KREUZWORT am 11.04.: Seel, Reuther, Albrecht & Friends

8 Apr

Nach dem erfolgreichen Neueinstieg in die skurril-schöne Welt des Schatzi Neubergs geht es am 11.04. nun weiter.

Die hard facts: Montag, der 11.04. ab 20.30h im Schatzi Neuberg in der Kottbusser Straße 13 (U Kottbusser Tor/Schönleinstraße), 3€ kostet das Ganze leider wieder, weil wir Unkosten decken müssen.

Die soft skills in Form von Literatur liefern Daniela Seel, Rick Reuther und Jörg Albrecht, der neben Texten zwei Schauspieler (Janna Horstmann & Steffen Klewar) mitbringen wird – es wird also rumexperimentiert, szenisch gelesen, es wird Musik geben und nebenbei noch Spaß.

Zum Reinlesen:

 

Rick Reuther

geboren 1993, zurzeit Abiturient, lebt in Hamburg und bald in Sibirien/Berlin. Mitbegründer & Herausgeber der Zeitlosschrift. Veröffentlichungen in Zeitungen, Zeitschriften und online.

kurzer hotelführer

ich (das klass.) schenke
dir eine entführung
früh in der ersten
zeile morgens weil
du keine ahnung
von poesie besitzt
heißt das nicht, dein
knie bückt sich in tr
ophäen, dass du keine
poesie beugst, wenn
ich von treppn, vom
schlafen zu müde bin um
gegn den wind zu husten
zu schreiben, einen
entführerbrief der mit
dir u jeder zeile
schwärzer über meine
schultern (beiden) geht
ich verneige mich über
die knie diese beiden rot
iergelenke, entrecotierst
du mich noch ins hotel
in den dritten stock dort
also zwischen die rippn
der fenster, ich öffne sie
nachts um die lettern zu
färben erkennst du meine
hand nicht meine schrift

Daniela Seel

geboren 1974 in Frankfurt/Main, lebt in Berlin. 2003 gründete sie, gemeinsam mit dem Buchkünstler und Illustrator Andreas Töpfer, kookbooks – Labor für Poesie als Lebensform. Ihr Debüt »ich kann diese stelle nicht wiederfinden«, kookbooks 2011, wurde mit dem Friedrich-Hölderlin-Förderpreis ausgezeichnet.

ich habe mir ihren körper dann einfach
umgebunden wie eine schürze.

distanz gewinnen, eine bewegung,
die nur in der zeit existiert, nicht im raum.

wie sinne verhalten steuern. ihrer stimme
habe ich immer vertraut, nicht den augen.

ich kann nicht aufhören, das zu wiederholen.
einträge von ausrichtung. diese bewegung,

die meinen körper konstituiert. ihre stille,
dressierte präsenz. ich will diese schürze

nie wieder ausziehen.

 

Jörg Albrecht (diesmal mit Unterstützung von Janna Horstmann & Steffen Klewar)

geboren 1981 in Bonn, lebt in Berlin; arbeitet in intermedialen Serien; es erschienen die Romane Drei Herzen (2006) und Sternstaub, Goldfunk, Silberstreif (2008, beide Wallstein Verlag) und das vom BR produzierte Hörspiel Moon Tele Vision (mit Matthias Grübel, intermedium records 2009); 2012 kommt ein drittes Buch über Werwölfe und Kreativwirtschaft; Theaterstücke u.a. am Maxim Gorki Theater Berlin, Schauspielhaus Wien und an den Münchner Kammerspielen; mit copy & waste, seinem Theaterkollektiv, erforscht er die Architektur von Städten und Fiktionen; http://fotofixautomat.de

Deine Nase ist zu süß für ein Drama, Jane Fonda!

Erstmal lockern! Ja, gut so. Und atmen und zählen und atmen und zählen und atmen und. Briefe zählen. Unzählige Körbe voll mit Briefen, begeistert über mein Workouttape, Menschen auf der ganzen Welt were DOING JANE FONDA. Ich bin ins Trainingsgeschäft eingestiegen, um meine politische Organisation zu finanzieren, und mein Mann hat mich immer kritisiert und meinte, es ginge mir nur um Eitelkeit. Wir hatten keine Stylisten oder Teleprompter für die Workouttapes. Doch ich hatte längst bemerkt, daß Politik und Glanz, daß die, ja, daß sie begannen, sich neu zu ordnen. In einem Video performte ich mit einer Trainingspartnerin vor einem Screen, auf dem Leute tanzten, passend zur Musik. Das erinnerte mich an Barbarella, als ich mit John Philip Law, dem blinden Engel, an Haken im Studio hing, hinter uns die Projektion ziehender Wolken, und beim Test Screening erst stellten alle fest, daß die Wolken falschrum zogen, wir rückwärts flogen. Politik und Glanz hatten sich zusammengetan, und auch wenn es sich noch anfühlte, als zögen sie vorwärts, sie hatten schon längst die Richtung gewechselt, unmerklich. Und so legte ich vor, für ein Jahrhundert, das noch weit weg lag. Ich hatte an meinem Heimatland viele neue Gesichtszüge entdeckt. An meinem Gesicht nicht. Und ich sagte mir: Ich hab versucht,  die Anatomie des Krieges zu vermitteln, jetzt kommt meine!

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