Mehr zum KREUZWORT-Prosa-Abend am 13.6.

8 Jun

Nach längerer Prosa-Pause präsentiert KREUZWORT am 13. Juni Hannes Köhler mit seinem Debütroman „In Spuren“ (mairisch) und Sascha Reh mit seinem ersten Roman „Falscher Frühling“ (Schöffling & Co) sowie open mike-Entdeckung Tom Müller. Das alles, wie gewohnt, im Schatzi Neuberg, das jetzt „Brügge“ heißt, ab 20.30 Uhr. Wir freuen uns schon und mit 3 Euro seid ihr auch dabei.

Nun mehr zu den Autoren:

Hannes Köhler

*1982 in Hamburg. Er lebt seit 2001 in Berlin. Dort und in Toulouse studierte er Literatur und Geschichte. Er war Mitbegründer der Literaturgruppe und Lesebühne Die Lautmaler und veranstaltet seit 2003 regelmäßig Lesungen in Berlin. 2008 war Hannes Köhler Teilnehmer des Heiner-Müller-Kollegs an der Freien Universität Berlin und 2009 Stipendiat der Autorenwerkstatt Prosa des Literarischen Colloquiums Berlin. Nach Veröffentlichungen in Zeitschriften, Zeitungen und Anthologien ist „In Spuren“ seine erste Buchveröffentlichung.

www.hanneskoehler.com

Zu „In Spuren“:

„Es beginnt mit einem Witz. Jakobs bester Freund Felix verlässt die fröhliche Runde, um Zigaretten holen zu gehen – und kommt nicht mehr zurück. Das Lachen vergeht, als Felix verschwunden bleibt. Jakob begibt sich auf Spurensuche. In Felix’ Wohnung stößt er auf dessen Tagebuch, das eine seltsame und verstörende Wirkung auf ihn ausübt, denn es enthält nicht nur die Wahrheit über den Freund, sondern auch Variationen des eigenen Lebens.

Wer war Felix in Wirklichkeit und wo ist er jetzt? Was passiert mit Jakob, der beim Lesen des Tagebuchs immer mehr auch an seiner Sicht auf die Dinge zweifelt? Kann vielleicht die Imitation eines fremden Lebens Zwischenräume öffnen und Antworten geben?

Hannes Köhler stellt in seinem Debüt existenzielle Fragen nach Freundschaft, Liebe, Authentizität und Sinn – Fragen, die für jede Zeit neu gestellt werden müssen.“ (mairisch)

Eine Leseprobe findet ihr hier: http://www.mairisch.de/koehler_in-spuren_leseprobe.pdf

Sascha Reh

Sascha Reh, geboren 1974, studierte Geschichte, Philosophie und Germanistik in Bochum und Wien. 2004 und 2008 erhielt er den Literaturförderpreis Ruhr, für einen Auszug aus dem Roman FALSCHER FRÜHLING wurde er 2007 mit dem LCB-Stipendium Autorenwerkstatt Prosa sowie 2009 mit einem Aufenthaltsstipendium im Künstlerhaus Lukas/Ahrenshoop ausgezeichnet. Sascha Reh lebt als Autor und Familientherapeut mit seiner Familie in Berlin.

Zu „Falscher Frühling“:

„FALSCHER FRÜHLING erzählt von einer Nacht, in der der Alltag dreier Menschen auseinanderbricht, und von einer Begegnung, die sie wieder zu einer Familie macht.

Lothar Lotmann, ein alternder Theatermann, will mit einer letzten großen Inszenierung noch einmal die Ideale in der Kunst verwirklichen, an denen er im Leben gescheitert ist: Liebe, Freundschaft, Ehrlichkeit. Der verachteten Unterhaltungsindustrie setzt er seit langem nichts mehr entgegen, seine Freunde hat er brüskiert, und seine Frau Emilie, eine erfolgreiche Bühnenbildnerin, ist seine peinlichen Provokationen leid. Doch der »zweite Frühling«, den sie sich von einem Treffen mit einem alten Freund am Vorabend ihrer Scheidung erhofft, treibt hochkomische Blüten. Und ihre Tochter Franziska, die vor dem Beziehungsballast der Eltern in virtuelle Welten flüchtet, überwindet endlich ihre Angst vor einer eigenen Suche nach Glück.

Sascha Rehs Debütroman ist eine schöpferische Hommage an die modernen Theaterklassiker und wird durch seinen ironischen Ton und virtuose Perspektivwechsel zum Ereignis.“ (Schöffling & Co)

Zum Reinlesen: http://www.schoeffling.de/content/buecher/leseprobe-490.html

Tom Müller

1982 in Friedrichshain geboren. Studierte in Tübingen Romanistik, Germanistik und am Studio Literatur und Theater unter Leitung von Dagmar Leupold. Seminare mit Julia Franck, Dirk Kurbjuweit, Martin Hielscher, Martin Löcher Lawrence. Freie Mitarbeit in der Kulturredaktion des Schwäbischen Tagblatts. Co-Autorschaft bei den Theaterstücken Die Ohrfeige (2008) und Ein Heinz fürs Leben (2010), jeweils am Landestheater Tübingen aufgeführt. Finalist beim Open Mike 2010. Arbeitet als Gutachter für vers. Verlage in Berlin. Organisiert das Kleinkunstfest Bunter Abend – Dichtung Reise Rock’n Roll. Veröffentlichungen: Himmel und Fleisch, in Open Mike Anthologie 2010. In einer Dachgaube, in Katalog Dinge, Tübinger Stadtmuseum 2011. Pioniere, in ]Trash]pool Tübinger Literaturzeitschrift 2011.

Wo Schlangen und Fische (Auszug)

Robert stolziert über die Bretterstapel wie ein kleines Mädchen in Ballettschuhen. Weil überall Nägel rausgucken. Bisher hat es Vasilis immer alleine gemacht. Da konnte er fahren, wie er wollte, musste sich nicht das Gejammer anhören, was das für ein trauriger Anblick sei undsoweiter. Dauernd bleibt Robert stehen, setzt diesen versunkenen Blick auf und guckt runter zum Meer. Als könnte er von hier oben reinspringen. Wie der vom Meer erzählte, dieser Quatsch vom Vorbild-des-Himmels. Das ging ihm hier rein ins Ohr und da wieder raus. Typisch deutsch, keinen Funken Realität. Genau wie Iannis gesagt hat. Jemand muss ihm mal zeigen, wo es langgeht.

„Perfekt.“ Robert steht auf einem Fundament zwischen vier Betonpfeilern unweit der Deponie.

„Unten in der Bucht machen wir das Boot fest. Das hier wird deine Werkstatt. Wir machen ein großes Schild: VASILIS – UND DEINE KISTE SCHNURRT. Der Müll hier kommt weg. Ich zieh nen Olivenhain auf, fang Fische. Wir gucken aufs Meer, spielen Schach, lassen alles sausen. Sind wir nicht ein tolles Paar?“

„Verlierst du so gerne?“

„Ich hab nicht verloren. Iannis hat geschummelt. Ich weiß genau, wo sein König gestanden hat. Noch ein paar Züge und.“

„Ist ja gut. Heul nicht rum.“

„Mein Haus betritt der nicht.“

Der Jeep ist voll. Die Latten sind angebunden, aber Robert hält sie fest. Die Nägel machen Eindruck. Er sagt nichts. Das würde wieder die ganze Lawine lostreten. Ob er nicht mal auf die Zähne beißen könne. Wie er hier durchkommen wolle. Wer nicht von hier sei, müsse noch. Eigentlich wollte er einfach mal wieder mit Vasilis allein und sich nicht täglich im Ocean Drive die Zunge schwarz rauchen, auf Iannis Zug warten und bei Was-haben-nen-Albaner-und-n-Schaf-gemeinsam-Sie-kommen-nie-ungeschoren-davon auf die Schenkel klopfen.

Vasilis blickt nach vorn. In der Linken das Lenkrad, in der Rechten den Schalthebel. Robert beobachtet ihn, die geraden Lippen, sieht, wie sie lachen, gelacht hatten. Er nimmt sich vor, wenn, dann diesen Vasilis.

„Was willst du?“

„Lass uns noch nicht zurückfahren.“

Vasilis hat nachgegeben und sie sind noch runter zur Bucht. Die Sonne knallt gegen die weißen Steine und davon zurück. Kaum Schatten, kein Horizont.

„Augustblau“, sagt Vasilis.

„Blaublau“, sagt Robert und zieht sich aus.

„Los, diesmal musst du mitkommen.“

„Jetzt nicht. Zu viele Wellen.“

„Das ist geil da draußen, echt.“ Er zieht Vasilis die Hose runter.

„Malaka, bist du schwul!?“

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