Morgen (18. 12.) in der Lettrétage: Datenschreiber: Ämter und Würden

17 Dez

Der letzte Datenschreiber-Termin mit Nora Bossong, die uns im nächsten Jahr auch noch besuchen wird, und Matthias Scherwenikas.

Am: Samstag, 18. Dezember 2010

Um: 19:30 Uhr

Eintritt: 5,- Euro

In: der Lettrétage – Methfesselstraße 23-25

www.datenschreiber.net


Acht Daten, elf Autoren, rund sechzig Jahre Geschichte. Um den Nukleus eines mehr oder minder zufällig „Gegebenen“ (lat. datum) herum – sei es tragisch oder trivial, esoterisch oder paranoid – sammelt sich der Sternenstaub der Historie zu einem „schmutzigen Schneeball“.

Aber schreiben wir uns nicht alle von solchen Daten her? Und welchen Daten schreiben wir uns zu? (Paul Celan)

Verdrängung, fröhliches Nach-vorne-Schauen, gleichzeitig unbefangene Nutzung der Kontakte und Beziehungen „von damals“ fürs eigene Vorankommen – diese Mechanismen prägten in den 1950er Jahren viele Bereiche der bundesrepublikanischen Gesellschaft. Nicht nur Wolfgang Koeppen und Rolf Hochhuth verzweifelten an der kollektiven Amnesie.

Ähnlich lagen die Dinge auch im diplomatischen Dienst. Vielleicht lädt der Berufsstand des Diplomaten ganz besonders zur Anpassung an die jeweils gegebenen Verhältnisse ein. Karrierediplomaten der Nazizeit hatten nach dem Krieg schon bald wieder Sektkelche in der Hand und parlierten mit Exzellenzen aus aller Welt. Die Wenigen innerhalb des diplomatischen Corps, die sich wie Fritz Kolbe klar und eindeutig gegen das Regime gestellt hatten, hatten keine Chance, ihre Laufbahn wieder aufzunehmen: Zu mächtig waren die alten Freundesbündnisse.

Jüngst wurde der Bericht der von Joschka Fischer eingesetzten Historikerkommission Das Amt und die Vergangenheit veröffentlicht. Bereits zuvor hatte sich Nora Bossong in ihrem hoch gelobten Roman Webers Protokoll (FVA, 2009) mit diesem Komplex beschäftigt, in dem der Karrierediplomat und Nazi-Mitläufer Weber um seine Wiedereinstellung kämpft und von den Schatten der Vergangenheit eingeholt wird. Zum Glück für ihn nur vorübergehend.

Bei der Veranstaltung erwartet Sie eine Collage aus historischen und literarischen Texten, vorgetragen von Nora Bossong und einem Schauspieler, begleitet von musikalischen Dokumenten, die die Geisteshaltung der Zeit widerspiegeln.

Nora Bossong, geboren 1982 in Bremen, lebt in Berlin. Studium am Deutschen Literaturinstitut, Leipzig, zahlreiche Stipendien und Preise. Von ihr sind bislang die Romane Gegend (2006) und Webers Protokoll (2009) sowie der Gedichtband Reglose Jagd (2007) erschienen. Ihr nächster Gedichtband Sommer vor den Mauern erscheint 2011 im Hanser Verlag.

Matthias Scherwenikas, geboren 1971 in Ost-Berlin, studierte Schauspiel am Max-Reinhardt-Seminar in Wien, Regie am GITIS in Moskau und am Michael-Tschechov-Institut in New York. (Er erhielt dafür jeweils Stipendien vom DAAD.) Er spielte und inszenierte unter anderem in Berlin, Hamburg, Wien, Salzburg, Moskau und New York. Er wirkte bei zahlreichen Lesungen, Rundfunk- und Hörbuchproduktionen mit und arbeitet regelmäßig als Schauspieler für Theater und Film/TV. Matthias Scherwenikas lebt als freischaffender Schauspieler und Sprecher in Berlin.

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