KREUZWORT trifft FIXPOETRY: Politische Lyrik am 11.07.

30 Jun

Der nächste KREUZWORT-Abend hat es mal wieder in sich: Ein kleines bisschen Aufruhr am Tag der Arbeit, Popsongs. DAU-Syndrome an der endgültigen Vorläufigkeit der Schlafplätze spielen sich wie Egoshooter – kurzum: Zusammen mit Julietta Fix von Fixpoetry und dem zugehörigen Verlag präsentiert KREUZWORT glatt fünf Lyriker, die Reflexion und Rebellion im Text verpacken: Max Czollek, Kai Pohl, Clemens Schittko, Tom Schulz und Johannes Jansen werden sich am 11.07. ab 20.30h (Achtung: Aufgrund des dicht gestrickten Zeitplans geht es pünktlich los – um 20h bereits da zu sein wird dringend empfohlen) in der Kottbusser Straße 13 im Bruegge einfinden. Zuschauen kostet die üblichen 3€, wer randalieren möchte, tut das lieber draußen und klärt den Kostenpunkt des Ganzen besser mit der Staatsgewalt ab.

(Da Max Czollek erst in letzter Sekunde von uns gebeten wurde, teilzunehmen, steht er leider nicht auf dem Banner. Er wird trotzdem kommen, darauf freuen wir uns sehr und entschuldigen uns an dieser Stelle.)

Max Czollek // geboren ’87 // Schule bis ’06 // Studium Wissenschaft bis jetzt // ’09 Gründung G13 // Veröffentlichungen, Lesungen, Freunde, Verlag und eine Blogadresse: http://gdreizehn.wordpress.com/

Quake 2011

du läufst fahnen ab: checkpoints
als wärst du in einem egoshooter
flutet das streusalz den boden
seit stunden / und du hast mal
wieder die schippe vergessen

an der ecke steht eine
mit schwachem prozessor und langem mantel
dieser halbvollen flasche sekt
zerhackt ein altes lexikon
mit einem handkantenschlag

amigo, das kennst du aus kung-fu
filmen da wolltest du immer
deine bauchmuskeln anspannen
zum sound von splitternden glas
den orgasmus zum happy end

 

 

Clemens Schittko und Kai Pohl haben kürzlich erst noch kollaboriert und konspiriert: Das Produkt heißt da kapo mit CS-Gas und sieht so aus:

 

Kai Pohl, *1964 | Wittenburg/Mecklenburg. Lebt in Berlin. Berufsausbildung zum Zerspanungsfacharbeiter. Danach u.a. tätig als Dreher, Heizer, Kraftfahrer, Bühnenmaler, Grafi ker. Studium des Kommunikationsdesigns. Mitbegründer und Redakteur der Zeitschrift fl oppy myriapoda. Veröff entlichungen (Auswahl): Fahrkarte zur Revolution, SuKuLTuR, Berlin 2011; Off nen+ Schiesen, Gedichte 1989 -2006, KRASH Neue Edition, Köln 2007; biofeedback panikenergie, Distillery, Berlin 2005.

Das DAU-Syndrom
armut verpflichtet
dummheit muß sich wieder lohnen
fatal ist, was unmut schafft

unmut verpfl ichtet
armut muß sich wieder lohnen
fatal ist, was dummheit schafft

dummheit verpflichtet
unmut muß sich wieder lohnen
fatal ist, was armut schafft

 

 

Clemens Schittko, *1978 | Berlin/Ost. Lebt in Berlin. 1998 Abitur. Ausgebildeter Gebäudereiniger und Verlagskaufmann. Abgebrochenes Studium der Literatur-, Musikwissenschaft und Philosophie. Arbeitete u.a. als Fensterputzer und Lektor. Gewinner des lauter niemand preises fur politische lyrik 2010. Veröff entlichungen (Auswahl): Manifest der Nachhut, Schock Edition, EdK/Distillery, Berlin 2011; Who is who / is who or what, Samson, Berlin 2010

Pop-Gedicht
Aus einer der Nachbarwohnungen
ist gegen Mitternacht
ein Stöhnen zu vernehmen.
Wird dort noch eigenständig
miteinander geschlafen
oder (auch) schon
ein Pornofi lm geschaut?

Der Sex der Deutschen
dauert durchschnittlich
etwa drei Minuten,
eine Single-Auskopplung,
die es in die Musikcharts schaff t,
ebenso.
Deshalb auch der Begriff Popsong.

Dieses Gedicht brauchte länger
als drei Minuten,
um geschrieben zu werden,
und es wird weniger
als drei Minuten dauern,
um es gelesen zu haben.
So gleicht sich
(Achtung: Phrase!)
im Leben alles wieder aus.
Vom Tod wollen wir ja
(bekanntlich)
nicht sprechen.

Wenn schon keine Rakete
einem Kirchturm gleicht,
so gleicht doch jeder Kirchturm
einer Rakete.

 

 

Tom Schulz beehrt uns bereits das zweite Mal (damals, wir erinnern uns: Im Exil, in der wunderbaren Primitiv Bar) und versprach uns intern ein Heimspiel.

*1970 | Oberlausitz, aufgewachsen in Ost-Berlin.1997 Erste Buchveröffentlichung. Von 1998 – 2001 Herausgeber der Edition Minotaurus (zusammen mit Björn Kuhligk) Seit 2002 Freier Autor. Lyrik, Prosa, Übersetzungen und Herausgabe. Bis 2007 in Berlin ansässig, zum Jahresende Umzug nach Augsburg. Lebt seit 2010 wieder in Berlin.
Dozent für „Kreatives Schreiben“ und Lyrikworkshops u.a. an der Universität Augsburg Mitorganisator des Schreibprojekts „Lust auf Lyrik“ an Augsburger Gymnasien. Redakteur und Mitherausgeber der Literaturzeitschrift „Lauter Niemand“.

Veröffentlichungen (Auswahl):
Need to speak to a Human? C4 Edition, Graz, 2011
Liebe die Stare. Prosa. Verlagshaus Johannes Frank, Berlin, 2011.
Kanon vor dem Verschwinden. Gedichte. Berlin Verlag, Berlin, September 2009.

Herausgeber der Anthologie “alles außer Tiernahrung – Neue Politische Gedichte“ – Rotbuch Verlag, 2009.

Auf Klick gibt’s eine Kostprobe:

Tom Schulz – Tag der Arbeit

 

 

Johannes Jansen

 *1966|Ost-Berlin . Aufgewachsen ist er in Freiburg, Leipzig und Pankow. Nach der Schule machte er eine Lehre als Graveur, ging dann zur Armee und begann danach ein Studium der Gebrauchsgrafik. Er lebt heute als freier Autor in Berlin. Auch arbeitet er in der Altenpflege und Heilpädagogik.

Veröffentlichungen (Auswahl):
Im Durchgang, Suhrkamp, 2009
Bollwerk, Kookbooks, 2006
Liebling, mach Lack! Kookbooks, 2004
Halbschlaf, Suhrkamp, 2004
Dickicht, Ritter, 2002

[Diese endgültige Vorläufigkeit…]

Diese endgültige Vorläufigkeit der Schlafplätze, die ich passiere, Kontrollpunkte meines Traums. Auf der Suche wie immer, doch letztendlich faul, weil vorhanden. Man muß nicht finden wollen. Nur die wunschlose Bemühung ist es, die unfehlbar eine Entschädigung einschließt. Eine Mahlzeit zum Beispiel und ein genießbarer Wein.

© Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main 2005 Aus: Halbschlaf. Tag Nacht Gedanken. Zeichnungen von Regen Wachsmuth Suhrkamp Verlag , Frankfurt am Main 2005 ISBN: 3-518-12380-7

Und, psssst: Sagen wir mal so: Wer sich nach der Lesung in die Bahn schwingt und Richtung Ostbahnhof fährt, der sollte dort dringend aussteigen. Das MARIA hat zwar zu, aber darunter rumort es noch – der Keller hat offen und statt Technozombies kommen da Beats raus. Sinniger-, irreführender- und witzigerweise heißt dieser Satellit des legendären Clubs Jesus und ab zwei steht da nicht nur Ruben McLoop auf der Bühne, Max Czolleks böser elektronischer Zwilling, sondern auch Simian Keiser, der ein entfernter Verwandter von Tristan Marquardt ist, allerdings nur namentlich, nicht aber räumlich – zwei Satansbraten in Jesu Bauchhöhle, da muss man doch…!

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