösen Strategieplanung via Facebook-Chat inkl. bunten .gif-Stickern (der mit dem Hund, der dem anderen Hund am Hintern riecht ist megasweet – Analgesicht nennt sich das übrigens in der Fachsprache), stand das Datum fest: 27. September, quasi also fünfter Geburtstag.
Weil der erste Termin am auch am 27. September war, nur fünf Jahre vorher. Gebt zu, das ergibt frappierend viel Sinn, ne?
Nach ein bisschen Rumdoodelei und Nichtstuerei wurden ein paar Namen mit den dazugehörigen Menschen und Einverständniserklärungen gefunden und dann schaute Carolin mal wieder im Damensalon vorbei und wir freuen uns jetzt auf den 21. Oktober statt dem 27. September (das wär uns zu lange hin) mit Georg Leß, Stephan Reich, Katharina Schultens und Gerhild Steinbuch und Kate Bush weil Kate Bush ist immer.
 

Einlass ab 20 Uhr (ihr wisst, was das heißt), halbtrunkene Anmoderation ab 21 Uhr (keine Viten), echte Gefühle für ca. 1 1/2, danach Kickern, Bier und markige Sprüche mit adaptiertem und/oder vollgefälschtem Dialekt.

Damage 3€, um Kicker- und Bierkosten zu kompensieren. Wir haben das Nie-Geld-Verdient-Haben schließlich nicht verlernt. Soll uns ja niemand was vorwerfen können. Niemals.

Aber geht’s danach weiter, Kristoffer?

Lol, nein. Lol. Sowas von überhaupt nicht.

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KREUZWORT RE-COVERED am 08.04. Mit: GUGIĆ, HARTZ, MARFUTOVA, RÜHLE und WENRICH

3 Apr

Als notorischer Underachiever gönne ich per se niemandem gar nichts. Erst recht nicht die erste Buchpublikation. Wenn Carolin dann eine Anthologie veröffentlicht, zucke ich selbstverständlich nur mit der frühlingskalten Schulter und schieße spitzmündig spöttische Pointen in ihre Richtung: „Naaa, bist du jetzt (Hrsg.)?“ oder „Guck mal, da ist ja ein Porträtfoto von dir drin.“ Sowas in der Art eben. Muss ich noch dran feilen. Dabei bleibt mir wenig Zeit, denn bereits am 8. April werde ich mit weißweinschwangerer Artikulation ziemlich viel Neid nattern müssen. Dann feiert RE-COVERED Buch-Release bei Kreuzwort!

So sieht doch kein Buch aus! Wenn Gutenberg das noch erlebt hätte!

Um euch einzuweihen, damit ihr an diesem neo-winterlichen Montag an meiner Seite die Lästerzungen zum rotieren bringen könnt: RE-COVERED ist ein Projekt, das auf eine Veranstaltung aus der außerbetrieb-Reihe zurückgeht. Nachdem im Verlag Lettrétage bereits mit der Anthologie Covering Onetti den Wahlspruch OnettisKlaut, wenn nötig. Lügt immer.“ beim Wort nahm und ein paar exzellente Prosa-Covers versammelte, wurden diese Covers wiederum Gegenstand von jungen AutorInnen . Carolin schreibt dazu:

„Es ist der stete Neubezug, der die hier versammelten Versionen des Erzählten in ihrer Vielfalt und Eigensinnigkeit vereint. Vier Erzählungen des uruguayischen Autors Juan Carlos Onetti setzten vor vier Jahren ein einmaliges Schreibprojekt junger deutschsprachiger Autorinnen und Autoren in Gang. Seitdem entstanden über 30 Coverversionen – Paraphrasen, Parodien, Aktualisierungen, Annäherungen und Abstoßungen – alle einmalig in ihrem Ansatz. Nach der ersten Ausgabe Covering Onetti liegen mit Re-covered nun 22 Texte vor, die nicht mehr nur Onettis Texte sondern auch die vorangegangenen Coverversionen sampeln. Diese Anthologie versammelt die literarischen Stimmen von morgen.

Hat sie aber bestimmt nicht mal selbst geschrieben. Die Texte im Buch sind ja auch nicht von ihr. Sondern von Mario Apel, Luise Boege, Silke Eggert, Jens Eisel, Sandra Gugic, Philipp Günzel, Bettina Hartz, Roman Israel, Katharina Kaps, Thorsten Krämer, Georg Leß, Babet Mader, Yulia Marfutova, Tom Müller, Laetizia Praiss, Sascha Reh, Donata Rigg i. A. das Autorinnenkollektiv, Marc Oliver Rühle, Martin Spieß, Gerhild Steinbuch, Florian Wacker, Robert Wenrich und Daniel Windheuser.

Schwache Leistung, Carolin!  Lässt dir auch noch die Texte schreiben, pffffffff. Wirst bestimmt mal Ministerin bei einer konservativen oder liberalen Partei. Ich wiederhole: Pffffffff. Und am 8. April wirst du sie dann nicht mal selbst lesen. Stattdessen stellen Sandra Gugic (die tatsächlich mit einem c mit Akut geschrieben wird, was unser WordPress aber leider nicht so gern anzeigen mag), Bettina Hartz, Yulia Marfutova, Marc Oliver Rühle und Robert Wenrich ihre Texte vor.

Ihr alle könnt euch nach dem Einlass ab 20h neben mich an die Bar setzen und wir strafen Carolin bis zum pünktlichen Beginn um 21h mit missgünstigen Blicken aus unseren Giftglubschern. Ihr erkennt mich leicht: Ich bin der mit dem leeren Gesicht ohne nennenswerte Talente, Eigenschaften oder Buchveröffentlichungen. Aber mal ernsthaft: 3€ Eintritt will die rosenfingrige Turbokapitalistin auch noch! Obwohl, Preis/Leistung stimmt da schon irgendwie. Und immerhin: Im Damensalon in der Reuterstraße 39 gibt es ja das mit beste Bier Berlins und außerdem noch den traumhaften Gin Basil Smash. Rettet einiges! Die Texte könnten sicherlich ebenfalls gut werden, aber das kann ich nicht sagen – ich les das doch nicht! Pfffffff. Okay, vielleicht doch. Klingt ja doch alles ganz interessant so. Aber wenn, dann nur mit Hassmaske drauf.  Sieht meinem Gesicht übrigens zum Verwechseln ähnlich.

Sandra Gugic, in Wien geboren, schreibt Prosa, Lyrik und Theatertexte. Studium an der Universität für Angewandte Kunst und am deutschen Literaturinstitut Leipzig. Preise und Stipendien u.a.: 2010/11 Staatstipendium für Literatur des bm:ukk; 2012 open-mike-Gewinnerin sowie Preis der Akademie Graz. Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien u.a.: kolik, tippgemeinschaft, wortwuchs. Derzeit lebt sie in Berlin und Wien.

Sputnik oder: I’m just an animal, looking for a home (Auszug)

[…] Das einzige Licht vor dem Supermarkt ist matt und gelblich, die Laternen ganz hinten haben wir kaputtgeschossen, vor Wochen schon, der hintere Bereich des Parkplatzes wird von der Dunkelheit verschluckt. Wir hocken hinter den Mülltonnen und warten, schwarze Hosen, schwarze Kapuzenpullover, Autoscheinwerfer streifen uns, sie spielt mit ihren Haarspitzen, ich sage nein und wiederhole: nein, aber sie kichert nur nervös und sagt: In fünf fangen wir an. dann laufen wir geduckt über den Vorplatz, ich klemme ab, und sie kappt das dicke Stromkabel, ich löse die Schrauben, das geht schneller als in meiner vorstellung, aber dafür ist das ding viel schwerer, als wir gedacht haben, sie nimmt den vorderen Teil, Kopf und Vorderbeine, ich das schwere Hinterteil mit dem seitlich angebrachten Münzbehälter, als wir es anheben, sacke ich unter dem Gewicht zusammen und beginne augenblicklich zu schwitzen, ich wiederhole: nein, und sie: ja. Die Münzen im Behälter klimpern, als wir das rosa Plastikschwein dann doch, zwischen Ächzen und Kichern, über den Parkplatz schleppen, ich bekomme Seitenstechen, muss mich konzentrieren, damit mir das rosa Ungetüm nicht aus meinen feuchtkalten Händen rutscht, unser Laufschritt verlangsamt sich in die zeitlupe, ein Standbild im weißen Licht einer Taschenlampe, die auf uns gerichtet wird. […]

Bettina Hartz, geboren 1974 in Berlin. 1994 bis 1999 Studium der Germanistik, der Musik- und Theaterwissenschaften. Seit 1999 Schriftstellerin und freie Kulturjournalistin (u.a. für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung und den Freitag). 2002 Nominierung für den manuskripte-prosa-preis, 2006 Stipendiatin der Prosawerkstatt des Literarischen Colloquiums Berlin, 2013 Writer in Residence in Split (Kroatien). Reisebuch Altfundland – Ansichten von Italien (2006), Erzählung Nicht viel (2007) und Poetik des Radfahrens Auf dem Rad (DVA, 2011). Derzeit Arbeit am ersten Roman sowie an einem Theaterstück über die Occupy-Bewegung.

Träume (Auszug)

Träumte,

drückte mich in den Schlamm, die Hufe, die Pferdeleiber über mich hin, sie streiften meine Schultern, mit den rauen Kanten ihrer Eisen, ich drückte den Kopf noch tiefer, hielt den Körper so flach wie möglich, drei, vier waren vorüber, wenn nur keines hängen blieb, wenn nur keines stürzte, für sie war ja alles eins, Schlamm, Weg und ich, die sich hineindrückte, flach machte, noch zwei donnerten über mich hinweg, ich wagte kaum zu atmen, noch ein letztes musste, duckte mich,
noch ein letztes, wenn ich mich nicht verzählt, duckte mich zu wenig, lauschte zu sehr, ein Vorderhuf riss mir die Schulter auf, aber das Pferd rannte weiter, mit prasselnden Hufen, frische nasse kalte Erde flog mir ins Gesicht, in den vor Schmerz offenen Mund,

ich erwachte, […]

Yulia Marfutova, geboren 1988 in Moskau, lebt in Berlin. Studium der Germanistik und Geschichte. 2007 Einladung zum Treffen junger Autoren, 2008 Stipendiatin der Stiftung Niedersachsen (Literatur Labor Wolfenbüttel), 2012 Stipendiatin des Klagenfurter Literaturkurses, 2013 Alfred-döblin-Stipendium. Veröffentlichungen in Zeitschriften (u.a. lauter niemand und um[laut])und in Anthologien (u.a. Der Horizont hängt schief und Destillate).

Jan dreht einen Film und wird gestört (Auszug)

Vorwärts, unter dem Kondensstreifen ducken und scharf um die Ecke, beschleunigen, unter dem S-Bahn-Bogen hindurch, jemanden streifen, wieder höher, wie reglos verharren in der Luft, aufgestützt auf die Aerodynamik, und hinabschnellen, in hundert Metern haben Sie Ihr Ziel erreicht. Das Auto, das ins Bild fährt, Zoom, ein Geräusch. Die Scheibe schlägt an die Taube.

Jetzt muss noch einmal von vorn gedreht werden, das heißt: noch ist lange nicht Feierabend. Die Taube, dieses Mistvieh, dieses, was soll das, ja was denn, was hat die Taube denn gesehen, dass sie das Auto nicht gesehen hat, dass sie nicht aufgepasst hat, dass sie jetzt einen Flügel hat, der nicht mehr mit dem Rest verbunden ist. Jan schimpft, schimpft in seinen Bart, die Scheibe wird geputzt und dann alles auf Anfang. Auf Anfang fährt das Auto ins Bild, Zoom, aber da liegt ja
noch der Flügel, dieser Flügel, warum ist der noch nicht weg. Alles auf Anfang, schon wieder, Auto ins Bild, Zoom, ja, ja, endlich Szene 2. […]

Marc Oliver Rühle, geboren 1985 in Dresden. Studium der Literaturwissenschaft in Leipzig und Cagliari/Sardinien, sowie des Kreativen Schreibens und des Kulturjournalismus an der Universität Hildesheim. Arbeitet als Freier Journalist für diverse Print- und Onlinemedien. Gehört der Künstlergruppe ATLAS an, deren Mitbegründer er ist. Letzte Veröffentlichungen in poet 11, sowie online auf poetenladen.de und in Anthologien (u. a. In diesen Häusern (Hrsg. Paul
Brodowsky und Kay Steinke), Wiener Journal (gemeinsam herausgegeben mit Vea Kaiser), +100 (Hrsg. Guido Graf), Landpartie 11 und Landpartie 12) sowie in Zeitschriften wie Froh!.

IM

BEI

SEIN (Auszug)

[…] Ich ging alle meine Wörter durch: Welches würde frei bleiben, welches übrig – für jetzt? Ich konnte mich nicht entscheiden und kam nicht überein, einzelne Wörter gegeneinander auszutauschen, bevor ich weiterredete, auf König einredete. Der Reihe nach. Ich musste mir erklären, wozu ich jetzt noch für König in der Lage war. Nach all dem Ausprobieren, erfinden und Täuschen, welches mir auf der Zunge lag. Stoffe, Motive. An leichten Tagen ging ein Betrug ganz einfach vonstatten. Kontaktanzeigen der Gesten. eine Frage wie Woran denkst Du? leitete situative Sätze ein. Oftmals war das die Berechtigung für eine Lüge. Wie weit willst Du gehen?, dachte ich dann. Im Grunde war es mit König und mir dasselbe. Ich ging Beschreibungen für eine Gemeinsamkeit ab wie ein Supermarktregal. Ein Lachen dann über mich selbst, wie konnte ich mir anmaßen, König Worte in den Mund zu legen. Woher sollte ich wissen, was gut für ihn war? Etwas zu ahnen war wie nichts zu wissen. […]

Robert Wenrich, geboren 1983. Arbeitet als Konzepter in den Neuen Medien, schreibt hauptsächlich Prosa und Lyrik. Studium des Kreativen Schreibens in Hildesheim. Veröffentlichung in diversen Anthologien und in der BELLA Triste.

SYNCHROTRON BERLIN (Auszug)

I
Alles dreht sich – um die Gesellschaft – in dieser trinken Menschen zu viel – davon werden sie ganz schwer – belasten sich gegenseitig mit ihren Geschichten – diese Geschichten schlagen ein – wie Fliegerbomben – verheeren weite innere Landstriche! – Um das zu vermeiden – müssen Abwehrkräfte gebildet werden – Ablenkungsmanöver starten! – Einkaufen gehen! – Bei dieser Gelegenheit sprechen Menschen – das heißt: sprechen Männer Frauen an – alles dreht sich – und Menschen landen im Gefängnis – das ist ihr eigener Kopf! – Sie fahren im Anschluss pausenlos Fahrrad – oder essen sinnlos ein eis – oder schreiben pointierte Gedichte – bis am Abend bei Ihnen – die stärksten Herzprobleme einsetzen – sie wollen nicht abklingen – bis es draußen endlich dämmert – jetzt müssen Menschen Ringbahn fahren! –
Ringbahn heißt: Sie fahren im Kreis – Pferde laufen im Kreis. Mariendorf liegt ein wenig außerhalb, die hiesige Trabrennbahn hat leider keine Anbindung. Menschen wissen das, sie kommen kaum dorthin – und setzen dennoch alles auf ihre Ex-Freundin. Hier ein Foto aus der letzten Kurve: Auf dem Foto, das bin ich. Als Pferd. Man sieht mir die Erschöpfung nicht an, aber es ist meine Ex-Freundin, die mich gerade zu Tode reitet. […]

außerbetrieb: Abschlusspräsentation „all work and no play“

13 Okt

In drei Sitzungen hat Georg Leß nun Mikro- und Makrokosmos des Horrorfilms durchwühlt, von Kameraeinstellungen bis zu den gängigen Wirkungsmechanismen – immer im Blick: Die Figur des Autors. Klar, so ein bisschen haben wir schließlich auch mit Literatur am Hut. Wer sich also für das Crossover von Slasher, Splatter, Thriller, Gore und Guts und Poesie und Prosa interessiert, sollte seine Blutreserven am Freitag, dem 14.10. in die Lettrétage in der Methfesselstraße 23-25 tragen. 5€ oder 3€ ermäßigt (gilt für Untote, Studierende usw.) im modischen Minileichensack bei sich zu tragen wäre natürlich auch sinnig.

Neben Georg Leß‚ kleiner Zusammenfassung erwarten uns  Furcht und Schrecken von Tom Bresemann, der den Workshop kreativ genutzt hat, sowie weiteres Unheil durch den fluchbringenden Martin Lechner. Und wer weiß, welche Zombies noch in die Lesung reintaumeln – vom Dreifaltigkeitsfriedhof aus sind’s nur 1,3km bis zur Lettrétage, im Leichenwagen ist das ja schnell überbrückt. Bevor ich jetzt noch mehr peinliche Verlegenheitsanspielungen bringe: Kommt vorbei, seid froh und munter beim vorletzten außerbetrieb-Abend!

außerbetrieb: LOST in POSTpOETRY am 28.09.

26 Sep
Was wäre das eigentlich, so ein außerbetrieb, wenn wir nicht zwischendurch auch mal die Kontrolle abgeben? Deswegen baten wir Jinn Pogy, sich doch mit Künstlerinnen und Künstlern quer durch alle Gattungen zusammenzufinden und eine Veranstaltung zu gestalten. Mit Norbert Lange, Mara Genschel und Elen Flügge waren schnell weitere Partizipienten gefunden.
Auf der offiziellen facebook-Präsenz heißt es da:
WIR SPRECHEN VON EXPERIMENT … Diese Seite ist Teil der Einstellungen zu LOST in POSTPOETRY, ein poetologisch-literarisches Kunst-Projekt von und mit Jinn Pogy, Norbert Lange, Mara Genschel (LyrikerInnen) und Elen Flügge (Soundartist)
Lost in Postpoetry setzt sich poetologisch, literarisch und künstlerisch mit Poetry und poetic Performance auseinander. Es ist eine experimentelle Plattform zur Betrachtung, Meinung und Verursachung von literary art oder zeitgenössischen Veröffentlichungsformen von Poesie
WIR starten den Diskurs mit einer poetic Performance im Rahmen von der von Kreuzwort entwickelten Außerbetrieb-Reihe:
Lost in Postpoetry # 1
am Mittwoch, 28. September 2011
um 19:30 UhrDer Autor und sein Text- eine Beziehung ohne Entkommen? Wie steht der Autor zum Text und inwieweit entfernt sich dieser von seinem Urheber, verfolgt andere Richtungen oder wird verloren? Die AutorInnen Norbert Lange, Mara Genschel und Jinn Pogy, sowie die Soundkünstlerin Elen Flügge begeben sich gemeinsam in den Orbit der poetischen Relationen, Navigationen und Verluste von Text, Laut und Poesie.
Das ist jetzt wieder sowas: Da muss man hin, es sich ansehen und dann weiß man, was los ist. Also am Mittwoch, dem 28.09. alle um 19h30 in die Lettrétage in der Methfesselstraße 23-25. 5€ oder 3€ (ermäßigt) Eintritt Tausch gegen ein bisschen Entmystifizierung. Wir freuen uns sehr auf die Veranstaltung, die ja scheinbar nicht die letzte sein wird – außerbetrieb goes Nachhaltigkeit, yay!
Am Tag darauf, also dem 29.09. geben sich Georg Leß und Jörg Albrecht die Ehre – sie werden zusammen die zweite Sitzung des Workshops „All work and no play“: Ein Workshop zu Autoren im Horrorfilm bestreiten. Wer bereits bei der ersten dabei war, muss keine Teilnahmegebühr mehr entrichten, für alle neuen Interessierten fällt eine einmalige Gebühr von 5€ an. Geworkshopt wird diesmal von 19h bis 22h, anschließender Friedhofsbesuch nicht eingeplant, aber auch nicht ausgeschlossen. Ab 18 Jahren, na klar.

außerbetrieb: Covering Covering Onetti (+ Workshop: Autoren im Horrorfilm)

23 Sep
Junge deutsche Autorinnen und Autoren setzten sich mit Erzählungen des uruguayischen Autors Juan Carlos Onetti auseinander. Das Ergebnis war neue eigenständige Literatur, die 2009 im Band Covering Onetti des Verlags Lettrétage erschien. Wir erneuern Onettis Aufruf nochmals: „Klaut, wenn nötig. Lügt immer.“ Aus den Dieben werden jetzt Bestohlene: Die an Onetti angelehnten Texte werden wiederum neuen Lügnern zur Vorlage. Für den literarischen Mundraub sind diesmal zuständig: Mario Apel, Roman Israel, Silke Eggert und Tom Müller.
Welchen Texten dabei in die Hosentasche gegriffen wird, das bleibt eine Überraschung, die sich allerdings am Samstag, dem 24.09. ab 19h30 in der Lettrétage (Methfesselstraße 23-25) Wohlgefallen auflösen wird. Für nur 5€/3€ ermäßigt kann man Zeuge werden, wie die von Onetti ausgehende Traditionslinie sich beständig ihren Weg bahnt. Onetti nicht gelesen? Covering Onetti nicht gelesen? Das muss ja kein Hindernis sein: Vorkenntnisse werden nicht an der Tür abgefragt und sind bei der Lesung höchstens Bonus – wichtig sind ja die Texte.
Wer trotzdem auf Onettis Spuren bzw. den seiner Grabräuber/innen wandeln möchte, für den hat die Lettrétage was: Ein Gewinnspiel, Covering Onetti – empfohlen übrigens vom Literaturnobelpreistäger Ihres Vertrauens – ist zu gewinnen! Diese simple (d.h.: googlebare, aber psssst:)
Wie heisst die Stadt, die sich als roter Welt-Faden durch fast alle literarischen Werke Juan Carlos Onettis zieht?
Bitte Antwort an: info@lettretage.de
Frage beantworten und den Gewinn morgen Abend abholen! Wir freuen uns.
Außerdem: Unser Workshop „All work and no play“: Autoren im Horrorfilm hat noch ein paar vakante Plätze. Kurzfristige Anmeldungen sind noch möglich (Mail an g.less [at] web.de), aber nicht zwingend notwendig: Einfach am Sonntag, dem 25.09. um 17h in der Lettrétage aufkreuzen, Kittel und Vinylhandschuhe nicht vergessen, 5€ Teilnahmekosten (einmalig) und dann werden Knochensäge und Tintenfüller angesetzt. Ab 18. Ganz ernsthaft.
Weitere Termine (keiner davon verpflichtend):
Donnerstag, 29.09., 17h-21h
Sonntag, 09.10., 17-21h
Freitag, 14.10., 19h30: Große Abschlusslesung

Mehr zum nächsten KREUZWORT-Abend am Montag, dem 14. Februar (auch „Valentinstag“ genannt)

7 Feb

Wie schon angekündigt, werden wir mit dem schüchternen Tom Bresemann, dem pornösen Philip Maroldt und dem schrecklichen Georg Leß am „Valentinstag“ ordentlich Radau machen. Von unschuldiger Liebe über Sex und Porno bis hin zu Horror und Verstümmelung ist hier alles vertreten. Zusätzlich wird alles noch mit einem My-Bloody-Valentine-Preisrätsel und einer kleinen feinen Poster-Slideshow zum Thema „Herzen im Horrorfilm“ von Georg Leß aufgemotzt – warum also ein Vermögen für Blümchen, Pralinchen und Häppchen beim Edel-Franzosen ausgeben: Hier spielt die Musik, Freunde der gepflegten literarischen Unterhaltung.

Am Montag (14.2.) mischen wir mal wieder den Betrieb auf. Wir sehen uns ab 20.30h im Schatzi Neuberg (Kottbusser Straße 13, zwischen den U-Bahn-Stationen Kottbusser Tor und Schönleinstraße). Der Eintritt beträgt 2 Euro.

Nun mehr zu unseren Gästen:

TOM BRESEMANN

hat neben vielen Veröffentlichungen in diversen Magazinen und Anthologien auch einen eigenen Gedichtband „Makellos“ veröffentlicht. Zudem ist er Mitbegründer S³ Literaturwerke und der Lettrétage.

„Sie, vor ihm auf Knieen, den Kopf zurückgedreht, sie, unter ihm, die Unterschenkel fest um sein Becken gewinkelt, die Finger in seinen Hintern verkrallt, das ist dabei.
Juliane, die sich nicht küssen lassen will. Ihr Leben hängt davon ab.
Immer wieder Juliane, den Kopf von-rechts-nach-links werfend, dann innehaltend, aufblickend, unter der glänzenden Schminke, unter der Haut kein Gesicht, das seine rechte Hand nimmt, sich an den Hals legt:
– Drück zu!
Konstantin, der zudrückt.
Juliane, die beginnt, schneller zu atmen, das ist daraufhin. Die Halsschlagader tritt deutlicher zu tage. Konstantin empfindet Wut in sich aufsteigen. Der Hals ist so dünn, dass man ihn mit einem festen Griff jetzt einfach durch brechen könnte, denkt er.
Er kann die Lymphknoten erkennen, würde sie aber nicht als geschwollen bezeichnen. Die Haut konturiert ein System von Adern, das sich umso deutlicher abzeichnet, je fester er zudrückt. Die Haut verfärbt sich bläulich unter den Fingern, und obwohl er weiß, dass das normal ist, ekelt sich Konstantin vor der Verfärbung.“

PHILIP MAROLDT

wurde geboren. Schreibt.

„Ich habe beinahe vergessen, wer hier eigentlich erzählt, daß ich es bin, der etwas zu berichten hat, etwas, das alles gesagte aufhebt und endlich einen Neuanfang bedeutet, eine innere Revolution, die sich von keiner Musik aufhalten, zurückhalten läßt, die das Äußerste nach Innen kehrt, die mich in eine schöne neue Welt zurückkatapultieren wird, nein, bereits katapultiert hat – denn jetzt, an genau diesem Punkt ist längst alles entschieden, die kleinen, schwer fassbaren Strukturen vermehren sich bereits unaufhaltsam in meinem Körper, dringen in meine Zellen ein als sanfte, mitleidlose Schläfer, setzen mich einem heilsamen Terror aus, der mir ein neues Leben ermöglichen wird, in dem jede Sekunde zählt.“

GEORG LEß

1981 in Neheim geboren, wohnt in Berlin. Er veröffentlichte Lyrik und Prosa in Literaturzeitschriften und Anthologien.

Auszug aus einem Liebes- und Phantomroman

„Lebendig und zu Hause angekommen stolperte ich als erstes über die ausgestopfte Bestie, wobei sie den gesamten Flur entlang rutschte. Es lösten sich einige Zähnchen, sprangen klacklacklack über die Dielenbretter, sowie ein längliches Knochengebilde, das bei späterer Inspektion nirgends zu fehlen schien. Damenbesuch sollte es bald sachkundig als Baculum identifizieren.

Ein breiter, rehbrauner Nubukledergürtel führte 68 Zentimeter um sie herum. Wobei ich mich in diesen Dingen gern verschätzte. Das, was sich da in meinem Hirn wie eine Urwaldschlange zusammengerollt hatte, war kein Maßband, sondern ein Verlangen.

Wenig später geschah der bereits angedeutete Zimmerbrand, kam es zum besagten Wasserschaden, in jedem Tropfen eine Rußgalaxie. Sie sah dabei zu, so weiß und still. Als es Blasen warf, schmolz, ihre Augenfarbe und Staatsangehörigkeit. Das alles musste ja einmal ein Ende finden. Warum nicht meins?“

Und mal wieder Termine, Termine: Erschlossenes Land, HARDCOVER im Gorki & ParlandoPark

1 Feb

Da wir erst wieder am 14. Februar („Valentinstag“-Special mit den schüchternen Tom Bresemann, Philip Maroldt und Georg Leß) den Betrieb aufmischen, könnt ihr euch in der Zwischenzeit mal genau den anschauen, da gibt es doch den einen oder anderen sehr lohnenswerten Termin in der nächsten Zeit.


Erschlossenes Land am 03.02.

Max Czollek, Maria Natt und Friederike Scheffler sind nicht nur aktive Mitglieder des von uns mit verliebten Augen angeäugelten Lyrikzirkels g13, sie reisen ab und zu auch durch die Welt und schreiben darüber. Und jetzt sind sie sogar in Berlin und lesen daraus. Mit Pianobegleitung von der Vermont Piano Moving Company. Werft euch die Fracks über und vergesst einen Polyglott nicht, wenn ihr dorthin reist:

Im TIK-Nord in der Rigaer Straße 77. Das Lyriktraumschiff läuft am Donnerstag, dem 03.02. vom Stapel.

(Kleiner Hinweis, weil heute mal wieder in der Bahn gesehen: Die „Ich bin Touri, ich wußte nicht, dass man hier für öffentliche Verkehrsmittel bezahlen muss“-Masche zieht leider so gar nicht, erst recht nicht in West-Berlin! Deswegen Ticket kaufen, das dürfte mit den 4€ Eintritt nicht allzu schlimm kommen, vor allem wenn ihr doch auf Touri plädiert und die 3€ ermäßigt rausschlagt!)

 

HARDCOVER studio: Lyrik live am 05.02.

Wessen Finger häufiger mal schneller sind als der Hirnvorderlappen, der wird aus Hardcover auch gerne mal Hardcore machen, aber das ist bei der Gästeliste nicht unbedingt so unangebracht:

Jan Wagner

Björn Kuhligk

Ron Winkler

Elke Schmitter

Matthias Göritz

Matthew Sweeney

Tom Schulz

Tom Bresemann

liefern sich am 05.02. ab 20h im Gorki Theater ein Gladiatorenmatch der Sonderklasse. Last poem standing also zu einem schönen Anlass: 10 Jahre Lyrik bei Berlin Verlage. Auf dass es ewig weitergeht (und sie endlich mal eine Kreuzwort-Anthologie von uns fordern). Tickets für 5€ gibt’s hier.

 

Hyperrealismus im ParlandoPark am 06.02.

Wem das bisher alles zu surreal war, der kann sich auf den nächsten ParlandoPark-Termin freuen, da gibt’s dann Hyperrealismus (und eventuell eine öffentliche Enthauptung für den furchtbaren Kalauer in dieser Ankündigung, puh..). Moderiert wird das Ganze von einer vielleicht wieder quickfidelen Simone Kornappel powered by power point robots, als Lesender tritt Kreuzwort-Veteran Georg Leß mit seinem Phantomroman auf, den hatten wir schon mal hier und – ja, er kommt wieder, am 14.02. Oh, Gloria!

Hier die mittlerweile bekannten Hard Facts: Im Soupanova in der Stargarder Straße 24 im Prenzlberg ab 20h am Sonntag, dem 06.02. für umme, laut, gratis, kostenlos und frei!

Als Bonus danach wieder offene Bühne und Kritikkultur!