Das zweite Mal im heimeligen Exil: KREUZWORT am 14.03.

9 Mrz

So ist das nunmal: Kaum konnten wir am 28.02. unser erstes Gastspiel in der schnuckligen Primitiv Bar feiern, kommt es nun wiederum zum vorerst letzten Abend dort. Der wird aber sicherlich ebenso gemütlich wie exquisit, extraordinär und extravagant, denn wieder gibt es vier mal Prachtlyrik zwischen den Samtvorhängen zu hören:

Max Czollek, Björn Kuhligk, Friederike Scheffler und Tom Schulz geben sich (oder besser: uns, euch) die Ehre.

Das wie gesagt in der Primitiv Bar in der Simon-Dach-Straße 28 (S/U-Bahnstation Warschauer Straße) am Montag, dem 14.03. ab – Achtung – 20h. Eintritt beträgt leider wieder 3€, um ein paar Unkosten auszubügeln.

Das sollte aber kein Grund sein, nicht zu kommen, hier vielmehr, die Gründe (i.e.: Personen) wegen derer es sich durchaus lohnt, zu kommen:

 

Grund Nr. 1: Friederike Scheffler, geboren 1985, aufgewachsen in Berlin.
Schreibt Lyrik und Kurzprosa seit ihrer Jugend.
Seit 2005 Studium der Psychologie (Diplom) und AVL an der FU Berlin
SoSe 06   Teilnahme am Seminar „Kreatives Schreiben“ der FU Berlin unter der Leitung von Edgar Rai und Gunnar Cynybulk
SoSe 07   Teilnahme am Heiner Müller Autorenkolleg mit Ilija Trojanow
2008-2010  Teilnahme an der Open Poems Schreibwerkstatt der Literaturwerkstatt Berlin unter der Leitung von Björn Kuligk, Ulf Stolterfoht
seit 2010 Lesungen, Mitglied der Berliner Lyrikgruppe G13

 

ist es vermessen von diesen höfen zu sprechen,
nie die gewissheit zu missen: sie sind deprimierend.
ich kann da nichts zu, müllreste, trennung, geflieder
und streu, sand auf den wegen, die ich nicht gern gehe.
friedhofsstimmung verhält sich zu farbe wie drogen
zu schlaf
(aha) schon wieder den vorsatz gebrochen
die worte nützlich und nur zu gebrauchen.
ist es vermessen zu sagen: ich mache mir sorgen
um meinen nachbarn. verschlossenen landsmann.
unbekannten, flaschen- und milchpackungssammler.
trotzig, schnupfnasig bei jedem wetter
in boxershorts tigert er die treppenwälder
hoch zu seiner wohnung. er sperrt sich ein.
schreit die wand an. und scheiß die wand an:
ich hör weg.

 

Grund Nr. 2: Tom Schulz, geboren 1970 in der Oberlausitz; aufgewachsen in Ost-Berlin.

Seit 2002 Freier Autor. Lyrik, Prosa, Kritik, Übersetzungen und Herausgabe. Lebt in Berlin.

Herausgeber der Anthologie “alles außer Tiernahrung – Neue Politische Gedichte“ – Rotbuch Verlag, 2009.
Mitherausgeber der Anthologien „Das Berliner-  Hamburger und Münchener Kneipenbuch“ – alle: Berliner Taschenbuchverlag, 2006, 2008 und 2009.
Mitherausgeber des „Kölner Kneipenbuchs“, DuMont Verlag, 2011.
„Liebesgedichte“ von Nicolas Born – (Auswahl und Nachwort). Insel Verlag, 2011.
Letzte Veröffentlichungen:
Liebe die Stare. Prosa. Verlagshaus J. Frank, Berlin,  2011.
Kanon vor dem Verschwinden. Gedichte. Berlin Verlag, Berlin, 2009.
Vergeuden, den Tag. Gedichte. kookbooks, Berlin, 2006.
Preise / Stipendien u.a.:
DAGNY-Stipendium der Villa Decius und der Stiftung für Deutsch-Polnische Zusammenarbeit, Krakau, 2010.
Bayerischer Kunstförderpreis für Literatur, 2010.
Stipendium der Stiftung Preußische Seehandlung, 2010.
Stipendium des Künstlerhofes Schreyahn, 2012.

 

der Tanzbär

bei meinem Hüftschwung durch die
vor heißem Hunger schmilzenden Agenturen
öffnen sich andere Türen, andere Fallen

in den Tellern schwimmen Muschelscherben
wie sehr man mich auch in das Tellereisen rief
ich tanze den Aussterbewalzer, immerzu

um die Kaminattrappen, die Gleichnisvillen
ich folge immer meiner Nasenspitze in den Regen
in die Regionen des Überfells, der Zwerge

jener Zwerchkaninchen, wenn andere Feuer
Räder sehen, lache ich auf
schwinge einmal links, dann anders herum

wie bedachtsam meine Schritte auch
erscheinen mögen, wenn ich mich im Kreis drehe
erlöschen die Haltepunkte im Raum

der Tanzbär bin ich, in der Bar St. Tropez
vollbringe das Kunststück der Trägheit
der Langsamkeit, des langen Mutes

ich wurde staatlich unvereidigt, man sandte
mir das Beileidsschreiben, ich faxte es
an den Wald, das Feuer, die Haufen

ich tanze für die Pfeifen, für die
über das dumme Wasser Blickenden
ich tanze, wenn man mich ruft

Tom, do you wonna be the dancing bear?

 

Grund Nr. 3: Max Czollek, geboren 1987 in Berlin
– Studium der Politikwissenschaften in Berlin
– Mitglied des Lyrikzirkels G13
– Veröffentlichungen in Ausgaben der Schreibwerkstatt open poems (2007, 2009 und 2010)
– mehrmaliger Teilnehmer der Schreibwerkstatt open poems (2005/2006, 2006/2007, 2008/2009, 2009/2010) unter Leitung von Björn Kuhligk und Ulf Stolterfoht sowie der Werkstatt „Lyrik der Gegenwart“ mit Uwe Kolbe (2009)
– Aktuelle Projekte:
(1) G13-Lesung in der Lettretage am 26.03.2011
(2) Planung, Organisation und Durchführung eines Workshops zur Lyrik der Gegenwart in der Lettretage von Mai – Juli 2011.

 

dub-step-revolution

ein morgen als voice over
das ende der chiffre detroit
unter monochromen rubbellosen
an denen niemand mehr kratzt

an den postschalten wachsen die zelte
zur hochkonjunktur der brieftauben:
kabellose über transmediterrane gefälle

und kairo liegt im mariannengraben
von windgeistern gordisch verknotet:
zu viele schwerter für den konjunktiv

wider die starre grundierung
unserer eingespannten himmel
die phantasie vom untergrund
im sound einer fahrenden u-bahn

 

Grund Nr. 4: Björn Kuhligk, geboren 1975 in Berlin.
Zuletzt erschienen die Bände Der Wald im Zimmer – Eine Harzreise (mit Jan Wagner), Berliner Taschenbuch Verlag, 2007,
Von der Oberfläche der Erde, Berlin Verlag, 2009 sowie Bodenpersonal, Verlagshaus J. Frank, 2010.
Als Mitherausgeber editierte er zuletzt Das Münchner Kneipenbuch, Berliner Taschenbuch Verlag, 2009 und Lyrik von Jetzt zwei, Berlin Verlag, 2008.
1997 war er Preisträger des open mike der literaturWERKstatt Berlin, 2007 erhielt er ein Arbeitsstipendium der Stiftung Preußische Seehandlung, 2008 ein Arbeitsstipendium des Berliner Senats.

 

SPIEKEROOGER MITTERNACHT

Zwei geplünderte Körper, Partyzelte
nach Blitzeinschlag, das Meer spricht
auch wenn die Liebenden fallen, moin, moin
fällt die Liebe, wir sind versichert, nicht

in der langen Nacht der Musen streunert
man davon, erst sozial, dann demokratisch
gehts auch weniger, weißt schon, ach, nee
kommt einer, fragt, warum schreiben Sie

Gedichte, können Sie davon leben, Antworten
die wie Weltraumschrott, danke, es geht, das
hat Füße, an denen weiter oben Finger, die hören
das Blut durchs Herzeleid stampfen

 

…vier gute Gründe also. Wir sehen uns am Montag, dem 14.03. ab 20h!

 

Und, psssst: Da wir ab und zu auch mal mit der Literatur durch sind und gerne mal was trinken, um dann rhythmische Körperbewegungen zu ergotherapeutischer Musik zu vollführen raten wir auch dringend, laden wir herzlich dazu ein, uns nach der Lesung noch ins Maria am Ostbahnhof zu folgen. Wort auf der Straße ist ja, dass da DJs am Polyvinylchlorid rumratschen, die uns zwar von ihren Namen (Loop, Simian Keiser) nicht unbedingt bekannt vorkommen, deren Gesichter wir doch aber schon irgendwo mal… Nicht wahr?

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Eine Antwort to “Das zweite Mal im heimeligen Exil: KREUZWORT am 14.03.”

Trackbacks/Pingbacks

  1. KREUZWORT am 14.03. (Scheffler, Czollek, Schulz & Kuhlgik) « good friends with bad habits - März 9, 2011

    […] Das zweite Mal im heimeligen Exil: KREUZWORT am 14.03. […]

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