Mehr zum fünften KREUZWORT-Abend am Montag (22.11.) im Schatzi Neuberg

17 Nov

Unser nächster KREUZWORT-Abend am Montag, dem 22. November 2010 hat einiges zu bieten:

Zu unserer fünften Veranstaltung dürfen wir Martin Lechner, Georg Leß, Roman Israel und Tobias Roth im Schatzi Neuberg begrüßen. Begleitet werden sie vom guten Lorenz und seinem Saxophon.

Wer sich diese grandiosen Gäste nicht entgehen lassen möchte, der kommt am Montag (22.11.) vorbei. Wir beginnen pünktlich um 20.30h im Schatzi Neuberg (Kottbusser Straße 13, zwischen den U-Bahn-Stationen Kottbusser Tor und Schönleinstraße). Der Eintritt beträgt 2 Euro.

UND NUN MEHR ZU UNSEREN GÄSTEN:

MARTIN LECHNER (1974) veröffentlichte in Literaturzeitschriften.

Letzten Winter

Der Schnee, den Daisy tagsüber aus den Wolken fegte, wurde im blauen Abendlicht von einer Unzahl düster seufzender Räumfahrzeuge nirgends hingeschoben als allein auf die artig an die Straßen geschmiegten Radwege unserer Stadt. Oh, geschwärzter Höhenkamm, den niemand mit einer Flagge bezwingt, auf der die roten Lettern leuchten: Nichts! Nur eine Frau und ein Mann und ein Meer von Blut vergossen! Wer aber nachts, weil er vor den Maschinen auf der Straße sich fürchtet wie ein Mensch, strampelnd auf die Gehwege schwenkt, wird willkommen geheißen von der lächelnden Blitzgefrorenheit des Grauens. Gefahr! Jetzt muss der Lenker hin und hergerissen werden, jetzt muss gehört der Hase Adkins werden, ein Liedchen längst zerflockter Sommerlichkeiten, jetzt muss getreten werden in die Pedale, so stramm, dass die Reifen durchdrehen wie der Verstand, der Verstand über die Vögel, ach, die ringsum in den splitternackten, spindeldürren, kohlenschwarzen Bäumen wirr piependen Vögel, die nicht in den Süden geflohen sind, um erlöst von dir, nur von dir, meine Liebe, über die Strände zu hüpfen.

Erschienen in: Segeblatt

GEORG LEß (1981, Neheim) wohnt in Berlin. Er veröffentlichte Lyrik und Prosa in Literaturzeitschriften und Anthologien. Auch verfasste er weitere Texte zu und in Horrorfilmen.

Auszug aus einem Liebes- und Phantomroman

Lebendig und zu Hause angekommen stolperte ich als erstes über die ausgestopfte Bestie, wobei sie den gesamten Flur entlang rutschte. Es lösten sich einige Zähnchen, sprangen klacklacklack über die Dielenbretter, sowie ein längliches Knochengebilde, das bei späterer Inspektion nirgends zu fehlen schien. Damenbesuch sollte es bald sachkundig als Baculum identifizieren.

Ein breiter, rehbrauner Nubukledergürtel führte 68 Zentimeter um sie herum. Wobei ich mich in diesen Dingen gern verschätzte. Das, was sich da in meinem Hirn wie eine Urwaldschlange zusammengerollt hatte, war kein Maßband, sondern ein Verlangen.

Wenig später geschah der bereits angedeutete Zimmerbrand, kam es zum besagten Wasserschaden, in jedem Tropfen eine Rußgalaxie. Sie sah dabei zu, so weiß und still. Als es Blasen warf, schmolz, ihre Augenfarbe und Staatsangehörigkeit. Das alles musste ja einmal ein Ende finden. Warum nicht meins?

ROMAN ISRAEL (1979, Löbau) lebt als freier Autor in Dresden und Leipzig. Seine Texte kombiniert er mit Fotos, Grafik, Film, Musik. Einige seiner Texte wurden in Zeitschriften und Anthologien veröffentlicht, u.a. in: Neubuch. Neue junge Lyrik. Hg. Ron Winkler. (Yedermann Verlag 2008) und Sax Royal – Eine Lesebühne rechnet ab. (Verlag Voland & Quist 2010). Darüber hinaus ist er Mitglied der Dresdner Lesebühne Sax Royal.

Eichhörnchen

und da komm

ich in den Park

und da steht: das

Eichhörnchen

und in seiner

Hand: der Skalp

eines toten Kindes

und da kommt

eine Frau, die sagt:

„Och, wie niedlich!“

und wirft ihm

neunzehn Cent

vor die Füße

TOBIAS ROTH (1985, München) studierte Literaturwissenschaften und Kunstgeschichte in Freiburg i.Br. und Berlin. Veröffentlichungen in Anthologien und Zeitschriften (u.a. Kalliope, Allmende, Zeichen&Wunder, außer.dem, Literatur in Bayern, Goethe-Jahrbuch) und im Internet (u.a. http://www.fixpoetry.com). Zahlreiche Auftritte bei Lesebühnen, PoetrySlams und Literaturfestivals. Organisation von Lesungen und Ausstellungen. Freier Musik- und Literaturkritiker (u.a. für http://www.klassik.com und Die Berliner Literaturkritik). 2008 2. Platz des Paula-Rombach-Preises für den Einakter Matroska (Gemeinschaftsarbeit mit Monika Koncz). Preisträger im Essay-Wettbewerb der Goethe-Gesellschaft in Weimar 2007 und 2009. 2010 Stipendiat des Mannheimer Mozartsommers, Nachwuchsautor der Literaturstiftung Bayern im Rahmen des Festivals LiteraturUpdate2010. Derzeit Stipendiat der Autorenwerkstatt Prosa des Literarischen Colloquiums Berlin.

Epitaph für Breguet und uns

vos, aeterni ignes, et non violabile vestrum

testor numen

– Aeneis, II,154

Mit dem Blick in das völlig leere Blau eines Himmels

Ziehen Winkel und Zahl über die Drehung herauf.

Bald ist die Nacht gepflügt und Tierkreise werden geerntet.

Diese Zeit soll herab, unter die Füße gelegt,

Zwischen die Stirnen gespannt, bis die Linien durch uns

Laufen, wieder Natur, der unser Beten gefällt.

Wilde, kreiselnde Frucht des Tourbillon: bei der Unruh:

Wo Zitronen noch blühn: dunkel Orangen noch glühn:

Ausgleich, der sich nicht hält: entgegen der luftigen Schwere:

Scharfe Gärung der Zeit: gegen den schwankenden Fluss:

Jeder Schritt in Grenzen der Genauigkeit abge-

Zählt: das Laufen des Kosmos mit den Händen erhofft.

Wenn ich den Ast in tote Erde stecke und plötzlich

Wächst der Flieder, wird Baum, Blüte und Wald, wächst die Angst.

Auf das Ixionrad, den Zirkel unter Ikonen,

Legt der ordnende Traum unsere Schläfen und singt

Von der Stille, die es nicht gibt, den Gestirnen.

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