Mehr zu unserem zweiten KREUZWORT-Abend am Montag (11.10.) im Schatzi Neuberg

7 Okt

Am Montag, dem 11. Oktober ist es wieder soweit:

Bei unserem zweiten Lesebühnen-Abend lesen Lutz Steinbrück, Milena Oda, Martin Spieß und Can Penstanli. Sie werden musikalisch von Charles Sammons unterstützt, der seine Zuhörer mit Cello und Kontrabass zu begeistern vermag.

Wer sich diese grandiosen Gäste nicht entgehen lassen möchte, der kommt einfach am Montag (11.10.) vorbei! Wir beginnen pünktlich um 20.30h (Einlass: 20 Uhr) im Schatzi Neuberg (Kottbusser Straße 13, zwischen den U-Bahn-Stationen Kottbusser Tor und Schönleinstraße). Der Eintritt erfolgt auf freiwilliger Basis.

UND NUN MEHR ZU UNSEREN GÄSTEN:

LUTZ STEINBRÜCK (1972, Bremen) schreibt Lyrik, Artikel für Print- und Onlinemedien über Kultur, Medien und Bildung und macht Musik mit der Indie-Rock-Band „Nördliche Gärten“. Einzelveröffentlichungen von Gedichten in Zeitschriften wie poet, Belletristik, Ostragehege und randnummer und in Anthologien wie Versnetze 3 oder Deutscher Lyrikkalender 2011. Im September 2008 erschien sein erster Lyrikband „Fluchtpunkt:Perspektiven“ im Lunardi Verlag (Berlin). Sein zweiter Band wird im Herbst 2010 im Verlagshaus J. Frank veröffentlicht.

http://www.poetenladen.de/lutz-steinbrueck.htm

Lutz kommt mit neuer Lyrik zu uns ins Schatzi Neuberg.

leicht gesagt

bitte nehmen Sie
ihr Leben doch
nicht zu persönlich

wenn da jeder kommen würde
wo kämen wir, Sie wissen schon

tagein und aus
solche Dinge in den Wind
wie deutsche Wirtschaft,
das Amen dieser Kirche

der Klang der irren Worte
die in Fetzen den Bürgersteig hinab-
wehen in Rätseln

türmen sie sich auf, neben
deinem Fahrrad, wohin
wollen sie denn wachsen
und für wen

ist dieser Tellerrand eine Option

 

 

 

MILENA ODA (1975, CZ) schreibt Prosa, Lyrik, Essays und Theaterstücke. In diesem Jahr wurde sie mit ihrem Theaterstück „Mehr als Meer“ zu „Neue Stücke aus Europa“ nach Wiesbaden eingeladen. Wettbewerbsteilnahmen (u.a. bei den 31. Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt) und Stipendien sowie Veröffentlichungen in Anthologien und Zeitschriften. Ihr Prosadebüt, das Künstlerbuch „PIQUADRAT“, erschien 2007 als bibliophile Ausgabe im Verlag Buchenpresse Dresden.

www.milenaoda.com, www.facebook/milenaoda

Milena wird an diesem Abend ebenfalls Lyrik lesen.

 

Als ob

Jetzt musst du zwischen diesen zwei Weinen nur einen für den Abend auswählen. Wähle einen aus, stoßen wir aufs Neue an… auf das Sein im Da, auf die Zukunft!

Das Gewitter kommt, kommt das Unwetter? Du, du machst es zugrunde, you are quiet but devastating storm! Mein Porzellanladen ist zerstört. Ich mache ihn zu, ich räume täglich nach deinem Besuch auf, aber es wird nie sauber, solange du da bist, als Besucher, als Gedanke…

Ich muss alles löschen.

Ich muss aufräumen!

Grob. Wer hat die Schlacht und wer den Krieg gewonnen?

Derb mache ich die Tür zu, obwohl du doch lieb bist, obwohl ich dich lieben könnte, das weiß ich, das weißt du, aber nicht so, vom Mund über den Tisch unter den Teppich kehren, dass alles gut ist, ist nicht! Man lebe sein Leben nicht wie ein Mythos von Liebe und Tot. Ich will wieder Leben lieben…

Vergessen, retten, was möglich ist, wenn ich lösche, als ob ich gegen dich stundenlang stünde.

Verwundet bin ich nicht, bereichert! Jetzt entrinne ich aber… vorher lächeln, als ob alles schön wäre…

Ja, nur den einen Wein genossen wir… Jetzt musst du einen anderen auswählen, man will sich nicht erinnern, der neue Geschmack der Weinsorte. Neu will man sein. Wir wehren uns, neu zu sein, es muss aber sein.

Nach dem Abend entrinne ich, berauscht tut man es schneller, das wissen wir schon…

Jahrhundertstunden sind verflogen, und ich bin immer noch nicht neu, man löscht die Gedanken, die vorher das Schöne hatten. Darauf bin ich stolz, ich tue es möglichst schnell, mit Vernunft, ohne Sentimentalität. Es sieht trotzdem wie ein Begräbnis aus.



MARTIN SPIEß (1981) schreibt Prosa und journalistische Texte u.a. für Literatur- und Musikzeitschriften. Seit Sommer 2008 macht er deutschsprachigen Indie-Pop-Rock als „VORBAND“. „So weit bin ich noch nicht“ ist sein erstes Buch.

www.martinspiess.com

Martin hat für KREUZWORT sein erstes Buch „’So weit bin ich noch nicht’. Eine-Heath-Ledger-Geschichte“ im Gepäck.

 

Zum Inhalt (Zitat: Birnbaumverlag):

Alles begann mit einer Zigarette. Julie wollte nur kurz zu dem kleinen Kiosk, runter auf die Straße gehen, Zigaretten kaufen. Dass direkt vor ihrem Toilettenfenster ein Film gedreht wird, interessiert sie nicht. Ohnehin lag Mary, ihre Mitbewohnerin, ihr schon ständig in den Ohren, wegen dieses Jungschauspielers aus Hollywood. Sie verstand diesen Hype nicht – noch nicht.

Als sie rauchend rüber zum Filmset schaute, passiert es – ER spricht sie an und fragt, ob er eine Zigarette bekommen könne. Da rauchen sie, reden ein bisschen. Am nächsten Tag die gleiche Szene. Julie, diesmal hat sie Mary mitgebracht, und er stehen auf der Straße und rauchen Zigaretten. Abends sitzt er in ihrer kleinen Küche, sie essen Pasta, trinken Wein, unterhalten sich fast wie alte Freunde. Es ist ein schöner Abend. Vor allem er genießt die Atmosphäre. Irgendwann geht er nach Hause, schließlich muss er am nächsten Tag seinen Flieger nach New York bekommen.

3 Tage nach ihrer ersten Begegnung versteht Julie „die Skurrilität der Situation, die Sprachlosigkeit, die die Präsenz eines Hollywoodstars auslöst“. Es ist Dienstag, der 22. Januar 2008 als sie von dem Tod des Schauspielers erfährt. Kaum, dass eine fast freundschaftliche Beziehung begonnen hatte, fand sie bereits ein jähes Ende. Nun stehen Julie und Mary vor der unbeantworteten Frage, die sich zwangsläufig all denen stellt, die die jemanden an den Tod verloren haben: Was nun?

 

 

 

CAN PESTANLI ist Mitglied im Lyrikzirkel „g13“. Schrieb in der Schweiz für das Theater und arbeitet nun an seinem ersten Buch.

http://gdreizehn.wordpress.com/

Am Montag wird er Lyrik lesen.

 

* * * behlül amcama

Als ich in der Küche stand unter Neonlicht begann das Gedicht

nebenan saßen die Hühner von Mohammed (so nennt mein Vater sie)

mein Brief vor drei Jahren schaffte es nicht bis zu Post

ich versuchte das mit der Familie genau zu sagen

aber später verschwand er unter Papieren, diesmal nicht

deine Adresse hat sich zwar grundlegend geändert, aber Menschen fliegen, Wörter

fliegen

du bist im Oktober abgehoben, die Umgebung von deinem Herzen wurde zu eng

daraufhin bist du gegangen

die Notärzte wollten noch deinen Pass sehen

man weiß ja nie, das Herz eines Illegalen?

hätten sie gewusst, dass du deutsche Panzer gebaut hast, ihre Gesichter

wären so rot geworden wie ihre Jacken

– ab dann war es still

der Fernseher lief weder im Wohnzimmer noch in der Küche

die letzten vier Tage bist du bei demselben Sender geblieben, er hieß

bleiben sie bei uns, nehmen wir an, das sie gehen möchten

der Indikator, ein ziehender Schmerz im linken arm

hat dir nichts gesagt, so was wie eine Bildstörung wahrscheinlich

oder du warst erleichtert, endlich der passende Sender, nicht mehr umschalten

die ganze Anlage im Wohnzimmer war neu, der neue LCD-Fernseher

die Recorder, die Boxen und auch die Schrankwand

in der Vitrine standen die Gläser auf weißen Servietten

in der Mitte vom Wohnzimmer saß auf dem Thron die Mutter

neben ihr die Köpfe der Neugeborenen groß ist mein Glück, in ihm habt ihr Platz

aus diesem Reich führen nur wenige Wege, der Rest ist Schweigen

oder ein verlorener Kopf, oder mehrere, der Rest ab dem Hals ein Freund von damals

das Losungswort der Vererbung, vielleicht kann man auch das aussitzen

das könnte möglich sein, wenn der Himmel ohne Rührung steht

oder man kann gehen, nach dem 7. Spieltag, wenn es auf dem Sofa nicht mehr geht

vor ein paar Jahren, beim Abschied nach einem Besuch, war deine Stimme anders

als hättest du sie mir ins Ohr gelegt

und dann leuchtete mir ein, warum dich deine deutschen Panzerbrüder Billy nannten

(die Gewerkschafterin erzählte das am Grab) Billy schützt und Billy meint es gut

insgesamt war ich eine Woche bei euch bzw. bei uns

und öfters fiel der Satz, Blut ist dicker als Wein, was heißen sollte, wir

hier, um den Sofatisch versammelt, sind in der Umlaufbahn desselben Blutes

also am gleichen Tropf, was heißen sollte

es gibt auch andere Geschichten, für Bier und Wein

aber das hier, auf der Couch, ist der Stamm

und dann kam mir Nietzsche in den Sinn (er wird auch hier geschätzt)

Man ist am wenigsten mit seinen Eltern verwandt, heißt es bei Ecce Homo

wie passt das zusammen mit dem Blut?

was geht mich das an, ich lebe heute!

wäre wahrscheinlich die Antwort gewesen (was sehr nach Nietzsche klingt)

du hast am Ende eine andere Umlaufbahn gewählt

auf der Suche nach neuen Vätern wahrscheinlich

was will ich dir sagen?

einen guten Rutsch, natürlich

und aufgewärmte Muskeln, beim Sprung von Mars zu Jupiter


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