Mehr zum KREUZWORT-Lyrikabend am Montag (08.11) im Schatzi Neuberg

4 Nov

Unser nächster KREUZWORT-Abend am Montag, dem 8. November steht ganz im Zeichen der Lyrik:

Zu unserer vierten Veranstaltung dürfen wir Ruth Johanna Benrath, Bettina Hartz, Birgit Kreipe und Simon Godart im Schatzi Neuberg begrüßen.

Wer sich diese grandiosen Gäste nicht entgehen lassen möchte, der kommt am Montag (08.11.) vorbei. Wir beginnen pünktlich um 20.30h im Schatzi Neuberg (Kottbusser Straße 13, zwischen den U-Bahn-Stationen Kottbusser Tor und Schönleinstraße). Der Eintritt beträgt 2 Euro.

UND NUN MEHR ZU UNSEREN GÄSTEN:

RUTH JOHANNA BENRATH (1966, Heidelberg) studierte Germanistik, Philosophie und Geschichte in Heidelberg. Danach arbeitete sie als Lehrerin und als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachbereich Geschichts- und Kulturwissenschaften und am Fachbereich Erziehungswissenschaften an der Freien Universität. Im Jahr 2001 war sie Endrundenteilnehmerin beim „open mike“ der Literaturwerkstatt Berlin. Im Jahr 2004 promovierte sie, danach wandte sie sich wieder dem literarischen Schreiben zu. Sie veröffentlicht in Zeitschriften und Anthologien und arbeitet an Kunstprojekten. 2007 erschien „Kehllaute“ (Lyrik und Kurzprosa) im Lunardi-Verlag. Im gleichen Jahr erhielt sie ein Arbeitsstipendium des Berliner Senats. 2008 folgten drei Arbeitsstipendien u.a. das Döblin-Stipendium der Akademie der Künste. 2009 veröffentlichte sie ihren Roman „Rosa Gott, wir loben dich“ im Steidl Verlag. 2011 wird ihr zweiter Roman „Bald Wimpern aus Gras“ im Suhrkamp Verlag erscheinen. Am 8. November wird Ruth Johanna Benrath Lyrik lesen.

SELBSTBILDNIS
für Elke Erb

ich kann lesen, ich kann
schreiben ich kann nieseln

meine Zungenklemme meine
Zungensperre meine Maulschraube

meine Augenkrume aus Salz und
Zucker, mein Traumzuckerchen

ich kann sitzen, meine persönlichen
Flöhe, meine Sitzhöcker

meine Mundart, balzend
meine Schluckaufe meine Vielstimmerei

mein Glühen mein Emporholen mein
Schwadronieren mein Ritt auf dem Delphin

mein Untertauchen mein Hervorschnellen

BETTINA HARTZ (1974, Berlin) studierte Germanistik, Musik- und Theaterwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin. Seit 1998 arbeitet sie als freie Autorin und Literaturkritikerin (u. a. „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“, „Die Zeit“, „Der Freitag“, „Literaturen“). Sie schreibt Drehbücher, Theaterstücke und Prosa, seit 2009 auch Lyrik. 2006 war sie Stipendiatin Prosawerkstatt des Literarischen Colloquiums Berlin. Literarische Veröffentlichungen im Lunardi Verlag sowie in Zeitschriften („Edit“, „plumbum“, „oda“). Derzeit arbeitet Bettina Hartz an einem Buch übers „Radfahren als Lebensform“ (DVA, Herbst 2011) und ihrem ersten Roman „Rot ist der höchste Ernst“. Diesen Montag wird sie Lyrik lesen.


TIERGARTEN- (GROSSER STERN)

Weiche weißgraugrüne Eichblattunterseiten wie
Wehtänze im Sechsachteltakt Großer Walzer vorm
Orientokzidentreichmirdiehandmeinbauchhände
hochmesserraustamburinhandynotruf ja Gott ist
mein Zeuge einigen wir uns auf Hammelfleisch
spieße gegrillt wenn die Grillen zirpen am Abend
Kindergeschrei und salam aleikum grüßt schöner
zurück im Dar al-Harb der Nachbar wie im Frieden
von Eisenburg der kein Frieden war nur ein Still
leben von Waffen zweischneidiger Diplomaten
geschenke für die Rüstkammern der Ungläubig
glaubenden die nackt im Gras die eigene Haut
rösten sowjetrot jeder sein eigener Selbstmord
attentäter mit Strandlaken und Kühltasche unter
den Augen der Nike vom Großen Sternenbanner
barfüßige Melek Heil dir werden wir Futur II ge
zeichnet sein Ölschiefer im goldenen Siegerkranzler
kostüm unter den sandigen Sedimenten der Spree

-FOTOGRAFIE

ich habe es alles hier sagt er und klopft auf die Kamera
ich habe es alles hier sage ich und klopfe gegen die Stirn

Osterglockengelb Narzissenweiß ich stelle mir vor
wie du dieser Tage durch den Tiergarten gehst
dein Garten im Hyazinthenblau

weißt du welcher Chip das Licht besser verwandelt
auf dem Weg in den Speicherkartenraum
mehrstufengefiltert
100 Synapsenterabyte von sensorisch-motorischen Feldern betört
abgelegt als passwortgeschützte Erinnerung
den verweigerten Zugriff lockert erst ein olfaktorischer
Bote der das Bild aus seiner Selbstumarmung löst
die Dunkelkamera beschickt mit chemisch-elektrischem Signal
das ins Wort verwandelt entwickelt fixiert auf Papier
sichtbar wird als schwarzweißer Weltabzug vom Leser self
kolorierte Kontaktkopie

BIRGIT KREIPE (Hildesheim) studierte Psychologie und Germanistik in Marburg, Wien und Göttingen. Seit 1994 arbeitet sie als Psychotherapeutin und Autorin in Berlin. Ihre Kurzprosa und Gedichte sind in vielen Zeitschriften und Anthologien erschienen (wie ostragehege, lauter niemand, mit Catherine Hales in washington square). Im Juni 2010 erschien als Einzelveröffentlichung wenn ich wind sage, seid ihr weg (fixpoetry – leseheft 20). Birgit Kreipe ist Mitglied im „forum der 13“. Sie wird am 8. November ebenfalls Lyrik lesen.

schneewittchen. revisited.

schneewittchen. das gute an ihr:

man kann sie vergiften

schütteln, sie wacht wieder auf.

mal tanzt sie auf sieben hügeln

dann löscht die nacht sie aus

wie man eine schneekugel

vom nachtisch fegt. da liegt sie.

die ganze weisse pracht

schmilzt wie pulver

und es ist wieder klar

wer die dunkle, strenge schöne ist.

aber ein morgen, irgendeiner

voller apfelnachbilder

voller kammhaare

und apfelreste

bringt sie zurück.

irgendwann.

solange liegt sie auf eis

sie passt zu uns:

man kann sie auftauen

und wieder einfrieren.

sieben kühlschränke

geben uns recht

ihre kehle ein bach

ihre zunge auf der zunge

wie guter wein

ihr herz, königinnenart

verdirbt nicht so schnell

SIMON GODART (1989, Saarburg) schrieb Reportagen und Kommentare in lokalen Zeitungen, nahm an Poetry Slams teil (Open Ohr Festival Mainz) und war Sänger und Gitarrist in Punk/Noise-Gruppen. 2008 zog er nach Berlin und arbeitete seitdem in zahlreichen Arbeitskreisen (u.a. „Von Ende zu Ende; Sonette“, 2010). Seit 2009 studiert er Philosophie und Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der FU Berlin. Seit 2010 veranstaltet er die Reihe „Dichterfest Junge Literatur im Vortrag“. Auch Simon wird am Montag Lyrik vortragen.
http://www.simongodart.com/

Sangwende.
Wiederkehrende Bänder, die
nur binden, niemals heilen.
Zwischen den Farnen
nach jeder Blüte
unter den Kräutern
ist eines, das stillt.

Wundsommer
endlich entkleidet, es
zeigt sich die Blöße
an längeren Tagen,
es geht, nach der Zählung, ein
Wachsen durchs Land.

Nachtschwärmer
sind auf der Flucht, so wie
du auf der Jagd bist.
Du zerrst deine Beute
an schneeweißen Zähnen
zur Heilung.

Südwinde
mäste sie an
deinem Atem
zu einem Orkan
der sich Weg bricht
durch mich.

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